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Eine simple Methode, um alles zu schreiben, was Sie wollen

Wenn sich der Rock nach oben schiebt ...
Ob Sie einen 602-seitigen, durchgebenden Roman oder eine Kurzgeschichte in dreihundert Wörtern schreiben wollen, immer benötigen Sie das, was ihr Deutschlehrer einmal als „Gliederung“ bezeichnete. Ob es die hölzerne Aufsatzstruktur ist, oder die kompakte Kurzgeschichte, immer wieder hören wir, dass wir eine Struktur, ein Gerüst oder einen roten Faden benötigen, an dem wir uns entlanghangeln können. Ganz „modern sein wollende“ Autoren schreiben uns dann noch ins Poesiealbum: „Versuch es mal mit Mindmapping“.

All dies ist gut und schön, nützlich und brauchbar, aber keine wirkliche Methode, denn eine Methode muss nachvollziehbar sein.

Ein sehr einfache Methode, alles zu schreiben, was Sie wollen

Ich versuche hier und heute, ihnen eine Methode zu zeigen, die Ihnen dann nützt, wenn Sie noch nichts zu Papier gebracht haben, oder wenn Ihnen jeder Sinn für Strukturierung und Aufbau einer Geschichte fehlt. Sie kann Ihnen aber auch dann nützlich sein, wenn sich sich verlaufen, verfranst oder festgefahren haben.

Diese Formel stammt aus der Wirtschaft, heißt dort ganz anders und wurde hier vorn mir weiter vereinfacht.

Man kennt sie gelegentlich unter dem Stichwort: Merkmal-Funktion-Nutzen. Aber das ist für unsere Zwecke nicht unbedingt brauchbar. Also überlegte ich mir, was denn die Essenz von „Merkmal-Funktion-Nutzen“ ist. Und tatsächlich kann man mit drei Fragewörtern beschreiben, wie man jede Geschichte (und auch sonst manches im Leben) aufbauen kann:

Was?
Wie?
Wohin?


Präziser:

Was ist es?
Wie wirkt es sich aus?
Wozu führt es oder könnte es führen?


Mit einer ganz einfachen Geschichte will ich Ihnen beweisen, dass es wirklich funktioniert. Es ist eine kleine Geschichte um eine Verabredung. Ziel ist, sie mit einer erotischen Komponente zu versehen.

I. Die Geschichte: Methode WAS-WIE-WOHIN

1. Was ist es.

Sie steigt aus ihrem Auto aus.

2. Wie ist es?

Zuerst stellt sie ein Bein auf den Gehweg, führt das zweite Bein nach, erkennt, dass der Ansatz ihrer Strapse erkennbar wird, zieht sie sich den den Rock zurecht, und erhebt sich aus dem Fahrersitz.

3. Wohin führt es?


Sie wird danach beurteilt wie sie diese Prozedur inszeniert.

II. Die grob strukturierte Geschichte daraus

Die Geschichte wird nun zunächst grob mit Inhalten gefüllt, um die Handlung festzulegen. Sie müssen das nicht selbst tun, es ist aber gelegentlich hilfreich, um die Momente farbig ausmalen zu können, die Ihnen als besonders interessant erscheinen.

Die Handlung ist selbstverständlich noch etwas hölzern. Das wird sich aber noch ändern lassen.

(Was) Sie beabsichtigt, aus ihrem Auto auszusteigen, öffnet dazu die Tür, zieht erst dann den Zündschlüssel ab und wirft noch einen flüchtigen Blick in den Spiegel.

(Wie?)Sodann nimmt sie eine aufrechte Haltung ein, bevor sie ihr linkes Bein auf den Fußweg setzt. Ihr kurzer, eng anliegender Rock gleitet dabei ein wenig nach oben und gibt dabei etwas zu viel von ihrem Oberschenkel frei, als schicklich ist. Sie bemerkt es, lächlet, und zieht sofort das andere Bein nach. Im letzten Moment ergreift sie den Rocksaum und verdeckt ihre Schenkel züchtig. Sie konzentriert sich und steigt dann mit einer einzigen, fließenden Bewegung aus.

(Wohin?) Ich erkenne, dass sie sich damenhaft verhält, vermute aber auch, dass ein Teil davon allein dazu dient, mich zu faszinieren.

III. Die fertige Geschichte – nicht sensationell, aber brauchbar

Im nächsten Schritt schreibe ich Ihnen nun die Geschichte, die daraus entstehen könnte. Sie wird nun farbiger und durchaus sinnlicher.

