Skip to content
Manifest

Eine simple Methode, um alles zu schreiben, was Sie wollen

Wenn sich der Rock nach oben schiebt ...
Ob Sie einen 602-seitigen, durchgebenden Roman oder eine Kurzgeschichte in dreihundert Wörtern schreiben wollen, immer benötigen Sie das, was ihr Deutschlehrer einmal als „Gliederung“ bezeichnete. Ob es die hölzerne Aufsatzstruktur ist, oder die kompakte Kurzgeschichte, immer wieder hören wir, dass wir eine Struktur, ein Gerüst oder einen roten Faden benötigen, an dem wir uns entlanghangeln können. Ganz „modern sein wollende“ Autoren schreiben uns dann noch ins Poesiealbum: „Versuch es mal mit Mindmapping“.

All dies ist gut und schön, nützlich und brauchbar, aber keine wirkliche Methode, denn eine Methode muss nachvollziehbar sein.

Ein sehr einfache Methode, alles zu schreiben, was Sie wollen

Ich versuche hier und heute, ihnen eine Methode zu zeigen, die Ihnen dann nützt, wenn Sie noch nichts zu Papier gebracht haben, oder wenn Ihnen jeder Sinn für Strukturierung und Aufbau einer Geschichte fehlt. Sie kann Ihnen aber auch dann nützlich sein, wenn sich sich verlaufen, verfranst oder festgefahren haben.

Diese Formel stammt aus der Wirtschaft, heißt dort ganz anders und wurde hier vorn mir weiter vereinfacht.

Man kennt sie gelegentlich unter dem Stichwort: Merkmal-Funktion-Nutzen. Aber das ist für unsere Zwecke nicht unbedingt brauchbar. Also überlegte ich mir, was denn die Essenz von „Merkmal-Funktion-Nutzen“ ist. Und tatsächlich kann man mit drei Fragewörtern beschreiben, wie man jede Geschichte (und auch sonst manches im Leben) aufbauen kann:

Was?
Wie?
Wohin?


Präziser:

Was ist es?
Wie wirkt es sich aus?
Wozu führt es oder könnte es führen?


Mit einer ganz einfachen Geschichte will ich Ihnen beweisen, dass es wirklich funktioniert. Es ist eine kleine Geschichte um eine Verabredung. Ziel ist, sie mit einer erotischen Komponente zu versehen.

I. Die Geschichte: Methode WAS-WIE-WOHIN

1. Was ist es.

Sie steigt aus ihrem Auto aus.

2. Wie ist es?

Zuerst stellt sie ein Bein auf den Gehweg, führt das zweite Bein nach, erkennt, dass der Ansatz ihrer Strapse erkennbar wird, zieht sie sich den den Rock zurecht, und erhebt sich aus dem Fahrersitz.

3. Wohin führt es?


Sie wird danach beurteilt wie sie diese Prozedur inszeniert.

II. Die grob strukturierte Geschichte daraus

Die Geschichte wird nun zunächst grob mit Inhalten gefüllt, um die Handlung festzulegen. Sie müssen das nicht selbst tun, es ist aber gelegentlich hilfreich, um die Momente farbig ausmalen zu können, die Ihnen als besonders interessant erscheinen.

Die Handlung ist selbstverständlich noch etwas hölzern. Das wird sich aber noch ändern lassen.

(Was) Sie beabsichtigt, aus ihrem Auto auszusteigen, öffnet dazu die Tür, zieht erst dann den Zündschlüssel ab und wirft noch einen flüchtigen Blick in den Spiegel.

(Wie?)Sodann nimmt sie eine aufrechte Haltung ein, bevor sie ihr linkes Bein auf den Fußweg setzt. Ihr kurzer, eng anliegender Rock gleitet dabei ein wenig nach oben und gibt dabei etwas zu viel von ihrem Oberschenkel frei, als schicklich ist. Sie bemerkt es, lächlet, und zieht sofort das andere Bein nach. Im letzten Moment ergreift sie den Rocksaum und verdeckt ihre Schenkel züchtig. Sie konzentriert sich und steigt dann mit einer einzigen, fließenden Bewegung aus.

