Skip to content
Manifest

Szenerien oder Mainstream – wem sollen Erotik-Autoren folgen?

Erotische Märchen sind oft sinnlicher als die Realität
An diesem Thema kommen weder Autorinnen noch Autoren vorbei: Wenn am Valentinstag 2015 die „50 Shades of Grey“ in die Kinos kommen, wird die Diskussion über den „realistischen Inhalt“ des Märchens mit den Lustschlägen wieder aufflammen. Öffentlich wird wieder diskutiert werden, wie trivial, erotisch oder pornografisch Film und Buch sind, und irgendwo in kleinen Sektiererkreisen wird alles als „total unrealistisch“ gebrandmarkt.

Die Diskussion ist absolut unnötig und völlig sinn- und zwecklos: „SoG“ wurde als Cinderellamärchen konzipiert und mit Peitschenhieben auf einen Frauenhintern sowie einigen anderen schrecklich „schockierenden“ Szenen angereichert. Es wendet sich an sehnsüchtig lechzende Mütterlein, die sich selbst gerne in die Lage der Cinderella hineinträumen. Dabei hat die Trilogie durchaus eine Funktion: Was man nicht durchleben will, kann man wenigstens im Hirn stattfinden lassen. Was dort geschieht, hat keine Verbindung zur Realität – und wenn wir genau hinsehen, ist dies auch der Wunsch der romantisch erotisieren Mütterlein, die seufzend das Buch verschlingen.

Dies führt mich zu der Frage, ob ein erotisches Buch den Wünschen einer sektiererhaft agierenden Szenerie entsprechen sollte oder eher die Fantasie jener anregen sollte, die in Tag- und Nachtträumen nach jener Wollust lechzen, die sie sich in der Realität versagen.

Fantasie beflügelt, Realität schreckt oft ab

Zumindest meine Antwort (sie dürfte der Mehrheit der Autorinnen und Autoren entsprechen) ist eindeutig: Die Fantasie hat Vorrang, aber die Schilderungen sollten rein körperlich und emotional noch nachvollziehbar sein.

Das bedeutet leider auch: Bei allem, was wir schreiben, müssen wie mit Protesten der Szenen und Gruppen rechnen, die sich „getroffen“ fühlen. Dabei ist gleich, ob wir Ethnien erwähnen, Randgruppen wie sogenannte „BDSM“-Anhänger, Psychosekten, Hexenzirkel oder auch nur die schwul-lesbische Szenerie. Die geschieht immer, wenn wir nicht deren „reiner Lehre“ verfolgen, oder wenn wir nicht „sozial korrekt“ schreiben.

Nicht an der Szene, sondern an den Lüsten orientieren

Natürlich ist jedem Schreibenden bewusst, dass er den Kugelschreiber, die Schreibmaschine oder den PC fortwerfen kann, wenn er versucht, Erotik „sozial korrekt“ zu schreiben. Hinzu kommt, dass zwischen „organisierten“ und „unorganisierten“ Anhängern abweichender Sexualpraktiken und Lebensentwürfe oftmals große Unterschiede bestehen.

Im Grund gilt: Nicht „Bange machen“ lassen. Die Schere im Gehirn ist das Schlimmste, was einer Autorin/einem Autor passieren kann. Und allen machen wir es ohnehin niemals recht. Also empfiehlt sich, rücksichtlos über das hinwegzusehen, was uns eingeflüstert wird und stattdessen das zu schreiben, wonach uns der Sinn steht.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.
Um einen Kommentar hinterlassen zu können, erhalten Sie nach dem Kommentieren eine E-Mail mit Aktivierungslink an ihre angegebene Adresse.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen