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Schämen, Schamangst und Schamlust in der Erotik

Sich schämen - oder die Lust, sich zu schämen?

Die Wissenschaft mag viele erforscht haben, aber in einem sind Sie als Autorin/Autor selbst gefordert: beim Schämen.

Dabei ist das Schämen durchaus beschreibbar, geht es doch mit körperlichen Merkmalen einher. Da wäre einmal das sanfte, leichte, kaum merkliche Erröten, das nahezu beliebig gesteigert erden kann, so lange, bis jemand „puterrot“ wird.

Dann ist da das Herz, das zwar nach außen niemals „hörbar“ schlägt, aber nach innen gewandt eben merkwürdige Gefühle auslöst. Und da wäre noch der Schweiß, der plötzlich ausbricht, nicht zu vergessen der Drang, nach einer Bloßstellung plötzlich urinieren zu müssen. Vergessen Sie bitte auch nicht die Knie, die „weich werden“, wenn jemand vor Scham befangen ist. Ziemlich abgeschmackt, aber dennoch sprachlich wirksam ist das „Senken des Blicks“ und die damit verbundene Demutshaltung.

Was ich hier beschrieben habe, ist vor allem diejenige Form der Scham, die sich spontan zeigt, und die sich vor allem in sichtbaren körperlichen Veränderungen oder deutlich erkennbaren Verhaltensänderungen zeigt. Daneben existiert noch die Form der echten, tief empfundenen Scham, die eng mit der Reue zusammenhängt, und die nahezu ausschließlich in „inneren Dialogen“ ausgetragen wird. Hinzu kommt aber noch das Spiel der Schamhaftigkeit, das insbesondere bei den Flirts junger Frauen eine Rolle spielt.

Schamangst und Schamlust sind die beiden wesentlichen Komponenten für die Autorinnen, die das „Gefühl der Scham“ lustvoll in ihre Erzählungen einbinden wollen.

Auf dem Gebiet der Sexualität liegt, wie viele vermuten, die Furcht, etwas zu wagen, nahe bei der Lust, dasselbe zu genießen. Zahllose Romane und Erzählungen spielen mit diesem Dualismus, und gäbe es ihn nicht, so würden erotische Romane wesentlich fader und oberflächlicher werden, als sie es ohnehin schon sind.

Oh ja, „es gehört aber viel Geist dazu, immer das richtige Maß an Schamgefühl zu zeigen“, sagt Stendahl. Und natürlich gehört ebenso viel Geist der Autorin dazu, die Schamhaftigkeit im erotischen Roman richtig zu dosieren. Vielleicht hilft Ihnen dabei eine weitere Behauptung Stendahls:

Feinfühlige Frauen, die noch nicht mehrere Liebhaber gehabt haben, hindert die Schamhaftigkeit, sich ungezwungen zu geben … weil sie mit Gewalt natürlich sein wollen, geht ihnen die Natürlichkeit verloren.


Hier spricht Stendahl also über die Schamhaftigkeit als einem Element, das insbesondere Frauen dazu treibt, sich zu verkünsteln. Dazu gehört im modernen Leben vor allem die Unfähigkeit, über die eigene Wollst zu sprechen dun sie „an den Mann zu bringen“. Das heißt, Ihre weibliche Figur wird vielleicht deshalb nicht verführt, weil sie versucht, sich allzu „anständig“ zu verhalten.

Sie merken schon: Da liegt eine Menge Potenzial brach. Sie können wirklich mehr aus der echten und gespielten Schamhaftigkeit machen, als derzeit am Markt an Literatur zu finden ist. Denn sieht man sich die Literatur an, so geht es viel zu oft um „schamhafte“ junge Frauen, die sich ihrem Liebhaber nicht nackt zeigen wollen. Wäre es da nicht angebrachter, die beiden Widersacher „Schamangst und Schamlust“ in ein elegantes, frivoles Spiel einzubringen, das den Charme der Verführung einschließt?

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