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Peinlichkeiten, Schmerzgrenzen und Denkverbote

Sex ist normalerweise nicht tabuisiert - oder etwa doch?
Die eigentliche Pornografie in den Medien findet dort statt, wo man sie nicht vermutet: in Kriminalromanen und Fernsehkrimis. Der Tod und der Sex scheinen zwei der Komponenten zu sein, aus dem sich eine heiße Suppe kochen lässt. Und dies natürlich besonders dann, wenn sich entweder der Kommissar und das Opfer kannten oder der Kommissar die Hauptverdächtige intensiv vögelt. Ganz moderne Autoren verbinden sogar den neuen, ansonsten sexresistenten Sherlock Holmes mit einer Domina – ähnlich wie sich die Autoren von „Professor T.“ eine solche einfallen ließen.

Die Autorin Ines Witka schreibt:

Erotik … wird gepaart mit Aggressivität, Sadismus, mit Wahn, mit Religiosität, mit Spiritualität, mit Tragik, mit Schmerz … (es folgen weitere Begriffe).


Gut, war es das schon?

Nein, Frau Witka hat festgestellt:

Gewalt und Sexualität werden häufig in der Genre-Literatur der historischen Romane, der Horrorgeschichten, Science-Fiction- und Fantasy-Romane miteinander verbunden.


Es geht nicht darum, was du schreibst - sondern wie du es nennst, was du schreibst

Und nun kommt es ganz dick: Wenn du einen Sex-Roman schreibst, und dort gewisse Grenzen überschreitest, wirst du beschimpft, diffamiert und möglicherweise auch heute noch zensiert. Schreibst du jedoch über „etwas anderes“, dann „darfst“ du Versklavungen, Nötigungen, Vergewaltigungen und Folter als Stilmittel einbauen.

Wo die Tabus und Stolpersteine liegen

Peinliches, Gewaltsames, Bisexuelles - alles tabu?

Beginnen wir mal bei den Peinlichkeiten: Was dir als Autorin „peinlich“ ist, kann für andere sehr erhellend sei – oder deine Leser(innen) auch anregen – sie müssen nicht das Gleiche fühlen wie du. Dabei kannst du es so halten: Wenn du dich schämst, über etwas zu schreiben, kannst du diese Schamhaftigkeit auch auf deine Figur übertragen. Der kleine Unterschied: Du würdest dich schämen, „es“ zu tun, aber deine Figur wird es tun, nachdem sie ihre Scham überwunden hat. Es ist schreibtechnisch völlig unerheblich, ob es sich dabei um die „Aufnahme“ bei Fellatio oder um den Einsatz von „Natursekt“ handelt.

„Peinlich“ kann alles sein, was einen gewissen Widerstand in uns erzeugt – es kann sich dabei um eine Lappalie im Verhalten handeln oder um eine große Herausforderung. Und unsere Leser(innen)? Sie sind neugierig, wie Scham, Zurückhaltung und Peinlichkeit überwunden und in Lust verwandelt wird.

Geistiger Stacheldraht: Hürden, zu deren Überwindung Mut gehört

Es gibt zwei Tabus, die mit Vorliebe gebrochen und deren Tabubruch teils genossen, und teils verteufelt wird: körperliche Gewalt (auch spielerische) jeder Art und homosexuelle Kontakte unter Heterosexuellen.

Auch für diese Themen gilt: Falls du einen Roman über „etwas Anderes“ schreibst und die eine oder andere sexuelle Gewaltszene darin vorkommt, bist du entlastet. Das Gleiche gilt für zufällige männlich-homosexuelle (im Volksmund auch „bisexuell“ genannte) Aktionen in einem heterosexuellen geprägten Umfeld.

Solltest du aber einen Roman schreiben, in dem du deine Figuren ausschließlich am „sexuellen Abgrund“ wandeln lässt, giltst du als „Pornograf(in)“ und wirst entsprechend abgewertet. Dabei muss dein Roman nicht einmal „Sex- oder Gewaltszenen“ aneinanderreihen. Es reicht völlig aus, wenn deine Kritiker ein paar Haare in der Suppe finden – meistens Schamhaare.

