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Erotische Literatur: wirklichkeitsnah oder reine Fantasie?

Die Figur in die Situation bringen: nichts ist real, außer den Gefühlen

Die Frage, ob erotische Literatur „wirklichkeitsnah“ geschrieben werden sollte oder ob sie von vornherein auf die Erweckung der sinnlichen Lüste ausgerichtet sein muss, ist nicht unbedingt neu. Die ernsthafte Autorin, die sich auch mit anderen Themen beschäftigt, versucht stets, die Details glaubwürdig zu halten. Wie lange benötige ich von Heathrow nach Wimbledon? Reicht das für ausgiebigen Sex auf dem Rücksitz? Wie lange muss ein Mann durchschnittlich warten, bis er nach einem heftigen Samenerguss eine zweiten bekommen kann? Wie fesselt man einen Partner so, dass er sich voraussichtlich nicht verletzt? Was fühlen Frauen und Männer beim Analverkehr, und wo liegen die Unterschiede? Kann man eine „Analjungfrau“ mit einem Dildo von 25 mm Durchmesser penetrieren?

Wer all dies bedacht hat, kommt unweigerlich an seien eigene Moralschwelle: „Wie weit würde ich gehen?“ Dabei hat jeder Autor im Hinterkopf: „Meine Figur muss tiefer in die Lust eindringen als ich.“ Und doch hat auch die Figur Grenzen. Eines der Probleme: Erotik-Autorinnen (und Autoren, selbstverständlich) können so gut wie nie jemanden fragen, wie „es wirklich geht“ oder „wie er wirklich fühlt“. Das führt zu skurrilen Ergebnissen, gerade bei Schilderungen des Analverkehrs. Da muss das Harte in das Weiche, das gefälligst weit offen zu sein hat, und man möge sich dann bitteschön freuen, wenn irgendein Ding in den Enddarm eindringt – ohne Gleitmittel.

Man hätte ja mal jemanden fragen können. Und in diesem Fall plädiere ich dafür, dass die Szene realistisch dargestellt werden sollte, weil Liebe eben etwas mit Rücksicht gegenüber dem Partner zu tun hat.

Fragt sich, wie Autoren damit zurechtkommen, mit gespaltener Seele zu schreiben. Wenn die Figuren auf den Weg in die Wollust geschickt werden, so werden sie Situationen erleben, die ihre Marionettenspeiler im Hintergrund niemals erlebt haben. Ein Peitschenhieb in den Schritt? Daran mag niemand denken – und woran niemand wirklich denken mag, das sollte er nicht in eine Liebegeschichte hineinschreiben. Anders wäre es, wenn dergleichen in einem Kriminal- oder Agentenroman vorkäme. Also schicken wir unsere Figuren besser in heftige, schmerzliche oder feuchte Abenteuer, die bei der Leserin jenes Zucken im Schritt erzeugt, das nicht von Hieben herrührt.

Erinnern wir uns: Es kommt nicht drauf an, dass eine Szene tatsächlich so stattfinden könnte, sondern es kommt darauf an, wie nahe sie der Leserin geht. Ich erinnere mich an den Satz einer Autorin, die sagte: „Du musst deiner Leserin das Gefühl geben, eine Sklavin zu sein, die auf einem Sklavenmarkt völlig entblößt den Gaffern dargeboten wird.“ Und tatsächlich ist es so: Kein Hieb wirkt so schmerzhaft wie eine entwürdigende Zurschaustellung.

Die geheimen Emotionen unser Leserinnen sind scharf auf Herausforderungen – nicht auf Alltäglichkeiten. Und Herausforderungen finden zumeist dort statt, wo die Grenze zur Realität überschritten wird. Und eben weil das so ist, darf ihre Figur knöcheltief im Sündepfuhl waten, sich daran freuen und sich dessen schämen. Wobei wir zurück in der Realität wären. Erst, wenn Sie sich im Grunde schämen, ihre erotische Geschichte SO geschrieben zu haben, wird sie jemand mit Genuss lesen.

Warum Sie unterwürfigen Heldinnen den Laufpass geben sollten

Wer ist devot, wer herrscht?
Genug ist genug. Wirklich. Wenn das tausendste Mäuschen von einem prächtigen Kater verputzt wird, nachdem dieser ein gar grausiges Spiel mit ihren Emotionen durchgeführt hat, wird es Zeit, das Thema zu wechseln. Good bye, SoG. Good bye, Mr. Grey, und nicht zuletzt, Good bye, du doofe Anastasia, die darauf hereinfällt, durch schickes und schmervolles Vögeln zur besseren Gesellschaft auszusteigen.

