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Victorianisch: Einleitung zu einem erotischen Fortsetzungsroman

leserin, auf frivole texte hoffend
Bei dem Werk, zu dem ich diese Einleitung veröffentliche, handelt es sich um einen erotischen Fortsetzungsroman, der in 15 Folgen in der Zeitschrift „The Pearl“ erschien und darin auch noch abgeschlossen wurde, bevor die Zeitschrift 1890 wegen Obszönität verboten wurde. Zuvor war sie als „Untergrundpublikation“ im Versandhandel in nur 150 Exemplaren verkauft worden – und sie kostete satte fünfundzwanzig Pfund. Falls die Angaben wahr sind, würden sie nach heutiger Währung etwa 2.000 GBP kosten.


Es bedarf kaum einer Entschuldigung, um die folgende sehr erotische und berauschende Erzählung einer jungen Adligen zu veröffentlichen. Ihre Abenteuer, davon bin ich vollends überzeugt, werden jeden echten Liebhaber der sinnlichen Literatur so viel oder noch mehr Vergnügen bereiten, als ich mit meinen bescheidenen Mitteln zu erreichen hoffe.

Die Schöpferin dieser Memoiren war eine der klügsten und charmantesten Angehörigen des weiblichen Geschlechts, die über eine ausgeprägte Sinnlichkeit verfügte. Darüber hinaus verfügte sie über eine ungewöhnlich ausgeprägte Herzenswärme, die dazu führte, dass sie unfähig war, der Verführung von Gottes edelsten Kreationen zu widerstehen. Denn Gott hatte den Menschen nach seinem Ebenbild als Mann und Frau geschaffen. Und daraus entnahm sie das erste Gebot für sich: „Seid stark im Glauben und mehret euch, und macht euch die Erde untertan.“

Die sinnliche Entwicklung unserer Vorfahren gebar die Idee, dass die Kopulation die direkteste und akzeptabelste Form der Anbetung sei, die sie ihren Göttern anbieten könnten. Diejenigen meiner Leser, die nicht zur Kategorie bigotter Christen gehören, werden mir darin zustimmen, dass es keine große Sünde sei, den natürlichen Wünschen nachzugeben und all die köstlichen Empfindungen, für die ein wohltätiger Schöpfer uns so reichlich gegeben hat, voll auszukosten.

Leider lebte das arme Mädchen, deren Memoiren ich verwende, nicht lange. Doch sie genoss die wenigen Jahre des Schmetterlingslebens. Wer würde sie für sündhaft halten?

Die Bruchstücke, aus denen sich meine Erzählung zusammensetzt, befanden sich in einem Paket, das sie einem hingebungsvollen Diener anvertraut hatte, der nach ihrem plötzlichen und vorzeitigen Tod im Alter von 23 Jahren in meinen Dienst trat.

Als Autorin glaube ich, dass die Heftigkeit, mit der ich all dies beschreibe, für manche ein wenig anstößig ist, aber ich hoffe, dass mein Wunsch, Ihnen Vergnügen zu bereiten, diesen Mangel entschuldigt.

Der Roman ist so frivol, dass er auch heute noch kaum Chancen auf Veröffentlichung hätte. Typisch ist die Verschleierung, die viele Autorinnen und Autoren verwenden: Die Geschichte sei absolut authentisch und habe sich tatsächlich so zugetragen, und man habe sie lediglich ein wenig aufbereitet, um sie zu veröffentlichen.

Diese Methode wird auch heute noch verwendet: (Zitat)

Dieses Buch basiert ausschließlich auf dem in obigem Brief erwähnten Manuskript. Auf Wunsch der Verfasserin blieb es anonym. Meine einzige Aufgabe bestand darin, diese wahre Geschichte in einen Roman umzuschreiben, das heißt, in eine fiktive Geschichte.


(Fuchsia, Frankreich 1981)

„Fuchsia“ ist eine Sammlung von heftigen und detailliert geschilderten lesbischen Verführungen, die von einer magischen Handlung kaschiert werden.

Übersetzung der englischen Texte: Isidora.

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