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Erotisch schreiben: Analverkehr – muss ich das selbst erlebt haben?

Irgendwie fasziniert der Po immer, oder etwa nicht?
In meinem Artikel „Erfahrung kontra Fantasie“ stellte ich bereits die heikle Frage „muss der Autor alles, über das er schreibt, wenigstens im Ansatz selbst erlebt haben?“

Die Antwort war: „Nein, das muss er nicht.“ Und nun zitiere ich mich einmal selbst:

Was Ihre Erfahrung nicht hergibt, muss also Ihre Vorstellungskraft erschaffen. Zwar können Sie fremde Werke oder gar das Internet benutzen, um fehlende Erfahrungen durch „Abkupfern“ zu vervollständigen. Diese Methode führt aber zu wenig lebensnahen Schilderungen ... Besser für Sie und ihre Leserschaft ist stets, sich soweit wie möglich „assoziativ“ in das fremde Gehirn hineinzuversetzen und die die körperlichen Vorgänge „von dort aus“ wahrzunehmen.


Nun haben wir aber beim Analverkehr eine Sondersituation, insbesondere dann, wenn eine Frau einen Mann anal penetriert, etwa mit einem speziellen Dildo (P-Punkt-Dildo, Strap-On-Dildo). Ich bleibe hier bei diesem Beispiel, weil über den „passiven Analverkehr“ der Frau schon sehr viel geschrieben wurde.

Vorsicht mit dem Thema - Sie können angegriffen werden

Die Frage nach der Erfahrung ist hier kritisch, und sie ist umso heikler, als Ihre Leserinnen und Leser ja immer „irgendwie“ annehmen, Sie hätten eigene Erfahrungen mit der Aktivität, die Sie beschreiben. Dafür ist natürlich interessant, ob Sie Frau oder Mann sind und ob Sie die Geschichte aus der Sicht der Frau oder des Mannes schildern. Sie stehen aber bei solchen Themen immer vor einer besonderen Herausforderung.

Wenn die Geschichte aus der Sicht eines Mannes geschildert wird

Interessant sind beim passiven Analverkehr des Mannes immer die Empfindungen, beginnend mit der Angst, überhaupt penetriert zu werden. Sie gehen möglicherweise mit der Neugierde oder einer Herausforderung einher („wenn du es bei mir machen willst, musst du es auch bei dir erdulden“). Dabei kann die Autorin ganze Pakete der Furcht schnüren: Angst vor Schmerz, Furcht vor übler Nachrede oder gar Erpressung und das Schreckgespenst, sich als "homosexuell" zu erweisen. Hinzu kommen dann später die mit der Ausführung tatsächlich verbundenen Lüste, Hingaben, Abwertungen und Schmerzen.

Wenn Sie die Geschichte aus der Sicht einer Frau schildern

Auch, wenn Sie die Geschichten aus der Sicht der Frau schildern, können sie alle Empfindungen des Mannes einarbeiten, die Sie beobachten können. Insbesondere Furcht, Schmerz und Wollust können Sie beschreiben, weil ihre Heldin diese Gefühle beobachten kann. Ansonsten schildern Sie einfach, was Sie selbst empfinden, sei es Verachtung oder Freude an der Macht.

Wie sie die Geschichte aufbauen.

In nahezu allen Geschichten um anale Penetration wird sowohl der Vorbereitung wie auch dem Vorgang des Einführens zu wenig Raum gegeben.

Hier am schlechten Beispiel demonstriert (Sicht des Mannes) (1)

Sie nimmt den Dildo und setzt ihn an der Rosette an. Ich bin völlig entspannt. Sie drückt nun stärker und rutscht ohne Probleme in mich hinein. Oh, was für ein tolles Gefühl! Sie bewegt nun ihre Hüften stärker und stößt den Dildo schließlich bis zum Anschlag hinein. Ich stöhne heftig.


So geschildert ist der gesamte Vorgang völlig unglaubwürdig. Wenn Sie nun denken, dies ginge nur Laien so, dann lesen Sie diesen Auszug aus „Die Herrin“ (2), der ebenso gefühlskalt daherkommt:

Ich stellte mich hinter seinen Po, der mir hoch entgegengestreckt war, und rammt den ledernen Dildo mit einem Stoß in ihn hinein.