Nein, nein, nichts gegen das Thema. Es verstärkt allerdings die typischen Klischees: Männer hart, fordernd, gewaltbereit und unnachgiebig. Frauen hingegen weich, devot, fügsam und gegen ihren Willen Hingabe simulierend. Angeblich – das Behaupten jedenfalls Psychologen, wird damit ein falsches Weltbild vermittelt – falls es überhaupt möglich ist, durch Soft-Pornos Weltbilder zu verändern.

Natürlich glüht bei mancher Leserin das Hirn, die Augen weiten sich - und bei vielen Frauen beginnt dann der Unterleib zu zucken. Die Frage wäre: Muss die Heldin dazu unterwürfig sein?

Der erotische Reiz bleibt – egal, wer dominiert

Muss sie nicht. Denn Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass es für den erotischen Reiz keine Rolle spielt, ob der Mann dominant ist oder die Frau – es funktioniert sogar dann, wenn beide wechselseitig dominant sind.

Dazu schreibt das Magazin FUSION:

Ein weiteres interessantes Forschungsergebnis besteht darin, dass alle drei (… SM-Geschichten auf die Teilnehmer der Studie …) in gleicher Weise erotisch wirkten. Das ist wichtig, denn es bedeutet, dass es Platz Raum auf dem Markt der Erotik- und Liebesromane gibt, die andere Geschichten erzählen, einschließlich solcher, die keine negativen Seiteneffekt für (das Bild der) Frauen fortschreiben.


Nehmen wir mal den Genderismus aus dem Satz heraus, so heißt das: Sexuelle Lust kann aus verschiedenartigen SM-Geshichten erzeugt werden – es ist nicht nötig, dass die Frau unterwürfig ist.

Wenn wir die Psychologen, Soziologen und andere Klugschwätzer einmal vergessen: Worauf kommt es denn nun an?

Dominanz erregt – und sie macht gegebenenfalls geil

Vor allem drauf, Erregung zu erzeugen. Szenen mit erotischer Dominanz sind so gut wie immer erregend, gleich, wer dominiert. Ein gutes Beispiel dafür ist die gleichgeschlechtliche Dominanz unter Frauen, die beide Geschlechter erregt.

Bisher wurde angenommen, dass Geschichten über dominante Frauen nur Männer ansprechen, die nach Unterwerfung lechzen. Wäre es so, so gäbe es so gut wie keine Leserschaft für Liebes- und Softerotikromane mit derartigen Inhalten, weil diese fast ausschließlich von Frauen gelesen werden. Doch mehr und mehr zeigt sich (wie auch die Forschungen bestätigen): Die Lust an der Dominanz ist teilbar, und ebenso die Lust an der Unterwerfung. Offenbar identifizieren sich Frauen auch dann mi der Heldin, wenn sie eher oder ausschließlich dominant ist – vorausgesetzt, das Ganze geschieht innerhalb einer erregenden Liebesgeschichte.

Zwischenbereiche: wo Geschlechtergrenzen nichtig sind


Im Grunde wissen dies alle, die sich mit erotischer Literatur beschäftigen. Sobald eine „Sissy“, ein weiblicher Transvestit oder eine „Shemale“ eingeführt wird, verschwinden die Geschlechtergrenzen – das war schon so bei dem berühmten Buch „Gynecocrazy“ (Weiberherrschaft) so, das im 19. Jahrhundert verfasst wurde. Interessant scheint dabei zu sein, wer sich wie und wann mit welcher Rolle identifizieren kann, sei es mit dem Jüngling in Frauenkleidern – der Verführerin im Smoking oder der schillernden Person mit Penis und Brüsten, die alle zum Narren hält. Da wir ja im Roman keine konkreten Bilder sehen, kann sich jeder unter allem nahezu alles vorstellen – zumal, wenn die Autorin nicht sofort offenbart, wer mit wem was getrieben hat.

Das Gender-Thema wäre müßig, wenn es nicht so strapaziert würde. Ein nackter Hintern ist ein nackter Hintern – egal, ob sich eine Frau oder ein Mann daran zu schaffen macht. Die rein emotionalen Empfindungen der Submissiven beiderlei Geschlechts sind durchaus ähnlich – wer wollte da noch einen Unterschied konstruieren?

Im Grunde muss man es wohl so sehen: Die Leserin versucht, sich entweder in die dominante oder die unterwürfige Person hineinzuversetzen – und nicht ausschließlich in das „passende“ Geschlecht. Und aus einer der beiden Personen wird sie auch ihre Lust beziehen, die sie beim Lesen erfährt.