Sie öffnet die Tür ihrer schwarzen Limousine, so, als wolle sie mir einen ersten Eindruck von ihrer Schönheit geben, wendet sich dann aber überraschend wieder dem Armaturenbrett zu. Mit einer lockeren Handbewegung zieht sie den Zündschlüssel ab, steckt ihn beiläufig in ihre Handtasche, und wirft noch einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel, wobei sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn streicht. Eine Sekunde später sitzt sie aufrecht und selbstbewusst auf dem Fahrersitz, als wolle sie sich noch einmal sammeln. Ihr linkes Bein, sorgfältig bestrumpft und matt glänzend, schiebt sich auf den Gehweg, bis die Sohle ihres gewagten, hochhackigen Schuhs festen Halt auf dem Boden findet. Ihr abenteuerlich kurzer, eng anliegender Rock wandert dabei ein wenig an ihren Oberschenkeln hoch. So weit, dass ein ausgemachter Voyeur sich dafür interessieren würde, welche Farbe und Form wohl ihr Höschen haben mag. In der Tat liegt nun mehr von ihrem Oberschenkel frei, als gemeinhin als schicklich gilt. Ich sehe aus den Augenwinkeln den Ansatz von Strapsen, versuche aber, die Augen auf ihr Gesicht zu lenken. Sie scheint ein wenig in sich hineinzulächeln, beachtet mich aber scheinbar nicht. Ihre Lippen kräuseln sich ein wenig, während sie nun auch das zweite Bein auf den Gehweg stellt. Ihr Körper streckt sich dabei, so, als wolle sie sich nochmals für ihren Auftritt vorbereiten. Doch statt sofort auszusteigen, nutzt sie den letzten Moment, um den immer noch wenig damenhaft sitzenden Rock am Saum nach unten zu ziehen. Dann steht sie auf – mit einer einzigen, fließenden Bewegung. Sie legt den Kopf zunächst leicht schräg, um dann auf mich zuzugehen und mich schalkhaft zu fragen: „Sie sind Hartmut, wie ich vermute?“

Satt einer Antwort lächele ich sie an, wechsle ein paar Worte zur Begrüßung, nichts wirklich Bedeutendes. Kein Zweifel: Sie hatte jede Sekunde ihres Auftritts sorgfältig geplant, hatte mich Geste um Geste neugieriger gemacht, und meine Fantasie angeregt. Möglicherweise wollte sie nichts anderes erreichen, als meine Reaktionen zu prüfen. Viellicht hat sie nun bereits ein Röntgenbild meiner Psyche und ein Modell meines Charakters. Doch ich muss gestehen, dass meine Gedanken längst wieder bei den auf High Heels schwebenden, dunkel bestrumpften Beinen sind. Ich kann sie nicht mehr hindern, daran hochzuwandern. Zur Hölle mit dem Gentleman in mir: Ich bin interessiert an jedem Zentimeter ihrer Schenkel oberhalb des Rocksaumes, und ich denke, sie weiß es.

Probieren Sie diese Methode einfach aus

Als Kurzgeschichte kann dies alles so stehen bleiben. Wenn Sie die Geschichte der gesamten Verabredung schreiben wollen, bitte schön. Sie sind herzlich eingeladen, den ersten Teil zu variieren, um dann weiterzuschreiben. Dazu können Sie die neu erlernte Formel benutzen. Gleich, was alles geschehen soll: Jede Episode des Abends kann mit dieser Methode erarbeitet werden.

Kein Sex ist manchmal auch eine Lösung

Auch ein Gegenstand kann erotisch sein

Es gibt im Prinzip vier Arten, erotisch zu schreiben:

1. Mit deutlichen sexuellen Vorgängen, gepaart mit starken Gefühlen.
2. Ohne sexuelle Vorgänge, aber mit der Schilderung starker Gefühle.
3. Mit deutlichen sexuellen Vorgängen, aber ohne Gefühle.
4. Ohne explizit dargestellte sexuelle Vorgänge und ohne intensive Gefühle.

Wahrscheinlich werden Sie nicht sofort allen Punkten zustimmen. Ist denn „kein Sex“ überhaupt eine Lösung? Und kann gute Literatur geschrieben werden, wenn man die Gefühle beim Sex ausspart?

Kommen wir einmal zurück auf das Thema, das ich unter dem Stichwort „„ schon einmal beschrieben habe, und hier habe ich Ihnen nun ein wenig mehr vom Anfang der Geschichte zusammengestellt.

Stella … spürte, wie ihr Herz flimmerte, als sie ihren nackten Körper nochmals genau im Schlafzimmerspiegel begutachtete. Ihre Hände strichen noch einmal liebvoll über den Eichenrahmen des Spiegels, so als wolle sie ihn liebkosen. Es schien ihr schrecklich dreist zu sein, vielleicht sogar etwas unartig, sich selbst in dieser Weise zu betrachten.


Kein Sex – Stella liebkost nicht einmal ihren Körper, sondern nur den Eichenrahmen des Spiegels. Aber wir stellen uns natürlich vor, dass etwas „dahintersteckt“. Und tatsächlich erfahren wir erst einige Seiten später, dass Stella davon träumt, endlich einen Mann zu haben – und sich zugleich schämt, sich in diesem Gedanken zu verfangen. „Sie hatte in Gedanken gesündigt, was so schwer wog, als die Sünde wirklich zu begehen.“

Man kann also erotisch schreiben, ohne die Sexualität zu erwähnen, und sie dabei dennoch im Auge haben.

Was aber bewirken die vier Methoden normalerweise?
Sex und Gefühle
Schauen wir uns die Nummer eins an. Das ist der typische wilderotische Roman, der zumindest zeitweilig in totale entrückte, gefühlsbetonte Lüste verfällt und dabei ziemlich präzis beschreibt, wie die Heldinnen und Helden handeln. Er eignet ich für Frauen und Männer, die nichts sehnlicher wünschen, als das unsere Worte die Lust in ihnen wecken.

Nur Gefühle, kein Sex
Ich denke, diese Methode hat jeder schon einmal versucht: Der Sex also solcher wird ausgespart. Man sieht sich im Spiegel, fanatisiert darüber, dass der Liebhaber anwesend wäre, streicht sanft über Seide, Samt oder Leder, erinnert sich an seinen oder ihren Duft. Bei verschiedenen Praktiken, gerade solchen aus dem Bereich der Domination und Unterwerfung, kann Sex auch ganz wegfallen.

Nur Sex, aber keine Gefühle
Früher hätte man diesen Bereich der Literatur „eindeutig“ der Pornografie zugeordnet. Mittlerweile ist das Thema „nur Sex, keine Gefühle“ aber durchaus anerkannt, wenn man „den Sex in einer lieblosen Zeit“ schildert, oder einer der Partner Sex schenkt, um einen Vorteil anderer Art daraus zu erlösen. Wer sehr versiert ist, kann Sex ohne Gefühle beschreiben, aber dennoch die Fantasie soweit anregen, dass sich die Gefühle im Kopf aufbauen.

Kein Sex, keine Gefühle
Wie kann man erotisch schreiben, ohne Sex oder Gefühle zu erwähnen? Es ist nicht einfach, aber machbar. Das „Objekt der Begierde“ ist dabei ein „Stellvertreter“. Das kann ein ganz gewöhnlicher Gegenstand mit erotischer Ausstrahlung sein, aber auch ein Fetisch. Typisch für das erotische Schreiben ohne erotische Gefühle ist die Umschreibung, in die man die Fantasie des Lesers hineinkriechen lässt.

Sie sehen: Erotisch schreiben ist eine Frage des „WIE“, keine Frage des „WAS“. Ähnlich wie in der erotischen Fotografie muss auf dem „Bild“, das Sie dem Leser vorliegen, mehr herauszulesen sein als objektiv vorhanden ist. Wenn Ihnen dies gelingt, dann schreiben Sie meisterlich.

zum Thema:

Beschreiben statt Fühlen.
An den Gefühlen entlang schreiben.
Wie ist es, keine erotischen Gefühle zu beschreiben?

Die Absicht beim erotischen Schreiben

Bei allen Hinweisen, die ich Ihnen zum erotischen Schreiben gab, habe ich etwas vorerst bewusst ausgenommen: Ihre Absichten.

Erotische Literatur wird aus vielen Gründen geschrieben, und ich zähle Ihnen hier einige davon auf:

1. Als lebensnaher Ausflug in die sexuelle Welt von Personen, die auch aus anderer Perspektive geschildert werden.
2. Um die Erlebnisse eines Liebespaars plastischer und realistischer darzustellen.
3. Um die Neugierde der Leserinnen und Leser auf (meist ungewöhnliche) sexuelle Praktiken zu stillen.
4. Um Lüste und Sehnsüchte, die in der Realität nicht erfüllbar sind, wenigstens durch das Kopfkino zu befriedigen.
5. Um Wollust und Geilheit zu erzeugen.

