Skip to content

Wer war eigentlich P.N. Dedeaux?

Zu den Geheimnissen der Autorinnen und Autoren von erotischen Werken, insbesondere von pornografisch anmutender Flagellationsliteratur, gehört ihr Pseudonym. Wer edle Literatur einerseits schreibt, kann durchaus anderseits ein Groschenromanschreiber oder ein pornografischer Schriftsteller sein. Zudem kommt es vor, dass mehrere Schriftsteller das gleiche Pseudonym benutzen. Ja, es soll sogar vorkommen, dass Verlage den Namen eines Goldesels weiterhin nutzen, auch wenn der ursprüngliche Autor längst keine Bücher mehr schreibt. Und letztendlich werden manche Novellen unter neuen Titeln und mit neuen, ebenfalls verschleiernden Autorennamen herausgebracht.

Wenn der Autor seine Identität nicht selber lüftet, ist es kaum möglich, seine Autorenschaft festzustellen oder zu bezweifeln. Dennoch hörte ich, dass die Identität eines bekannten Schriftstellers flagellantischer Literatur, inzwischen gelüftet sein soll.

Es handelt sich um den Flagellations-Romancier P.N. Dedeaux. Angeblich will man Geoffrey Atheling Wagner „mit ziemlicher Sicherheit“ als Autor identifiziert haben. Diesen Namen gibt e tatsächlich. Er soll von 1927 bis 2006 gelebt haben, war nach glaubwürdigen Quellen eigentlich Übersetzer, schrieb aber auch eigene Novellen und Essays, die allerdings in Vergessenheit gerieten. Sofort ergibt sich wieder die Frage, ob alles, was unter dem Namen Geoffrey Wagner veröffentlicht wurde, tatsächlich von ihm stammt, denn darunter sind auch einige Groschenromane zweifelhafter Herkunft.

Angeblich will Dedeaux/Wagner eine ganze Liste von Werken geschrieben haben, die, wie bei erotischen Büchern nicht unüblich, entweder anonym oder unter Fantasienamen veröffentlich wurden und deren Titel ebenfalls variierten. Das erste seiner erotischen Werke soll 1969 erschienen sein: „The Nothing Things“.

Insgesamt soll es sich bei den Werken um folgende erotische Schriften handeln:

1969
The Nothing Things (W)
Tender Burns (W)
The Territory Within (W)
Carols Tribal Costum (X)

1970
The Tutor (D)
Wealed Venus (W)
The Prefect (The Prussian Girls) (D)

1972
Rosie’s Aunt (W)
The Gouverness Goverend (D)

1973
SM – The Last Taboo (Sachbuch, X)

1989 - 1999
1989
Clotilda (X)
1992
The Camp (X)
1999
Aunt Anna – 1999 (X)

Nicht alle literaturkritischen Quellen wollen dem Gedanken folgen, dass Geoffrey Atheling Wagner tatsächlich der Autor oder jedenfalls nicht der alleinige Autor ist, der als P.N. Dedeaux schrieb. Die Liste mag Ihnen zeigen, welche Werke angeblich endgültig Geoffrey Atheling Wagner zugeschrieben werden können. Es sind insgesamt nur fünf erotisch-flagellantische Werke, die zwischen 1969 und 1972 verfasst wurden. (mit „W“ gekennzeichnet). Die mit „D“ gekennzeichneten werden nach wie vor „Dedeaux“ zugeschrieben, und die mit „X“ bezeichneten lassen sich offenbar nicht eindeutig zuordnen – sie werden oft als „Spätwerk“ bezeichnet.

Wie bereist erwähnt, wird auch behauptet, einige von Dedeaux Werken könnten auch von anderen Autoren geschaffen worden sein, zum Beispiel von dem ideenreichen Andrew Jefferson V. Offutt. Er war ein Erotik-und Serienschreiber, der etwa zur gleichen Zeit lebte – die Quelle, die Wikipedia dafür verwendet, ist aber fragwürdig und sie konnte bei einer Nachrecherche nicht bestätigt werden. Freilich ist es ebenso möglich (und in dieser Branche nicht unüblich) dass mehrere Autoren unter ein und demselben Pseudonym schrieben.

Was ist nun mit den „The Prussian Girls“?

Es ist schwer zu beurteilen, ob „The Prussian Girls“ tatsächlich aus der Feder von Geoffrey Atheling Wagner stammt. Ursprünglich erscheint dieser Roman unter den Titeln: „The Prefect“ und „The Prefects“. Erst in den Ausgaben von „Blue Moon“ aus den Jahren 1987 und 1998 erschienen die Romane im Rahmen der „Internatswelle“ unter diesem Namen.