Ich will Ihnen hier aus urheberrechtlichen Gründen wie auch aus Gründen des Jugendschutzes keine bessere, plastischere Geschichte ausmalen, sondern gebe Ihnen folgende Hinweise:

1. Selbst bei ausreichender Vorbereitung ist das Positionieren extrem schwierig, sodass erst eine Lage gefunden werden muss, in der ein Dildo oder (beim Arzt) eine Sonde eingeführt werden kann. Das lässt recht gut schildern.
2. „Völlig entspannt“ sind nur Männer, die bereits viel Erfahrung haben. Die meisten Männer sind restlos nervös und kneifen unwillkürlich die Pobacken zusammen. Das „Entspannen“ kann von einer guten Autorin ausführlich geschildert werden.
3. Bei Anfängern oder sehr jungen Männern gleitet nichts "superfix" und problemlos in den Anus. Sowohl anatomisch wie auch mental brennt dabei ein Feuerwerk ab – und es „klemmt“ meist mehrfach.
4. Das Gefühl ist nicht „toll“, sondern es umfasst eine ganze Palette von Empfindungen, vom hefigen Schmerz bis zur überwältigenden Wollust. – vor allem beim ersten Mal.
5. Der „Anschlag“ ist nicht entscheidend (wo schlägt denn der Dildo an?). Interessant ist das Eindringen selbst (Rosette), das Gefühl nach dem Eindringen der künstlichen Eichel (falls vorhanden) und der Kontakt zur Prostata (nach ca. sieben Zentimeter Einführtiefe). Üblicherweise wechseln die Empfindungen stark, wenn dieses Organ getroffen wird.

Wie können Sie solche Gefühle glaubhaften schildern, wenn Sie eine Frau sind?

Zunächst mal: Sie müssen es gar nicht. Es reicht, wie bereits zuvor erwähnt, in dem Aufbäumen des Körpers sowie im Gesichtsausdruck zu lesen und Schreie und Stöhnen zu schildern, die auf die Handlungen Ihrer Heldin zurückgeführt werden können. Dabei können Sie die Rückkoppelung zwischen dem Verhalten des Mannes und den Reaktionen ihrer Heldin beschreiben (3):

Der Mann begann am ganzen Körper zu zittern, und seine Hände verkrampften sich dabei. Er vermied, mich anzusehen, doch sein Gesicht verriet mir, dass er halb auf der Flucht war und sich mit der anderen Hälfte seines Wesens unbedingt der verbotenen Lust hingeben wollte. Ich kostete den Moment aus, indem ich den Dildo an seiner Rosette ansetzte. Schon die Berührung reichte aus, um ihn zu irritieren. Sein halb geöffneten Pobacken schlossen sich sofort wieder, und ein sichtbarer Schauer ging durch seinen gesamten Körper. Ich beschloss, nun aufs Ganze zu gehen und ihn nicht mehr zu schonen, und also nahm ich meine Hände zu Hilfe und begann, seine Pobacken wieder aufzuspreizen.


Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, dass sich dies drastischer schildern lässt, nicht wahr?

Zu den Empfindungen

Sie dürfen als Autorin getrost glaubwürdige Schilderungen von Männern verwenden, die Erfahrung haben. Anale Penetration ist nicht auf Sex beschränkt – die anatomischen Sensationen kommen auch bei Zäpfchen, Fiebermessen und in der Urologie vor. Der Strap-On-Sex ist sozusagen die sinnlich-feminine Transformation einer an sich als unangenehm empfundenen und schamhaft vollzogenen „Untersuchung“. Hier liegt auch der Unterschied zwischen Frauen und Männern, die insbesondere Autorinnen berücksichtigen sollten. Kurzgefasst: Auch nach dem Einführen passiert beim Mann noch eine Menge – die Prostata ist unglaublich sensibel, insbesondere, wenn die Frau den Finger punktförmig dagegen presst.

Was sonst zu beachten wäre

Erotische Schilderungen in Romanen und Erzählungen sind kein Selbstzweck. Wichtiger als die Technik eines Analverkehrs ist das Umfeld, in dem er stattfindet. Will die Frau dem Mann zusätzliche Lust bereiten? Will sie ihn dadurch enger an sich binden? Genießt sie die Macht, die damit verbunden ist? Wie sind die Folgen für die Beziehung? In der Regel findet bei derartigen Praktiken ein Macht-Transfer vom Mann auf die Frau statt, der allerlei Auswirkungen auf die Beziehung haben kann.

(1) Umgeschriebenen und entpersonalisiert nach Web-Vorbildern.
(2) Martin, Gigi: "Die Herrin", Berlin 1988.
(3) Aus einer Geschichte von Isi Febe, unveröffentlicht.

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