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Warum Sie unterwürfigen Heldinnen den Laufpass geben sollten

Wer ist devot, wer herrscht?
Genug ist genug. Wirklich. Wenn das tausendste Mäuschen von einem prächtigen Kater verputzt wird, nachdem dieser ein gar grausiges Spiel mit ihren Emotionen durchgeführt hat, wird es Zeit, das Thema zu wechseln. Good bye, SoG. Good bye, Mr. Grey, und nicht zuletzt, Good bye, du doofe Anastasia, die darauf hereinfällt, durch schickes und schmervolles Vögeln zur besseren Gesellschaft auszusteigen.

Nein, nein, nichts gegen das Thema. Es verstärkt allerdings die typischen Klischees: Männer hart, fordernd, gewaltbereit und unnachgiebig. Frauen hingegen weich, devot, fügsam und gegen ihren Willen Hingabe simulierend. Angeblich – das Behaupten jedenfalls Psychologen, wird damit ein falsches Weltbild vermittelt – falls es überhaupt möglich ist, durch Soft-Pornos Weltbilder zu verändern.

Natürlich glüht bei mancher Leserin das Hirn, die Augen weiten sich - und bei vielen Frauen beginnt dann der Unterleib zu zucken. Die Frage wäre: Muss die Heldin dazu unterwürfig sein?

Der erotische Reiz bleibt – egal, wer dominiert

Muss sie nicht. Denn Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass es für den erotischen Reiz keine Rolle spielt, ob der Mann dominant ist oder die Frau – es funktioniert sogar dann, wenn beide wechselseitig dominant sind.

Dazu schreibt das Magazin FUSION:

Ein weiteres interessantes Forschungsergebnis besteht darin, dass alle drei (… SM-Geschichten auf die Teilnehmer der Studie …) in gleicher Weise erotisch wirkten. Das ist wichtig, denn es bedeutet, dass es Platz Raum auf dem Markt der Erotik- und Liebesromane gibt, die andere Geschichten erzählen, einschließlich solcher, die keine negativen Seiteneffekt für (das Bild der) Frauen fortschreiben.


Nehmen wir mal den Genderismus aus dem Satz heraus, so heißt das: Sexuelle Lust kann aus verschiedenartigen SM-Geshichten erzeugt werden – es ist nicht nötig, dass die Frau unterwürfig ist.

Wenn wir die Psychologen, Soziologen und andere Klugschwätzer einmal vergessen: Worauf kommt es denn nun an?

Dominanz erregt – und sie macht gegebenenfalls geil

Vor allem drauf, Erregung zu erzeugen. Szenen mit erotischer Dominanz sind so gut wie immer erregend, gleich, wer dominiert. Ein gutes Beispiel dafür ist die gleichgeschlechtliche Dominanz unter Frauen, die beide Geschlechter erregt.

Bisher wurde angenommen, dass Geschichten über dominante Frauen nur Männer ansprechen, die nach Unterwerfung lechzen. Wäre es so, so gäbe es so gut wie keine Leserschaft für Liebes- und Softerotikromane mit derartigen Inhalten, weil diese fast ausschließlich von Frauen gelesen werden. Doch mehr und mehr zeigt sich (wie auch die Forschungen bestätigen): Die Lust an der Dominanz ist teilbar, und ebenso die Lust an der Unterwerfung. Offenbar identifizieren sich Frauen auch dann mi der Heldin, wenn sie eher oder ausschließlich dominant ist – vorausgesetzt, das Ganze geschieht innerhalb einer erregenden Liebesgeschichte.

Zwischenbereiche: wo Geschlechtergrenzen nichtig sind


Im Grunde wissen dies alle, die sich mit erotischer Literatur beschäftigen. Sobald eine „Sissy“, ein weiblicher Transvestit oder eine „Shemale“ eingeführt wird, verschwinden die Geschlechtergrenzen – das war schon so bei dem berühmten Buch „Gynecocrazy“ (Weiberherrschaft) so, das im 19. Jahrhundert verfasst wurde. Interessant scheint dabei zu sein, wer sich wie und wann mit welcher Rolle identifizieren kann, sei es mit dem Jüngling in Frauenkleidern – der Verführerin im Smoking oder der schillernden Person mit Penis und Brüsten, die alle zum Narren hält. Da wir ja im Roman keine konkreten Bilder sehen, kann sich jeder unter allem nahezu alles vorstellen – zumal, wenn die Autorin nicht sofort offenbart, wer mit wem was getrieben hat.

Das Gender-Thema wäre müßig, wenn es nicht so strapaziert würde. Ein nackter Hintern ist ein nackter Hintern – egal, ob sich eine Frau oder ein Mann daran zu schaffen macht. Die rein emotionalen Empfindungen der Submissiven beiderlei Geschlechts sind durchaus ähnlich – wer wollte da noch einen Unterschied konstruieren?

Im Grunde muss man es wohl so sehen: Die Leserin versucht, sich entweder in die dominante oder die unterwürfige Person hineinzuversetzen – und nicht ausschließlich in das „passende“ Geschlecht. Und aus einer der beiden Personen wird sie auch ihre Lust beziehen, die sie beim Lesen erfährt.

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