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Erfahrung kontra Fantasie – muss ich alles wirklich erlebt haben?

„Wenn du wüsstest, wie wenig Erfahrung ich habe.“
„Vielleicht. Aber an Fantasie hast du ja mehr als genug“


Diese Brust wogt nicht - aber sie regt dennoch die Fantasie an


Der kurze Dialog aus „Fuchsia“ mag Ihnen zeigen, wie wenig sexuelle Erfahrungen Sie benötigen, um erotische Literatur zu schreiben. Denn wie nahezu alle Erotik-Autorinnen, haben Sie vermutlich ein recht begrenztes Repertoire an erotische Erfahrungen, von denen ich hier mal vorsichtig diese zehn Varianten nenne:

1. Lust mit Liebespielzeugen.
2. Sex oder erotische Handlungen an Männern.
3. Sex oder erotische Erlebnisse mit Frauen.
4. Erotische/sexuelle Dreier mit zwei Frauen.
5. Erotische/sexuelle Dreier mit zwei Männern.
6. Partnertausch und Orgien.
7. Sex in gefährlichen Situationen.
8. Willentliche Unterwerfungen.
9. Dominierung des Partners.
10. Fesselungen und Schläge zur Luststeigerung.

Wie kann eine Autorin oder ein Autor über etwas schreiben, was sie/er nicht selbst erlebt hat? Die Antwort ist verblüffend: indem sich der Autor bemüht, ganz in die Person hineinzukriechen, die handelt, und ihre Gefühle in der ganzen Bandbreite nachzuvollziehen versucht.

Was Ihre Erfahrung nicht hergibt, muss also ihre Vorstellungskraft erschaffen. Zwar können Sie fremde Werke oder gar das Internet benutzen, um fehlende Erfahrungen durch „Abkupfern“ zu vervollständigen. Diese Methode führt aber zu wenig lebensnahen Schilderungen. Einer der Hauptkritikpunkte an den „Shades of Grey“ war ja, dass die Flagellationsszene im ersten Band so „aufgesetzt“ wirkte. Den Fehler, anderwärts Halbwissen zu entleihen, unterläuft also auch prominenten Autorinnen und Autoren.

Besser für Sie und ihre Leserschaft ist stets, sich soweit wie möglich „assoziativ“ in das fremde Gehirn hineinzuversetzen und die die körperlichen Vorgänge „von dort aus“ wahrzunehmen.

Es ist eine Art Puzzlespiel. Wenn Sie sich vorstellen können, wie ein Penis in eine Vagina eindringt, und was dabei im Hirn einer Frau geschieht, dann können Sie sich vielleicht auch vorstellen, wie ein Penis in den Anus eines Mannes eindringt. Wenn sie schon einmal vor einer Person des anderen Geschlechts „gekuscht“ haben, dann sollte es Ihnen auch möglich sein, eine sexuelle Unterwerfung nachzuvollziehen. Und die Gefühle, die Metalle, Leder, Pelze, Federn, Stockhiebe, Wachs oder Eis auf der Haut auslösen, können Sie leicht selbst in Erfahrung bringen.

Sehen Sie sich nun noch einmal die zehn Punkte an. Welche können Sie sich davon nicht in ihrem Kopf vorstellen? Über welche haben Sie gar keine Fantasien?

Lasse Sie diejenigen Punkte Weg, bei denen Ihre Fantasie versagt, und konzentrieren Sie sich auf jene, bei denen ihre Fantasie besonders heftig angeregt wird. Damit können Sie Ihre Geschichten auf den Siedepunkt bringen, ohne spezifische Kenntnisse aller sexuellen Lüste und Abweichungen haben zu müssen.

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schriftsteller am : Erfahrung kontra Fantasie – muss ich alles wirklich erlebt haben?

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Puff - und weg ist der Artikel, der hier stand. In einem neuen Blog, "Sinnlich Schreiben" bekommen Sie ihn zurück (siehe Link) aber noch viel mehr: - Ideen in Hülle und Fülle. - Themen, die Ihre Fantasie anregen. - Innovative Möglichkeiten, erotisch

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