Skip to content

Sieben wirklich gute Ratschläge für ängstliche Erotik-Autorinnen

Respektieren Sie sich und Ihre Gefühle - und statten Sie Ihre Heldin mit anderen Gefühlen aus

Die Lust auf Sex wohnt in jedem Hirn, jedem Herzen und jedem Bauch – was läge da näher, als auch über die Lust zu schreiben?

Ja - ich gestehe Ihnen zu, dass es nicht schön ist, von einer CDU-Frau als Pornografin beschimpft zu werden, wie dies eine bekannte Erfolgsautorin schmerzlich erfahren musste. Aber Sie müssen damit rechnend, dass ihr Entschluss, über Erotik zu schreiben, Kontroversen auslöst.

Diese wichtigen Autoren-Ratschläge können ihnen Helfen, über Zweifel und Selbstzweifel hinwegzukommen.

1. Respektieren Sie sich und ihre Gefühle
Respektieren Sie sich selbst mit ihrer Sprache und Ihrer Sichtweise, aber gehen sie den Schritt darüber hinaus, der die Fantasie zum Funkeln bringt. Lust entsteht in erster Linie im Kopf – zwischen den Beinen fühlt sie der Leser (und die Leserin!) erst wenn der Kopf längst glüht.

2. Versuchen Sie, Genitalien auszusparen
Wenn Sie keine Meisterin / kein Meister des Genres sind, versuchen Sie, Geschlechtsorgane möglichst selten zu benennen. Bevor sich der Penis hebt und die Vagina befeuchtet, entwickeln sich Gefühle, die Sie beschreiben sollten.

3. Möglichst wenig Klischees
Sie haben kitschige Szenen in romantischen Frauenromanen gelesen, und neuerdings mit Sicherheit auch in erotischen Frauenromanen. Häufig wird Klischee an Klischee gereiht, wie etwa „weiche Knie“ oder „Schmetterlinge im Bauch“. Lassen Sie sich bitte etwas einfallen, dass es in ihrer Sprache schon gab, bevor sie Kitschromane lassen.

4. Sexszenen nicht aneinanderreihen wie Perlen
Versuchen Sie gar nicht erst, eine Sexszene nach der anderen wie bei einer Kette aufzufädeln. Lassen Sie Ihren Heldinnen und Helden Zeit zum Sehnen, Fühlen und Nachdenken - und sich selbst auch.

5. Alle fünf Sinne ansprechen
Wie ich schon vielfach schrieb, werden sinnliche Genüsse mit mehr als einem Sinn erfasst. Wonach riecht das Schlafzimmer der Dame? Welche Geräusche hinterlassen ihre Schritte? Was sehen Sie in ihren Pupillen? Wie schmecken ihre Lippen? Was spüren Sie, wenn sie ihre Haut berühren? Damit bringen Sie die Geschichte „hautnah“ an ihre Leserinnen und Leser.

6. Verführen Sie mit Worten, nicht mit dem Körper
Die Verführung in erotischen Geschichten verfängt durch Worte, nicht durch Taten. Es kommt nicht darauf an, dass die Hand des Helden unter den Rock der Heldin kriecht, sondern wie das geschieht.

7. Wechseln Sie zwischen distanzierter und unmittelbarer Ansprache
In weichen, sinnlichen Szenen versuchen Sie, Ihrem Leser oder Ihrer Leserin „unter die Haut“ zu kriechen. Versachlichen Sie ihre Sprache aber, sobald etwas Ungewöhnliches, Befremdliches gefordert wird – das würde Sie ja in jeder anderen Erzählung auch tun.

Ich hoffe, Sie konnten ein paar Tipps brauchen, um Ihre Erzählung zu beginnen.

Erotisch schreiben: Aufsatz, Groschenroman oder Literatur?

Comic, Groschenroman oder Literatur? Der Trivialroman wurde salonfähig
Seit wir mit dem Erfolg der „Fifty Shades of Grey“ erlebt haben, wie ein im Groschenroman-Stil verfasstes Machwerk Millionen Frauen begeistern kann, erscheint die Frage müßig, ob wir Groschenromane oder Literatur schreiben wollen. Gut ist, was Ruhm einfährt.

