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Vielversprechende erotische Themen (35): Einst im Mittelalter

Eine sehr beliebte Methode, erotische Geschichten zu „veredeln“ und zudem eine sehr gute Möglichkeit, geheimnisvoll und zugleich romantisch zu schreiben, besteht darin, sie in eine andere Epoche zu verlegen – von der Steinzeit bis in die Adenauerära.

Dabei taucht freilich ein Problem auf: Sie sollten sich in dieser Zeit halbwegs auskennen, bevor sie sich auch nur auch nur an die Tastatur setzen. Wie haben die Menschen damals gelebt? Gab es Unterschiede in der Rangordnung, existierte schon eine gesellschaftliche Struktur und wie wirkte sie? Wie stand es um die Rolle der Frauen? Was durften Frauen aus „freien Stücken“ tun, und was geschah, wenn sie sich widersetzten? Welche Möglichkeiten hatten Unverheiratete, und welche Grenzen wurden ihnen gesetzt? Gab es „rechtsfreie“ Orte, und wenn ja, wie gefahrvoll, war es, sich an sie zu begeben?

Sie erkennen vermutlich, dass es problematisch ist, eine erotische Geschichte vollends in einer Epoche spielen zu lassen, zu der Sie im Prinzip keinen Zugang haben. Nehmen wir einmal das Mittelalter als Beispiel.

Es ist ausgesprochen schwer, sich das mittelalterliche Leben vorzustellen, und insbesondere das Leben der Frauen, das durch die Literatur wenig erhellt wird. Lassen Sie nun Ihre Geschichte nur teilweise in einer andern Epoche spielen, so können sie die ungewöhnlichen Passagen kurz halten.

Um Ihre Geschichte also zu vereinfachen, sollte ihre Heldin in der Jetztzeit leben, lieben und leiden. Nun kommt der Trick: Das Leben Ihrer Protagonistin spiegelt sich in einer historischen Traumgestalt, beispielsweise aus einem (ebenso fiktiven) Roman, den Ihre Heldin gelesen haben könnte. Nun gilt es, Parallelen herauszuarbeiten.


Hier sind gleich zwei Vorschläge mit Parallelen zum Mittelalter:

1. Die Erfahrung der Herrin mit einem fahrenden Sänger
Die Troubadoure des Mittelalters sind relativ einfach zu beschreiben: Listig buhlen sie um die Herrinnen, um sie zu erobern – und schritt für Schritt nähern sie sich balzend, dichtend und singend der Geliebten, bis diese sie zum „vögelen“ einlädt. Das Spiel lässt sich selbstverständlich auch aus der Sicht der Herrin beschreiben, die allein entscheidet, wann der Herr Troubadour zur Liebesnacht geladen wird. Für die Parallelgeschichte in der Jetztzeit eignet sich ein Straßenmusiker, der sich in das Bett einer verheirateten, aber einsamen Personalberaterin einschleicht. Geschichten dieser Art leben von einer Mischung aus Lust und Frust, die es insbesondere gegenüber dem Troubadour aufzubauen gilt, denn in Wahrheit bestimmt allein die Herrin, was geschieht.


2. Die Lüste und Ängste der Bademagd
Die Massagepraxis Ihrer Heldin geht schlecht, und sie beschließt, sich ein zweites Standbein zuzulegen: gemeinsame Bäder, erotische Massagen, kurz: „Ein wenig“ Prostitution. Sie vergleicht sich dabei mit einer mittelalterlichen Bademagd, die gemeinsam mit ihren Freiern im Zuber speist und ihnen anschließende das Bett bereitet. Die Spannung kann erzeugt werden, indem sich die Masseurin in einen Klienten verliebt. Wie wird sie sich zwischen Liebe und Geschäft entscheiden?

Beide Themen setzen auch mit dem Kunstgriff der „Parallelhandlung“ Einfühlungsvermögen in die mittelalterliche Sprache und die Gegebenheiten der Epoche voraus, und sie verlangen trotz des Studiums der mittelalterlichen Quellen noch eine Menge Fantasie.

Übrigen sind Geschichten um die ist die schwarze und die weiße Magie, und auch solche um den Hexenkult, auch heute noch aktuell, wie etwas die Bücherserie um den Zauberschüler Harry Potter beweisen. Aus magischen Kulthandlungen und erotischen Zutaten kann also auch heute noch ein geheimnisvoller, sinnlicher Roman „gebraut“ werden.

Heute verzichten wir auf die üblichen Anmerkungen - entscheiden Sie einfach, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen.

Was treibt den erotischen Schriftsteller an?

Wovon wird der erotische Schriftsteller angetrieben? Von seiner Wollust? Das glauben Sie nicht wirklich, nicht wahr? Nein – von der Botschaft, die er Ihnen übermitteln will.