Sicher ist hingegen, dass der Roman die komplizierten Beziehungen zwischen Erzieherinnen und Eleven in strengen Internaten nicht ausreichend würdigt. Vielmehr handelt es sich um einen Flagellationsroman einfacher Art, der sich liest, wie „schon einmal gelesen“, nur nicht vom selben Autor. Offenbar wollte der Autor die Strenge, die Pflicht und die Schuldigkeit, die er im alten Preußen vermutete, einfach für eine Variante des erotischen, lesbisch geprägten Flagellationsromans nutzen. Heute gibt es viele Autorinnen , die über lesbisch geprägte Flagellationen in Internaten schreiben, beispielsweise Yolanda Celbridge.

Quellen: Die angebliche Enthüllung und die Bücher sowie ihrer Ausgaben. Andrew Jefferson V. Offutt Biografie und Werk (falsch) und hier richtig. Geoffrey Wagner Werk (ohne "Atheling").

Romantik und Erotik – unvereinbar?

Die verlogene Romantik: Kitsch in einer bürgerlichen Zeitschrift von 1913
Was die Liebe betrifft, ist selten schriftstellerisch „unvereinbar“. Nicht einmal die beiden Gegensätze der menschlichen Lust, die Liebe zueinander und der Sex miteinander, werden von uns getrennt. Wir stehen auf und machen ein Rührei daraus: Eigelb und Eiweiß werden mit etwas Milch und einer geheimen Gewürzmischung verquirlt, und es schmeckt unseren Leserinnen so am besten. Doch Romantik und Erotik, die müssen getrennt serviert werden.

Worte, abgegriffen und entwertet

Jeder, der sich mit der Sprache beschäftigt, weiß, wie sie sich wandelt. Und so vermischten sich im Laufe unserer Geschichte die Begriffe bunt miteinander. Mal war die Liebe das Edle, mal war es die Minne, dann wieder wurde die Liebe von der Philosophie besetzt, und übrig blieb uns die profane Verliebtheit. Und sehr ähnlich verhält es sich mit der „romantischen Beziehung“. Mal ist sie der Inbegriff der sinnlichen Liebe, dann wieder wird die Sinnlichkeit bis auf eine kaum merkbare „Spur von Sinneslust“ entfernt. Und die Machwerke daraus ließen sich einst bestens verkaufen. Dabei ist eine „romantische Beziehung“ kaum etwas anders als eine „erotische Beziehung“ – beide werden von der Verliebtheit dominiert, von was denn eigentlich sonst?

Wir können also durchaus behaupten: Liebe ist nur ein abgegriffenes Wort, das wir so dahinlabern. Von der „heißen Liebe“ für „erregtes Vögeln“ bis hin zum Etikett „Liebe“ für den gleichnamigen menschlichen Sozial-Kitt haben wir alles geschrieben, um das Wort verpuffen zu lassen.

Romantik und Erotik - ein hübsches Paar für den, der nicht lügt

Wenn wir nun fragen: „Vertragen sich Romantik und Erotik“, dann sitzen wir schon in der Falle – denn da fragen wir eigentlich: Vertragen sich verklärte Liebe und sinnliche Liebe? Ist verklärte Liebe (Romantik) etwa nicht sinnlich? Und ist sinnliche Liebe etwa nicht verklärt?

Unser Widerwille, Romantik und Erotik zusammenzubringen, ist fast unerklärlich. Möglicherweise wird unser Denken durch Märchen, Kitschromantik und einfältige Mädchenromane gespeist. Wer heute die romantische Profanliteratur des Spätbürgertums liest, wird eher auf verklärte Seufzer im bürgerlichen Wohlanstand stoßen als auf Sinnlichkeit. Und obwohl kaum noch einer der Autoren jener Zeit bekannt ist, blieb von ihnen doch die Unvereinbarkeit von Lust und Romantik.

Manche Autorinnen glauben, der feenhafte Zauber der zarten Lust, die sie über ihre Szenen legen, könne durch Erotik zerstört werden. Sie verkennen dabei aber, dass auch sie Erotik schreiben, nur eine relativ verlogene Version davon. Und da schient der Hasse im Pfeffer zu liegen: Viele Autorinnen fürchten offenbar, von ihrer eigenen Verlogenheit eingeholt zu werden, sobald sie eine einzige realistische erotische Textstelle schreiben würden.

