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Vielversprechende erotische Themen (47): Keuschheit

Keuschheit bezeichnet im Deutschen die sexuelle Enthaltsamkeit, die zumeist aufgrund eines Gelübdes, einer Glaubensorientierung oder einer Weltanschauung praktiziert wird.

Freilich kann sexuelle Enthaltsamkeit auch durch äußere Umstände entstehen, und sie kann eine Variante des Spiels um das Begehren und Verweigern sein, das allgemein als Tease-and-Denial bezeichnet wird. Dabei wird der Partner oder die Partnerin sexuell stimuliert, doch wird ihm/ihr die Erfüllung verweigert.

In manchen Fällen muss der Partner/die Partnerin schwören, sich bis zum nächsten Geschlechtsakt absolut keusch zu verhalten, also auch nicht zu masturbieren. Dabei werden gelegentlich sogenannte Keuschheitsgürtel (bei Frauen) oder Keuschheitsgeschirre (bei Männern) angewandt.

Naturgemäß entsteht bei allen Varianten ein Konflikt: Ob Nonne oder Priester, eingeschworene Jungfrau oder Internatszögling – Mutter Natur macht nicht vor der Weltanschauung halt. Das gilt auch bei jeder Art von Vereinbarung, die häufig, sei es zufällig oder vorsätzlich, gebrochen werden können. Und gleich, welche „Folterinstrumente“ zur Keuschhaltung verwendet werden – ein Ausweg ergibt sich immer und überall.

Für Autorinnen und Autoren ist das Thema ergiebig, weil sexuelle Handlungen sich nicht „auf das Eine“ beschränken, sondern viele Spielvarianten beinhalten. Die Frage ist dabei stets: Wie weit wird die Verführung hingenommen? Wann wird sich der/die Verführte weigern? Und wird die Weigerung beibehalten?

Wer es sich einfach machen will, wird eine Situation herbeiführen, in der die eheliche Treue auf die Probe gestellt wird – auch dies ist eine Form von Keuschheit. Komplizierter ist bereits, eine Verführung zu beschreiben, in der ein tieferer innerer Wert gebrochen werden muss, etwa ein Gelübde. Zu bedenken wäre auch, ob die Keuschheit mit einer tief greifenden Angst vor der ersten Penetration verbunden ist oder ob die Person bereits über sexuelle Erfahrungen verfügt.

Ich kann Ihnen nur raten, auf keinen Fall Vorlagen aus dem Internet über „die Keuchhaltung des Mannes“ oder „die Keuschhaltung der Frau“ zu nutzen, die überwiegend einem Sensationsbedürfnis, teils aber auch kommerziellen Interessen dienen.

Mit einem Satz: Literarisch ist es wesentlich interessanter, den inneren Kampf zwischen Gelübde und Begierde zu beschreiben, als sich mit wasserhahnähnlichen Keuschheitsgeschirren deren Schließmechanismen zu beschäftigen.

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