(Wohin?) Ich erkenne, dass sie sich damenhaft verhält, vermute aber auch, dass ein Teil davon allein dazu dient, mich zu faszinieren.

III. Die fertige Geschichte – nicht sensationell, aber brauchbar

Im nächsten Schritt schreibe ich Ihnen nun die Geschichte, die daraus entstehen könnte. Sie wird nun farbiger und durchaus sinnlicher.

Sie öffnet die Tür ihrer schwarzen Limousine, so, als wolle sie mir einen ersten Eindruck von ihrer Schönheit geben, wendet sich dann aber überraschend wieder dem Armaturenbrett zu. Mit einer lockeren Handbewegung zieht sie den Zündschlüssel ab, steckt ihn beiläufig in ihre Handtasche, und wirft noch einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel, wobei sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn streicht. Eine Sekunde später sitzt sie aufrecht und selbstbewusst auf dem Fahrersitz, als wolle sie sich noch einmal sammeln. Ihr linkes Bein, sorgfältig bestrumpft und matt glänzend, schiebt sich auf den Gehweg, bis die Sohle ihres gewagten, hochhackigen Schuhs festen Halt auf dem Boden findet. Ihr abenteuerlich kurzer, eng anliegender Rock wandert dabei ein wenig an ihren Oberschenkeln hoch. So weit, dass ein ausgemachter Voyeur sich dafür interessieren würde, welche Farbe und Form wohl ihr Höschen haben mag. In der Tat liegt nun mehr von ihrem Oberschenkel frei, als gemeinhin als schicklich gilt. Ich sehe aus den Augenwinkeln den Ansatz von Strapsen, versuche aber, die Augen auf ihr Gesicht zu lenken. Sie scheint ein wenig in sich hineinzulächeln, beachtet mich aber scheinbar nicht. Ihre Lippen kräuseln sich ein wenig, während sie nun auch das zweite Bein auf den Gehweg stellt. Ihr Körper streckt sich dabei, so, als wolle sie sich nochmals für ihren Auftritt vorbereiten. Doch statt sofort auszusteigen, nutzt sie den letzten Moment, um den immer noch wenig damenhaft sitzenden Rock am Saum nach unten zu ziehen. Dann steht sie auf – mit einer einzigen, fließenden Bewegung. Sie legt den Kopf zunächst leicht schräg, um dann auf mich zuzugehen und mich schalkhaft zu fragen: „Sie sind Hartmut, wie ich vermute?“

Satt einer Antwort lächele ich sie an, wechsle ein paar Worte zur Begrüßung, nichts wirklich Bedeutendes. Kein Zweifel: Sie hatte jede Sekunde ihres Auftritts sorgfältig geplant, hatte mich Geste um Geste neugieriger gemacht, und meine Fantasie angeregt. Möglicherweise wollte sie nichts anderes erreichen, als meine Reaktionen zu prüfen. Viellicht hat sie nun bereits ein Röntgenbild meiner Psyche und ein Modell meines Charakters. Doch ich muss gestehen, dass meine Gedanken längst wieder bei den auf High Heels schwebenden, dunkel bestrumpften Beinen sind. Ich kann sie nicht mehr hindern, daran hochzuwandern. Zur Hölle mit dem Gentleman in mir: Ich bin interessiert an jedem Zentimeter ihrer Schenkel oberhalb des Rocksaumes, und ich denke, sie weiß es.

Probieren Sie diese Methode einfach aus

Als Kurzgeschichte kann dies alles so stehen bleiben. Wenn Sie die Geschichte der gesamten Verabredung schreiben wollen, bitte schön. Sie sind herzlich eingeladen, den ersten Teil zu variieren, um dann weiterzuschreiben. Dazu können Sie die neu erlernte Formel benutzen. Gleich, was alles geschehen soll: Jede Episode des Abends kann mit dieser Methode erarbeitet werden.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.
Um einen Kommentar hinterlassen zu können, erhalten Sie nach dem Kommentieren eine E-Mail mit Aktivierungslink an ihre angegebene Adresse.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen