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Die Krise – Zeit, über Masturbation zu schreiben

Der Gedanke zaubert viele Zeilen auf den Bildschirm
Masturbation ist ein Tabu-Thema? Das ist völliger Unsinn. Es ist sozusagen das Thema Nummer eins, in jeder Krise, in der deine Leserinnen - aus welchen Gründen auch immer – keine Geliebte und keinen männlichen Lover finden.

Ich sag mal: nichts ist natürlicher, selbstverständlicher und sicherer als Masturbation. Vielleicht ist es nicht die schönste Art, Befriedigung zu erlangen. Aber es ist eine Möglichkeit, über die sich etwas schreiben lässt.

Irgendwie ist Masturbieren wie schreiben: Du fantasierst über etwas, geräts dabei immer mehr in die Situation deiner Figur hinein und erfreust dich an ihren Orgasmen. Das tun deine Leserinnen auch, was sonst?

Du musst nicht viel wissen über Masturbation, und du musst auch keine Meisterschaft darin erringen. Es reicht, wenn du dich erinnerst, was du dir dabei gedacht hast, vor allem, was an was und wen du dir erdacht hast, hast, um dich aufzugeilen. Denn nur dieser Teil der Masturbation kann wirklich in Worte umgesetzt werden.

Lassen wir mal Ines Witka (1) zu Wort kommen, die dies geschrieben hat:

Bei den Szenen zur Selbstbefriedigung kann man mehr als nur erregende …Handlungen … schildern, denn durch die Gefühlslage, die außerhalb der Erregung entsteht, lässt sich der Protagonist in seiner Erziehung, Weltsicht und Sicht auf sich selbst darstellen.

Bliebe zu ergänzen: die Protagonistin erst recht. Du kannst sogar die Ängste, Hemmungen und Schamhaftigkeit deiner Figur mit einbauen. Und was noch dazu kommt: Die Fantasien, die du beim Masturbieren schilderst, entsprechen ja den Möglichkeiten, die reale Personen beim realen Sex hätten. Insofern gilt: Geschichten über Masturbation sind nie nur Geschichten über Masturbation, sondern immer auch über etwas anderes.

(1) Witka, Ines "Dirty Writing", Tübingen 2015

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