Die echte Liebe und die Wollust – alles unter einem Hut?

Erotische Fantasien überlagern oft die romantische Liebe
Möglicherweise werden Sie sagen: “Die echte Liebe kommt in Liebesromanen doch gar nicht vor.“ Dann sagen sie vermutlich die Wahrheit, aber eine sehr unerwünschte Wahrheit. Fragen wir uns, was vorkommt, dann sind es diese Komponenten, die alle mit "Liebe" in Verbindung gebracht werden:

1. Verliebtheit.
2. Freude am Zusammensein.
3. Lust auf den Körper des anderen.
4. Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.
5. Erfüllte körperliche Liebe.

Wie allgemein bekannt, darf die Liebegeschichte nicht zu glatt ablaufen, sonst verliert sie die Spannung. Also bauen Sie ein paar Lockfallen ein, in die entweder ihre Figur oder der ersehnte Liebhaber hereintappt – und damit erzeigen Sie nicht nur Spannung, Zweifel und Eifersucht, sondern können auch ein paar sehr lustvolle erotische Szenen einbauen. Wie Sie aus vielen Büchern und Filmen wissen, muss es dabei nicht immer „zum äußerten“ kommen – Sie können ihre Leserinnen durchaus im Zweifel lassen, was wirklich „in jener Nacht geschah“, bevor Ihre Leserin neugierig das nächste Kapitel aufschlägt.

Wenn Sie sehr nahe an der Jetztzeit schreiben, kann ihre Figur durchaus versuchen, zwischen Sex und Liebe zu trennen und während der Zeit, in der sie unsicher über die Beziehung ist, erregende sexuelle Abenteuer bestehen. Die sexuelle Beziehung kann auch durchaus „schräg“ sein, also beispielsweise spontan entstehen und in einen OSN münden. Sie kann zu einem alten oder jungen Mann aufgenommen werden, und der Partner kann ledig oder bereits liiert sein. Falls Ihre Heldin wenig Kontakte hat und sehr sinnlich-romanisch ist, kann ihr Sexpartner auch durchaus weiblich sein.

Wichtig ist, dass Sie einen Hauch der Unverbindlichkeit über die sexuell geprägten Beziehungen legen. Sie können durchaus beschreiben, dass ihre Figur mit einer Zufallsbekanntschaft das Bett teilt und nach dem Geschlechtsverkehr an den eigentlichen Helden denkt, dem sie sich bisher aber sexuell verweigerte.

Ihre Figur muss durchaus nicht immer „jung, ledig, schön und naiv“ sein. Weitaus interessanter sind die plötzlichen Eskapaden einer verheirateten Frau, einer Frau über 40, einer erfahrene Frau, die Freude daran hat, ihre Künste weiterzugeben, oder einer eher unschöne Frau, die Männer auf andere Weise an sich zieht.

Das Thema ist sicher nicht neu: Auf der einen Seite lauert die Verführung mitsamt der Wollust, die damit verbunden ist, auf der anderen Seite die Sicherheit und die Verbindlichkeit der stillen bürgerlichen Existenz. Ihre Leserin wird sehr gespannt darauf sein, in welche Richtung sich ihre Figur wenden wird. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist sie selber in der Situation: Vanille-Sex, immer seltener und lustloser, und Träume voller erotischer Wollust, die sie sich weder zugibt noch durch Masturbationsfantasien erfüllt. Sie hat nur Ihr Buch – und es zu lesen, bringt sie wenigstens zu emotionalen Höhepunkten.

Ich hoffe, Sie haben hier ein paar Ideen für Ihr neues Werk gefunden. Wenn ja, empfehlen Sie diese Seite bitte weiter, wenn nein, dann sagen Sie uns, was wir besser machen können.

Bild: ungenannter Künstler des 19. Jahrhunderts.

Für Erotik-Autorinnen: die Lust daran, eingesperrt zu werden

Die Betrachtung des zu Objets


Eigentlich ist es keine wirkliche Lust, sondern eine Form der Unterwerfung, in der sich eine Person völlig in die Gewalt einer anderen begibt. Obgleich die Situation aus der erotischen Literatur wie auch aus zahllosen Kriminalromanen recht bekannt ist, weiß kaum jemand, wie er sie beschreiben soll.

Wie so viele erotische Spiele erzeugt auch das „Gefangennehmen“ und „Einsperren.“ Zwiespältige Gefühle zwischen Furcht, Ausgeliefertsein, umhegt zu werden und sinnlicher Lust auf den Körper des Anderen.