Frauen und Männer – die neue Spaltung mit neuen Tabus

Seit das moderne „Neusprech“ mit seiner sozialen Korrektheit und dem Wort “Sexismus“ in Mode gekommen ist, gibt es Neo-Tabus, die zumindest für hocherotische Liebesromane oder bewusst pornografische Romane gelten. Eines davon ist, weibliche Figuren nicht durch Männer in Körper, Geist und Emotionen verletzen zu dürfen. Sicher gibt es Schlupflöcher, aber zunächst entsteht ein neues Tabu. Im Gegenzug wurden Romane enttabuisiert, in denen Männer durch Frauen geistig, körperlich oder emotional bezwungen werden. Dieser Prozess ist immer noch nicht beendet. Ähnlich kontrovers verhält es sich übrigens mit der homosexuell geprägten Literatur: Was zwischen Männern geschieht, solltest du nicht unbedingt heftig und konsequent schildern – es stört immer och viele Menschen (nicht nur Männer). Hingegen kannst du inzwischen jede Art von lesbischen Begegnungen in hellen und dunklen Farben ausmalen – es stört niemanden mehr.

Bekanntermaßen moralisiere ich nicht – und Tendenzen in der erotischen Literatur gab es schon immer. Es ist einfach so: Das glatteste Parkett, das du gegenwärtig betreten kannst, ist der eindeutig erotische Roman, in dem es um Sadismus, Masochismus, verschiedene Formen körperlicher und emotionaler Gewalt oder um bisexuelle Kontakte geht.

Bild oben: nach einer französischen Zeichnung, retuschiert.
Zitate: Ines Witka: "Dirty Writing", Tübingen 2015.

Haben Frauen eigentlich Lust, die Lust zu sehen und zu lesen?

Haben Frauen eigentlich Lust, die Lust zu sehen und zu lesen? Diese Frage kann längst mit "Ja" beantwortet werden - aber offiziell bekommt ihr in Diskussionen bestenfalls ein lang gezogenes: "Ja, aber ..."

Pornografie - alles nur für den Mann?

Die Lust auf erotische Literatur ist ungebrochen, und der Konsum von Pornografie in Form von bewegten Bildern auch. Da fragt sich doch: Was können wir daraus schließen?

Das Urteil über Männer steht fest: Sie verachten als Pornongucker die Frauen, die dort ihre Körper hinhalten. Sie bedürfen der Umerziehung, müssen wieder lernen, Frauen als menschliche Wesen zu sehen, sie zu achten und zu ehren … und so weiter.

Sollten Männerlüste gewandelt werden?

Na schön – auch darüber gibt es eine Menge Literatur, auch ekelhafte, wie sie beispielsweise von den Pseudo-Feministinnen verbreitet wird, die „FLR“ (1) propagieren – von Frauen geführte Beziehungen. Und die geforderte Umerziehung und Disziplinierung der Männer? Da gibt es nur eines: Ohren auf Durchzug stellen. Oder glaubt ihr ernsthaft, in Frauenhirnen würden den ganzen Tag die Englein fromme Lieder singen?

Der anständige Mensch lüstet nicht ...oder doch?

Da werden viele sagen: Ein anständiger Mensch verachtet Pornografie und ihre Produzenten (und Produzentinnen auch). Das kann man gut zum Abnicken verwenden. Ende der Debatte! Kein Schmutz in der guten Stube!

Na ja, haltet mal die Luft an. Und lest dies Zitat:

Im Prinzip gucken alle Männer Pornos, auch viele Frauen. Dass in einem bürgerlichen Umfeld nicht dazu angeregt wird, über den Konsum von Pornografie und somit auch über seine Fantasien zu sprechen, mag ja normal sein.


Kommen wir mal auf den lustvollen Roman

So weit – so schlecht. Die kleine Schwester (oder der kleine Bruder, für die Erbsenzähler) der visuellen Pornografie ist der erotische Roman.

Und dann reiben wir uns die Augen und schauen mal: Im Prinzip wollen nämlich „alle“ Frauen geschriebene Lust- und Schmerzgeschichten lesen, und auch einige Männer. Gelegentlich findet man ja mal eine Frau auf einer Party oder in der ersten Klasse eines ICE, die offen zugibt, solche Bücher zu lieben. Aber eine wirkliche Diskussion darüber, welche Frauenbilder dort verbreitet werden, sollte man sich besser schenken. Als Mann sowieso.

Ich kann dazu eine eigene Beobachtung besteuern: Wann immer ich beklage, dass Kriminal- und Liebesromane üblicherweise die Realität ausblenden, sagen mir Frauen: na, das sind doch nur Geschichten – Märchen für Erwachsene. Ich habe niemals eine Frau gehört, die sagte: „Ach, diese Pornos sind doch Märchen für Erwachsene.“

Die Diskussion über Pornografie darf sich nicht um Lust drehen, oder?

Das kurze Aufflackern der Diskussionen nach den SoG (2) betraf nicht einmal die Lust an ungewöhnlichen Sexpraktiken. Das Thema war den meisten Frauen zu peinlich. Stattdessen diskutierten sie, ob die Heldin wirklich unbedingt als Jungfrau in den Roman eintreten musste und über die Würde der Frau, die dort vermeintlich mehrfach verletzt wurde.