Tatsächlich entsteht das lustvolle Prickeln zwischen zwei Personen sowohl im trivialen Groschenheftchen, das heute zumeist E-Book heißt, wie auch in etwas anspruchsvolleren Romanen. Während aber die Serienschreiber sozusagen „durch die Augen auf die Muschi“ zielen, bezieht sich die erotische Literatur auf ein menschliches Wesen, das durch Erotik entweder angerührt wird oder aber von ihr durchdrungen ist.

Die meisten Autorinnen wählen den Mittelweg zwischen Kitsch und Kunst

Der folgende hocherotische Beitrag handelt von einer lesbischen Verführung. Die Autorin, Anne Félix (1) greift nach unseren Gedanken und lässt uns nicht mehr los:

Die dunklen Augen, die sich zwischen ihre Schenkel vertieften, rüttelten sie wach. Cora untersuchte sie genau … Sie schob ihr Kleid zurück. Der Satinslip changierte geheimnisvoll im Lampenschimmer. Sie näherte ihre Hand, bis fast an die Schenkel.


Literarisch gibt diese Stelle nicht viel her – sie baut aber auch nicht auf sattsam bekannten, kitschigen Mustern einer lesbischen Verführung auf. Damit hätten wir einen Standard: Lüstern darzustellen, was lüstern gelebt wird. Eine Verführung kann nicht beschrieben werden, wenn Sie als Autor nur flüchtig beobachten, was geschieht.

Ganz ähnlich verführt uns Ms. James in den bekannten „50 Shades of Grey zum Weiterlesen (2):

Meine Brüste schwellen an und meine Brustwarzen werden hart unter seinem unverwandten Blick. Mein BH schnürt mich ein wie ein Geschirr. „sehr schön“ flüstert er anerkennend, und meine Brustwarzen werden noch härter.


Auch diese Stelle ist nicht wirklich interessant geschrieben, führt aber zum gleichen Ergebnis: Wir spüren, was in der Protagonistin vorgeht, obgleich bereits recht klischeehaft geschildert wird, wie sich die Brustwarzen verhärten.

Um beide Beispiele zu verstehen, sollten wir noch wissen, dass die Ereignisse das Ergebnis einer langen Kette von Begegnungen und Ereignissen sind, also nicht plötzlich und isoliert in den Büchern vorkommen. Bei Kurzgeschichten (7) müssen wir aber unmittelbar ins Geschehen einsteigen – und daher ist umso wichtiger, die Gefühle in den Mittelpunkt der kurzen Handlungen zu stellen.

Ohne Gefühlsnähe nur stumpfe, spröde Sätze

Die Beispiele, die ich bisher anführte, sind also brauchbar, um etwas für den eigenen Umgang mit erotischer Literatur zu lernen. Ich vergleiche sie nun bewusst mit schlecht geschriebenen Textstellen. Die Autoren erreichen die Gefühle der Leser nur unvollkommen - wenn überhaupt.

Dieser Autor (3) kann trotz der Icherzählung keine Gefühle übermitteln:

Ihre Nähe sorgte dafür, dass ihre hervorstechenden Brüste auf meinem Brustkorb ruhten, wie versehentlich, aber durchaus mit Absicht, wie ich inniglich hoffte. Das Gefühl ihrer sanften Wärme war so erotisch, dass mein Kopf durchdrehte …


Auch in dem folgenden Beispiel fehlt die erforderliche Nähe zu den Gefühlen der Person – die Nähe zu einem Schulaufsatz (4) ist deutlich zu spüren:

Ich drehte mich um und konnte es kaum glauben. Sie stand fast nackt vor mir. Ihre Brüste waren mit einem roten Push Up in Form gebracht. Ihre Beine steckten in roten Lackstiefeln, die bis zu den Oberschenkeln reichten … Blut schoss schlagartig durch meine Adern und mir wurde heiß.


Das Gegenteil von zu wenig Einfühlungsvermögen: triefender Gefühlskitsch

Reiner Kitsch hingegen wird durch Klischees bestimmt, wie in diesem Fragment, das einer der Autoren der Liebeszeitung (5) schrieb, um ein Negativbeispiel zu geben. Hier werden zwar Gefühle geschildert, aber dabei wir maßlos übertrieben:

Meine Haut brannte unter seinen Händen, als ob die Finger Flammen darauf setzen wollten. Meine Brustwarzen streckten sich ihm entgegen, und aus ihrer Mitte drang das Feuer in meine Adern. Es ergoss sich wie ein Lavastrom durch meinen Körper, brachte meinen Bauch zum Erzittern und erreichte meine Vagina, die sich sofort entschloss Feuchtigkeit zu spenden, um das Feuer zu löschen.


