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Die Lust an zwiespältigen Gefühlen - mit drei Vorschlägen

Verzweifelt im Zwiespalt: Dr. Jekyll


„Ich fühlte mich zwar zu ihr hingezogen, wie sie es nannte, gleichzeitig aber war ich irgendwie abgestoßen. In einem inneren Zwiespalt war jedoch die Anziehungskraft, die sie auf mich ausübte, mächtiger. Die Fremde interessieret mich, und es gelang ihr, mich zu erobern.“


Der Zwiespalt, hier zitiert aus „Carmilla“ ist ein mächtiges Element der erotischen Literatur. Von der frühsten Jugend sind Menschen zum einen Teil fasziniert vom anderen Geschlecht, zum andren Teil fürchten sie seine Eigenschaften. Obgleich die größten Horrorgeschichten über Geschlechtsteile heute kaum noch erzählt werden, können wir doch davon ausgehen, dass die Verbindung „Penis- verletzendes Schwert“ oder „Vagina - gieriger Höllenschlund“ immer noch Schrecken auslösen.

Klassische, aber wenig erotische Vorbilder

Will man das Thema des Zwiespalts auf die Spitze treiben, so ist man gut beraten, sich an Goethe zu erinnern, in dessen Faust zwei Persönlichkeiten ruhten: die des rücksichtlosen Lüstlings und die des unermüdlichen alten Wahrheitssuchers. Wer eine Aversion gegen den Faust hat, mag auch bei Dr. Jekyll fündig werden, dessen romantisch-brutale Abspaltung Mr. Hyde auch heute noch Stoff für Erzählungen erbringt.

Multiple Persönlichkeit oder zwiespältige Wahrnehmung?

Zwei Möglichkeiten dieser Art eignen sich besonders für erotische Geschichten:

1. Die Heldin (der Held) erzeugt beim Leser zwiespältige Gefühle, während die geschilderte Person selbst nicht glaubt, in sich gespalten zu sein.
2. Die Heldin (der Held) lebt tatsächlich multiple Persönlichkeiten, von denen eine der Perversion anhängt. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine Persönlichkeitsstörung im psychiatrischen Sinn handeln.

Gründe für die Spaltung der Gefühle

Es ist nicht unbedingt nötig, den Zwiespalt psychologisch zu begründen. Wesentlich einfacher wäre es, die Spaltung beispielsweise aus dem Gegensatz zwischen den natürlichen Trieben und den gesellschaftlichen Zwängen zu entwickeln. Das ist sozusagen die „klassische Methode“.

Wenn Sie dennoch versuchen wollen „psychologisch“ zu argumentieren, sollten sie nicht gleich in die forensische Psychiatrie einseitigen – da könnten Sie sich schnell „verheben“.

Doppelbindung: Strenge und Güte, Disziplin und Eigensinn

Am eingängigsten ist eine psychologische Konstruktion, die sich „Doppelbindung“ nennt. Es handelt sich dabei um eine Bindung an zwei einander widersprechende Eigenschaften. Eine der typischen Doppelbindungen erleben Mädchen und Jungen, die brav der Mutter folgen sollen. Tun sie dies aber, so werden sie bezichtigt, nicht eigenständig zu handeln. Handeln sie dann jedoch eigenständig, so werden sie gestraft, weil sie nicht den Direktiven der Mutter folgten. Ebenso können Doppelbindungen entstehen, indem sich der junge Mensch einerseits überzogenen ethischen Grundprinzipien (z. B. in der Religion) unterwerfen soll und andererseits seine weibliche/männliche Attraktivität unter Beweis stellen soll. Bei männlichen Jugendlichen erkennt man oft den Konflikt, einerseits liebevoll und fürsorglich mit Frauen umzugehen, andererseits aber fordernd und maskulin aufzutreten.

Eine spannende erotische Geschichte wird nahezu immer so aufgebaut, dass die Triebe und Begierden nach und nach überwiegen, obgleich die Heldin/der Held dabei innere Hürden überwinden muss. Die Geschichte kann mehrere Höhepunkte haben, bei denen „beinahe“ der Trieb siegt, und einen, bei dem der Trieb tatsächlich die Oberhand gewinnt. Beachten Sie bitte, dass ihre Heldin / Ihr Held dabei Täter, Opfer oder beides sein kann.

Der moderne Zwiespalt - drei Beispiele

Bei „zwiespältigen Gefühlen“ müssen Sie nicht zwangsläufig auf historische Vorbilder, wie etwa E.T.A. Hoffmann ("Der Sandmann"), Goethe oder Robert Louis Stevenson zurückgreifen.

Ich skizziere Ihnen hier drei aktuelle Möglichkeiten:

Die Feministin und die Machos
Eine Feministin um die 50 fliegt zu einem Kongress nach Mexiko. Dort lernt sie mexikanische Machos kennen, die sie auf merkwürdige Art abstoßen, zugleich aber faszinieren. Sie bleibt dort mehrerer Monate und verfällt mehr und mehr diesen Männern, die sie finanziell ausbeuten und psychisch ausbrennen.

Die Studentin als Senderin
Eine Soziologiestudentin glaubt, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Soziale Studien an sexuell begierigen Männern treiben zu können und dabei etwas Geld zu verdienen. Dazu lässt sie sich als „Senderin“ engagieren (Telefonsex-Anbieterin). Nach anfänglichem Ekel findet sie Gefallen daran, die Männer zu beherrschen und beschließt, in Zukunft ganz ins „Gewerbe“ einzusteigen. Ihre Mutter und ihr Freund, den sie schon seit der „Sandkastenzeit“ kennt, sind entsetzt.

Der Sog der Strenge
Ein junger, stark introvertierter Mann wird von einem IT-Unternehmen zum Projektleiter berufen. Vor Ort stellt er fest, dass die Projektleiterin beim Kunden eine betörend schöne Frau ist, die sehr konkrete Vorstellungen hat, die das Budget nicht deckt. Sie verlockt ihn, mit ihr eine sexuelle Beziehung einzugehen und verführt in dabei zu Spielen mit der Unterwerfung. Nach wenigen Tagen erpresst sie ihn damit und fordert, das Projekt eigenmächtig zu erweitern, ohne mehr zu berechnen. Am Ende könnte er ein psychisches Wrack sein und ohne Arbeit dastehen.

Sie sehen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und je „schräger“ Ihre Fantasien sind, umso interessierter werden Ihre Leserinnen den Stoff verschlingen.

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