Warum so wenige Menschen wirklich schreiben können

Vorausgesetzt, Sie haben eine Botschaft. Sehen Sie, unsere gesamte Schreibkultur krankt daran, wie wir das Schreiben gelernt haben. Wir sollten Geschichten erzählen, die wir niemals wirklich erzählen wollten. Wir wurden also aufgefordert, aus dem Rohmaterial „Wort“ und einigen Gedanken, die nicht wirklich in uns selbst entstanden, Sätze zu formulieren, die wir in dieser Form niemals sagen würden. Wir lernten, narrativ zu schreiben, und als wir endlich auf diese Schreibmethode eingeschworen waren, sagte man uns, wir müssten sie variieren, weil sie sonst zu öde klänge.

Auf diese Weise wird man vielleicht Beamter, aber kein Schriftsteller – und schon gar kein Autor erotischer Schriften.

Was tun Schriftsteller eigentlich?

Überlegen wir uns doch bitte einmal, was Schriftsteller eigentlich tun – nämlich die Sprache in jeder beliebigen Form zu nutzen, um etwas zu übermitteln. Wörter und Worte in Sprache und Schrift sind nichts als Träger von Informationen. Diese Erkenntnis reicht zwar nicht aus, um Schriftsteller zu sein, führt uns aber auf das Wesentliche zurück: Wir sind die Übermittler von Botschaften.

Wenn es eine Kunst in der Schriftstellerei gibt, dann ist es die, „direkt in die Seele hineinzuschreiben“, was sehr blumig formuliert ist. Tatsächlich beinhaltet dieser Vorgang einen nachrichtentechnischen Prozess, der sich recht genau beschreiben lässt, aber dennoch nur schwer umsetzbar ist.

Verstehen, verstanden werden und Fühlen durch Lesen

Im Grund genommen geht es dabei darum, Gefühle so zu beschreiben, dass sie vom Leser nachvollziehbar aufgenommen werden. Ich vermeide hier bewusst den Begriff „verstanden werden“, denn es ist nicht der verstand, den wir ansprechen, sondern ein tief im Hirn liegendes Gefühl, das vom Verstand nicht völlig beherrscht werden kann. Dieses Gefühl ist nicht bei allen Menschen gleich. Sie können dies anhand von pornografischen Schriften ebenso feststellen wie anhand von Horrorstorys: Manche Menschen erschrecken über das Gelesene oder Gesehene, manche lässt es kalt und wieder andere lächeln darüber.

Wenn wir aus eigenen Impulsen heraus schreiben, stochern wir zunächst „wie mit der Stange im Nebel herum“. Tatsächlich haben Autorinnen und Autoren, die aus „tiefster Seele“ schreiben, keine Ahnung, ob das, was sie übermitteln wollen, irgendwo ankommt.

Das Wagnis, anders zu schreiben

Obgleich dies so ist, und obwohl wir damit einen dornigen Weg beschreiten, eröffnet sich damit auch eine Chance: Wir können innovativ schreiben. Das bedeutet: Wir begeben uns nicht unter das wiederkäuende Schreib-Rindvieh, das ewig das gleiche Publikum anspricht. Es ist ein Wagnis, natürlich. Wir könnten auch irgendeine der populären Autorinnen kopieren, deren wahre oder künstliche Gefühlswelt bewiesenermaßen Schmetterlingsflügel in Frauenbäuche einpflanzt.

Die Frage ist: Wollen wir das? Wollen wir modernen, populären Kitsch schreiben? Oder wollen wir uns auf ein Gebiet vorwagen, auf dem noch wenige Autorinnen und Autoren tätig waren, nämlich möglichst direkt „in die Lust hineinzuschreiben“, ohne primitiv-pornografisch zu werden?

Ich denke, wir sollten uns an den Ursprung des Schreibens erinnern: Wir haben eine eigene, unvergleichbare Botschaft, die wir aus einem inneren Bedürfnis heraus übermitteln wollen. Wenn wir dies tun, erfüllen wir wenigstens unseren eigenen Anspruch.

Was meinen Sie?

Sinnliche Woche: Lohnt es sich, erotisch zu schreiben?

Da wollten wir doch den Frühling herbeirufen – und er kam nicht an. Weiß der Teufel, wo er sich versteckt hält.

Lohnt es sich, Erotik zu schreiben? Wenn Sie gehört haben, dass man damit Millionen schefflen kann, dann haben Sie an die wenigen Autorinnen gedacht, die davon leben können – von „recht gut“ bis „gerade so“. Wenn Sie noch einen Funken Verstand haben: Arbeiten Sie für einen Brotberuf, und verlegen Sie das "Autorin sein“ in Ihre Freizeit. Wobei ich immer wieder lustig finde, wenn die Sozis und Linksaußen einen noch höheren Mindestlohn für Arbeitnehmer fordern. Ich rate jedem, der sich da aus dem Fenster lehnt, nur einmal 2000 Worte zu Papier zu bringen. Selbst, wenn Sie absolut „super“ sind, benötigen Sie dafür ungefähr vier Stunden. Einkommen? Lohnschreiber im Internet bekommen zwischen 20,00 Euro und maximal 80,00 Euro, Kurzgeschichtenschreiber auf eigenes Risiko gegen 0,00 Euro.

Ratschläge sind oft reine Spekulation

Ob ihnen „professioneller Rat“ hilft? Ich bezweifle dies sehr, und aus gutem Grund: Alle Annahmen über den Erfolg des Künstlers (also auch des Schriftstellers) sind Spekulationen. Und die Ratschläge selber treffen oft nicht zu, oder sie sind zu oberflächlich gefasst.

Die angeblich minderwertige Erotik

Viele Autorinnen und Autoren schämen sich, erotisch zu schreiben. Das wundert mich nicht, weil die Gesellschaft alles, was nach Erotik reicht, als minderwertig, wenn nicht gar als „gefährlich“ verdammt. Setzen Sie sich darüber hinweg! Wenn Sie schamvoll sind, schreiben Sie über die Scham, die Sie empfinden. Und wenn nicht? Dann sagen Sie Ihren Leserinnen und Lesern, dass sie sich nicht schämen müssen, wenn sie sich der Lust hingeben. Und zeigen Sie ihnen anhand ihrer Heldinnen und Helden, wie sie die Scham überwinden können.

Neue Themen für Sie

Wenn Sie Themen suchen – „gefangen zu sein“ ist ein beliebtes erotisches Thema, mit dem Sie sogar literarischen Ruhm gewinnen können, wenn sie genügend „psychologische Bezüge einbauen.

Dreier als Thema sind ziemlich ausgelutscht – aber da gäbe es noch die Dreiecksbeziehung. Ganz grob: Da treibt es jeder der Beteiligten mit den beiden anderen im Dreieck. Falls Ihnen jetzt gerade einfällt, dass dabei gleichgeschlechtliche Beziehungen im Spiel sind, haben Sie eine wichtige Entdeckung gemacht. Auf dieser Basis haben andere schon Filme gedreht – und Sie könnten ihre erste Novelle darüber schreiben.

Vielversprechende erotische Themen (34): Dreicksbeziehungen

Die Dreiecksbeziehung in einem völlig neuen Licht sehen?

Eine Dreiecksbeziehung ist eine Beziehung unter drei Menschen, die alle miteinander Geschlechtsverkehr haben, wobei der jeweils Dritte nicht weiß, dass die beiden anderen eine Beziehung unterhalten. Soweit es sich um Frauen und Männer handelt, ist mindesten einer der Partner bisexuell veranlagt. Diese Beziehung wird deshalb mit dem geometrischen Dreieck vergleichen.

Prinzip – drei aus der Innensicht isolierte Beziehungen

Frau A. unterhält eine erotische Beziehung zu Herrn B und zu Herrn C. Keiner der Herren weiß von der jeweils anderen Beziehung. Frau A. ahnt aber auch nicht, dass Herr B. und Herr C eine erotische Beziehung zueinander unterhalten.

Von einem Dreieck kann auch gesprochen werden, wenn Frau A. eine erotische Beziehung zu Herrn B. und Herrn C. unterhält, die ihrerseits nur eine Freundschaft verbindet.

Interessant ist als Dreiecksbeziehung auch diese Variante: Frau A. hat eine erotische Beziehung zu Herrn B. wie auch zu Frau B., die miteinander verheiratet sind, aber nichts von der Beziehung des Ehepartners wissen, sondern nur von der eigenen.

Dreiecksbeziehung im Volksmund

Im Volksmund wird auch von einer „Dreiecksbeziehung“ gesprochen, wenn eine Person erotische Kontakte zu zwei Personen unterhält, die einander nicht einmal kennen. In diesem Fall können die Beziehungen ausschließlich heterosexuell oder wahlweise auch bisexuell sein.

Themen:

All diese Konstellationen ergeben fantastische erotische Themen, und sie enthalten dabei reichlich Konfliktstoff, um mehrere Glückswandlungen in die Geschichten einzubauen. Man denke nur daran, was passiert, wenn die geheim gehaltenen „Über-Kreuz-Beziehungen“ auffliegen.

Je nachdem, wie weit Sie ausholen wollen, können sie weitere Personen einbinden, denn alle Personen in der Dreiecksbeziehung können selbstverständlich weitere erfolgreiche sexuelle Beziehungen haben.

