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Thema: Rollenspiele mit etwas Realität

Rollenspiele können hart an der Realität kratzen - die Grenzen sind durchaus fließend.

Vorhang auf - Rollenspiel ab - Vorhang zu?

Bei der Art von Rollenspielen, die von Liebes- und Ehepaaren zur Steigerung der sexuellen Lust zelebriert werden, musst du die Realität zumeist eine Weile draußen lassen. Der Vorgang geht auf, die Bühne wird freigegeben, das Spiel beginnt. Beide amüsieren sich köstlich oder durchleiden sinnliche Qualen, und am Ende geht der Vorhang wieder zu.

Fantasiespiele, die an der Realität kratzen

Manchmal erhalten Geschichten dieser Art einen Nachsatz, der darauf hindeutet, dass sich die Machtverhältnisse in der Beziehung nun doch verschoben haben – obgleich alles nur ein Spiel zu sein schien. Diese wird in der erotischen Literatur oft verfolgt: Die Fantasie ist so utopisch und irreal, dass man sie nicht in die Realität übernehmen kann, aber ein kleiner Spalt zur Realität wird dennoch geöffnet.

Als Beispiel ein Dialog:

Deine Figur ist ein „Freund des Hauses“, der im Rahmen eines Rollenspiels von einem Ehepaar zu ungewöhnlichen sexuellen Handlungen verführt wird. Am Ende steht folgender Dialog:

Freund des Hauses: „Ich bin so froh, dass ich es mit euch getan habe. Alles war wundervoll, und auch an unserer Freundschaft wir dies nichts ändern.“

Ehefrau: „Es war für uns alle schön, aber ich denke, es wird sehr viel an unserer Freundschaft verändern.“

Freund des Hauses: „Aber ich möchte wirklich nicht, dass unsere Freundschaft dadurch gefährdet wird.“

Ehefrau: „Das wird sie auch nicht – aber sie wird sich verändern. Das Spiel ist noch nicht vorbei – es hat gerade erst angefangen.“


Das harte Rollenspiel im Roman - mehr als eine Rolle?

Falls du nun aber eine Situation schaffen willst, die wesentlich härter an die Realität herankommt, so kannst du versuchen, das ursprüngliche erotische Rollenspiel in eine tatsächliche psychische oder körperliche Abhängigkeit zu verwandeln. So etwas wurde bereits vielfach von Schriftstellern getan, sodass du reichlich Anschauungsmaterial vorfinden kannst. Ob es nun die „Venus im Pelz“ ist oder ob du die „Die Kallipygen oder die Freuden der Rute“ gelesen hast, lesen – immer wieder wirst du auf erotische Beziehungen unter dem Aspekt der Abhängigkeit stoßen.

Gestern - die Rolle war kein Spiel

In der heutigen Zeit ist dies verpönt – gleich, ob die Verführung von der Herrschaft oder der Dienerschaft ausging. In früheren Zeiten nahm man dergleichen nicht so genau – theoretisch konnte man in Dienstverträge hineinschreiben, was man wollte, und noch manchen Berichten sogar, wie oft, wie und wann man der Herrschaft zu Diensten sein musste. Wer glaubt, zu biblischen Zeiten sei man anderer Auffassung gewesen, sollte nachlesen: Die Verführung von Sklavinnen und anderen Leibeigenen war dem Prinzipal jederzeit gestattet. Nur die Sklavinnen und Mägde des Nachbarn duften nicht angerührt werden.

Aus dieser Sicht kann es ratsam sein, für die Schilderungen sehr realistischer und heftiger Abhängigkeiten in die Vergangenheit auszuweichen – dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Autorinnen und Autoren des 19. Jahrhunderts verstanden dies meisterhaft. Ob es nun die Gouvernante und ihr naiver Zögling waren oder der despotische Scheich und die jungfräuliche Sklavin, und ob alles historisch richtig war oder nicht – wen juckte es? Die Hauptsache war, dass die Situation den Leserinnen und Lesern imponierte – und das hat sich bis heute kaum verändert.


Heute – die Welt der psychischen Süchte und Abhängigkeiten

Du kannst ganz sicher sein, dass derartige absolut „schräge“ Liebesaffären auch heute noch vorkommen, wenngleich sexuelle Beziehungen bei einer erkennbaren oder gesetzlich definierten Abhängigkeit unter Strafe stehen. An ihrer Stelle rücken immer mehr Storys erzählt, die auf psychische Abhängigkeit und Liebessucht fußen. Das Thema ist jedoch anspruchsvoll und wird deshalb von vielen Autorinnen und Autoren gemieden. Das typische Genre, in dem solche Plots verarbeitet werden, ist heute eher der Kriminalroman als der erotische Roman.

Deine Art, Rollenspiele zu beschreiben

Das Rollenspiel – egal wie du es auffasst – erlaubt deiner Figur, sich auf eine andere Ebene zu begeben, die nicht ihrem üblichen Alltag entspricht. Der Reiz solcher Geschichten liegt vor allem darin, durchaus einen kleinen Spalt zur Wirklichkeit offenzulassen, um zu suggerieren: „Oh, ja .. es muss keine Fantasie bleiben, es könnte auch Realität werden.“ Oder, wie im Dialog angedeutet: Alles könnte sich verändern. Die Liebe, die Begierde oder auch mal das gesamte Leben, das mit einem einzigen Rollenspiel auf den Kopf gestellt wird.

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