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Devot und dominant – die Nachwirkungen von Shades of Grey

Der Bedarf ist vorhanden, die literarische Aufbereitung dürftig

Seit längerer Zeit können Sie am Markt der erotischen Literatur zwei Tendenzen beobachten, die sich ineinander zu verschlingen scheinen. Einerseits werden immer mehr Bücher von Frauen geschrieben, und anderseits sind die Heldinnen so gut wie immer devot. Sie unterwerfen sich dem Manne also mehr oder weniger freiwillig im sexuell motivierten Spiel. Eine Verlegerin (Giada Armani) wetterte bereits:

Der Plot der Roman-Trilogie Shades of Grey wird regelmäßig neu aufgelegt unter Titeln wie „80 Days“, „Crossfire“, „Fire after dark“ und „Dir verfallen“. Alles Bestseller, obwohl sie sich beim Lesen wie nicht enden wollende Déjà vus anfühlen.


Ob dies nun zutrifft oder nicht – warum muss die Frau eigentlich unterwürfig, ein bisschen „unterbelichtet“ und naiv sein? Kann sie nicht auch dominant, wohlhabend und klug sein? Warum sollte sie nicht ein paar Liebeskasper antanzen lassen, sich Männer als Spielzeuge halten oder hübschen Sklaven spitze Schreie entlocken?

Dagegen werden häufig Einwände vorgebracht, zum Beispiel diese:

1. Der erste Einwand: Nach der Statistik sind Frauen devoter als Männer – dadurch werden solche Geschichten unglaubwürdig.
2. Zweiter Einwand: Die Leserschaft besteht überwiegend aus Frauen. Frauen wollen aber eher lesen, wie andere Frauen dominiert werden, nicht wie Frauen herrschen.
3. Dritter Einwand: Frauen haben keine Dominanz-Fantasien, sondern nur Unterwerfungsfantasien.

Alle diese Einwände beruhen auf Halbwahrheiten. Je nach den Urhebern der Statistiken haben Frauen geringere, gleiche oder sogar größere Dominanzpotenziale als Männer. Zudem konnte nirgendwo belegt werden, dass Frauen nur von weiblicher Unterwürfigkeit lesen wollen. Und schließlich: Zu den fünf häufigsten weiblichen erotischen Träumereien gehört neben der Unterwerfung eben auch die Dominanz.

Generell gib es viele Möglichkeiten, Dominanz und Unterwerfung zu schildern:

A) Die Heldin unterwirft sich …:

1. Einem Mann.
2. Einer Frau.
3. Einer Gruppe von Menschen.
4. Einem Hetero-Paar.

B) Oder sie beherrscht …:

1. Einen Mann
2. Eine Frau.
3. Eine Gruppe von Menschen.
4. Ein Hetero-Paar.

Nur die Variante „Die Heldin unterwirft sich einem Mann“ ist bislang so häufig verwendet worden, dass sie bereits abgenutzt wirkt. Alle anderen Varianten (es gibt noch einige mehr) werden selten verwendet. Wenn Sie mögen, schenke ich Ihnen gerne noch ein paar Themenvorschläge.

Wie so oft gilt auch bei der Dominanz/Submission, sich in den Charakter der Heldin hineinversetzen zu können. Was mag sie bewegen, die „Mäuschen tanzen zu lassen?“ Oder: Wie fühlt sie sich, wenn sie nach seiner/ihrer „Pfeife tanzt“?

Beinahe noch wichtiger ist die Frage, was Ihre Heldin an diese Situationen bindet, und die Antwort darf nicht sein: „Weil sie devot ist“ oder „weil sie dominant ist.“ Zum Vergleich: Kein Mensch hört Coltrane oder Beethoven, weil es Musik ist, sondern weil die Musik die Psyche anregt. Ihre Leserinnen und Leser wollen also wissen, welcher Teil in der Psyche Ihrer Heldinnen und Helden sie daran bindet, sich zu unterwerfen oder zu herrschen.

Ihre Meinungen werden gerne gelesen ..."

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