Heute werden zahllose ähnliche Geschichten verfasst, die auf bestimmte Kreise zugeschnitten wurden, zumeist mit der Absicht, Interessenten auf Webseiten zu locken. Üblicherweise werden dabei Klischees aus Verführungen, Rollenspielen und SM-Aktvitäten (6) verwendet.

Literatur geht anders, doch erfordert sie Mut. Erotik ist nicht klinisch rein, sie hat nicht nur ihre schönen Seiten und sie transportiert und hinterlässt Körperflüssigkeiten. Auch die Geilheit ist nicht einfach blumig, sondern sie überkommt die Menschen, spielt mit ihnen, lässt sie Dinge tun, die sie vielleicht bereuen.

Wenn Sie vorhaben, eine erotische Geschichte zu schreiben, und wenn sie die Freiheit haben, zu schreiben, was sie möchten, dann beherzigen Sie bitte den folgenden Rat.

1. Schreiben Sie lebensnah, nicht idealisierend.
2. Stellen Sie Gefühle in den Mittelpunkt.
3. Benutzen Sie die Verführung des Wortes.
4. Versuchen Sie, Klischees zu vermeiden.
5. Wechseln Sie zwischen Wollust und Zärtlichkeit, wie im richtigen Leben.


Hat Ihnen dieser Artikel irgendwie geholfen? Ich hoffe es für Sie – und für mich.

(1) "Fuchsia", Paris 1981.
(2) "50 Shades of Grey", Australien, 2011.
(3) "Older Woman", Anonym (Sammelband), Waterlooville, 1999.
(4) Web: Erozuna
(5) Ubomi Ulobi: "Übertreibungen und Untertreibungen in erotischen Geschichten" (noch unveröffentlicht).
(6) Sado-Masochistischer Kitsch wird beispielsweise benötigt, Um Kunden auf Domina-Seiten aufmerksam zu machen.
(7) Ich gehe in anderen Artikel ausführlich auf das Thema ein, deshalb wurde es hier ausgelassen.

Wie ist es, keine erotischen Gefühle zu beschreiben?

Fühlen oder nicht fühlen - das ist die Frage

Etwa 90 Prozent der im Internet veröffentlichten Erotik-Geschichten enthalten entweder gar keine erkennbaren Gefühle oder sie verwenden schnöde, allgegenwärtige Umschreibungen, wie etwa „Schmetterlinge im Bauch“ zu haben. Der Grund liegt fast immer darin, dass sich die Autorinnen und Autoren nicht wirklich in ihre Heldinnen und Helden hineinversetzen können, sondern nur „etwas Geiles“ schreiben wollen. Der Mangel an Gefühlen ist also nicht gewollt, sondern beruht auf der Unfähigkeit der Autoren, sich in die Heldinnen und Helden hineinzufühlen.

Doch in einem kleinen Teil der Storys, die dem Internet-Leser zumeist verborgen bleibt, werden bewusst keine Gefühle geschildert, so beispielsweise in diesem Textbeitrag von Carolyn Sees aus „Ein Mann für jede Gelegenheit“:


„Und Kate, sollen wir es tun?
„Nein!“
„Warum nicht?“
„Bist du bescheuert?“
Sie warf einen letzten Blick auf den Bildschirm, auf dem irgendein Typ mit einem Schneebesen beschäftigt war, und richtet sich umständlich im Bett auf.
„In deinem Zimmer“, sagte sie, „aber sei nicht so laut.“


Eine ähnliche Geschichte (hier als gekürzter Auszug veröffentlicht) hat Chester Himes geschrieben:

„Zieh deine Schuhe aus, Baby!“
„ich will nicht.“
Also zog er seine eigenen Schuhe aus. Noch ein Drink.
„Zieh dich aus, Baby!“
„Ich will nicht.“
So fing er an, sich selbst auszuziehen.