Selbstverständlich muss keiner der Punkte isoliert für sich stehen, sondern kann in verschiedenen Varianten in einem einzigen literarischen oder profanen Werk vorkommen. Dennoch steht hinter jedem literarischen Versuch ja zunächst ein Motiv, an dem sich die Autorin oder der Autor orientiert.

Erotische Literatur im Internet - meist schlechtes Vorbild

In der erotischen Literatur, die im Internet verbreitet wird, überwiegen eindeutig Geschichten, die sich im Bereich der Fantasie innerhalb eines äußert begrenzten Themenbereichs abspielen. Man liest von Institutionen, in denen Nacktheit obligatorisch ist, von Fetischen, Dreiern, Partnertausch oder Orgien und schließlich gar von Körperstrafen, die von Mal zu Mal verschärft werden. Übersteigen sie den Rahmen einer Kurzgeschichte, so wird ihnen zumeist dadurch Spannung eingehaucht, dass Episoden aneinandergereiht werden, die sich inhaltlich kaum unterscheiden. Diese Art des Erzählens schließt in der Regel aus, sich ausführlich mit der Person, ihren heftigen Emotionen, Lüsten und Ängsten zu beschäftigen. Die Heldin oder der Held wird sozusagen von Episode zu Episode geschleust, und das einzige Spannungselement ist: „Wird es am nächsten Tag (beim nächsten Treffen) noch heftiger zugehen?“

Eine erotische Alternative zu Internet-Episoden

Interessanter wäre, eine kurze erotische Entwicklungsgeschichte zu schreiben, in der es entweder mehrere Akteure oder eine Vielfalt von Situationen gibt, die alles von „schauderhaft empfunden“ bis „mit höchster Lust genossen“ enthalten. Ihre Heldin oder ihr Held kann zum Beispiel an jeder Episode lernen und bei nächster Gelegenheit auch bereits versuchen, das Erlernte weiterzugeben. Auf diese Weise wird Ihre Geschichte die wesentlichen Themen befriedigen, nach denen die Neugierige, aber permanent „untervögelte“ Leserin sucht. Um es noch einmal zu sagen (ich schreibe es häufiger): Die Leserin muss sich nicht in allen Episoden persönlich wiederfinden, aber einzelne Szene sollten sie doch so „packen“, dass sie sich selbst in der Rolle der Heldin fühlt.

Schreiben, um sexuelle Neugierde zu bedienen

Sie können anhand der „Fifty Shades of Grey“ im Positiven wie im Negativen sehen, wie neugierige, sexuell eher frustrierte Frauen das Schicksal einer Frau verfolgen, die lernt, jede Facette der Lust auszukosten.

Sexuelle Neugierde ist also durchaus ein Motiv, ein Buch zu lesen. Entsprechend groß ist das Interesse an allen Praktiken, die einer Bürgertochter aus gutem Hause oder einer Kleinstadt-Frau verwehrt oder vermiest wurden. Neben Oralverkehr ist es vor allem das sexuelle Rollenspiel, jede Form von Sex mit mehr als zwei Personen, das Spiel mit Freiheit und Unfreiheit (Bondage) sowie die lustvolle oder erniedrigende Strafe – und nicht zuletzt das Grasen auf dem Terrain gleichgeschlechtlicher Liebe.

Sobald die Form der Kurzgeschichte von Ihnen verlassen wird, sollten Sie die meist prüde Umgebung der Heldin ins Spiel bringen, aus der heraus jede sexuelle Abweichung sofort zugleich Haarsträuben und Neugierde erzeugt. Sie können dies durchaus unvermittelt tun, beispielsweise, indem Sie gleich zu Beginn konservative Auffassungen schildern, die während eines Kaffeekränzchens geäußert wurden. Wir ich ebenfalls schon vielfach schrieb, gilt der „Direkteinstieg“ nicht nur für die Kurzgeschichte. Auch in der Novelle oder im Roman sollten Sie sofort ins aktuelle Geschehen einzutauchen und sich nicht die Mühe machen, zuerst Personen, Umgebung Ort und Zeit vorzustellen. Das können Sie, falls nötig, im Laufe des zweiten Kapitels immer noch nachholen.

Beschreiben statt zu fühlen – geht das?

