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Die dominante Seite der Frauen

Was fühlt die dominante Frau?
Nur wenige Frauen verbinden ihren Wunsch, einen Mann zu beherrschen, mit sexueller Lust. Üblicherweise leugnen Frauen bei Befragungen, überhaupt zu sexueller Dominanz zu neigen. Doch wenn man sie nach ihren Fantasien befragt, kommt die Wahrheit heraus, die selbst manche Autorin überrascht: Fast die Hälfte der Frauen fanatisiert darüber, einen Mann oder eine andere Frau zu dominieren.

Das Missverständnis mag sich daraus ergeben, dass Frauen sehr selten offenkundige Machtgelüste an den Tag legen. So würden sie beispielsweise nur zu 11 Prozent einen Mann zum Sex nötigen, und nur zu 24 Prozent wären sie bereit, jemanden durch Schläge lustvoll zu disziplinieren. Doch je „femininer“ die Methoden sind, Macht auszuüben, umso mehr Lust scheinen Frauen zu haben, Männer (und manchmal Frauen) zu erniedrigen, zu entwürdigen oder einfach – zu fesseln. Denn jemanden hilflos in Handschellen, Seilen oder Ketten zu sehen, das stellen sich immerhin 42 Prozent der Frauen in ihren Träumen vor.

Die Literatur zum Thema ist oft unglaubwürdig, weil sie Männerfantasien befriedigt. Da ist die unerbittliche Domina, die den Mann immer tiefer in die Versklavung treibt, bis dieser schließlich seine Existenz aufs Spiel setzt. Das mag manche weibliche Leser befriedigen („das gönne ich dem perversen Schwein“), doch bringen diese Schilderungen wenig Einblick in die Beweggründe, Männer zu dressieren. Sie beschreiben auch weder die Kunst der Dominanz noch und die Gefühle, die dominanten Frauen haben, wenn sie Macht über Männer gewinnen. Schon etwas anders sieht es aus, wenn Frauen Macht über andere Frauen gewinnen und die sexuelle Dominanz über sie genießen und auskosten. Offenbar lässt ich dergleichen leichter in Worte fassen.

Generell finden wir unter den Heldinnen der Dominanz diese fünf Typen:

1. Sie tut es für Geld und aus keinem anderen Grund.
2. Sie will sich an Männern rächen, die ihr einst die Macht entzogen haben.
3. Ihr gefällt die Rolle und sie genießt sie.
4. Sie wird geil, wenn sie jemanden dominiert.
5. Sie hat ihren Lebensstil so eingerichtet, dass sexuelle Dominanz dessen Bestandteil geworden ist.

Möglicherweise ist Ihnen bei Internet-Recherchen aufgefallen, dass es verdächtig viele Geschichten zum fünften Punkt gibt, also über sogenannte Lifestyle-Dominanz, die zumeist von Frauen in Auftrag gegeben wurden, die diese Geschichten als Werbung für ihre Studios einsetzen.

Demnach bleiben von den fünf Themenkreisen noch drei übrig, die sie wirklich verwenden können. Gehen wir sie schnell durch: Rache ist ein schlechtes Motiv für eine erotische Geschichte, fällt also nach meiner Ansicht auch aus. Zwar hatten schon einige Autorinnen damit Erfolg, doch diese Zeit liegt lange zurück. Mit der Frau, die aus Hass, Frust, Revanche oder aus lesbischen Neigungen zur Männerhasserin wird, lässt sich kaum eine farbenfrohe Geschichte über die erotische Lust schreiben – auch nicht im SM-Bereich.

Ihnen bleiben also noch zwei Varianten: die Frau, die ihre Machtfülle in der Rolle genießt oder die Frau, die dabei geil wird – nicht notwendigerweise auf den Mann, der vor ihr kriecht und wimmert.

Letztendlich wird es gut sein, in Ihre Geschichte sowohl positive wie negative Gefühle einzubauen: beispielsweise der Wunsch, einen Mann zu unterwerfen, aber auch die Furcht, ihn zu verletzen, falls er gepeitscht werden will/soll.

Was meinen Sie?