Deutliche Trennung zwischen Realität und Fantasie einhalten

Zu beachten ist dabei, dass wir zwischen Realität, Fantasie und Spiel unterscheiden müssen. Ein Mensch, der längere Zeit eingesperrt ist, ist immer gefährdet, auch wenn er sich nichts sehnlicher wünscht, als abhängig zu sein. Im Bereich der SM-Lüste ist daher, wie bei der „Dunklen Erotik“ generell, eine deutliche Linie zu ziehen zwischen dem, was sich in der Fantasie abspielt und dem, was in der Realität technisch, physisch oder emotional möglich ist.

Emotionen haben Vorrang

Da Emotionen in der erotischen Geschichte stets die Hauptrolle spielen sollten, ist die Frage: Wie fühlt sich derjenige, der eingesperrt ist? Bei manchen Autorinnen und Autoren werden Jugenderinnerungen wach: Wurde man nicht tatsächlich dann und wann in Keller, Abstellraum oder Waschküche eingesperrt? Selbst die mildeste Form, der Stubenarrest, hat etwas von Gefangenschaft, wenngleich hier genügend „Auslauf“ besteht. Der „Gefangene“ wünscht sich nicht nur, frei zu sein. Er ist vielmehr dankbar für jedes Gespräch und jede Hand, die sich ihm entgegenreckt. Sie können diese Gespräche, vielleicht gar Flirts oder Hautkontakte bestens in Ihre Geschichten einbauen. Ihre Figur wird einerseits dankbar Hautkontakt suchen, um sich dann wieder vor ihnen zu fürchten. Das ergibt hervorragende Stilmittel im erotischen Roman – es ist ja gerade der Konflikt zwischen dem ausgeliefert sein und dem umhegt sein, der diese Schilderungen so plastisch werden lässt.

Psycho oder nicht?

Wenn Sie die Sache psychologisch angehen wollen, dann werden Sie sich erinnern, dass ein Kind nichts mehr fürchtet, als verlassen zu werden. Ich warne persönlich davor, immer wieder die psychologischen Klischees der Kindheit zu benutzen, sondern sich auf die tatsächlich existierenden Gefühle in der der Erwachsenenwelt zu konzentrieren. Es kann aber nichts schaden, etwas über die Zusammenhänge zu wissen.

Wenn sie sich in Rollenspielen nicht besonders gut auskennen, sollten sie wissen, dass Realität und Fantasie bei Rollenspielen ineinander übergehen. Das heißt, der Gefangene fühlt sich nicht nur in der Rolle des Gefangenen, vielmehr „lebt“ der Rollenspieler in der ihm zugedachten Rolle des Gefangenen und empfindet tatsächlich die Furcht und das Ausgeliefertsein. Wie Sie sicher wissen, schärfen sich die Sinne, wenn wir mit uns allein sind, und diese Tatsache kann noch heftig ausgespielt werden.

Sie haben in Ihrer Schilderung die Möglichkeit, das Gefangensein zu verschärfen, indem Sie Sinnesentzug (Dunkelheit) oder Sinnesverwirrung (unbekannte Geräusche, Schritte, falsche Schläge der Uhr) einbringen. Denken Sie auch an ganz profane Ängste, wie einen starken Handrang, den ihre Figur nicht dauerhaft auf „anständige Art“ loswerden kann.

Erotisch ergibt sich die Möglichkeit, dass sich ihre Figur beispielsweise durch die Käfigstäbe hindurch stimulieren lässt. Auf ähnliche Weise kann allerdings auch Furcht erregt werden.

In einer glaubwürdigen Beschreibung des erotischen Eingesperrtseins können wir lesen (1)

Psychologisch gesehen sind Käfige ein mächtiges Werkzeug. Die … (Männer) … mögen mit einer gelassenen Einstellung in den Käfig gehen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass sie nach einiger Zeit die tatsächliche Funktion des Eingesperrtseins empfinden, und sie erkennen, dass ihnen die Freiheit und die Würde genommen wurden. Je länger sie dort verharren, umso wirksamer wird diese Lektion. (Die Herrin …) wird dann zu ihrem Universum. (Sie) ist die einzige Quelle, um die Freiheit wiederzugewinnen, Nahrung und Getränke zu erhalten (… und zu kommunizieren). Es ist eine sehr intensiv wirkende Erfahrung, und sie kann eine unglaubliche Bindung (an die Herrin) erzeugen.


Bleibt eigentlich nur noch zu fragen, wie es mit der Gegenseite aussieht. Deren Gefühle sind wesentlich schwieriger zu beschreiben. Im Allgemeinen genießen die Damen und Herren der „anderen Seite“ ihre Macht, die sie im Zweifel ja tatsächlich (also nicht nur spielerisch) hätten.