Einfach die Bluse runter? Oder gefühlvoll ausziehen?
Die erotische Literatur bietet Ihnen eine Besonderheit, die nicht alltäglich ist. Normalerweise erzeugen Sie die erotische Spannung, indem Sie sehr nahe an die Körper ihrer Figuren herantreten oder tief ins Innere der Gefühlswelt ihrer Figuren eindringen. Das hat den Vorteil, auch bei Ihren Leserinnen und Lesern sofort Gefühle auszulösen.

Wie ich bereits schrieb, ist auch das Gegenteil möglich. In diesem Fall verzichten Sie ganz bewusst auf die Erotik des Gefühls. Stattdessen überlassen Sie ihren Leserinnen und Lesern, sich selbst die Gefühle auszumalen, die in der nüchternen Betrachtung ausgespart blieben.

Etwas Sächliches, das alles andere als sachlich ist

Eine recht brauchbare Technik besteht darin, die erotischen Praktiken so bildhaft zu beschreiben, dass sich dennoch Gefühle einstellen – selbst dann, wenn nicht einmal der Vorgang erotisch ist.(1)

Ohne große Schwierigkeiten fand ich das Fach für die Batterien und lud den Vibrator auf. Ich drehte an einem winzigen Rädchen, und er begann zu zittern. Dann drehte ich stärker auf, bis er in meiner Handfläche tanzte. Es war lustig. Es war genau wie am Morgen des Dreikönigstags. Da fing auch eine ganz normale, leblose Puppe an zu sprechen und sich zu bewegen, nachdem ich zwei Batterien in ihren Rücken gesteckt hatte.


Hier wird etwas absolut Profanes beschrieben, aber der Leser wird auf eine Spur geführt: Damals gab es ein Spielzeug, heute gibt es ein Spielzeug. Alles ist gut, und es ist lustig, zu spielen. Und die Batterien verhalfen schließlich auch einer „ganz normalen, leblosen Puppe“ zu neuen Aktivitäten.

Je präziser die Schilderung des Handelns, und je bildhafter sie sich an den Leser überträgt, je mehr Erwartungen geweckt werden, und je schamloser sie sind, umso mehr steigern sich die Gefühlswallungen bei der Leserin oder beim Leser.

Die grausame Kälte: Gleichgültigkeit gegenüber Gefühlen

In einem britischen Briefroman (2) wird das staunende und gaffende Männerpublikum auf eine ausgesprochen beschämende Szenerie vorbereitet, wobei deutlich wird, dass es im Grunde gleichgültig ist, was die Person fühlt, von der die Rede ist.

Geben Sie acht, meine Herren, und beobachten sie, wie hart und schnell der Puls hier an ihrer Kehle schlägt. Könnte es sexuelle Erregung beim Gedanken daran sein, gezüchtigt zu werden? Oder ist es nicht mehr als die verzweifelte Angst einer einer jungen Frau? Es spielt keine Rolle. Jedes dieser Gefühle ist ein treffender Ausdruck für ihre Erregung.


Im folgenden kurzen Essay wird versucht, die Erregung, die Scham und letztendlich die „Fügung in das Unausweichliche“ eines sogenannten „ersten Mals“ zu verdeutlichen, ohne Gefühle anzusprechen. Möglicherweise erkennen Sie recht schnell, wie der Trick wirkt (3):

«Ich streichelte ihre kleinen, festen Brüste durch die weiße Baumwollbluse. Sie schien keinen Büstenhalter zu tragen, was für ein eine junge Frau aus ihren Kreisen höchst ungewöhnlich war. Sie ließ es eine Weile geschehen, doch als ich mit dem Zeigefinger ihre harten Brustwarzen umkreiste, sagte sie leise, aber bestimmt: „Lass das, bitte.“
„Warum?“, fragte ich sie erstaunt. „Ich war der Meinung, du hättest … so etwas gerne?“ „Meine Bluse wird schmutzig“, sagte sie, „Sie ist frisch gewaschen und du hast klebrige Hände.“ „Dann zieh sie aus“, antworte ich spontan.
Sie stand auf, sah mich verächtlich an, knöpfte aber zu meiner Überraschung ohne zu zögern die Bluse auf. Ihre Brüste waren noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. „Wir müssen irgendwie anfangen“, sagte sie kühl. „Hast du es schon mal getan?“
„Was getan?“
„Gevögelt. Das wolltest du doch von vornherein?“
Ich schwieg, sah betreten auf den Boden.
„Ich hatte dich gefragt, ob du es schon einmal mal mit einer Frau gemacht hast?“
„Ja“, log ich mit hochrotem Kopf. Sie sah erneut verächtlich auf mich herab.
„Du lügst“, sagte Sie, „aber keine Angst, ich zeig dir, wie’s am besten geht.“
Daraufhin streifte sie ihren Rock ab, löschte sie das Licht und begann, mich auszuziehen. »


Ich denke, dass sich manche Frau und mancher Mann in der Geschichte wiederfinden und seine eigenen Emotionen in die versachlichte und völlig emotionslose Schilderung einbringen wird.

