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Erotisches Selbstbewusstsein als Schutz

Bewusst balanciert?


Sie war es gewöhnt, ihren Körper unverblümt zu Schau zu stellen, denn dessen Schönheit war ihr Schutz. Sie balancierte, einer Seiltänzerin gleich, in ihren kurze, engen Kleidern über den Abgrund der fremden Blicke.


(Karin Rick, „Böse Spiele“), München 1991

Das Zitat und was Sie daraus lernen können

Das Zitat ist kurz, gleichwohl ist es prägnant und sprachlich ausdrucksstark. Nach dem ersten Satzteil erwarten die Leserinnen mit ziemlicher Sicherheit eine andere Aussage. Ich denke, auch Sie werden zunächst verblüfft sein. Ach, eine Frau kann sich betont „sexy“ Kleiden, und sie wird dadurch nicht schutzlos, sondern gerade die Schönheit ist der Schutz? Wie kann die offenkundige, unverblümte Erotik des Körpers ein Schutz sein?

Selbst, wenn Sie als Leserin der Autorin den Satz nicht „abkaufen“ sollten, so wird sie doch darüber nachdenken. Ah – es gibt also offenbar eine Möglichkeit, selbstbewusst, schön und zugleich erotisch zu sein, und sich mit der Summe aus alldem zu schützen.

Die Auflösung des vermeintlichen Rätsels finden wir im zweiten Satz, der letzte Zweifel zerstört. Sie weiß, dass ihr fremde, lüsterne Blicke folgen, und sie weiß, wie eine Artistin, dass irgendwo dort unten ein Abgrund lauert, in den sie nicht fallen darf. Also balanciert sie „über den Abgrund der fremden Blicke.“

Ich gebe Ihnen dies Beispiel, um Sie zum Nachdenken anzuregen. Frage Sie sich bitte selbst, wie sie lapidare Standardsätze in erotischen Geschichten in aussagefähige, sinnreiche Sätze wandeln können.

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