Dieser Vorwurf ist übrigens nicht neu. Die sogenannte „romantische Schule“ hatte sich zur Aufgabe gemacht, das Märchenhafte, das Wunderbare, das Fantastische, das Mittelalterliche und das Orientalische zu verknüpfen, um der Realität zu entfliehen.

Die Realität und die romantische Lust – kein Widerspruch

Wer nicht vor der Realität fortläuft, darf dennoch sinnlichen träumen. Natürlich wie künstliche Düfte, aus der Retorte erzeugte Stimmungseffekte wie auch Naturstimmungen werden immer noch als romantisch empfunden. Und sie führen oftmals ganz selbstverständlich zu erotischen Szenen, die ihrerseits auch wieder in heftige Sexszenen einmünden können – das mag jeder so schreiben, wie wer will und kann.

Erotik und Romantik sind Schwestern, die einander umarmen. Wer etwas anderes behauptet, mag das tun, doch denke ich, dass er oder sie versucht, sich selbst und andere damit zu betrügen.

Fakten: warum du keinen Roman schreiben solltest

Etwas zu wissen, heißt nicht unbedingt, es auch verinnerlicht zu haben. Und so „weiß“ eine große Anzahl von Internet-Bewohnern, was eine Kurzgeschichte, eine Novelle oder ein Roman eigentlich ist. Man ordnet die Begriffe hübsch ein, freut sich, dass sie so nett dastehen, und hat am Ende eigentlich gar nichts über sie ausgesagt.

Der Schreibanfänger möchte allerdings zunächst etwas ganz Einfaches wissen: Wie lang darf, soll oder muss meine Geschichte eigentlich sein? Diese Frage hat Sinn, denn wir wollen unser Werk ja nicht mit 18 anfangen und mit 68 beenden, nicht wahr?

Wenn du die Sache so siehst, dann lies einfach weiter:

Die Kurzgeschichte

Die Kurzgeschichte, in Deutschland oft als „minderwertig“ verpönt, ist in Wahrheit eine schriftstellerische Meisterleistung, weil sie dich dazu zwingt, das Wesentliche deiner Erzählung herauszustellen. Wenn du „netto“ 200 Wörter am Tag stehen lässt (vielleicht musst du die dreifache Anzahl schreiben – überleg es dir gut!), dann kannst du eine recht gute Kurzgeschichte in fünf (1000 Wörter) bis 14 Tagen (2800 Wörter) schreiben. Oder eine etwas Längere in einem Monat, also an 20 Arbeitstagen (4.000 Wörter). Dazu muss ich dir allerdings sagen: Je länger, umso schwerer wird es dir fallen, weil du die Geschichte ja „irgendwie schlüssig“ darstellen musst – und das heißt, sie immer mal wieder daraufhin durchzulesen. Wer kürzere, aber dennoch packende Geschichten schreiben kann, ist im Vorteil.

Die Novelle

Eine Novelle ist – nach deutschem Verständnis – eine etwas längere, aber ähnlich gestaltete Form wie eine Kurzgeschichte. Sie führt aber etwas breiter aus, was mit deiner Figur im Laufe der Handlung geschieht. Die Novelle hat deswegen meist mehr Kapitel, mehr Seiten und naturgemäß dann auch mehr Wörter. Wenn du deine Geschichte also in mehreren Episoden oder Kapiteln erzählen willst, ist die Novelle gerade richtig. Man sagt, sie könne etwa 20.000 Wörtern beherbergen. Das bedeutet für dich unter gleichen Bedingungen: Es ist eine Arbeit, die dich mehrere Monate beschäftigt. Es kann übrigens durchaus sein, dass du gegen Ende beschließt, auch ein voraufgegangenes Kapitel noch einmal zu ändern. Das ist eine ganz normale Schriftstellertätigkeit, aber sie kostet viel Zeit. Nach oben ist bei den Worten noch etwas „Luft“. Es dürfen also auch etwas längere Geschichten sein.