Frauen und Lust passen nach nicht zusammen – so denken viele, nicht nur bürgerliche Spießer. Und sich lebhaft mit Lust und Laster zu beschäftigen, passt nicht zum Bild der Autorinnen.

Psychiater der Vergangenheit und Priester der Gegenwart

Ob der unsägliche Krafft-Ebing aus dem vorvorigen Jahrhundert oder der Priester drüben in der katholischen Kirche: Alle sagen im Grunde, der weibliche Körper sei gerade mal gut, um Kinder zu gebären. Und die sinnliche Lust, aus katholischer Sicht die Wollust, führe direkt in den Untergang oder den Rachen des Teufels. Der Effekt: Viel zu viele Frauen ducken sich weg, wenn das Thema der Sexualität offen angesprochen wird. Männer übrigens auch – jedenfalls, wenn es um ehrliche Sexualität geht.

Ein bisschen Emanzipation könnte da wirklich nicht schaden. Vor allem in der Literatur.

Zitat aus: "Übermedien", Sinnvoll zum Thema zu lesen: Weibliche Sexualität und Obszönität.
(1) FLR - Female Led Relatiohship". gibt es in "seriös" und in reißerisch.
(2) 50 Shades of Grey.



Der Liebesroman, die Verliebtheit und die Leidenschaft

Die Anatomie beforschen ...
Der Liebesroman hat so viel mit der Liebe zu tun wie ein Science-Fiction Roman mit der Raumfahrt. Denn Liebesromane handeln überwiegend nicht von der Liebe, sondern von einem Zustand, den wir für Liebe halten: Verliebtheit. Diese wird dabei sorgfältig entschärft, äußerlich verniedlicht und vor allem emotional weißgewaschen.

Biologie? Ach, die gibt es auch bei Menschen?

Man darf nicht erwarten, dass unsere Liebesroman-Autorinnen biologische Grundkenntnisse haben – sie sind wahrscheinlich eher hinderlich. Hätten sie solche, so wüssten sie, wie Verliebtheit funktioniert und warum sich die Illusion der „schwebenden Verliebtheit“ nicht auf ewig und immer ausdehnen lässt. Und falls es jemandem tatsächlich so gehen sollte, wer der Gang zum Arzt zu empfehlen.

Wenn Liebe zu einem unbestimmten, rauschhaften Gefühl hochstilisiert wird, sollten wir uns nicht wundern, warum Autorinnen sich weigern, der Verliebtheit ganz reale, heftige Lüste folgen zu lassen. Man müsste vom Liebesmärchen zur lustvollen Realität übergehen, und die Realität – nun ja, sie ist eben so schrecklich real.

Anatomie – pfui vor „ganz unten“

Zudem ist fraglich, ob die Autorinnen ihre Figuren mit einer vollständigen weiblichen Anatomie ausstatten, inklusive einer Klitoris, die tatsächlich so „funktioniert“, wie es eine Klitoris eben tut. Sei es die sanfte Berührung eines Fingers, der Kontakt mit einer Eichel oder das Gefühl, einen Penis „eingeführt“ zu bekommen - das alles kann zur sexuellen Erfüllung gehören. Wenn dies alles nicht stattfindet, dann wird ein „Liebes-Zombie“ ohne Unterleib geschildert – und zu einer Person gehört nun mal der Körper.

Soweit ich die Romane der etwas sinnlicheren Art gelesen oder angelesen habe, werden die Details der sinnlichen körperlichen Berührung weitgehend ausgespart. Die weibliche Figur darf einfach nicht sagen, wie es ist, „gevögelt zu werden“, wie immer sie dies auch ausdrücken will. Ich hatte vor einigen Tagen gelesen, Autorinnen Frauen sollten doch bitte auf „eigene Erlebnisse“ zurückgreifen. Und indem ich dies las, kamen mir zwei Gedanken: Entweder war da nicht viel mit „eigenen Erlebnissen“ oder aber dir Autorinnen schämen sich, in die Tiefen der eigenen sinnlichen Empfindungen abzutauchen.

Der Mann – ein Wesen mit Penis und Hoden dran

Was ist mit männlichen Protagonisten? Es gibt kaum Männer, die Liebesromane schreiben, und deshalb werden auch die männlichen Gefühle von Frauen geschildert. Doch wie liebt der Mann wirklich? Während der Phase der ersten Verliebtheit tut er es der Frau gleich: Er fällt in eine Art Trance, in der sein Gehirn lahmgelegt wird, und in dem seine Triebe (aha, nun kommt der Penis ins Spiel) körperliche Realität werden. Dann nimmt der Mann, was seine Geliebte ihm schenkt … was sonst? Und wenn sie sich ihm verweigert, dann hilft ihm später die eigene Hand, gepaart vom Gedanken an sie.