Hinweis: Zahlenmaterial aus einer wissenschaftlichen Studie.

Dominanz der Krankenschwester – ein Thema für Sie?

Die Welt der Fantasie unterscheidet sich grundsätzlich von der Welt, in der die Realität stattfindet. So sind Krankenschwestern in der Realität oft stark gebeutelte, unter Zeitdruck stehende Frauen, die sich ausgesprochene Mühe geben, immer gute Lauen zu haben.

In der Fantasie aber ist die Krankenschwester eine Frau in Uniform, die sowohl die voyeuristische Neigung der Männer anspricht, aber auch die masochistischen Gelüste mancher Männer verstärkt.

Bereits vor Jahrzehnten schrieb ein unbekannter Autor:

«Sie (die Rollenspielerin) ist immer noch in der Fantasie des Kunden von einem leisen Hauch von Blutgeruch, Qualen und Leiden umweht. So finden hier masochistische Empfindungen ihre Befriedigung. Die von der eleganten Kollegin in der Kolibribar so stark abstechende Tracht verspricht herrische Kälte, Gefühllosigkeit, grausame Instinkte. Es ist nicht notwendig, dass die Pseudoschwester nun aktiv die „Herrin“ des unterwürfigen Sklaven spielt und ihn ohne Erbarmen … peitscht, quält und foltert. »


Als besonders erniedrigend gelten beim Mann diese Tätigkeiten, die einer Krankenschwester zugesprochen werden, auch wenn in der Praxis in Krankenhäusern dazu meist männliche Krankenpfleger oder Ärzte eingesetzt werden – aber auf die Realität kommt es nicht an.

Nicht immer lustig: Die erotische Krankenschwester
Sich vor der Schwester oder Ärztin intim entblößen müssen.
Fibermessen im Anus.
Zäpfchen.
Enemas (Einläufe).
Prostatauntersuchungen (anal, mit dem Finger).
Rasieren der Schamhaare.
Einführen von Dilatoren in die Harnröhre.
Manipulationen an Penis und Vorhaut.
Betasten der Hoden.
Sitzen auf einem gynäkologischen Stuhl und ausgeliefert sein. (Trifft auch für manche Behandlungen bei Männern zu.)
Zungenzieher und Mundspreizer.
Nervenräder (heute kaum noch im Einsatz), als „Spielzeuge“ aber weiterhin beliebt.
Behandlungen mit Reizstrom.
„Festes“ Liegen, eventuell gar mit Fixierung.

Die Krankenschwester als Sadistin

Der Eindruck einer „sadistischen Krankenschwester“ entsteht, wenn der Vorgang unter Zwang ausgeführt wird und der Mann dabei noch verbal erniedrigt wird – dann sind wir dort, wo die „White Rooms“ der BDSM-Szenerie beginnen. Das sind die Arbeitsplätze von sogenannten „Dominas“ in weißen Kitteln und erregenden Dessous, die in gekachelten Räumen arbeiten, die mit allerlei Klinikutensilien ausgestattet sind.

Der „erotische Klinikbereich“ mit Krankenschwester und Ärztinnen eignet such nicht nur für Männerfantasien, sondern insbesondere auch für masochistische Fantasien der Frauen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen.

Neben den erotischen Faktoren kann in Ihrer Erzählung auch die Angst ausgespielt werden, die sowohl Frauen wie auch Männer bei langwierigen, schmerzhaften oder peinlichen medizinischen Untersuchungen spüren.

Hinweis für Autorinnen

Falls Sie das Thema aufgreifen, noch ein Hinweis: Es muss einen Grund geben, warum Ihre Figur in die Hände von sadistischen Pseudo-Krankenschwestern oder Pseudo-Ärztinnen gerät. Um sich von der Realität abzuheben und dennoch nicht im Bereich der käuflichen Qualen abzugleiten, empfiehlt sich, die Geschichte in Traum- und Fantasiewelten zu verlagern. Auch Kriminal-- oder Spionageromane eignen sich, um Szenen mit sadistischen Krankenschwestern oder Ärztinnen einzubauen. Auch die Verlagerung in vergangene Zeiten ist zu empfehlen, in der es in der Tat noch die „strenge Krankenschwester“ in voller Montur gab, die ihre Macht über die Patienten ausnutzte.

Realität und Fantasie – worüber Frauen fantasieren

Eigenartig: Orgien faszinieren Frauen

Ist Ihnen bewusst, dass die meisten Menschen ihre erotischen Lieblingsfantasien verleugnen oder gar empört reagieren, wenn man sie darauf anspricht?

Falls Ihre Leserschaft nahezu ausschließlich aus Frauen besteht, sollten Sie wissen, was Frauen wirklich lesen wollen, und zwar in dieser Reihenfolge:

1. Sinnliche und romantische Gefühle entwickeln – trotz des erotischen Inhalts Ihres Buches.
2. Es ist sinnvoll, eine sinnliche Atmosphäre zu schaffen, bevor Sie ans „Eingemachte“ gehen.
3. Romantik zählt – auch in der Erotik. Sie entwickeln ihre erotische Geschichte also am besten aus einer romantischen Begegnung heraus.
4. Sex an einem ungewöhnlichen Ort ist immer angebracht, weil er den häufigsten weiblichen Fantasien entgegenkommt. Auch Sex in der Öffentlichkeit kann dazugehören.
5. Zumeist vergessen Autorinnen, sich ausgiebig mit Fellatio und Cunnilingus zu beschäftigen, und zwar sowohl gegenseitig wie auch einseitig. Frauen nennen aber Fantasien über Fellatio besonders häufig.
6. Das gegenseitige Masturbieren gehört zum Grundrepertoire erotischer Frauenfantasien – und es kann in jeder Art von Beziehung verwendet werden.
7. Weibliche Seitensprünge sprechen vor allem verheiratete Leserinnen an.
8. Sexuell dominiert zu werden ist – in vielen Varianten – eines der Hauptthemen weiblicher Fantasien.
9. Was Sie vielleicht nicht glauben werden: Sehr viele Frauen fantasieren über Orgien. (1) Und nicht, wie oft angenommen wird, über Sex mit zwei Männern.
10. Sogar Fesselungen (als "gefesselt werden") erreichen noch mindestens 50 Prozent ihrer Leserinnen.

Woher wir das wissen? Aus einer der wenigen ernst zu nehmenden Forschungen über sexuelle Fantasien.

Wenn Sie wirklich wissen wollen, worauf die Männer abfahren, veröffentlichen wir das natürlich auch noch gerne.

(1) etwa 57 Prozent der Frauen bevorzugen in ihrer Fantasie Gruppensex mit mehr als drei Personen gegenüber allen anderen Gruppenaktivitäten.

Ein universelles Konzept, um einen Wandel zu beschreiben

Ich bin vielfach im Netz unterwegs, und heute habe ich für ein anderes Magazin einen Artikel über die Chancen des Wandels geschrieben.

Dieser Beitrag ist recht universell, was sich schon daran zeigt, dass sich die 10 Ratschläge für den Beginn einer Ehe ebenso eignen wie für die Zeit nach einer Trennung.

Sie können die zehn Punkte aber auch so verwenden: Sehen Sie sich jeden einzelnen Punkt an und überlegen Sie, welche Bedeutung er für ihre Heldin haben könnte – auf was sie sich auch einlassen mag. Es können Gedanken einer Jungfrau vor ihrem „ersten Mal“ sein, aber ach die Gedanken einer erwachsenen Frau, die zu SM-Abenteuern animiert wurde. Insbesondere die Punkte eins bis sieben der Aufstellung können Ihnen helfen, die Brücke vom Entschluss bis zum Ereignis mit Worten zu füllen und ihre Heldin all das sagen und denken zu lassen, was später auch ihre Leserin bewegen wird.

Hatten Sie Erfolg damit? Dann schreiben Sie es mir bitte.