Eine Frage, die oft gestellt wird, ist die, ob die Rollen geschlechtsspezifisch sind. Dies kann getrost verneint werden, denn die Rolle des/der Unterwürfigen ist bei Frauen wie bei Männern sehr beliebt, und man kann erwarten, das beide Geschlechter in der Situation ähnliche Gefühle hegen. Die Rolle des „Wärters“ wird leider viel zu oft mit der eines Mannes assoziiert, der Macht über Frauen ausüben will und daraus Lust gewinnt. Viele Beobachter meinen aber, dass Frauen den größeren Gewinn aus der Rolle der Dominanz ziehen würden, die ihnen „Schübe der Macht“ verliehe, wie es auf einer einschlägigen Webseite heißt.

(1) Die Quelle ist dem Autor bekannt, eine Verlinkung findet bewusst nicht statt. In der Übersetzung wurden einige Worte ausgetauscht und durch allgemeinere ersetzt.
Bild nach Montorgueil aus "Barbara"

Schreiben: Sex-Kitsch oder Härte?

Wer alles schreiben kann, der mag wechseln zwischen einem spermafreien Liebesroman, einer Muschisaft tropfenden Sex-Kitschgeschichte oder der gewissen Härte, die der wirklichen Erotik-Literatur die Schärfe verleiht. Wer allerdings mit Herzblut und bebendem Unterleib schreibt, der tut besser daran, sich gleich mit etwas mehr Pfeffersoße auszustatten.

Bei den härteren Geschichten teilen die Beteiligten – wie im richtigen Leben – zwar die Begierde nach erregenden Orgasmen, aber die Paare liegen zu Anfang nicht auf der gleichen Linie. Das heißt zumeist: Einer verführt den anderen weder bei vollem Bewusstsein, noch tut er/sie es gegen den Willen des anderen. Das ergibt den Stoff, aus dem lustvolle Konflikte entstehen – und damit vermeiden Sie die Suche nach immer neuen Situationen, in denen das Harte mühelos ins Weiche flutscht.

Wer, wie man so sagt, Blümchensex („Vanilla Sex“) beschreibt, gerät schnell in emotionale Zwickmühlen und verfällt dem allseits bekannten Wortmangel. Was sind denn „wirklich schicke Orgasmen“, wie beschreibt man sie? Und wann und wo fanden sie eigentlich statt? Sich beim Sex mal so richtig fallen lassen oder auspowern? Nun haben Sie noch vage Erinnerungen? Selbst, wenn solche Ereignisse noch nicht lange zurückliegen, ist es schwer, sie in Worte zu fassen, ohne alle Klischees durchzugehen, die es darüber gibt.

Nachdem ich dies gesagt habe, was sollten Sie also tun?

10 Vorschläge, Ihrer erotischen Geschichte Pfeffer einzublasen

1. Überhöhen und/oder vertiefen Sie die Realität.
2. Stellen Sie die Konflikte der Frau dar, „brav“ zu sein oder sich ganz der Lust hinzugeben.
3. Führen Sie einige Fantasien ein, die Ihre Figuren vor dem Sex, während der sexuellen Aktivität oder danach befällt.
4. Lassen Sie geschlechtsuntypische Persönlichkeiten, Handlungen und Praktiken zu. Kurz: Entwerfen Sie ihre Männer weicher und Ihre Frauen härter.
5. Seien Sie fantasievoller beim Oralsex. Die meisten Beschreibungen sind schrecklich öde.
6. Lassen Sie sich von ihren eigenen Instinkte und verborgenen Wünschen leiten, und lassen Sie genau diese durch Ihre Heldinnen verwirklichen.
7. Gehen Sie gegebenenfalls in die tiefsten Abgründe ihrer Psyche. Statten Sie Ihre Heldinnen mit dem Profil aus, vor dem Sie sich selbst fürchten.
8. Nutzen Sie eines der traditionellen Elemente erregender Literatur: fremde Menschen, von denen Faszination und Gefahr ausgeht.
9. Wählen Sie einsame oder ungewöhnliche Orte aus, an denen sich Furcht mit Lust paart.
10. Lassen Sie ihren Figuren Freiheit, Freiheit und nochmals Freiheit. Sie dürfen alles, was Sie für sich selbst abgewählt haben.

In der Dunkelheit lauern Lust, Leidenschaft und Abenteuer. Im rosa Schlafzimmer mit Plüschteddy, weißem Nachthemd und Himmelbett eher nicht.