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Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines

Der Gebrauch ist einfach - doch die Effekte können variieren
Die Erzählerin – Alva oder warum zwei Kondome besser sind als eines sowie einige Möglichkeiten, die Lust zu befriedigen

Selbstverständlich hat sie immer ein Kondom in ihrer Handtasche. Für alle Fälle, doch weiß sie auch, dass diese Fälle kaum noch eintreten. Es ist einsam geworden um sie, vor allem, seit sie Abteilungsleiterin wurde. Zuvor leistete sie sich schon noch die eine oder andere Affäre – dann und wann jedenfalls.

Es gibt sie wirklich, doch wie nenne ich sie? Jenny? Natascha? Gertrud? Scherz beiseite: Alva würde zu ihre passen: feenhafte Erscheinung, aber mit einer robusten Psyche. Rund heraus und unverblümt: Alva sucht sich gelegentlich, aber sehr gezielt Möglichkeiten, „ihren Körper mal wieder richtig zu spüren“. Ohne jede Verbindlichkeit und innerhalb von höchstens sechs Stunden.

Einschub: guten Sex innerhalb von sechs Stunden genießen – geht denn das?

Ich muss euch jetzt mal persönlich ansprechen: Vielleicht habt ihr noch niemanden erlebt, der sich so verhält. Und es könnte durchaus sein, dass euch diese Geschichte befremdet. Aber ich kann euch versichern, dass Alva nicht die einzige Frau auf dieser Welt ist, die so denkt und handelt. „Ich will meine Lust nicht durch die Rippen schwitzen“, sagte mir Nora, die nach längerer Ehe nun „von Fall zu Fall“ mit verheirateten Männern verbringt. Ledige kämen sowieso nicht infrage. Und Beziehungen? Um Himmels willen, das brächte doch nichts als Probleme.


Zurück zu Alva und ihrer Geschichte

Kehren wir zurück zu Alva, die mir ihre Geschichte in einer schwülen Gewitternacht im letzten Spätsommer des vorigen Jahrhunderts erzählte. Damals hätte man noch eine Verbindungslinie von Alva zu mir ziehen können, und ich habe deshalb über das geschwiegen, was ich von ihr hörte. Und vielleicht noch dies: Ich habe keine Veranlassung, an dem Wahrheitsgehalt ihrer Aussage zu zweifeln. Allerdings habe ich einige Ergänzungen hinzugefügt, um die Geschichte etwas plastischer schildern zu können und einiges weggelassen, soweit es die Intimsphäre von Alva betrifft.

Alva und die Probleme mit der Kleinstadt

Es ist wirklich schwer für Alva, in ihrer Stadt einen Mann zu finden. Knapp 45.000 Einwohner hat sie mit allen Vororten. Kleinstadt also, wenngleich mit großer Bedeutung für verschiedene ertragreiche Branchen. Wenn du in der Kleinstadt wohnst, wirst du wissen: Die Leute beobachten dich. Und Alva ist bekannt. Denk mal an eine Physiotherapeutin, eine Studienrätin oder die Leiterin der örtlichen Volksbank. Dann kannst du dir nicht einmal leisten, in deinen Dessous im Garten zu sitzen.

In die Abschlepp-Bar oder zum Sex in die Hauptstadt?

Sicher gibt es eine Bar in der Nähe ihres Wohnorts, in der du Männer kennenlernen kannst – aber wenn du dahin gehst, bist du gleich abgestempelt. „Notgeile Schlampe“ ist noch eine der höflicheren Bezeichnung für dich, wenn du hingehst und dich an die Bar setzt. Ich schildere dir mal, wie es ist: Geh rein, setz dich auf einen Barhocker, zieh den Rock so weit hoch, dass die Jungs deine Oberschenkel sehen können und lass dich zu einem Drink einladen. Der Rest findet im Auto statt – oder bei schönem Wetter auch mal auf einer Waldlichtung auf dem verlassenen Truppenübungsplatz. Wenn du Glück hast, in einer unaufgeräumten Junggesellenwohnung oder einer Monteurunterkunft. Ein Hotel können sich die Jungs nicht leisten. Wollen sie auch gar nicht. Und das Schlimmste: Sie erzählen weiter, wie es mit dir war. Garantiert und in Details.

Nun gut – Alva könnte heimlich die Hauptstadt fahren, wo sie niemand kennt und niemand fragt. Von der Apothekerin weiß sei, wie so etwas geht: eine Anzeige im „Wochenblatt“ mit einem etwas verschlüsselten Text, der dem Eingeweihten klar macht, was geboten und erwartet wird. In der heutigen Zeit heißt so etwas „Casual Dating – damals sagte man „Begegnungen“ dazu.