Relevanz:

Interessierte Frauen: Sehr groß, aber wissenschaftlich nicht erfasst, und daher sehr spekulativ.
Interessierte Männer: eher schwach, aber möglicherweise vorhanden.


Schreib-Erfahrung:
Für Fortgeschrittene und Schreib-Profis, weil die Beziehungen genau herausgearbeitet werden müssen.
Form:
Episoden, Novellen und Romane.
Recherche, Kenntnisse:
Ausgezeichnetes Einfühlungsvermögen, umfassen Recherche oder eigene Erfahrungen.
Erotische Wahrnehmung:
Alles ist möglich von romantischer Liebe bis hin zu Extremsex.

Die Scheu und die Scham vor sich selbst

Scham kann erotisch sein - aber nicht Vermeidung
Die Scheu und die Scham vor sich selbst – warum Menschen so gerne, so schlecht und so unerotisch schreiben.

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Nehmen wir an, er wäre es, wollten Sie dann etwas über ihn lesen? Über jemanden, der immer brav tat, was Mami, Großmutter und Tante sagten? Jemand, der verinnerlichte, was Moses und Jesus via Pfaffenwort verkündeten? Jemanden, der schon während seiner Lehre oder seines Studiums den Drang zum Höheren verspürte und dann aufstieg wie eine Trägerrakete?

Gut – sie wollen vielleicht das „positive Absolute“ verkünden, der Welt zeigen, dass es durch Autoren wie Sie die Gerechtigkeit und die Moral gestärkt werden. Vielleicht möchten Sie gar, dass wir, die Irdischen, danach streben, mit Herz, Hand und Hoden die Menschheit zu retten.

Sie wollen das Edle? Werden Sie Sonntagsprediger, aber kein Autor

Ach du Scheiße – das wollen Sie wirklich? Dann werden Sie Missionar oder Sonntagsprediger oder so etwas. Aber um des sündigen Himmels willen kein Autor.

Literatur – auch die mieseste, kitschigste und am schlechtesten geschriebene - lebt davon, die Schwächen des menschlichen Seins aufzuzeigen. Das kann aber nur derjenige, der seine eigene flatterhafte Seele kennt, seine wechselnden Emotionen, seine Schweinehunde und Drecksäue. Sobald er einen Zaun darum baut, gegen eben diese Gefühle auch nicht in seine Figuren ein. Die Guten und edlen übrigens auch nicht, weil sich diese ja erst gegen Schweinehund und Drecksau durchsetzen müssen.

Die Tiefen des Selbst beinhalten Säue und Schweinehunde

Wer auch nur einmal in die Tiefen des eigenen „Selbst“ abtaucht und sich dabei einfach treiben ließ, wird wissen, wovon ich spreche. Aber bitte – das tun ganz normale Sterbliche höchstens, wenn sie gewaltig der der Schuh drückt oder sie als übermütiger Esel unbedingt einmal aufs Eis wollten. Man sagt auch „Selbsterfahrung“ dazu. Doch der Autor, der seine Figuren zum Leben erwecken will, steckt immer wieder „in ihnen“, jedenfalls dann, wenn diese mehr sein sollen als nur Marionetten, die er an der Hand führt.

Wer also scheu und schamvoll ist, wer Gefühle wie Hass oder Wollust nicht zulässt, der wird sich schwer tun – und trotzdem schreiben. Und vielleicht gar Anerkennung bei der Kritik finden, weil diese ganz andere Maßstäbe ihr eigen nennt.

Erotisch oder sinnlich schreiben setzt voraus, dass Sie die Tiefen ihrer Verruchtheit in ihre Heldinnen und Helden legen können. Dann lassen Sie Ihre Puppen tanzen und schauen sie, was diese damit anrichten – im Guten wie im Bösen.

Schamvoll? Schreiben Sie niemals Erotik

Wenn Sie schamvoll sind, sich nicht erinnern mögen und ihre Psyche ein dunkles Kellerloch bleiben soll – dann schreiben Sie gerne über alles. Aber bitte nicht über die Gefühle, die Menschen an den Rand des Wahnsinns treiben, und das heißt: Schreiben Sie niemals Erotik.

Fehlt ein Nachsatz: Es geht auch ohne, und damit könnten Sie vielleicht sogar Erfolg haben. Dann schreiben Sie einfach Szenen aus der pornografischen Heftchen-Literatur nach, erfinden dazu eine neue Version der Aschenbrödel für Erwachsene und werden Millionär.

Und ein Nachsatz zum Nachsatz? Bitte: Das zuvor Gesagte gelingt höchst selten. Ich würde mich nicht darauf verlassen.