(Warnung! Im englischsprachigen Raum ist eine „Novelle“ („Novel“) ein Roman)

Der Roman

Das „Buch“, das du schreiben willst, ist meist ein Roman. Ich finde, „Roman“ ist heute ein mehr als grober Sammelbegriff für alles, was viele Seiten hat. Meist handelt es sich um Erzählungen, die breit ausgeschmückt werden, und in denen mehrere Personen und ihre Schicksale behandelt werden. Um einen solchen Roman von Anfang bis Ende schlüssig zu schreiben, brauchst du neben viel Erzähltalent auch einen aufgefächerten Plot – und jede Menge Ausdauer. Rein formal musst du mindestens 60000 Wörter zu Sätzen zusammenfügen und dem Gesamtwerk mit diesen Sätzen Sinn und Ziel vermitteln. Das kannst du in etwas mehr als einem Jahr schaffen. Dein Werk dürfte dann etwas schmal ausfallen – das macht aber nichts.

Was empfehle ich?

Die Empfehlung geht ganz klar in Richtung Kurzgeschichte. Du kannst dein Schreibtalent, dein Durchhaltevermögen und deine Sprachgewalt überprüfen und lernen, deine Gedanken zu raffen und auf das Wesentliche zu konzentrieren. Was willst du mehr?

Was du über die Kurzgeschichte wissen musst …

Nahezu alle Kurzgeschichten folgen heute der amerikanischen Tradition. Deine Figur ist schon beim ersten Satz erkennbar, ihr Charakter wird durch das weitere Geschehen definiert. Die Handlung beginnt sofort, und sie wird so geschildert, als ob deine Leserin danebenstehen würde und zusehen könnte. Doch nun geschieht etwas Ungewöhnliches, das deine Leserin nicht erwartet hat. Dieser Umstand wird dann zur eigentlichen Handlung ausgebaut, die meist ohne Umschweife auf den Höhepunkt zuläuft. Je nach Art der Erzählung und dem gewünschten Spannungsaufbau kannst du einen oder mehrere Wendepunkte einbauen, die aber letztlich alle in zu einer Veränderung führen. Am Schluss steht ein Wandel oder jedenfalls der Beginn eines Wandelns. So, wie die Geschichte begonnen hat, verlassen wir sie wieder: Die Figur geht … und wir wissen nicht genau, was sie nun tun wird.

Andere "kurze" Geschichten

Erwähnen will ich noch, dass es auch andere „kurze Geschichten“ gibt, die man auch „Episoden“ nennt. Wie auch die Kurzgeschichte erzählen sie eine kurze Episode aus dem Leben eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen. Die Teilgeschichten beginnen ähnlich wie Kurzgeschichten, haben aber ein Ende, das auf eine neue Episode mit einem anderen Ausgang hindeutet. Das bedeutet für sich, dass du sie aneinanderreihen kannst, wobei jede Episode neue Spannung erzeugt. Eine andere Form, in Abschnitten zu schreiben, bilden Briefromane oder Tagebuchromane.

Episodenromane genießen (wie Kurzgeschichten) einen schlechten Ruf, der absolut unbegründet ist. Das „wahre“ Leben setzt sich beispielsweise aus Episoden zusammen, deren Bedeutung oft erst später erkannt wird. Daher ist es durchaus möglich, auf der Basis von Episoden eine kontinuierliche, schlüssige Story aufzubauen. Episoden über Liebe, Lust und Leidenschaft kommen vor allem in Serien vor, zum Beispiel in „Coupling“ von Steven Moffat. Das sollte aber niemanden hindern, Episoden auch einfach aufzuschreiben – und dabei Komik mit Erotik zu verbinden.

Wie auch immer – kurze Geschichten ebnen dir den Weg zum Wesentlichen. Und du kannst „dran bleiben“ – was besonders für Schreibanfänger ein enormer Vorteil ist.

Erotische Themen? Suchet, und ihr werdet finden …

Jedes Buch über das Schreiben, jede Schreibschule und jeder Blogger, der Metakommunikation über „das Schreiben“ zelebriert, hat Vorschläge zu Themen. Natürlich auch zu erotischen Themen. Elizabeth Benedict (1) ordnet sie in Kategorien und und würzt sie mit Zitaten, andere werfen uns Begriffe hin wie „MILF“ oder „S/M“ , damit wir diese Knochen abnagen können. Und Ines Witka (2) hat gar 50 Vorschläge, wie man sich an Themen heranrobben kann.

Deine Haltung dein Alter, dein Leben, deine Fantasie …

Doch Themenkataloge haben ihre Tücken – was du da schreibst, muss schon deinem Alter, deine eigene Haltung zur Sexualität und deinem Einfühlungsvermögen entsprechen. Und zudem – im Grunde schreibt jeder am liebsten über das, was ihn am meisten fasziniert.

