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Und weiß deine Familie, was du tust?

Nicht nur im „Adult-Business“ sonder bereits beim Schreiben für ein erotisches Magazin wird dir klar: Bestimmte Leute versuchen, dein Ansehen zu untergraben. Meistens funktioniert der Trick: Wenn die „Schlampen“ mal festgepinnt sind, können die Ehefrauen, die ihren Mann betrügen, in Ruhe weiter Fremdvögeln.

Ganz schlimm ist’s mit Frauen, die etwas „Perverses“ tun (schreiben reicht auch schon). „Peitschenladys“ zum Beispiel, besser als Dominas bekannt.

Wie denken eigentlich die nächsten Verwandten über eine Tochter, die sich als „Mistress“ verdingt? Diese Auffassung wäre gut:

Meine Familie kann sich ungefähr vorstellen, was ich tue. Die meisten verstehen nicht wirklich, was ich mache, und sie haben nie meine Webseite besucht … und die meisten (Mitglieder der Familie) … wollen gar nicht mehr wissen.


Mal ehrlich, ihr kleinen Spießerinnen: Wollt ihr wirklich wissen, was eine Altenpflegerin tut? Eine Metzgerin? Oder eine Personalleiterin? Ihr habt doch keine Ahnung von Berufen, in denen man Menschen anfasst, sich die Finger schmutzig macht oder sich Gewissensbisse einhandelt.

Nö – aber ihr wollt wissen, was eine Domina tut, nicht wahr? Damit ihr euch das Maul darüber zerreißen könnt und diese Frauen öffentlich vorführen: «Guck mal, die bedient die "Perversen"».

Ich komme mal zurück aufs Schreiben: Da reicht es schon, wenn du genau beschreibst, wie sich Hoden anfühlen. Dann Läuten bei den „anständigen Frauen“ schon die Alarmglocken und sie glauben, dass du ständig daran herumfummelst.

Was du schreibt, ist nicht, was du tust. Klar - du weißt es. Aber da draußen zeigen die Leute mit den Fingern auf dich. Und wenn du Pech hast, sagt dir vielleicht sogar deine Schwester, dass du eine Nutte bist. Weil du wie eine schreibst.

Kein Etikett aufdrücken lassen

Nehmen wir einmal an, sie schrieben Liebesromane. Dann schreiben Sie Liebesromane, genauso, wie Sie für Ihre Leserschaft „Liebe“ definieren. Sie schreiben niemals Erotik, niemals Pornografie – Sie schreiben über die Liebe in ihren vielfältigen Ausprägungen.

Lassen Sie sich niemals das Etikett „Erotik“ aufdrücken und schon gar nicht den Schmuddelbegriff „Pornografie“. Was Ihre Figuren bewegt, das geht auch andere an – Menschen, die da draußen nach Ihren Werken lechzen. Sie erdenken keine Erotik, sie schreiben keine Pornografie. Sie schreiben über Menschen, die sich als Figuren in ihren Werken wiederfinden, um Leserinnen und Leser anzusprechen.

Auch Ihre Figuren sollten keine Etiketten tragen. Wenn Sie eine offene sexuelle Entwicklung beschreiben, kann diese alles beinhalten: Heterosexualität oder Bisexualität, sanfte, romantische Hingabe oder „harten, ausdauernden Sex“. Sie müssen sich nicht festlegen. Ihre Heldin kann sich heute in einem Daunenbett selbst befriedigen, morgen einer imponierenden Frau in einer Bar verfallen, übermorgen einem Kranführer erliegen und nächste Woche einem Nadelstreifenmann den Po versohlen. Sie muss nur ihren Bedürfnissen folgen, und die Umgebungsvariablen müssen noch glaubhaft sein.

Also: Lassen Sie sich selbst keine Etiketten aufdrücken und gönnen sie auch Ihren Figuren eine freizügige, möglichst schrankenlose Entwicklung.

Ultrakurz: Ist das die moderne erotische Kurzgeschichte?

Die neue Lust: Sex in zehn Sekunden sehen oder lesen?
Junge Frauen zwischen 18 und 28, so erfuhren wir dieser Tage, mögen erotische „Blitzlichter“ – Szenen, die extrem erotisch sind, aber nicht länger als 10 Sekunden dauern. Besonders beliebt sollen Themen rund um den Cunnilingus sein.

Ob dies für erotische Ultrakurzgeschichten auch gilt? Eine Geschichte in 100 Wörtern zum Beispiel? Eine, die wirklich Lust macht?

Was meint ihr: Wollen Frauen ultrakurze erotische Geschichten lesen, um Lust zu bekommen?

