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Die Kandidaten für die miesesten Sex-Szenen sind da

Leider gibt es die Kandidaten für die miesesten Sexszenen nicht in deutscher Sprache – aber für englischsprachige Literatur existiert er längst. Nominiert sind:

A Doubter’s Almanac von Ethan Canin
The Tobacconist von Robert Seethaler
Men Like Air von Tom Connolly
The Butcher’s Hook von Janet Ellis
Leave Me von Gayle Forman
The Day Before Happiness von Erri De Luca


Sie alle sind nicht etwa Schreibanfänger, sondern “gestandene“, teils sehr etablierte und hochgelobte Autorinnen oder Autoren, und sie geben dennoch ein absolut schreckliches Gesülze von sich, sobald es um Sex geht. „Lesen Sie’s, falls sie es aushalten“, schrieb eine Engländerin dazu.

Soweit sie die englische Sprache beherrschen: die Texte, im Grunde absolut banal, werden durch ungewöhnliche Wortwahl literarisch aufgeschönt. Der Trick schient oftmals zu wirken, aber eben nicht bei kritischen Lesern.

Übersetzt mag es (beispielsweise) so klingen (Gayle Forman):

Sobald sie im Zimmer waren, schlug Jason die Tür zu und verschlang sie mit seinem Mund und seinen Hände, die jetzt überall an ihr waren.

Und sie erinnerte sich daran, dass sie vor ihm stand, während ihr Kleid längst wie eine Pfütze auf dem Boden lag, und sie begann zu zittern, presste ihre Knie zusammen. Wie eine Jungfrau. Als wäre es das erste Mal. Wenn sie sich gestattet hätte, darauf zu hoffen, war dies genau das, was sie erhofft hätte. Und nun war es soweit. Und es war furchterregend.

Jason hatte ihre Hand genommen und auf seien nackte Brust gelegt, auf sein Herz, das wie wild im gleichen Takt schlug wie ihr eigenes. Sie hatte gedacht, dass er nur erregt wäre, einfach aufgeheizt.

Es kam ihr nicht in den Sinn, dass auch er Angst haben könnte.


Ich kann nicht beurteilen, ob der Text wirklich so schrecklich ist, aber man wird nicht nominiert, wenn er nicht wirklich abscheulich ist. Der Preis für „Schlechten Sex in der Literatur“ wird seit 1993 jedes Jahr vergeben, und zwar an „einen Autor, der eine ungewöhnlich schlechte Sexszene in einen ansonsten guten Roman“ schrieb.

Anmerkung zur Übersetzung: Es handelt sich um eine Rohübersetzung, die beispielhaft einen Eindruck von dem Teil des Werks der Schriftstellerin geben soll, der zur Nominierung geführt hat. Es ist also keine vollständige, überprüfte Übersetzung des Originaltextes.

Von der Peitsche zur emotionalen und körperlichen Demütigung

"Warped Women" (eines der Titelbilder) ist ein Cinderella-Groschenroman
Ob es eine Aschenbrödel-Geschichte ist (naive junge Frau kommt nach New York) oder eine Fantasy-Story: Die Autorinnen und Autoren vergangener Jahre haben in ihre erotischen Romane oftmals eine Peitsche eingebaut.

Dabei gerät die Heldin in eine kontroverse mit ihrer Widersacherin, die tatsächlich oder vermeintlich den gleichen Mann begehrt. Erstaunlicherweise ist eine Peitsche zur Hand, und nun kann die Widersacherin versuchen, die Heldin zu demütigen oder zu verletzen.

Natürlich siegen die Guten, und das Aschenbrödel bekommt den heldenhaften Prinzen.

Manchmal wird behauptet, die Peitschenszenen, die oft nur aus wenigen Sätzen in einem einzigen Kapitel bestanden, wären nur eingefügt worden, um für die Groschenhefte einen attraktiven Titel zu geben.

Heute können Autorinnen mehr wagen: Psychische und körperliche Demütigungen als Mittel zum Sieg über die Widersacherin sind heute Realitäten. Bekannt ist, dass manche junge Frauen ihre Mitschülerinnen, Kommilitoninnen oder auch Kolleginnen gezielt mobben, um sie bloßzustellen und selber einen Vorteil dadurch zu erlangen. Sie können nun alle Ihre Mittel einsetzten, um dies ausdrucksstark auf die Spitze zu treiben.

Schildern Sie, wie ihre Heldin trotz der massiven emotionalen oder auch körperlichen Angriffe obsiegt. Und steuern sie nach zahllosen retardierenden Momenten dann auf das Happy End zu. Die geschundene Heldin muss ihren Prinzen bekommen … und was Sie als Vergeltung für die boshafte Widersacherin planen, muss gut überlegt sein. Die Tauben müssen der Widersacherin also nicht die Augen auspicken, wie im Märchen. Lassen Sie sich bitte eine andere Strafe einfallen, denn Märchen sind immer einen Tick zu grausam.

Zitat:

Als die Brautleute nun zur Kirche gingen, war die Älteste zur rechten, die Jüngste zur linken Seite: Da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach, als sie herausgingen, war die Älteste zur linken und die Jüngste zur rechten: Da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.


(Grimm)