Ihre Figur im Leben und im Sog der Lust

Gefühle sind schwer zu beschreiben. Und es ist keinesfalls so, dass diese plötzliche Hemmung erst auftritt, wenn die Tür zum Schlafzimmer geöffnet wird. Wer es so sieht, verkennt, dass dem Öffnen der Schlafzimmertür, dem Blick auf die Strapse oder die Enthüllung der Brustwarzen immer noch etwas vorausgeht. Und bei all dem, was da im Vorfeld geschieht, geht es bereist um sinnliche Gefühle. Also vergegenwärtigen wir uns noch mal, was in Elisabeth Benecits Erotik-Autoren-Bibel steht:

In einer guten erotischen Szene dreht es sich immer um Sex und noch etwas anderes.


Das ist hübsch gesagt, aber nun könnte man auf die Idee kommen, Sex mit irgendetwas anderem zu kombinieren, etwa mit Liebe, was oft versucht wird, oder – sehr populär – mit Unterwerfung.

Das Trichterprinzip - der Sog der Lust

Viele wichtiger, so scheint mir, ist das Trichterprinzip: Ihre Figur hat zu Beginn noch alle Varianten, mit ihren Gefühlen umzugehen, doch wegen äußerer und innerer Wandlungen wird sie immer weiter in den Trichter getrieben. Varianten und Alternativen entfallen, und es gibt gar keinen Ausweg mehr als der Lust endlich nachzugeben – trotz der Mahnungen oder widersprüchlichen Gefühle, die dabei auftreten.

Bevor Sie diesen ausweglosen Strudel der Lust beschreiben, in den ihre Figur gerät, können Sie ihre Leserinnen mit verwirrenden Details versorgen, die neugierig machen. Ist sie wirklich heterosexuell? Welche Bi-Neugierden plagen sie? Masturbiert sie, und was, liest sie dabei oder an wen denkt sie? Wie stabil ist ihre Persönlichkeit wirklich, und wo liegen ihre Schwächen? Ist sie wirklich so brav, wie sie zu sein scheint, oder welche geheimen Sehnsüchte schlummern in ihr? Wem der Nebenfiguren wird sie sich zuwenden, und wer wird sie schließlich in den Sog der Lust treiben?

Alles, was vor der entscheidenden Sexszene kommt, kann die Faszination, den Ekel oder die Hassliebe zu bestimmten erotischen Szenerien widerspiegeln. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass Sex kein Lebensinhalt ist. Bauen Sie den Alltag mit ein, zufällige Begegnungen und verwirrende Ereignisse, die mit Sex wenig zu tun haben.

Wie die erotische Handlung entsteht - in fünf Schritten

Damit es überhaupt zu einer starken erotischen Handlung kommt, müssen sie ihre Figur aus der anfänglichen Befangenheit und den scheinbar stabilen sozialen Beziehungen befreien und ihre Zufriedenheit mit sich selbst und anderen aufweichen.

Das geschieht am besten durch diese fünf Schritte:

1. Ihre Figur wird neugieriger, als sie bisher war.
2. Sie empfindet ein gewisses Defizit an erotischen Erfahrungen.
3. Sie sehnt sich danach, diese auch zu erproben.
4. Dazu wird sie offener, zugänglich und verführbarer.
5. Nun schicken Sie Ihre Figur auf den neuen, abenteuerlichen Weg.

In den meisten Fällen ist die innere Welt vor dem entscheidenden, aufrührenden und verwirrenden Ereignis eine andere als die Welt danach, und das lässt sich durchaus auch sprachlich ausdrücken.

Viele Berater/Lektoren sagen ihren Autorinnen: Am Ende muss ein Happy End stehen. Das Happy End muss aber nicht zwangsläufig eine innige Liebe oder gar eine Ehe sein. Wenn Sie das Trichterprinzip anwenden, kann am Ende auch eine persönliche Wandlung stehen. Ihre Figur kann sich „endlich selbst gefundene haben“, kann mit „dem neuen Verhalten sehr glücklich sein“ oder aber auch nur „Froh sein, es einem im Leben versucht zu haben.“

Und selbstverständlich könnte auch Ihre Erzählung erst am Ausgang des Trichters wirklich „heiß“ werden und noch viele interessante und hocherotische Seiten füllen.

"Erotik Schreiben", New York 2002, deutsch Berlin 2013.