Das alles ist nichts für Alva. Sie will nicht, dass von vornherein alles klar ist, inklusive der möglichen Varianten, sondern dass sie ein Mann anspricht, der sie schön und begehrenswert findet. Und sie will den Dingen ihren Lauf lassen, weil sie es hasst, wenn immer alles „nach „Muster“ abläuft.

Alva geht aus

Alva wird heute dennoch ausgehen. Sie überprüft ihre kleine Handtasche, geht zur Keksdose auf dem Nachtisch, nimmt ein Kondom heraus. Eines? Manchmal ist ein Zweites nötig - diesmal eines aus dem verschließbaren Medizinschränkchen. Also zwei Kondome, dazu einen Ersatzslip – der nimmt nicht viel Platz weg. Viel mehr wird sie nicht brauchen. Oh, die Visitenkarte, falls jemand ihr nicht glaubt, das zu sein, was sie nun darstellen wird: die reisende Schulungsleiterin Alva Wiederkehr.

Sie überprüft noch einmal ihre Garderobe, ihr Make-up und ihre Frisur. Da muss sie nicht viel ändern. Business-Outfit, heller, etwas kürzerer Rock als üblich, Halterlose an den langen Beinen. Die Bluse nicht völlig zugeknöpft, der BH darf leicht durchschimmern. Das Parfüm eine Spur sinnlicher, aber nicht zu schwer. Ein einziges Schmuckstück, mehr nicht. Eine edle Uhr? Reicht völlig.

Ihre Wohnung liegt am Rande eines neuen Stadtviertels, deutlich getrennt vom Hauptort. Von dort sind es noch etwa 500 Schritte zu einem riesigen Hotelareal in einer Art Park. Dort nächtigen nahezu ausschließlich Firmengäste, Vertreter, Reisende und Tagungsteilnehmer. Die meisten Gäste scheuen den Weg in die verhuschte Innenstadt, die ohnehin außer der bereits erwähnten Schummerbar so gut wie nichts zu bieten hat. Und aus eben diesem Grund verfügt jedes dieser Hotels über eine relativ große Hotelbar, die stets überaus gut frequentiert wird. So gut wie alle reisenden Geschäftsleute, ob Frauen oder Männer, fühlen sich abends einsam. Und wer sich einsam fühlt, nimmt gerne Gesellschaft an, in der Hoffnung, das am Ende vielleicht doch noch ein feuchtes Erlebnis herausspringt, aber ohne die Erwartung, dass es unbedingt passieren muss. Aber ein kleiner Flirt wird doch erlaubt sein, nicht wahr?

Alva weiß, worauf es hier ankommt: Du musst aussehen wie eine Businessfrau und dich benehmen wie eine Businessfrau. (Alva würde selbst noch viel mehr Eigenschaften nennen können, schließlich ist sie eine Businessfrau). Klar kannst du abends an der Bar ein bisschen legerer auftreten, doch Alva weiß: je weniger sie auffällt, umso besser.

Die Konkurrenz – wo Männer sind, da sind auch Frauen

Um das zu verstehen, muss ich nun mit euch über Alias „Konkurrenz“ reden, so peinlich dies auch sein mag. In einer Hotelbar kann jede Frau eine Konkurrentin sein, damit musst du rechnen, wenn du dort auf „deinen“ Lover wartest. Du kannst lernen, sie auseinanderzuhalten, in Gruppen einzuteilen und sie zu umgehen. Aber das ist nicht das Wichtigste: Du musst den männlichen Gästen klar machen, dass du auf keinen Fall dazugehörst. Wenn du heute in Hotelbars gehst, findest du dort viel mehr reisende Geschäftsfrauen als in den 1990ern – damals waren sie aber noch eine Rarität.

Und du? Du hattest einen harten Tag. Und nun suchst du Abwechslung. Nette Gespräche und einen kleinen Flirt -. auf keinen Fall mehr. Sollte dich ein Herr dennoch „überreden“, noch ein weiteres Gläschen auf seinem Zimmer mit dir zu trinken, dann tut er es, weil er dich wirklich mag. Niemanden interessiert die Wahrheit – es ist ein Mantra, das du selber ein bisschen glauben musst, damit es für andere glaubwürdig ist.

Manche deiner Konkurrentinnen ahmen das Verhalten von Geschäftsfrauen in Hotels nach. Da wäre zum Beispiel Xenia, die eine Codekarte mit Zimmernummer besitzt und sie immer deutlich auf die Bar-Theke legt. Die Karte ist längst abgelaufen, aber mancher Herr glaubt ihr, dass sie Reisende für Kosmetika ist. Andere geben sich erst gar keine Mühe, ihre Absichten zu verbergen – man erkennt sie an ihrem Verhalten, an ihrer Redeweise und an ihren Handtaschen – von der aufreizenden Haltung einmal abgesehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ihr denkt, aber es geht eigentlich immer um Geld: Mal im Voraus, mal hernach, mal in bar, mal per Kreditkarte. Und dann und wann geht es um Erpressung oder Industriespionage.


Alva weiß von zwei oder drei Frauen, die aus dem gleichen Grund hier in die Hotelbar gehen wie sie selbst: Einen wundervollen Lover zu suchen und sonst gar nichts. Sie begegnet ihnen selten, und wenn, dann geht sie ihnen aus dem Weg - besser so.

Das bevorzugte Hotel - der Gang durch die Hotelhalle

In dem Hotel, das Alva bevorzugt, gibt es keinen separaten Eingang zur Bar. Sie geht durch die Halle, wie jemand der froh ist, dass der harte Tag endlich vorbei ist. Manchmal lächelt sie der jungen Frau an der Rezeption zu. Natürlich weiß sie, dass Alva hier kein Zimmer gebucht hat – aber es kommt schon vor, dass man sich in der Bar auch noch zu geschäftlichen Gesprächen trifft oder einfach eine Kollegin aus einer fernen Zweigstelle des Unternehmens.

Bevor sie die Bar betritt, richtet sie sich noch einmal innerlich auf und bleibt einen Moment im Eingangsbereich stehen. Sie weiß, dass sie dabei von den Herren gemustert wird, doch verzieht sie keine Miene, geradezu so, als ob ihr einziges Ziel wäre, sich auf dem nächstbesten Hocker niederzulassen.

Doch nun bleibt sie einen kurzen Moment vor der Bar-Theke stehen. Sie mustert die Barfrau, die heute Dienst hat. Diese blickt kurz auf, und beide lächeln. Die Unsicherheit, so weiß sie, lauert beim Personal, nicht bei den Gästen. Die Gefahr, dass man plötzlich eine Schulkameradin als Hausdame, Portierin oder Barfrau trifft, mag gering sein, aber sie ist real. Diese Barfrau stammt nicht aus dem Ort, sondern aus einer eher ländlichen Gegend südlich der kleinen Stadt, leicht über die Autobahn erreichbar, aber fern genug, um ihr gefährlich zu werden. Sie nennt sich Lola … Gäste in Bars wollen „ihre“ Barfrau immer mit Vornamen ansprechen – das ist international üblich. Lola erkennt Alva und sagt: „Es ist lange her, dass Sie das letzte Mal bei uns waren, Miss Wiederkehr, nicht wahr?“

Wollt ihr die nächste Folge lesen? Sie heißt:"Wie die Verführerin sich verführen lässt" .
Insgesamt besteht unsere Geschichte aus vier Teilen - und sie beruht auf einer authentischen Erzählung.

Phönix steigt wieder auf - aus dem Staub der Archive

Wie schnell sich doch das Leben verändert – gestern noch dachte ich, dass ich dies Blog einfach seinem Schicksal überlassen sollte. Jeden Tag neue Ideen zu produzieren, mit dem Risiko, wegen des Stils oder der Inhalte angegriffen zu werden? Von Schreibschulen gehasst, vor Verleger(innen) und Autor(innen) ignoriert oder verachtet werden? Viel Aufwand und kein Ertrag?

Indessen fand ich eine kleine Goldgrube: alles, was „Die Erzählerin“ vor vielen Jahren schrieb. Und außerdem das Archiv von Johann Fürchtegott Gramse, das ich schon seit Jahren nicht mehr gesichtet hatte. Hinzu kamen noch einige kleinere Geschichten, die das Leben der bürgerlichen und adligen „höheren Töchter“ um die 1900er Jahrhundertwende schilderten, sowie einige nachempfundene Geschichten ähnlicher Art aus den frühen 1930er Jahren. Leider habe ich die vielen maschinengeschriebenen oder "hektografieren" erotischen Geschichten aus den 1950er Jahren verloren – aber vielleicht hat ja noch jemand einzelne Exemplare – oder kann sie nacherzählen.