Skip to content



Lustgewinn aus Züchtigungen – was ist „erotisch“ daran?

Erotisch ist das Schauspiel


Es ist die Lust am Schauspiel und der dadurch ausgelösten Erregung.

Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater sind immer dann klug, wenn Sie Bücher schreiben. Der Lustgewinn aus Züchtigungen, wenn sie denn aktiv vollzogen wurden, schrieb man in der Psycho-Branche dem französischen Schriftsteller Marquis de Sade zu und nannte ihn fortan Sadismus. Das Gegenbild eines Menschen, der aus der passiven Position Züchtigungen genießt, wurde hingegen dem österreichischen Autor Sacher-Masoch zugeschrieben, und man nannte dies fürderhin Masochismus. Das ist aber auch nahezu alles, was die Psychiater ernstlich zum Thema beitrugen.

Ob Sado oder Maso – keiner der angeblich so ehrenwerten Forscher kann uns bis heute sagen, was Menschen antreibt, in der Züchtigung diese unendliche Wollust zu empfinden, die weit über das hinausgeht, was ein Mensch beim schnöden Sex erfühlen kann. Dabei werden wir nicht von „absolut krankhaften“ Existenzen sprechen, die sich mit der Züchtigung schaden, die aber daran keine eigentliche Freude haben. Widmen wir uns also den Übrigen, jenen, die Lust und Wonne empfinden, wenn sie gezüchtigt werden.

Weil es keine wissenschaftliche oder wenigstens gesellschaftlich akzeptierte These gibt, die uns die Lust an der Züchtigung erläutern, sind also auf Vermutungen angewiesen.

Gründe warum Menschen erotisch gezüchtigt werden wollen

Diese Thesen werden immer wieder genannt:

1. Der Mann, der gezüchtigt wird, möchte mit der schönen Frau, die ihn schlägt, ein intimes Erlebnis teilen. Dasselbe gilt, vielleicht noch mehr, für die Frau in der lesbischen Züchtigung.
2. Das Schauspiel, das Arrangement der Züchtigung gilt als sexuell erregend. Es ist aber abhängig von guten Schauspielern in der dominanten Rolle.
3. Die Posen, die submissive Menschen während der Züchtigungen einnehmen, sind zumeist erotisch attraktiv für voyeuristisch veranlage Menschen, namentlich für Männer, aber auch durchaus für manche Frauen.
4. Für unterwürfige Rollenspieler sind die Positionen, in die sie während der Züchtigung gebracht werden, zumeist so entwürdigend, dass sie sich völlig ausgeliefert fühlen – das ist oft ihr Ziel.
5. Die körperliche Züchtigung führt rein physisch zu stärkerer Durchblutung der Genitalien.
6. Die Frau, die gezüchtigt werden möchte, erfüllt damit ihre Unterwerfungsfantasien. Das gilt aber auch für viele Männer.
7. Viele Frauen weigern sich, „aus sich heraus“ ihre seltsamen Gelüste zu verwirklichen. Sie wünschen sich Züchtigungen, um für das Geschehene niemals verantwortlich gemacht zu werden.
8. Frauen, die im Rollenspiel dominant werden wollen, haben im Alltag ein Defizit an Macht, das sie durch die gespielte Dominanz ausfüllen wollen. Einen Mann zu züchtigen, ist eine einfache und effektive Methode, um damit umzugehen. (Gilt ebenso für manche Männer).
9. Submissive Männer (und Frauen) sind eigentlich selbst- und machtbewusste Menschen, die ihre Unterwerfung im Alltag nicht ausleben können. Deshalb spielen sie die Submissiven.
10. Sexuell gesehen ist ein Mensch niemals so nackt, offen, willig und hilflos wie als unterwürfiger Mensch. Dies inspiriert überwiegend dominante Männer, aber auch dominante Frauen.
11. Die Posen, die ein „Zögling“ annehmen kann, sind, unter Einfluss der Züchtigungen, wesentlich „geiler“ als jede Form der Nacktheit im alltäglichen Sex. Damit regt die Züchtigung auch die dominanten Personen an, die ansonsten oft wenig Vergnügen an der Rolle haben.
12. Die Freudsche Psychotherapie ist (immer noch) der Überzeugung, dass frühkindliche Erlebnisse zu einer Störung führen, die den späteren Wunsch sowohl Sadist wie auch Masochist zu werden, auslösen können.

Die Schauspieltheorie als Schlüssel

Ganz allgemein gilt die „Schauspieltheorie“ als wesentlicher Motor der erotischen Züchtigung, weil sie plausibel erklärt, warum Menschen immer wieder Lust darauf haben, gezüchtigt zu werden und zu züchtigen.

Wenn Sie nun schreiben wollen – bitte schön, das sind die Grundlagen. Da viele der genannten Punkte sehr bildhaft umgesetzt werden können, sollte sich eigentlich von selbst verbieten, die anspruchslosen Effekte von Phasen wie „Peitsche niedersausen“ und „Schmerz empfinden“ zu nutzen.

Das Fazit für Autorinnen und Autoren

Was ist nun erotisch an der Züchtigung?

- Ein ungewöhnliches, erregendes Arrangement, das „Schauspiel“.
- Sich als Gezüchtigter schamlos zeigen zu können.
- Niemals verantwortlich für die dabei entstehende sexuelle Lust zu sein.
- Nackt und extrem zugänglich zu sein.
- Sich dem anderen Geschlecht vollständig zu unterwerfen.
- Auf eine erregende Art berührt zu werden.

Beginnen Sie bald, ihre Geschichte zu schreiben? Versuchen Sie es. Übrigens gibt es noch ganz andere, wahnsinnig schicke und sinnliche Themen. Der Po muss wirklich nicht immer brennen, wenn die Flammen de Lust lodern.

Trackbacks

sinnlich schreiben am : Die sinnliche Woche: „Shades of Grey“ und kein Ende?

Vorschau anzeigen
Nun kommt er bald, der Film zum Buch. Und was empfehle ich dazu? Bitte schreiben sie nicht noch eine „Nachahmung“ des „schlechtesten Erotik-Romans des 19. Jahrhunderts, der in unserer Zeit geschrieben wurde“ wie Werner Fuld in seiner „Geschichte des sinnl

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.
Um einen Kommentar hinterlassen zu können, erhalten Sie nach dem Kommentieren eine E-Mail mit Aktivierungslink an ihre angegebene Adresse.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen