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Das ganz gewöhnliche Lusterlebnis – "Erotische Themen" Nr. 49

Da haben wir nun 48 Mal erklärt, wie Sie erfolgreiche sinnliche Themen finden können, und nun ist natürlich die Frage: Was schreiben wir in die beiden letzten Folgen?

In dieser Folge jedenfalls greife ich selber zur Feder und verrate Ihnen etwas, das Sie vielleicht noch nicht wissen: Nichts ist so schwierig zu beschreiben wie das „Gewöhnliche“. Zumal, wenn Sie nur wissen, wie man technisch und praktisch „vögelt“ oder „gevögelt wird“. In der Tat ist der Beginn eines Geschlechtsakts meist eher eine „Peinlichkeit“, seien Durchführung etwa so interessant wie die Hubbewegungen einer Fahrradpumpe und sein Höhepunkt so kurz und explosionsartig, dass er sich jeder Beschreibung entzieht.

Deswegen gebe ich Ihnen einen Rat: Haben Sie Mut zur Peinlichkeit. Wenn Sie Ihre Heldin einen Reißverschluss öffnen lassen, und „sein Speer“ dann herausbolzt, steif und aufrecht wie ein Königspinguin, dann – lassen sie es mal besser mit dem erotischen Schreiben. Penisse liegen nicht hinter Reißverschlüssen, und selbst falls sie bereits ein wenig steif sein sollten, müssen sie doch erst einmal aus den Boxershorts herausgelockt und zumeist noch etwas „nachbehandelt“ werden. Das alles gehört – normalerweise – zum „ganz gewöhnlichen Sex“. Ebenso hat der Tanga nicht immer schon „eine riesige feuchte Stelle“, wenn die ersten Zungenküsse ausgetuscht wurden – ja, möglicherweise bleibt die Feuchtigkeit der Vagina weit hinter der situativen Geilheit zurück.

All das gehört zu dem, was „normalerweise“ passieren kann. Sex ist ein Prozess, der im Kopf beginnt, und erst dann den Körper erfasst – und nicht immer arbeiten Kopf und Körper synchron. Hinzu kommt: Was im Kopf vor sich geht, ist schwer zu beschreiben, und das, was im Körper vorgeht, ist mit Scham besetzt. Oftmals haben Männer noch nie eine Klitoris gesehen und Frauen noch nie eine Vorhaut über eine Eichel geschoben. Die Anatomie des eigenen Geschlechts ist oft so unbekannt wie die des anderen Geschlechts, geschweige denn von den Prozessen, die zwischen dem Gehirn, dem ausführenden Körper und den Nervenbahnen ständig stattfinden. Wenn das alle so ist, was soll man dann beschreiben?

Sie haben richtig geraten: Dann kann man nur beschreiben, wie sich das „Ding in das Ding“ versenkt, solange bis einer von beiden jauchzt und stöhnt.

Mag sein, dass unsere Autorinnen so gerne Themen wie nackt sein, Analverkehr und neuerdings SM aufgreifen, weil es da ein bisschen Lametta gibt, das man um das Nichtwissen herumlegen kann. Ein Dutzend Schläge mit dem Rohrstock kann man gegebenenfalls in zwölf Varianten beschreiben, während dies bei zwölf Hubbewegungen des Beckens schwerfällt.

Ich empfehle allerdings, bei Themen wie Sinnlichkeit, Erotik und Sex vor allem einmal das Organ zu beteiligen, das bei der Lust die Funktion des Steuermanns einnimmt: das Gehirn. In ihm wird die Lust erzeugt, werden die Ergebnisse von Berührungen aller Art verarbeitet und die Lust wie auch der Ekel plastisch und vielfarbig erzeugt. Und genau dies lässt sich durchaus beschreiben.

Die letzte Folge? Sie sollte sich letztmalig um die Fantasie drehen. Doch im letzten Moment kam unsrem Autor eine besser Idee: Vaniille-Sex pur und so intim wie noch nie.

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