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Sinnlich schreiben – warum dieses Blog?

Schreiben für die Zielgruppe, Literatur produzieren oder einfach Lust am Schreiben haben?
Noch niemals wurde so viel Sinnliches, Romantisches und Erotisches geschrieben wie derzeit. Das ist zunächst einmal durchaus positiv zu bewerten, denn Sinnlichkeit und Erotik fristeten in der „Papierzeit“ durchaus ein ärmliches, wenig beachtetes Nischendasein.

Andererseits allerdings schwingen sich Autorinnen und Autoren auf die Piste, die kaum wissen, wovon sie eigentlich schreiben. Typischerweise verwechslen sie Pornografie mit Erotik und viele der Beiträge, die heute ins Netz gestellt werden, wirken wie Wort gewordene Pornofilmchen.

Verlage wollen meist triviale Erotik

Verlage hingegen suchen nach wie vor wirklich gute Autorinnen und Autoren – doch sie denken nicht an Literatur, sondern an weibliche Bücherkonsumenten. An begierig am Text hängenden Frauen, deren wildromantische Kitschfantasien mit Sex aufgepeppt werden sollen. Die Muster werden von einem Märchen bezogen: Cinderella, auch Aschenbrödel genannt. Das verkauft sich seit Jahren hervorragend im Groschenroman und seit ein paar Jahren auch als aufgeplusterter „Mutti-Porno“. Insofern raten die Verlage, möglichst von einem verarmten, bedürftigen, unerfahrenen Wesen auszugehen, das der Lebenshunger auf Abwege führt – um schließlich nach einigen Schleudertouren wieder auf den Pfad der Tugend wieder zurückzufinden. Dort gib es absolut geilen Sex innerhalb einer äußerst komfortablen Beziehung. Und wenn sie nicht gestoben sind, dann leben sie noch heute, denn ein „Happy End“ ist für den Kitschautor Pflicht, egal ob seine Heldin nur gut vögelt, sich prächtig unter der Peitsche windet oder vor der Ehe nur sanfte Küsse austeilt.

Nun gut – wenn es denn nicht anders geht. Eine blumige Sprache und von Hieben mit hübschen Peitschenmustern versehene Gesäße, meinetwegen.

Es geht auch anders - das Ungewöhnlich wächst aus dem Gewöhnlichen

Aber sollte es nicht doch anders gehen? Dürfen da nicht wenigstens Widersprüche zwischen den geheimen Träumen, den Rollenspielen und dem schnöden Alltag erwähnt werden? Wir wissen aus ziemlich guten wissenschaftlichen Erhebungen, dass Frauen recht massive „unanständige“ Fantasien haben, und dass viel davon an ganz alltäglichen Handlungen wie Cunnilingus und Fellatio aufbauen. Wir müssen also nicht zu fernen Fetischen oder peitschenschwingende Dominas vorstoßen. Das Ungewöhnliche wächst aus dem Gewöhnlichen.

Warum "Sex an sich" nicht viel taugt

Gleich, ob die rot lackierte Spitze des Zeigefingers einen Spermaspritzer auf der Haut verreibt oder ob derselbe Nagel tief und schmerzhaft in die Haut eines lüsternen Jüngling eindringt: Schriftsteller sind gefordert, so nahe wie möglich an den Gefühlen der Heldinnen und Helden vor und nach dem Orgasmus dranzubleiben. Bevor jemals ein Penis in eine Vagina eindringt, sind die meisten beschreibbaren Gefühle schon vorüber. Danach legt sich nach und nach, aber äußerst konsequent eine rauschhafte Agonie über das Geschehen. Man merkt den meisten Autorinnen und Autoren an, dass sie im Grunde mit den fünf bis zehn Minuten, in denen der Penis in Hubbewegungen versetzt wird, nicht viel anfangen können, falls sie sich nicht dabei gelangweilt haben. Denn im Rausch der Gefühle vermischen sich die beschreibbaren Elemente zu einer Art emotionalem Kartoffelbrei, den man nur noch begierig herunterschlucken kann.

Weder Aufsatz noch Roman

Ein weiteres Problem deutscher Freizeit-Autorinnen und -Autoren liegt darin, allzu sehr zwei Formen verhaftet zu sein, die ich für sinnliche Zwecke für unbrauchbar halte: Die Aufsatzform und den großen Roman. Aufsätze sind ungeeignet, weil sie überflüssige, frustrierend oder belanglose Elemente enthalten. Von der Romanform (besondere vom Entwicklungsroman) rate ich ab, weil im Roman eine durchgängige, kontinuierliche Handlung gefordert wird, die nur schwer durchzuhalten und zu kontrollieren ist.

Fantasie und Wagemut sind gefragt - seien Sie herrlich frivol

All die lässt sich ändern – einmal, indem Sie sich nicht an den Autorinnen oder Autoren orientieren, die Bestseller schreiben, sondern an jenen, die durch Fantasie und Wagemut glänzen. Zum Anderen dadurch, dass Sie sich auf Kurzgeschichten konzentrieren. Wenn Sie absolut mit der Romanform liebäugeln, dann teilen Sie ihr zukünftiges Meisterwerk in 10, 20 oder gar 30 in sich abgeschlossene Episoden auf. Glauben Sie mir, das ist wesentlich leichter, als einen „dicken Schinken“ zu schreiben. Vor allem aber sollten Sie darauf achten, bei Sex-Szenen so nahe wie möglich an den Gefühlen ihrer Heldinnen und Helden zu bleiben. Gelingt Ihnen dies, so lässt sich voraussichtlich ein großer Teil Ihrer Leserinnen und Leser davon persönlich anrühren.

Wagen Sie das Ungewöhnliche. Seien Sie ganz bewusst herrlich frivol. Schreiben Sie genießerisch über Lippen, Brüste, Vaginen, Penisse und Hoden. Kriechen Sie in ihre Personen hinein und erleben Sie die Wollust mit.

Dann schreiben Sie möglicherweise eine wirklich außerordentlich leckere Geschichte, die sich leicht errötend im Abteilwagen erster Klasse wie auch in einsamen Nächten in geiler Verruchtheit nackt auf dem Sofa lesen lässt.

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