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Vielversprechende erotische Themen (33): Gefangen sein

Von jemandem „gefesselt zu sein“ hat eine Doppelbedeutung, die auch auf den Begriff „gefangen zu sein“ zutrifft. Nutzen Sie das Thema, um ein raffiniertes psychologisches Spiel zu beschreiben.

In diesem Spiel ist ihre Protagonistin in doppelter Weise gefangen: einmal, indem sie von einem „schwarzen Ritter“ fasziniert ist, zum anderen, indem dieser sie tatsächlich gefangen hält. Sie müssen aber nicht bis ins Mittelalter zurückgehen – ein Mann im Nadelstreifenanzug in einer Villa mit mehreren Zimmern reicht völlig. Wie in so vielen fantastischen Romanen, aber auch in den bewusst so angelegten erotischen Romanen, erzeugt die gleichzeitige Bindung an die guten Seiten wie auch an die schlechten Seiten die Spannung.

Dabei lassen sich folgende bekannte Effekte nutzen:

1. Der Schlüssel, der angeblich an einem verborgenen Ort liegt, ist in Wahrheit im Hirn: Ihre Heldin ist die Gefangene ihrer selbst.
2. Das Stockholmsyndrom: Auf Dauer sympathisiert Ihre Heldin mit dem Mann, der sie gefangen hält.
3. Verstrickungs-Geschichten: Der Ausbruchversuch ist machbar, führt aber lediglich in eine neue Sackgasse.

Alle drei Varianten erfordern ein gewisses Einfühlungsvermögen und vor allem viel Fantasie. Die Geschichte kann ebenso gut mit einer „bösen Hexe“ wie mit einem „schwarzen Ritter“ ausgespielt werden. Vom Märchen über den Krimi bis zur Science-Fiction-Story finden Sie Vorbilder in Hülle und Fülle.

Die „Gretchenfrage“ bei diesem Thema ist immer: Was hat derjenige, der ihre Heldin/Ihren Helden gefangen nimmt, am Ende mit ihr/ihm vor? Was hält sie/ihn an dem Ort Ihres „Goldenen Käfigs“? Wann und wie versucht sie/er zu entfliehen? Fall sie/er entflieht, wird ihre Situation besser oder schlechter? Und wie erfolgt die Befreiung? Per Zufall? Aus dem inneren Selbst heraus? Durch die Person, die Held oder Heldin gefangen nahm? Durch einen gutherzigen oder bösartigen Dritten?

Wichtig ist der Ort, an dem alles geschieht. Eine Villa, ein Landhaus, ein Schloss, ein Schiff, ein unterirdisches Labyrinth, ein geheimer Harem? Eine Sektierersiedlung, ein Tempel oder eine Psychogruppe? Indem Sie den Ort festlegen, legen Sie zugleich die möglichen Varianten fest.

Vorschlag:

Eine junge Frau, die von einem Fremden fasziniert ist, folgt ihm ohne Zögern in sein Haus, einer alten, alleinstehenden Villa. Als sie aufwacht, ist ihr nächtlicher Lover verschwunden, der Kühlschrank aber reich gefüllt. Die Fenster sind fest verschlossen und schalldicht. Nahezu alle Türen lassen sich öffnen, aber keine führt nach draußen. Sie gerät in Panik, weil einige der Türen zufallen und sich von der anderen Seite nicht wieder öffnen lassen, doch am Ende findet sie stets in den Raum zurück, aus dem sie aufgebrochen ist. Indessen kann ihr Liebhaber erscheinen und verschwinden, wann er will, und wenn er anwesend ist, vergisst sie, seine Gefangene zu sein. Als er mehrere Tage nicht erscheint, und die Vorräte zu Ende gehen, drückt sie die Klinke einer der Türen, die bisher in die hauseigenen Labyrinthe führten, und findet einen lichthellen Gang vor, der sie nach außen leitet. Sie sieht eine Bushaltestelle, steigt in den nächsten Bus, und fährt nach Hause.

Ich denke, diese Variante ist sehr romantisch und geheimnisvoll. Die Geheimnisse müssen nicht aufgelöst werden. Wenn Sie einen Roman schreiben wollen, finden Sie in den Episoden von „The Prisoner“ („Nummer Sechs“) zahllose Anregungen.

Relevanz:

Interessierte Frauen: Sehr groß, je nach Ausgang und Behandlung der Heldin aber unterschiedlich. Romantische Elemente helfen bei der Akzeptanz.
Interessierte Männer: Groß, jedoch darf die Geschichte, wenn sie für Männer geschrieben wird, nicht zu märchenhaft oder romantisch sein.


Schreib-Erfahrung:
Für Fortgeschrittene und Schreib-Profis, passt in Profile von Autorinnen, die ohnehin gerne mit dem Thema "der Fremde" arbeiten.
Form:
Episoden, Novellen und Romane.
Recherche, Kenntnisse:
Viel Fantasie, etwas Einfühlungsvermögen.
Erotische Wahrnehmung:
Alles ist möglich - zwischen "romantisch" und "herausfordernd".

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