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Argumente für weibliche Erotik-Autoren (4): Lust machen, Lust schenken

Zumeist schreibe ich Ihnen: Früher waren Frauen nicht in der Lage … doch heute will ich Ihnen etwas verraten: Es gab sie immer, die Frauen, die etwas wirklich Wertvolles konnten: Lust schenken. Es ist ziemlich gleichgültig, ob wir in die Bibel schauen oder in die erotisierende Welt der erotischen Luxus-Dienstleisterinnen. Immer wieder wird in der Geschichte der Menschheit von Frauen berichtet, die so sinnlich waren, dass sie alle Männer in ihrer Umgebung in ihren Bann zogen. Doch was heute überheblich und abwertend „Muschi-Macht“ genannt wird, ist in Wahrheit ein ganzes Geflecht aus sozialen und emotionalen Fähigkeiten, das nur in seinen äußerlich erkennbaren Höhepunkten auf „feuchte Lusterfüllung“ beruht.

Aus der Vergangenheit sind Damen bekannt, die ihre Besucher im Bett oder nackt im Wannenbad empfingen, und wir können daraus schließen, dass diese Dame nicht mit Geschlechtsverkehr, sonder mit der erotischen Situation gelockt haben. Heute ist es selbst unter relativ offenen Frauen verpönt, den Körper einfach herzuzeigen oder herzuschenken. Lust zu erzeugen und Lust zu schenken ist zu einem seltenen Juwel geworden – jedenfalls unter gebildeten, „wohlanständigen“ Frauen. Diese Fähigkeit hat sich – wie ich meine - eindeutig verlagert auf die billige, plakative Erotik der Huren und Stripperinnen. Als Resultat dieser Abwertung traut man bewusst-erotischen Frauen auch kaum Selbstbewusstsein zu, wie das Wort „Schlampe“ für sie eindeutig belegt. Als vor einigen Jahren sehr selbstbewusste Frauen auf die Idee kamen, erotische Ressourcen auf eine Ebene mit akademischer Ausbildung und sozialen Fähigkeiten zu stellen, gab es sogar ungewöhnlich starke Proteste seitens der „offiziellen“ Frauenorganisationen.


Was Autorinnen ändern könnten

Seit Beginn der „zweiten Welle“ der Frauenemanzipation in den 1970er Jahren existiert die Diskrepanz zwischen „selbstbestimmt sein“ einerseits und „bedürftig sein“ andererseits. Die Frage, auf trivial getrimmt, wird oft in der Form der Benimm-Regeln gebracht: „Darf der Mann einer emanzipierten Frau in den Mantel helfen?“ Doch das ist nur eine unbedeutende Facette, die den eigentlichen Konflikt verschleiern soll: Wer ist die moderne, emanzipierte Frau und was will sie eigentlich im Beruf und im Bett erreichen? Dieser Frage nachzugehen, ist beinahe „ungehörig“. Denn so emanzipiert Frauen auch sein mögen, haben sie vor allem eines im Ohr: Erotisch aggressiv zu sein, zahlt sich nicht aus. Zudem hat ihnen „Mutter Emanzipation“ sozusagen per Dekret verboten, auch die subtile erotische Kraft als Machtmittel einzusetzen. Der Feminismus erlaubt der Frau im Beruf gerade noch, gewisse soziale Fähigkeiten in die Machtstrukturen einzubringen, aber nicht ihre erotische Kraft. Was „Frau“ an Können und Wissen, Charme und Habitus vermarkten „darf“ würden rechte gerne die Berufs-Feministinnen, einschlägige Soziologinnen und Gewerkschaftlerinnen bestimmen.

Die Realität ist völlig anders als das Bild der Berufs-Feministinnen

All dies funktioniert im persönlichen Alltag nicht. Wenn Frauen allzeit „sozial korrekt“, übertrieben aufrichtig und letztendlich maskulin daherkommen, wirken sie fad.

Es läge an den Autorinnen, diese Diskrepanzen aufzuzeigen – aber sie tun es nicht. Da ist auf der einen Seite der weibliche Zombie, eine Art Kunstprodukt aus Mensch und Apparat, mit femininer Haut überzogen und bisweilen optische durchaus ansehnlich, sittsam verhüllt in ein Kostüm. Und auf der anderen Seite? Da hockt sie, einsam, alkoholisiert, abhängig, bedürftig, nach Lust und Liebe lechzend, die ihr niemand mehr schenken will. Klar – die eine oder andere hält sich eine Geliebte, die sie jederzeit fortschicken kann, manche halten sich hübsche Toyboy und wieder andere gehen gleich an den Markt der käuflichen Liebe.

Entweder die erotische Literatur erneuert sich - oder sie verkitscht völlig

Selbstverständlich habe ich hier übertrieben, die Beine vielleicht zu stark gegrätscht. Aber sehen wird die Sache doch einmal anders und fragen uns, welche Frauen ausschließlich wegen ihres Könnens und Wirkens im Beruf anerkannt werden wollen. Genau hier wäre Ihr Ansatzpunkt als Autorin – und wahrlich nicht nur als Autorin erotischer Werke. Doch warum – so frage ich nicht nur mich – kommt in „anständigen“ Frauenromanen so wenig Erotik vor? Und warum wird Liebe oder sinnliche Bedürftigkeit sogleich in „Romantik“ verkitscht? Dabei gehen all diese wundervollen Fähigkeiten verloren, über die Frauen verfügen: Lust zu schenken, jemandem Lust zu bereiten, zu faszinieren oder zu verwirren. Wenn Frauen in der Literatur nicht mehr reizen, verführen oder begehren, geht der Reiz der Erotik in die Klospülung. Dort, so meine ich, sei er nicht gut aufgehoben.

Wissen Sie nun, warum wir eine neue, sinnliche, aber realitätsnahe Literatur brauchen? Wenn nicht, kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen. Dann muss es wohl bei Liebes- oder Erotikkitsch bleiben.

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