Gefühle malen oder ausmalen lassen?

Was können wir daraus entnehmen? Mit sinnlicher Nähe geschilderte sexuelle Gefühle kriechen und unter die Haut, erregen uns, während wir sie lesen. Ich erzähle wohl kaum jemandem etwas Neues, wenn ich sage: Sie machen eben auch geil, wenn sie genau den Nerv treffen, an dem wir eine sinnliche Schwäche haben. Wenn wir aber möglichst detailliert die Abläufe eines Vorgangs schildern, ohne die damit verbundenen Gefühle „mitzuliefern“, dann malt sich der Leser sie mit seinen eigenen Farben aus. Beide Methoden haben also ihre Berechtigung, und in Kombination ergibt sie eine köstliche sinnliche Abwechslung aus „heiß und kalt“.

Vorschlag für sinnliche Blümchensexgeschichten

Träumen von der Lust ist oft schöner, als Sex zu haben
Blümchensex, englisch auf als „Vanilla“ bekannt, ist ein wenig beachtetes Thema in der erotischen Literatur. Gerade wurde ich bezichtigt, zu exotische Themen vorzuschlagen. Nun gut, ich tat es für Sie, nicht für mich. Doch ist es ein Wunder, dass der Blümchen- oder Druckknopf-Sex als langweilig gilt? Die Varianten, so sagte mir einst ein Autor, sind ungefähr so zahlreich wie die Möglichkeiten eines Lochers, ein Stück Papier zum Abheften vorzubereiten.

Wirklich? Ja, wenn Sie gewohnt sind, den Geschlechtsakt notgedrungen beschreiben zu müssen, ohne ihn in Gedanken nachzuempfinden. Dann können Sie genauso gut beschreiben, wie jemand einen Dübel in ein Werkstück einschlägt. Bumm, bumm. Anders wäre es, wenn Sie mit ihrer Heldin fühlen würden, so als säßen Sie daneben. Das leise Seufzen, das Stoßweise atmen, die spitzen Schreie – wenn das alles Musik in Ihren Ohren ist, dann schreiben Sie doch einfach davon.

Sex-Geschichten schreiben, ohne Sex zu beschreiben

Oh, sie hassen den „Moment der Wahrheit“ beim Sex? Ihnen kann geholfen werden.

Wie wäre es, wenn sie jetzt und hier an Dessous denken würden? Stellen sie sich vor, sie kaufen das schicke Teilchen im Laden, im Internet oder sonst irgendwo.

Kaufen Sie da einen Fetzen Stoff? Nein – Sie kaufen einen Rahmen für ihren Körper, der sinnlich machen soll – so sinnlich, dass Ihrem Liebhaber heiß und kalt wird, wenn er Sie darin sieht. Nun stellen sie sich vor, wie Sie es anziehen und sich das erste Mal im Spiegel darin sehen. Gefallen Sie sich? Wie wird Ihr Liebhaber reagieren, wenn er die wundervollen Spitzen sieht, die sich über ihren Brüsten sinnlich darbieten? Wann wird er den Stoff berühren, und was werden Sie empfinden, wenn er es tut? Spüren sie schon seine Hände oder seinen Mund an ihren Körper, seinen Atem, der über die nackte Haut und die kühle Seide streicht? Darf er seine Hände benutzen, um Ihnen das Teilchen auszuziehen? Oder muss er – nun doch etwas frivol - seinen Mund nutzen, um es zu tun?

Sehen Sie, so geht es. Sie müssen niemals unter ihm liegen, oder auf ihm herumreiten. Lassen Sie ihre Heldin ausführlich ausmalen, was vorher passieren könnte … und den Teil, der Ihnen hernach so gar nicht behagt, den lassen Sie einfach aus. Das Teilchen … es liegt irgendwo zerknüllt zwischen den Laken, wenn Sie aufwachen. Und wenn Sie es sehen, glänzen ihre Augen, nicht wahr? Dann erinnern Sie sich an die Sinnlichkeit zweier Köper, die durch den kleinen Trick mit dem frivolen Teilchen in dieser Nacht besonders intensiv ineinander gerieten.

Na – und nun schreiben Sie schon – oder?