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Shades of Grey – einzige Lösung für wild-erotische Romane?

Eigene Erfahrungen einbringen?
Einige Verlage und wohl noch mehr Autorinnen haben versucht, sich an den Erfolg des Bestsellers „Shades of Grey“ anzuhängen. Man kann es ihnen nicht verdenken: Wenn eine Autorin mit einem solchen Machwerk Millionen scheffelt, warum sollten dann nicht ein paar Tausender für diejenigen abfallen, die als „Nachahmer“ gelten?

Falls Sie auch so entscheiden – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Schließlich wollen Sie morgen auch noch Bäcker-Brötchen essen, grob geschnittene Orangenmarmelade aus England kaufen und Ihre Kinder zu Weihnachten mit edlem Spielzug beschenken.

Die Idee hinter den "Shades of Grey" ist genial-simpel

Sie könnten natürlich auch mit Sinnlichkeit, Herzblut und Anspruch an sich selbst schreiben. Sie könnten entscheiden, dass Sie nur einen Band schreiben statt deren Drei, und sie könnten dafür sorgen, dass von den 602 Seiten mindestens die Hälfte eingespart werden könnte. Und sie könnten sich mal einen alternativen „Plot“ ausdenken. Wenn Sie weiterhin in Deutsch denken wollen: Ein „Plot“ ist ein Handlungsablauf, weiter nichts. Sollten Sie dies wünschen, dann sind Sie hier richtig.

Die wichtigsten Elemente der „Fifty Shades of Grey“ sind

1. Ein groschenroman-änliches Konzept …
2. … das auf einer Aschenbrödel-Story aufbaut …
3. … und mit „schickem Vögeln“ angereichert wird …
4. … wobei hübsche Hiebe zur Luststeigerung eingesetzt werden …
5. …, und zwar so, dass Mutti das Buch nicht mehr aus der Hand legt.

Noch ein Aschenbrödel-Märchen mit schmerzendem Po?

Ich will Ihnen kurz sagen, worauf dieses Konzept im Prinzip beruht, damit Sie eigene Ideen entwickeln können:

Ich nehme an, Sie kennen „Cinderella“ oder „Schneewittchen“ … die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Erotik-Romane ähnlicher Art folgen demselben Grundmuster, das bis zu dem unter (3) genannten Punkt identisch mit den Märchen ist.

Dann wissen Sie, was Sie benötigen:

1. Eine junge Frau, die gerade irgendwie in der Bredouille steckt.
2. Einen abenteuerlustigen Helden, der nach ihr giert, ohne genau zu wissen, warum gerade nach ihr.
3. Er muss sie nun entweder aus dem Stand heiraten - oder vögeln wollen. (Wir verlassen nun die Märchen-Schiene).
4. Hinzu kommt nun nur eines: Ein milder bis mittelstarker Wunsch, die junge Frau irgendwo anzubinden, vorzuführen, zu erniedrigen oder den Hintern zu versohlen.
5. Der Rests ihres Konzepts beruht darauf, dass die junge Dame möglicherweise nicht bereit ist, diese Prozeduren aus Liebe zu vollziehen und deshalb in Wechselbäder der Gefühle gerät.
6. Happy End beim Kitschroman, sonst zumeist ein bittersüßes oder offenes Ende.

Da ist definitiv alles. So nackt sieht das Gänseblümchen sieht der „Erotik-Roman mit Hinternvoll“ ziemlich entblättert aus, nicht wahr?

Lauter Knackpunkte beim Schreiben - wie kommen Sie da heraus?

Sie werden bemerkt haben, dass die Problematik im Aufbau von Punkt fünf liegt. Sobald Sie dies verinnerlicht haben und bereit dazu sind, diesem Punkt ihr spezielles Augenmerk zu widmen, sind Sie mitten in Ihrer Story.

Allerdings beginnen die Schwierigkeiten bereits damit, dass Sie überdenken müssen, wohin Sie ihre Story verlegen, denn sie sollten sich ein bisschen mit der Umgebung auskennen, in der alles spielt. Wie war das im Märchen, wie bei den „Shades of Grey“?

Im Märchen wird die Prinzessin mit einer Kutsche auf ein Schloss gefahren, bevor der Held sie „nimmt“, ihr die Freiheiten beschneidet und zur Königin umerziehen lässt. Das ist ganz schlecht für Sie, weil Sie sich bei Königs vermutlich nicht gut auskennen.

In den Shades of Grey wird die Kandidatin für mit dem Hubschrauber auf einen Bürobunker gebracht, der innen fast wie ein Schloss anmutet. Der Held wird sie nehmen, sie umerziehen und dabei nicht davor zurückschrecken, sie ein wenig mit der Peitsche zu disziplinieren.

Die Sache hat nun mehrere Haken für Autorinnen. Sie müssen sich nämlich erstens in diesem Luxusleben auskennen und soweit darin navigieren können, dass sie glaubwürdig wirken. Der zweite Haken wird sich noch mehr in ihrem Hirn verfangen: Sie sollten eine Idee davon haben, wie man einen Menschen zwar freiwillig, aber doch mit etwas Nachdruck, dazu bringen kann, sich zu unterwerfen oder gar schmerzhaft peitschen zu lassen. Und der Dritte? Er liegt darin, dass sie noch so gut wie nichts von dem Gefühl wissen, erniedrigt, gefesselt oder gepeitscht zu werden.

Beginnen Sie immer da, wo Sie sich etwas auskennen

Wo also beginnen? Da, wo Sie sich auskennen.

Und wo kennen Sie sich aus?

Mein Vorschlag: Lesen Sie zuerst die kleine Serie von derzeit fünf Artikeln, in denen ich Ihnen vorschlage, wie Sie Elemente aus ihrer eigenen Erlebniswelt verwenden können, um eine eigene Geschichte darauf aufzubauen. Wenn Sie dies getan haben, könnten Sie sich überlegen, ob Sie eine märchenhafte Handlung aus der Jetztzeit oder aus einer vergangenen Epoche wählen. Darüber hinaus können Sie Ihre Geschichte natürlich auch viel realistischer aufbauen, denn sogar der Alltag einer Sekretärin bietet Ansätze zum erotischen Träumen.

1. Teil Nackt sein.
2. Teil: Barrierefrei zugänglich sein.
3. Teil: Dienste verrichten.
4. Teil: Strafen und Schläge.
5. Teil: Beschämungen

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