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Psychologie: Wer schreibt da eigentlich „in uns“?

Das "ES" spielt in der Liebe - und beim Schreiben
In unserer Jugend haben die meisten von uns wohl etwas von Sigmund Freud gehört. Das war jener Wiener Arzt, der als Entdecker der Psychoanalyse gilt. Etwas, das von ihm blieb, war die „Dreiteilung des Egos“ – eine Theorie, die verschiedene Entwicklungsstufen der Persönlichkeit beschrieb, die sich letztendlich in einer Person manifestieren. Wahrscheinlich wäre die gesamte Theorie des dreigeteilten „ICH“ versandet, wenn es nicht Eric Berne gegeben hätte. Sein Verdienst besteht darin, Freunds verschachtelte und kaum nachvollziehbare Theorie konkretisiert zu haben, und zwar in einer weise, dass sie nun jeder Mensch verstehen konnte. Das „Ego“ („ICH“) nannte er „Erwachsenen-ICH“, aus dem „ES“ wurde das „Kindheits-ICH“ und aus dem „Über-ICH“ das „Eltern-ICH“.

Soweit die Vorrede.

Die Doppelbedeutung moderner Psychologie für Autorinnen

Für Sie als Autorin, gleich, welche Literatur Sie schreiben, haben Eric Bernes Erkenntnisse eine Doppelbedeutung: erstens, aus welcher Motivation Sie schreiben und zweitens, in welcher Art Sie Dialoge schreiben.

Das Schreiben im psychologischen „ES“

Für eine Autorin, die sich der sinnlichen Literatur widmet, kommt nahezu nur das Schreiben im „ES“, also im Kindheits-Ich infrage. Wer aus dieser Situation heraus Literatur schafft, umarmt zugleich die Liebe, die ja an sich ein Spiel mit den Möglichkeiten ist, und die Fantasie, die uns Schriftsteller auf magische Art fortträgt. Nüchterner könnte man sagen: Es ist der Spieltrieb mit dem Wort, der uns fortträgt.

Einige Elemente des modifizierten ES für Autorinnen

Wer die Elemente genauer definiert haben möchte, dem will ich sie gerne auflisten:

- Das unbedingte Wollen, die Begierde.
- Die Lust daran, etwas auszuführen.
- Die scheinbar unendlichen Möglichkeiten.
- Das offene Ergebnis.
- Die Spontanität (das „machen wie einfach“).
- Die Neugierde, was hinter der nächsten „Hecke“ sein mag.
- Die Kreativität – ein Stück Glanzpapier wird zur Krone.
- Die Fantasie – alles ist möglich.
- Die Hingabe – über das Spiel vergisst man alles.
- Die Entdeckung des „Verbotenen“
- Das Überschreiten von Grenzen.
- Die Möglichkeit, unqualifiziert gelobt oder getadelt zu werden.
- (Leider auch) Strafen und Willkür ausgesetzt zu sein.
- Manipulieren – Sie können die Welt (und ihre Heldin) manipulieren, wie Sie wollen.

Die genannten Elemente sind nur einiger aus einer langen Liste, die Sie sich selbst erstellen können.

Gibt es eine Alternative zum „Schreiben im "ES“?

Alternativen gibt es immer: Sie können Texte im „Erwachsenen-ICH“, also beschreibend oder erzählend („narrativ“) verfassen. Ebenso können Sie im „Eltern-ICH“ schreiben, was meist belehrend klingt. Doch es gibt auch zwei andere Möglichkeiten: Die „ICH-Position“ und damit den Stil erkennbar zu wechseln, wie es etwas im Briefroman geschieht. Oder Sie können versuchen, die Zustände fließend zu halten, was übrigens der Realität der Liebe sehr nahe kommt. Wenn Sie die Auflistung noch einmal ansehen, werden Sie zu jedem Satz, den ich Ihnen hier erläuternd präsentiert habe, einen konträren Satz finden können. So könnte es Ihnen gelingen, aus einem einzigen dieser vierzehn Sätze eine eigene Geschichte zu schreiben.

Die Dialoge nach Berne und anderen

Berne hat den Weg gewiesen, wie man Dialoge psychologisch klug und lebensnah aufbaut. Er hat dabei die von ihm gefundene drei ICH-Zusände so beschrieben, dass jedes der drei „ICHs“ zu jedem ICH des Partners sprechen kann, parallel (einfach) gekreuzt oder komplex (mit mehreren Zuständen, die einander abwechseln). Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, finden Sie diese Varianten in Kommunikations-Lehrbüchern, die ganz oder teilweise auf der Transaktionsanalyse beruhen. Sie können mich auch fragen, wenn Sie wollen. Ich habe jahrelang Kommunikation unterrichtet.

Ich bin Gebhard Roese, und ich habe Zeit für Sie.

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sinnlich schreiben am : Sinnliche Woche – wie man aus dem spielenden ES heraus schreibt

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