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Dumm-Erotik: Wie der Pfahl in die Eingeweide eindringt

Nicht jeder Pfahl ist ein Phallus, und gepfählt wird hier auch nicht
Offenbar schreiben Autorinnen und Autoren heute Erotik, als würde ein Fließband laufen. Immer dieselben Versatzstücke zusammenpusseln, und wenn ein Stückchen vom Puzzle fehlt, macht es auch nichts: Hauptsache der Penis fluppt aus den Jeans, als ob er ein Kastenteufel wäre.

Ob professionelle Autoren oder wichtigtuerische Jünglinge: Da wird Erotik ebenso ausgespart wie Realitätssinn, und Gefühle dürfen bei den meisten Autorinnen und Autoren sowieso nicht vorkommen, weil sie damit nichts anfangen können. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man sich im Internet umsieht.

Er pfählt sie, sie pfählt sich

Gerade bin ich über den Begriff des „Pfählens“ gestolpert. Vielleicht erinnern Sie sich daran, dass der historische „Dracula“ auch als „Vlad, der Pfähler“ bekannt war. Er wurde von Historikern so bezeichnet, weil er die unangenehme Eigenschaft hatte, seine Feinde bei lebendigem Leib zu „pfählen“ – eine Prozedur, bei der sie langsam und qualvoll starben. Ich erlaube mir, Ihnen Einzelheiten zu ersparen.

Das Wort wird begierig aufgegriffen, wenn es darum geht, das Harte in das Weiche zu bringen. Da wird eine Dame nach der Entnahme des Penis aus der Hosenfalle, sogleich „gepfählt von der pulsierenden … Härte, die er mir bis in die Eingeweide gestoßen hat.“ Hübsches Bild, nicht wahr? Man sieht sie so richtig quietschen und spritzen, die Eingeweide. Weniger bildhaft sieht das ein Jüngling, der schreibt: „Er pfählte mich im wahrsten Sinne des Wortes.“ Wer mit dem Wort "pfählen“ gar nichts anzufangen weiß, der schreibt: „Er pfählte sich in mich“. Ansonsten wir gepfählt, was der Phallus hergibt:

Er pfählte mich auf seinem heißen (harten, steifen) … Penis.
Ich pfählte mich auf seinem Glied.
So … pfählte mich sein Glied besonders tief.
Pfählte mich gleichsam, spießte mich unerbittlich auf …
Pfählte mich wie ein Schwein, das man abschlachtete.


Pfählen von vorn, pfählen von hinten

Nun kommt es noch ein bisschen drauf an, ob die empfindsamen Stellen einer Dame gepfählt werden (was zu zu Zeiten des Vlad Dracul selten vorkam), oder ein Herr, oder anders ausgedrückt: ob der Pfahl von hinten und von vorne eindringt.

Vorab gesagt: Von hinten kommen die wirklichen Brutalos zu Wort, und dann heißt es: „Erbarmungslos pfählte mich sein Stecher“ Oder in einer englischen Geschichte: „Sie stieß hart zu pfählte meinen Anus mit dem ersten Stoß“. Nun, es geht noch schlimmer – ich erspare Ihnen dies, jedenfalls für heute.

Nun kann Lust heftig sein – vor allem im erotischen Roman. Sie kann bis an die Grenze der Brutalität gehen und sogar darüber hinaus. Nur muss dies alles irgendwie in einem Sinnzusammenhang stehen, um noch als erotisch zu gelten. Und wenn dies so wäre, dann könnte man sicherlich auch einmal das Wort „pfählen“ verwenden – aber bitte nicht für einen ganz gewöhnlichen Vaginalverkehr, der nur ein wenig heftiger ausfällt als sonst.

Übrigens fand ich in keinem der von mir untersuchten Beiträge eine Schilderung der heftigen Schmerzen, die beim sexuellen „Pfählen“ entstehen, was mich nicht wundert: Gefühle sind ja so schwer zu beschreiben …

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