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Beschreiben statt zu fühlen – geht das?

Einfach die Bluse runter? Oder gefühlvoll ausziehen?
Die erotische Literatur bietet Ihnen eine Besonderheit, die nicht alltäglich ist. Normalerweise erzeugen Sie die erotische Spannung, indem Sie sehr nahe an die Körper ihrer Figuren herantreten oder tief ins Innere der Gefühlswelt ihrer Figuren eindringen. Das hat den Vorteil, auch bei Ihren Leserinnen und Lesern sofort Gefühle auszulösen.

Wie ich bereits schrieb, ist auch das Gegenteil möglich. In diesem Fall verzichten Sie ganz bewusst auf die Erotik des Gefühls. Stattdessen überlassen Sie ihren Leserinnen und Lesern, sich selbst die Gefühle auszumalen, die in der nüchternen Betrachtung ausgespart blieben.

Etwas Sächliches, das alles andere als sachlich ist

Eine recht brauchbare Technik besteht darin, die erotischen Praktiken so bildhaft zu beschreiben, dass sich dennoch Gefühle einstellen – selbst dann, wenn nicht einmal der Vorgang erotisch ist.(1)

Ohne große Schwierigkeiten fand ich das Fach für die Batterien und lud den Vibrator auf. Ich drehte an einem winzigen Rädchen, und er begann zu zittern. Dann drehte ich stärker auf, bis er in meiner Handfläche tanzte. Es war lustig. Es war genau wie am Morgen des Dreikönigstags. Da fing auch eine ganz normale, leblose Puppe an zu sprechen und sich zu bewegen, nachdem ich zwei Batterien in ihren Rücken gesteckt hatte.


Hier wird etwas absolut Profanes beschrieben, aber der Leser wird auf eine Spur geführt: Damals gab es ein Spielzeug, heute gibt es ein Spielzeug. Alles ist gut, und es ist lustig, zu spielen. Und die Batterien verhalfen schließlich auch einer „ganz normalen, leblosen Puppe“ zu neuen Aktivitäten.

Je präziser die Schilderung des Handelns, und je bildhafter sie sich an den Leser überträgt, je mehr Erwartungen geweckt werden, und je schamloser sie sind, umso mehr steigern sich die Gefühlswallungen bei der Leserin oder beim Leser.

Die grausame Kälte: Gleichgültigkeit gegenüber Gefühlen

In einem britischen Briefroman (2) wird das staunende und gaffende Männerpublikum auf eine ausgesprochen beschämende Szenerie vorbereitet, wobei deutlich wird, dass es im Grunde gleichgültig ist, was die Person fühlt, von der die Rede ist.

Geben Sie acht, meine Herren, und beobachten sie, wie hart und schnell der Puls hier an ihrer Kehle schlägt. Könnte es sexuelle Erregung beim Gedanken daran sein, gezüchtigt zu werden? Oder ist es nicht mehr als die verzweifelte Angst einer einer jungen Frau? Es spielt keine Rolle. Jedes dieser Gefühle ist ein treffender Ausdruck für ihre Erregung.


Im folgenden kurzen Essay wird versucht, die Erregung, die Scham und letztendlich die „Fügung in das Unausweichliche“ eines sogenannten „ersten Mals“ zu verdeutlichen, ohne Gefühle anzusprechen. Möglicherweise erkennen Sie recht schnell, wie der Trick wirkt (3):

«Ich streichelte ihre kleinen, festen Brüste durch die weiße Baumwollbluse. Sie schien keinen Büstenhalter zu tragen, was für ein eine junge Frau aus ihren Kreisen höchst ungewöhnlich war. Sie ließ es eine Weile geschehen, doch als ich mit dem Zeigefinger ihre harten Brustwarzen umkreiste, sagte sie leise, aber bestimmt: „Lass das, bitte.“
„Warum?“, fragte ich sie erstaunt. „Ich war der Meinung, du hättest … so etwas gerne?“ „Meine Bluse wird schmutzig“, sagte sie, „Sie ist frisch gewaschen und du hast klebrige Hände.“ „Dann zieh sie aus“, antworte ich spontan.
Sie stand auf, sah mich verächtlich an, knöpfte aber zu meiner Überraschung ohne zu zögern die Bluse auf. Ihre Brüste waren noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. „Wir müssen irgendwie anfangen“, sagte sie kühl. „Hast du es schon mal getan?“
„Was getan?“
„Gevögelt. Das wolltest du doch von vornherein?“
Ich schwieg, sah betreten auf den Boden.
„Ich hatte dich gefragt, ob du es schon einmal mal mit einer Frau gemacht hast?“
„Ja“, log ich mit hochrotem Kopf. Sie sah erneut verächtlich auf mich herab.
„Du lügst“, sagte Sie, „aber keine Angst, ich zeig dir, wie’s am besten geht.“
Daraufhin streifte sie ihren Rock ab, löschte sie das Licht und begann, mich auszuziehen. »


Ich denke, dass sich manche Frau und mancher Mann in der Geschichte wiederfinden und seine eigenen Emotionen in die versachlichte und völlig emotionslose Schilderung einbringen wird.

Gefühle malen oder ausmalen lassen?

Was können wir daraus entnehmen? Mit sinnlicher Nähe geschilderte sexuelle Gefühle kriechen und unter die Haut, erregen uns, während wir sie lesen. Ich erzähle wohl kaum jemandem etwas Neues, wenn ich sage: Sie machen eben auch geil, wenn sie genau den Nerv treffen, an dem wir eine sinnliche Schwäche haben. Wenn wir aber möglichst detailliert die Abläufe eines Vorgangs schildern, ohne die damit verbundenen Gefühle „mitzuliefern“, dann malt sich der Leser sie mit seinen eigenen Farben aus. Beide Methoden haben also ihre Berechtigung, und in Kombination ergibt sie eine köstliche sinnliche Abwechslung aus „heiß und kalt“.