Wenn Sie selber eine Szene dieser Art aufbauen wollen, dann verwenden Sie sprachlichen Minimalismus: eine knappe Sprache mit kurzen Sätzen. Das geht etwa so: (Ausschnitt):


Wir gehen hinaus aus dem Restaurant, bleiben unter einem Torbogen stehen.
„Hast du noch was vor?“
„Nein, woran dachtest du?“
„An Sex. Ich will es.“
„Keine Frau sagt so etwas.“
„Ich sage es, und ich bin eine Frau.“
„Jetzt?“
„Ja jetzt.“
„Müssen wir da nicht Vorbereitungen treffen?“
„Ich habe ein Kondom, kein Problem.“
Er denkt nach. Ich mag nicht, wenn die Kerle lange nachdenken.
Schließlich sagt er: „Ich dachte an ein Bett, Kerzen, ein Glas Sekt …“
Davon muss er runter. Ich mache eine Ansage, damit er mich versteht: „Nein, jetzt. Hier. Ich bin jetzt geil, nicht später.“
Ich ziehe mein Kleid hoch. Den Slip hatte ich schon im Restaurant ausgezogen.
„Fass meinen Hintern an, verdammt!“
Er kann wenigstens zupacken.


In den Beispielen wird „keine Gefühle haben“ als Stilmittel verwendet. Das ist keinesfalls mehr ungewöhnlich, denn Liebe und Sex existieren gemeinsam, aber auch unabhängig voneinander. Also ist es auch möglich, den Sex zu isolieren. Relativ neu sind Schilderungen von Frauen, die zeitweilig nichts als Sex wollen.

Wenn sie an eine längere Geschichte, beispielsweise eine Novelle denken, können Sie darin einen Glückswandel einbauen. Fast unbemerkt und unter heftigen inneren Widerstand kann sich ihre Heldin verlieben – und dann können Sie beschreiben, wie sich nach und nach lustvolle und romantische Gefühle in die Psyche ihrer Heldin einschleichen.

Warum AIDA ihre sinnliche Kurzgeschichte vorantreibt

Nicht alles ist, was es zu sein scheint. Wie Ihnen Schreib-Tricks helfen können
Nein, es ist nicht die Oper Aida, die sich als Stoff für eine sinnliche Kurzgeschichte eignet, es ist vielmehr eine Formel, die sich hervorragend für den Aufbau von Kurzgeschichten eignet. Warum Autoren sie zumeist nicht kennen? Weil sie nichts aus ihrem Metier stammt.

AIDA wurde entwickelt, um angehenden Verkäufern das Leben zu erleichtern. Und das soll bei angehenden Autoren auch funktionieren? Ja sicher. Wo liegt denn der Unterschied zwischen einem verführerisch inszenierten Verkauf und einer verkäuferisch inszenierten Verführung? Formal läuft beides nach gleichen Regeln ab – und wir können getrost „formal“ denken, denn wir beschäftigen uns ja gerade mit der Form unserer Geschichte.

AIDA ist ein Akronym, wie man unschwer erkennt, das eingedeutscht aus vier Teilen besteht:

A – Aufmerksamkeit
I – Interesse
D – Drang
A – Abschluss.


Das geht so: Nachdem Sie die Aufmerksamkeit des Lesers mit ihrer meist ultrakurzen Einführung gewonnen haben, schüren sie nun sein Interesse an der Situation, in der sich ihr(e) Protagonist(in) befindet. Dann bauen Sie eine Spannung auf, aus der heraus ein lüsterner Drang entsteht. Haben sie den erreicht, folgt ein furioser Abschluss.

Sehen Sie, wie einfach das ist?

Vielen von Ihnen, besonders jenen, die Schreibschulen besucht haben, wird das Modell abenteuerlich vorkommen. Doch wenn Sie es mit den Modellen vergleichen, die Sie dort erlernt haben, werden sie feststellen: Dieses einzigartige Modell ist einfacher und führt schneller zum Erfolg. Beantworten Sie sich selbst diese Frage:

Warum soll ich einen halben Tag darauf verwenden, ein Konzept zu entwickeln, wenn ich meine Geschichte in einem halben Tag komplett zu Ende schreiben kann?


Gehen Sie den einfachen Weg. Folgen Sie immer Ihrem ersten Gedanken, und entwickeln Sie diesen weiter, während Sie die Geschichte schreiben. Für Ihre Kurzgeschichte von maximal 1000 Wörtern benötigen sie wirklich keine Gerüste. Selbst, wenn sie erotische Romane schreiben wollen, werden Sie feststellen: Wenn Sie Episode für Episode schreiben, und jedes Kapitel in sich abschließen, haben Sie es leichter, als wenn Sie ständig den ganzen Roman im Kopf bewegen müssen.