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Die Absicht beim erotischen Schreiben

Bei allen Hinweisen, die ich Ihnen zum erotischen Schreiben gab, habe ich etwas vorerst bewusst ausgenommen: Ihre Absichten.

Erotische Literatur wird aus vielen Gründen geschrieben, und ich zähle Ihnen hier einige davon auf:

1. Als lebensnaher Ausflug in die sexuelle Welt von Personen, die auch aus anderer Perspektive geschildert werden.
2. Um die Erlebnisse eines Liebespaars plastischer und realistischer darzustellen.
3. Um die Neugierde der Leserinnen und Leser auf (meist ungewöhnliche) sexuelle Praktiken zu stillen.
4. Um Lüste und Sehnsüchte, die in der Realität nicht erfüllbar sind, wenigstens durch das Kopfkino zu befriedigen.
5. Um Wollust und Geilheit zu erzeugen.

Selbstverständlich muss keiner der Punkte isoliert für sich stehen, sondern kann in verschiedenen Varianten in einem einzigen literarischen oder profanen Werk vorkommen. Dennoch steht hinter jedem literarischen Versuch ja zunächst ein Motiv, an dem sich die Autorin oder der Autor orientiert.

Erotische Literatur im Internet - meist schlechtes Vorbild

In der erotischen Literatur, die im Internet verbreitet wird, überwiegen eindeutig Geschichten, die sich im Bereich der Fantasie innerhalb eines äußert begrenzten Themenbereichs abspielen. Man liest von Institutionen, in denen Nacktheit obligatorisch ist, von Fetischen, Dreiern, Partnertausch oder Orgien und schließlich gar von Körperstrafen, die von Mal zu Mal verschärft werden. Übersteigen sie den Rahmen einer Kurzgeschichte, so wird ihnen zumeist dadurch Spannung eingehaucht, dass Episoden aneinandergereiht werden, die sich inhaltlich kaum unterscheiden. Diese Art des Erzählens schließt in der Regel aus, sich ausführlich mit der Person, ihren heftigen Emotionen, Lüsten und Ängsten zu beschäftigen. Die Heldin oder der Held wird sozusagen von Episode zu Episode geschleust, und das einzige Spannungselement ist: „Wird es am nächsten Tag (beim nächsten Treffen) noch heftiger zugehen?“

Eine erotische Alternative zu Internet-Episoden

Interessanter wäre, eine kurze erotische Entwicklungsgeschichte zu schreiben, in der es entweder mehrere Akteure oder eine Vielfalt von Situationen gibt, die alles von „schauderhaft empfunden“ bis „mit höchster Lust genossen“ enthalten. Ihre Heldin oder ihr Held kann zum Beispiel an jeder Episode lernen und bei nächster Gelegenheit auch bereits versuchen, das Erlernte weiterzugeben. Auf diese Weise wird Ihre Geschichte die wesentlichen Themen befriedigen, nach denen die Neugierige, aber permanent „untervögelte“ Leserin sucht. Um es noch einmal zu sagen (ich schreibe es häufiger): Die Leserin muss sich nicht in allen Episoden persönlich wiederfinden, aber einzelne Szene sollten sie doch so „packen“, dass sie sich selbst in der Rolle der Heldin fühlt.

Schreiben, um sexuelle Neugierde zu bedienen

Sie können anhand der „Fifty Shades of Grey“ im Positiven wie im Negativen sehen, wie neugierige, sexuell eher frustrierte Frauen das Schicksal einer Frau verfolgen, die lernt, jede Facette der Lust auszukosten.

Sexuelle Neugierde ist also durchaus ein Motiv, ein Buch zu lesen. Entsprechend groß ist das Interesse an allen Praktiken, die einer Bürgertochter aus gutem Hause oder einer Kleinstadt-Frau verwehrt oder vermiest wurden. Neben Oralverkehr ist es vor allem das sexuelle Rollenspiel, jede Form von Sex mit mehr als zwei Personen, das Spiel mit Freiheit und Unfreiheit (Bondage) sowie die lustvolle oder erniedrigende Strafe – und nicht zuletzt das Grasen auf dem Terrain gleichgeschlechtlicher Liebe.

Sobald die Form der Kurzgeschichte von Ihnen verlassen wird, sollten Sie die meist prüde Umgebung der Heldin ins Spiel bringen, aus der heraus jede sexuelle Abweichung sofort zugleich Haarsträuben und Neugierde erzeugt. Sie können dies durchaus unvermittelt tun, beispielsweise, indem Sie gleich zu Beginn konservative Auffassungen schildern, die während eines Kaffeekränzchens geäußert wurden. Wir ich ebenfalls schon vielfach schrieb, gilt der „Direkteinstieg“ nicht nur für die Kurzgeschichte. Auch in der Novelle oder im Roman sollten Sie sofort ins aktuelle Geschehen einzutauchen und sich nicht die Mühe machen, zuerst Personen, Umgebung Ort und Zeit vorzustellen. Das können Sie, falls nötig, im Laufe des zweiten Kapitels immer noch nachholen.

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