Die Geschichte einer Domina – nicht von einer Domina

Klischee einer Stiefelhure
Geschichten über dominierende Frauen werden aus zwei Quellen gespeist: aus der Sensationslust des Publikums, das gerne wissen möchte, was die „Perversen“ sich hinter den Türen der Studios wünschen. Und aus dem Bild, dass die Domina gerne gegenüber der Öffentlichkeit abgeben möchte: Dann ist sie Herrin, Mistress, Lady, Königin oder Göttin.

Frauen wollten schon immer gerne wissen, was die Damen im Bordell eigentlich anders machen als sie selbst. Sie fragen mal zornig, mal verheult: „Was gibt meinen Mann die Hure, was ich ihm nicht geben kann?“ Ebenso verhält es sich bei der Domina: „Was für eklige Dinge passieren dort, und warum liegen die Männer diesen Frauen zu Füßen, lassen sich treten, penetrieren und schlagen?

Kaum jemand fragt: Wer ist diese Domina, warum übt sie diese Tätigkeit aus? Was fasziniert sie an diesem Beruf, und wie bindet sie den Alltag in ihr Leben ein? Wie findet sie Freunde, Liebhaber und vielleicht einen Ehemann? Was denkt sie über sich? Wie fühlt sie sich dabei?

Die Annahmen über die Wesensart einer Domina sind von Klischees geprägt:

1. Sie ist eine gefühllose Frau mit einer Leder harten Seele.
2. Sie wurde selbst Opfer. Aus Rache dominiert sie nun Männer.
3. Sie ist eine Hure, die ihre „Domina-Nummer“ abzieht.
4. Sie handelt aus Not, weil sie keinen Beruf gelernt hat.
5. Sie ist gewissenlos und geldgierig.


Wenngleich manche dieser Behauptungen auf einzelne Frauen ganz oder teilweise zutreffen mögen, so bleiben es doch Klischees. Der Lebensweg einer Krämertochter, einer Schwesternschülerin, eines Mannequins oder eines Partygirls führt nicht zwangsläufig ins Dominastudio.

Da wäre die Geschichte eines braven, schüchternen Mädchens, das erst spät sexuelle Kontakte aufnahm. Damit sie ihre Schau vor Menschen verlor und ihr Selbstbewusstsein stärken konnte, meldete sie die Mutter zum Schauspielunterricht an. Dort erkannte sie: Ich kann meine Persönlichkeit teilen: Ich bin sanft, schüchtern und zurückhaltend, aber ich kann eine Person entwickeln, die genau das Gegenteil darstellt.

Bekanntlich gibt es zwei Arten von erfolgreichen, selbstbewusst wirkenden Menschen: diejenigen, die in Familien hineingeboren wurden, in denen Selbstbewusstsein und Selbstüberzeugung gelebt wurden und solche, die diese Eigenschaften (oft gegen widrige Umstände) erst erwerben mussten. Es scheint, als sei dies unter den berufsmäßig dominierenden Frauen nicht anders.

Wenn Sie die Geschichte einer Domina in Ihren erotischen Roman einbauen wollen, sollten Sie die von mir genannten Klischees vermeiden. Ich gebe Ihnen fünf andere Punkte, die nützlich für sie sein könnten, wenn Sie eine Domina in Ihre Story einbinden wollen:

1. Jede Frau hat Gefühle. Versuchen Sie, die inneren Gefühle, die beim Rollenspiel angeeigneten Gefühle und ihre Auswirkungen zu beschreiben.
2. Neigung, Zufall und Neugierde und das lockende Geld sind die Motive, die ihre Heldin zu ihrer Tätigkeit verhalfen.
3. Ihre Domina gibt jedem Kunden das Beste, was sie kann – vom Outfit über das Rollenspiel bis zur Schlagtechnik. Sie ist dabei selbstkritisch und qualitätsbewusst. Das muss sie sein, den sie lebt zum großen Teil von Stammkunden.
4. Ihre Figur handelt aus der „Not“, aus der jede andere alleinlebende, selbstständig tätige Frau auch handelt: Das Geld für die Miete, die übrigen Betriebskosten, gute Nahrungsmittel, ein paar Flaschen Wein und ein bisschen Luxus müssen jedem Monat allein aufgebracht werden.
5. Eine Domina tut nichts gegen den Willen der Menschen, die sie erwählt haben oder die von ihr oft abhängig sind. Managerinnen und Politikerinnen können dies nicht immer von sich sagen.


Natürlich ist dies kein Vorschlag, wie Sie ihre Figur oder gar ihren Roman aufbauen sollten. Aber die Idee einer Frau, die zwei Welten lebt, ist für einen Roman besser geeignet als das Bild einer Frau, die auf ein Klischee reduziert wird.