Das ist Realität – alles andere ist ein schöner, rosaroter Unsinn.

Und selbst, wenn unsere Liebesroman-Autorinnen schon einmal bis hierher gedacht haben: Da wäre immer noch die männliche Anatomie, die sich nicht nur in Penis und Hodensäcken manifestiert und sich auch nicht ausschließlich mit dem „finalen Schuss“ der Sperma-Kanone beschreiben lässt.

Ja – es ist harte Arbeit, einen erotischen Liebesroman zu schreiben. Frauen und Männer tun es, und sie sind dabei entsetzlich oberflächlich, auch dann, wenn sich ihre Produktion absetzen lässt wie warme Semmeln.

Die Verliebtheit oder Geilheit als Stilmittel benutzen?

Womit man dies alles verbessern könnte? Im Grunde wäre ich froh, wenn sich die Autorinnen und Autoren erinnern würden, dass die Verliebtheit eine Art „geistige Umnachtung“ darstellt, hervorgerufen von körpereigenen Drogen. Wer es wagt, nennt so etwas „einfach bedingungslos geil sein“. Und selbstverständlich sollte jede Autorin (und jeder Autor) wissen, dass die ganze Prozedur dazu dient, Hemmnisse abzubauen um - den Geschlechtsverkehr auszuüben, und zwar ekstatisch und völlig ungehemmt. Und wenn das so ist – warum wagen es dann nur wenige Autorinnen und Autoren, die Lust genau so zu beschreiben?

Schreiben - Teil vier: Deine weibliche Figur entsteht

Idee und Figur im Zusammenhang
Deine weibliche Figur – mit welchem erotischen Charakter willst du sie ausstatten?

Wir haben für euch vorgefühlt, welche erotischen Persönlichkeitsmerkmale oder „Charaktere“ eure weibliche Figur haben könnte. Warum wir nur von Frauen reden? Weil es in den meisten erotischen Romanen um eine Frau geht.

Die Junfrauenkarte spielen - ja oder nein?

In erotischen Romanen von Frauen für Frauen zeigte sich lange Zeit ein Trend, emotionale und körperliche „Jungfrauen“ als Heldinnen zu verwenden. Die meisten Autoren raten jedoch davon ab – und dies aus gutem Grund: Die Erfahrungen der Jungfrau reichen nicht aus, um die heftigen Emotionen während des Geschlechtsakts zugleich zu erleben und zu beschreiben. Es gibt andere Meinungen, zum Beispiel die, dass jeder Mensch die Ereignisse und Gefühle aus der „eigenen Biografie“ kennen würde. Ich hingegen warne davor, die eigene Biografie überhaupt ins Kalkül zu ziehen.

Drei erotische Grundtypen - sehr grob

Frauen – das ist eigentlich ein alter Hut, der aber noch mal neu aufgesetzt werden muss, teilen sich in Sexpositive, Sexneutrale und Sexnegative erotische Charaktere. Oder mit anderen Worten, einfacher:

1. Die Sexpositiven suchen sich Partner(innen) um möglichst intensive sexuelle Erlebnisse zu haben, bei denen sie selbst bestimmen können, wie die Sache läuft.
2. Die Sexneutralen brauchen „das gewisse Kribbeln“, das sie durch Menschen bekommen, die sie zu lieben glauben. Sie denken oder erfühlen, dass ihre Pater(innen) Sex wollen, und sie fügen sich dann in diese Rolle, die ihnen mal mehr und mal weniger gefällt.
3. Die Sexnegativen wollen eigentlich keinen Sex, tun „es“ aber trotzdem manchmal - aus den verschiedensten Gründen.

Nun gibt es für einen Menschen niemals nur ein Attribut, das ihn charakterisiert. Im Allgemeinen sagen wir, dass sich Menschen so gut wie sicher durch drei Eigenschaften charakterisieren lassen: „Eine Selbstbewusste, sexpositive Frau in guter Position“, beispielsweise.

Obgleich die selbstsichere, mutige und erfahrene Frau mit Sicherheit ein besseres Vorbild wäre als eine unsichere, wankelmütige und unerfahrene Frau, suchen Autorinnen zumeist den eher unsicheren Typ, der sich verführen lassen muss, um zum erotischen Glück zu gelangen. Es mag sein, dass daher auch der Trend zur „Jungfrau“ kommt.

Fünf Figuren eignen sich für erotische Romane

Wir fanden fünf erotische Frauenpersönlichkeiten, die sich für Romane und Kurzgeschichten eignen. Sieben davon wollen wir euch vorstellen, absteigend nach der sexuellen Aktivität:

1. Verführerinnen werden zumeist als selbstbewusst beschrieben. Sie wissen, was sie wollen, wann sie es wollen und wie sie es gerne hätten. Dazu gehen sie auch Abenteuer und Experimente ein. Diese Frauen sind oft nicht sehr gebildet und kommen nicht aus den sozialen Milieus der feinen Gesellschaft, begeistern aber durch ihre offene, natürliche Lebensart.
2. Krypto-Verführerinnen sind aktive, sexpositive Frauen, die nicht als „Schlampen“ verrufen werden wollen, und die sich deshalb vermeintlich zurückhalten, in Wahrheit aber das Gleiche Wollen wie aktive Verführerinnen. Sie täuschen Männer, indem sie vorgeben, nicht aktiv zu verführen, legen es aber darauf an, angesprochen zu werden und geben dem Mann das Gefühl, selbst der Verführer zu sein. Diese Haltung ist typisch für Frauen, die ihren Ruf verteidigen müssen.
3. Zurückhaltende Frauen stellen plötzlich fest, dass bei ihnen etwas „im Bauch kribbelt“ und versuchen dann auf Umwegen („Spielchen“), Sex zu bekommen. Das ist der Durchschnitt und zugleich der Lieblingstypus der meisten Autorinnen. Das Frauenbild, das dahintersteht, heißt ungefähr: „Der Mann erschließt ihr die Lust“, aber es kann heute auch eine Frau sein, der deine Figur verfällt.
4. Unsichere Frauen haben widersprüchliche Gefühle, zeigen diese aber nicht. Auch sie sind bei Autorinnen beliebt, weile es relativ leicht, aber andererseits sehr spannend ist, solche wechselnden Gefühlsbäder zu beschreiben und zu einem „Happy End“ zu führen: Dieser Typus eignet sich für den Plott „Verloren gehen und neu geboren werden.“
5. Weitgehend Neutrale, nicht an bestimmte Emotionen gebundene Frauen lassen Sex zu, weil es in bestimmten Situationen für sie „so üblich ist“. Dieser Typus eignet sich sehr gut für Alltagsschilderungen – vor allem, weil Sex im alltäglichen Leben ja eher eine „Option mit ungewissem Ausgang“ ist.

Deine Möglichkeiten

Die restlichen Frauentypen fallen aus dem Raster erotischer Romane, weil sie mit sich selbst kämpfen müssen, um schmerzlichen Geschlechtsverkehr zu haben oder – in anderer Weise schmerzlich – auf Geschlechtsverkehr verzichten. Diese Charaktere sind ausgesprochen interessant, eigenen sich aber nicht für erotische Romane.

In den meisten Romanen, insbesondere aber in Kurzgeschichten, gibt es einen offenkundigen Wandel des Fühlens, Wollens oder Handelns. Es mag sein, dass die „eher wenig spektakulären Figuren“ diesen Höhepunkt intensiver erleben können – und damit auch deine Leserinnen.

Die Verführerinnen hingegen eignen sich eher für Plots wie „Reise und Rückkehr“, also beispielsweise die Schilderung eines an Affären reichen Lebens oder für die Aufbereitung eines Doppellebens.

Mitlüsten, Mitleiden, Mitekeln

In einer Filmkritik („Touch me not) mit sexbezogenen Szenen las ich:

Die Kamera kommt den Darstellern sehr nahe: Mitgefühl, Interesse, Neugier, auch Ekel – alles ist zulässig.


Warum sollte für das geschriebene Wort nicht das Gleiche gelten? Und zwischen der Kamera, die Menschen so entsetzlich nackt machen kann, dass es peinlich wirkt, und dem geschriebenen Wort liegen Unterschiede wie Tag und Nacht. Im Buch steht nur der „Rohstoff“. Erst das Gehirn des Lesers erschafft das Abbild seiner Realität – und nicht „der“ Realität, wie im Film.

Also, Autorinnen und Autoren: Lasst die Leser(innen) teilhaben an Wollust und Ekel eurer Figuren. Versucht gar nicht erst, einen Groschenroman-Entwurf mit „sanfter, romantischer Lust“ aufzuschönen. Niemand wird von sich sagen, dass jedes seiner sexuellen Erlebnisse ein Bad in der Wonne war.

Warum sollten wir nicht mitfühlen, mitleiden und und dann und wann auch mitekeln?