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Für Erotik-Autorinnen: die Lust daran, eingesperrt zu werden

Die Betrachtung des zu Objets


Eigentlich ist es keine wirkliche Lust, sondern eine Form der Unterwerfung, in der sich eine Person völlig in die Gewalt einer anderen begibt. Obgleich die Situation aus der erotischen Literatur wie auch aus zahllosen Kriminalromanen recht bekannt ist, weiß kaum jemand, wie er sie beschreiben soll.

Wie so viele erotische Spiele erzeugt auch das „Gefangennehmen“ und „Einsperren.“ Zwiespältige Gefühle zwischen Furcht, Ausgeliefertsein, umhegt zu werden und sinnlicher Lust auf den Körper des Anderen.

Deutliche Trennung zwischen Realität und Fantasie einhalten

Zu beachten ist dabei, dass wir zwischen Realität, Fantasie und Spiel unterscheiden müssen. Ein Mensch, der längere Zeit eingesperrt ist, ist immer gefährdet, auch wenn er sich nichts sehnlicher wünscht, als abhängig zu sein. Im Bereich der SM-Lüste ist daher, wie bei der „Dunklen Erotik“ generell, eine deutliche Linie zu ziehen zwischen dem, was sich in der Fantasie abspielt und dem, was in der Realität technisch, physisch oder emotional möglich ist.

Emotionen haben Vorrang

Da Emotionen in der erotischen Geschichte stets die Hauptrolle spielen sollten, ist die Frage: Wie fühlt sich derjenige, der eingesperrt ist? Bei manchen Autorinnen und Autoren werden Jugenderinnerungen wach: Wurde man nicht tatsächlich dann und wann in Keller, Abstellraum oder Waschküche eingesperrt? Selbst die mildeste Form, der Stubenarrest, hat etwas von Gefangenschaft, wenngleich hier genügend „Auslauf“ besteht. Der „Gefangene“ wünscht sich nicht nur, frei zu sein. Er ist vielmehr dankbar für jedes Gespräch und jede Hand, die sich ihm entgegenreckt. Sie können diese Gespräche, vielleicht gar Flirts oder Hautkontakte bestens in Ihre Geschichten einbauen. Ihre Figur wird einerseits dankbar Hautkontakt suchen, um sich dann wieder vor ihnen zu fürchten. Das ergibt hervorragende Stilmittel im erotischen Roman – es ist ja gerade der Konflikt zwischen dem ausgeliefert sein und dem umhegt sein, der diese Schilderungen so plastisch werden lässt.

Psycho oder nicht?

Wenn Sie die Sache psychologisch angehen wollen, dann werden Sie sich erinnern, dass ein Kind nichts mehr fürchtet, als verlassen zu werden. Ich warne persönlich davor, immer wieder die psychologischen Klischees der Kindheit zu benutzen, sondern sich auf die tatsächlich existierenden Gefühle in der der Erwachsenenwelt zu konzentrieren. Es kann aber nichts schaden, etwas über die Zusammenhänge zu wissen.

Wenn sie sich in Rollenspielen nicht besonders gut auskennen, sollten sie wissen, dass Realität und Fantasie bei Rollenspielen ineinander übergehen. Das heißt, der Gefangene fühlt sich nicht nur in der Rolle des Gefangenen, vielmehr „lebt“ der Rollenspieler in der ihm zugedachten Rolle des Gefangenen und empfindet tatsächlich die Furcht und das Ausgeliefertsein. Wie Sie sicher wissen, schärfen sich die Sinne, wenn wir mit uns allein sind, und diese Tatsache kann noch heftig ausgespielt werden.

Sie haben in Ihrer Schilderung die Möglichkeit, das Gefangensein zu verschärfen, indem Sie Sinnesentzug (Dunkelheit) oder Sinnesverwirrung (unbekannte Geräusche, Schritte, falsche Schläge der Uhr) einbringen. Denken Sie auch an ganz profane Ängste, wie einen starken Handrang, den ihre Figur nicht dauerhaft auf „anständige Art“ loswerden kann.

Erotisch ergibt sich die Möglichkeit, dass sich ihre Figur beispielsweise durch die Käfigstäbe hindurch stimulieren lässt. Auf ähnliche Weise kann allerdings auch Furcht erregt werden.

In einer glaubwürdigen Beschreibung des erotischen Eingesperrtseins können wir lesen (1)

Psychologisch gesehen sind Käfige ein mächtiges Werkzeug. Die … (Männer) … mögen mit einer gelassenen Einstellung in den Käfig gehen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass sie nach einiger Zeit die tatsächliche Funktion des Eingesperrtseins empfinden, und sie erkennen, dass ihnen die Freiheit und die Würde genommen wurden. Je länger sie dort verharren, umso wirksamer wird diese Lektion. (Die Herrin …) wird dann zu ihrem Universum. (Sie) ist die einzige Quelle, um die Freiheit wiederzugewinnen, Nahrung und Getränke zu erhalten (… und zu kommunizieren). Es ist eine sehr intensiv wirkende Erfahrung, und sie kann eine unglaubliche Bindung (an die Herrin) erzeugen.


Bleibt eigentlich nur noch zu fragen, wie es mit der Gegenseite aussieht. Deren Gefühle sind wesentlich schwieriger zu beschreiben. Im Allgemeinen genießen die Damen und Herren der „anderen Seite“ ihre Macht, die sie im Zweifel ja tatsächlich (also nicht nur spielerisch) hätten.

Eine Frage, die oft gestellt wird, ist die, ob die Rollen geschlechtsspezifisch sind. Dies kann getrost verneint werden, denn die Rolle des/der Unterwürfigen ist bei Frauen wie bei Männern sehr beliebt, und man kann erwarten, das beide Geschlechter in der Situation ähnliche Gefühle hegen. Die Rolle des „Wärters“ wird leider viel zu oft mit der eines Mannes assoziiert, der Macht über Frauen ausüben will und daraus Lust gewinnt. Viele Beobachter meinen aber, dass Frauen den größeren Gewinn aus der Rolle der Dominanz ziehen würden, die ihnen „Schübe der Macht“ verliehe, wie es auf einer einschlägigen Webseite heißt.

(1) Die Quelle ist dem Autor bekannt, eine Verlinkung findet bewusst nicht statt. In der Übersetzung wurden einige Worte ausgetauscht und durch allgemeinere ersetzt.
Bild nach Montorgueil aus "Barbara"

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