Erotik-Themen: und dann waren da noch … Eier

Sie tritt hübsch zu, er leidet Höllenqualen
Wenn Sie denken, mit den „Shades of Grey“ sei das letzte Tabu gebrochen worden, indem der Herr Grey Fräulein Anastasia auf die Klitoris schlug, der irrt. Um den Blödsinn noch einmal zu wiederholen:

Ich kenne sein Ziel ganz genau und bemühe mich, mich innerlich dafür zu wappnen – doch als er schließlich eine Klitoris trifft, kann ich meinen Schrei nicht unterdrücken.


Klar – und als sie das Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte aß und auf einen Kirschkern biss, konnte sie ihren Schrei auch nicht unterdrücken. Das kommt zwar nicht im Buch vor, ist aber ebenso hühnerpiepelig.

Das Tabu, einen Mann in die Hoden zu treten, damit er vor Schmerz kreischt und sich am Boden windet, wird gerade aufgehoben: Immer mehr Männer wünschen sich eine solche „Behandlung“. Inzwischen haben sich auch einschlägige Damen darauf vorbereitet und bieten entsprechende Serviceleistungen mit nacktem oder beschuhtem Fuß an. (1)

Ich würde ja nicht wagen, Ihnen solche Vorschläge für seriöse erotische Literatur zu machen, aber gerade ist „Ballbusting“ in die Filmkunst eingegangen. Er handelt von einer jungen Polin, die sich bei einem Escortservice als Spezialistin für „Ball Busting“ verdingt. Der Film heißt Agnieszka, genau wie die Frau, die dererlei Dienste ausführt. Die Handlung ist kompliziert, aber jedenfalls wird diese Szene herausgestellt:

Die 30-jährige Polin, als Eskort-Frau auf Tritte in die Hodensäcke spezialisiert, trifft die Eltern ihre um 14 Jahre jüngeren Freundes. Die Mutter fragt streng: „Und was genau machen Sie da?“ Und die recht brav wirkende Eskort-Frau antwortet: „Ich trete Männer in die Eier.“

Das Thema ist – autsch – schmerzhaft. Aber solange die Weichspülwelle in der Erotik läuft, könnten Sie ja ohne Weiteres schreiben:

Ihre nackten Füße hatten mehr Kraft, als ich vermutet hatte. Gerade war sie damit beschäftigt, mir abwechselnd kräftig in beide Hinterbacken zu treten. Ich wusste genau, wohin sie mich wirklich treten wollte und versuchte, mich mental darauf vorzubereiten. Doch als sie meine Hoden traf, konnte ich einen tiefen Seufzer nicht verhindern.


(Ich hoffe, sie bemerken, dass es sich um eine Satire handelt)

Klar ist das elender Kitsch. „Ball busting“ ist – wie andere CBT-Praktiken auch - ein Feld, auf dem höllische physische Schmerzen ertragen werden. Warum Männer sich dies wünschen, ist völlig ungeklärt. Manche wollen damit zeigen, dass Sie allem standhalten, andere wollen bewusst gedemütigt werden.

In den USA prahlen angeblich Studentinnen damit (2), wie vielen Kerlen sie schon die Eier getreten haben. Dies nur zur Information – übrigens aus gewöhnlich zuverlässiger Quelle. Auf beiden Seiten, den Sadistinnen wie den Masochisten, ist also für Nachschub gesorgt.

Das Thema eignet sich für erotische Geschichten von Frauen, die ihren Hass und Ihre Wut an Männern auslassen, etwa nach dem Motto (3):

Du hast dich benommen wie ein Schwein, und jetzt werde ich dich züchtigen wie ein Schwein. Weißt du, wie man Schweine züchtigt? Man tritt sie mit Stiefeln in den Arsch. Kann sein, ich erwische etwas anderes dabei. Aber ein Dreckschwein wie du muss eben leiden.


Wenn Sie sich fragen sollten, was erotisch daran ist, dann dürfen Sie nicht bei „Sinnlich Schreiben“, sondern bei Ms. James anfragen. Sie hat das Privileg, zu erklären, wie sich ein Peitschenhieb auf die Klitoris anfühlt, und sie wird mit Sicherheit auch wissen, wie sich das bei Hoden verhält: Er/sie kann „den Schrei nicht unterdrücken“.

(1) The Story Of Control, 2014.
(2) Urban Dictionbary, die Informationsquelle Nummer 1 für anglo-amerikanischen Slang.
(3) Aus der Textküche von Isidora Fecekazi.