Junge Autorinnen, alte Autorinnen – und die Mitte

Das fortgeschrittene Alter hat einen großen Vorteil: Es bringt Fetzen von Erinnerungen zurück, die sich nahezu beliebig zu erotischen Romanzen oder eindringlichen Sexszenen ausbauen lassen – auch, wenn’s gar nicht so war. Die Jugend hingegen projiziert die gegenwärtige Begierde in die Zukunft und versucht, Beispiele aus dem eigenen Erleben mit dem zu kombinieren, was ein erfahrener, erwachsener Mensch fühlt. Wer „mitten im Leben“ steht, muss sich keinesfalls mit der „schnöden Realität“ begnügen. Wenn du in diesem Alter bist, solltest du ins Reich der sexuellen Abenteuer eindringen, die deine Heldinnen und Helden erleben werden, auch wenn du sie nicht selbst genießen oder erleiden kannst.

Themen nach erotischer Popularität?

Die Themen, die ich vor einigen Jahren für euch ausgesucht habe, orientierten sich an den erotischen Sehnsüchten der Menschen, und ich will dies gerne wieder versuchen. Ich orientiere mich dabei diesmal an einer wissenschaftlichen Untersuchung. Dort sollte festgestellt werden, was Menschen als „normale“ sexuelle Erregung in ihren Fantasien erlebten. Wenn man nun nur die „Abweichungen“ von dem nimmt, was Frau und Herr Mustermann üblicherweise im Bett tun, kommt man auf eine erhebliche Anzahl von Lüsten und Sünden. Und ich darf euch verraten: Sie sind fast alle äußerst spektakulär und kitzeln die erotische Fantasie von Frau und Mann. Eine weitere Quelle für ungewöhnliche, äußert erregende erotische Fantasien mit realem Hintergrund sind Schilderungen von Dominatricen, Escort-Girls und anderen Rotlichtbewohnerinnen.

Erotik aus Nicht-Erotik generieren

Wer die Fähigkeit besitzt, diagonal zu denken, kann Themen auch aus ganz anderen Bereichen schöpfen: aus Redensarten, Liedertexten, Polizeimeldungen einerseits aus aus Lebensbeichten oder gar Blogs andererseits.

Erotik aus Satzfetzen heraus schreiben

Werbung
Ich las gerade ein wundervolles Tagebuch eines 90-jährigen Mannes, der sich an seine vergangenen Liebesgeschichten so lebhaft erinnert wie er seine gegenwärtigen Amouren lebensnah beschreibt. (3)

Damals war ein Blickwechsel mit einem Mädchen schon eine Liebesgeschichte“, schreibt er über ein Ereignis im Jahr 1925 – und ich hoffe doch, dass sich wenigstens die Schreiber unter 65 an ein solches Erlebnis erinnern. Und mit 90? In seinem Tagebuch schreibt er aber auch über eine Dame, die er aktuell besuchen wird: „Müsste ich sie nur sehen, so ginge es ja. Aber ich werde mit ihr schlafen müssen.“

Es gibt viele Stellen in diesem Tagebuch-Roman, der nie einer werden sollte, die mich anrühren, und sie werden dich, gleich, welchen Alters du bist, auch faszinieren. Und nun komme ich zu dem Grund, warum ich das Buch überhaupt erwähne: weil alles Momentaufnahmen sind und sich daher leicht weitererzählen lassen.

Themen gibt es wirklich genug –sammle sie zuerst, wenn du magst

Auf diese Weise kannst du Themen über Themen sammeln, und je mehr sie dich faszinieren, umso mehr kannst du sie zu wahnsinnig lustvollen Geschichten ausbauen.

Abschreiben ist feige und doof

An dieser Stelle komme ich unweigerlich zu einem Thema, das nicht so hübsch ist: Das ständige Abschreiben von Fragmenten, die dann ein wenig umgeschrieben werden, um den Ursprung zu verschleiern. Was dann noch fehlt, ist nur noch ein wenig geistiger Alleskleber, um die Szenen etwas verändert aneinanderzureihen. Also: Ich finde es feige und doof, denn gerade in der Erotik ergeben sich ständig neue Facetten – es lohnt sich nicht, das Sauerkraut immer wieder aufzuwärmen.

Themen finden ist also kein Problem - die Umsetzung schon

Nachdem ich dies alles geschrieben habe. Fühle ich mich verpflichtet, noch etwas zu sagen: Ein erotisches Thema zu finden ist eine Sache – und diese Geschichte nun wirklich mit erotischen Inhalten zu füllen, eine andere.

Wahrscheinlich wollt ihr wissen, wie so etwas verwirklicht werden kann. Ich verspreche: Es wird hier stehen. Schon bald.

(1)Elizabeth Bendict: Erotik schreiben", deutsch Berlin 2002.
(2) Ines Witka: "Dirty Writing", Tübingen 2015.
(3) Die erotischen Abenteuer des Monsieur Mathiot, Original 2008, Paris, deutsch 2010 München.

Schreiben - Teil drei: Idee und Figur

Idee und Figur im Zusammenhang
Der Inhalt in aller Kürze: Warum deine Figur und dein Thema miteinander verknotet sind und warum du diese beachten solltest.

Du weißt nun so ungefähr, was „Schreiben“ bedeutet. Du hast eine Vorstellung davon, wie lang deine Geschichte werden soll. Du vermutest, dass du es in der vergebenen Zeit schaffst. Nun fehlen dir nur noch zwei wichtige Komponenten: eine Idee und innerhalb deiner Idee die Hauptfigur.

In einer Vorgängerversion dieses Blogs haben wir immer wieder versucht, euch Themen nahezubringen. Aber im Grunde ist es eher so: Ihr seid fasziniert von einem Thema, und ihr traut euch zu, darüber zu schreiben. Und nun müssen wir darüber reden, was dein Thema mit deiner Figur zu tun hat. Statt „Figuren“ sagen andere Autoren auch „Charaktere“ oder „Protagonisten“.

Wenn du bei der Handlung ansetzt

Für einen Schreibanfänger sieht die Sache nun so aus:

- Im Grunde kannst du zunächst nur von Themen schreiben, über die du etwas weißt, es sei denn …
- … du kannst sehr gründlich recherchieren und …
- … dich in andere Menschen hineinversetzen.
- Drei Bespiele: (Themen ohne Recherche:) Die Handlung spielt in einer Stadt, die du kennst und du weißt etwas über das Milieu dort. Du gehst mit deiner Geschichte in eine Welt, die du kennst: Büros, Bars oder auch Sportvereine. (Themen mit Recherche:) Du kennst einen Menschen, der mit dem ungewöhnlichen Thema beschäftig ist, und du kannst ihn danach fragen.

Was dabei herauskommt, nennt man in der Regel „Handlungsorientiertes Schreiben.“ Das heißt, dass du die Handlung als „Motor“ der Geschichte nimmst, die sie vorantreibt.

Wenn du bei der Person ansetzt

Es geht auch anders herum:

- Am einfachsten ist es, wenn du von dir ausgehst – deine Figur muss deshalb keinesfalls so sein „wie du bist“, sondern sie kann jederzeit andere Wege gehen und neue Ziele verfolgen. Es sei denn …
- Du kannst sehr gründlich darüber recherchieren, was in anderen vorgeht und …
- Sie so beschreiben, wie sie sich selber sehen oder gerne sehen würden.
- Drei Bespiele: (Von dir ausgehend:) Du willst eine Frau beschreiben, die wagemutiger ist als du und die mehr erlebt. Oder du willst eine Frau in einer ganz anderen Umgebung beschreiben, die zumindest in einem Teil „in deiner Person enthalten“ ist. (Von einer Recherche ausgehend:) Du bist eine bist eine strikte „Hetero-Frau“ und willst eine bisexuelle Figur entwerfen.

Solche Ansätze führen normalerweise zum „Charakterorientierten Schreiben.“ Das heißt: Deine Figur treibt das Thema vor sich her und bestimmt damit auch die Handlung.

Einfach gesagt: Du kannst vom "Was" schreiben oder vom "Wer"

Die beiden Wege, noch einfacher:

Handlungsorientiert zu schreiben, heißt nach dem „Was“ zu fragen.

Was ist es, wie kann man es beschreiben und was folgt daraus?

Charakterorientiert zu schreiben, bedeutet, nach dem „Wer“ zu fragen.

Wer tut etwas, was passiert dabei, wie empfindet oder durchlebt die Person diese Situation, und was folgt daraus für ihn?

In der Praxis … oh ja, die Praxis. In der Praxis vermischt sich das Schreiben "an einer Handlung entlang" mit dem Schreiben, das sich auf die Figur und ihre Intentionen konzentriert.

Handlungsorientiert Schreiben scheint nur einfach zu sein ...

Du wirst überall nachlesen können: Wenn du dich an der Handlung orientierst, dann werden die Menschen mit der Zeit das Interesse an deinem Werk verlieren. Leserinnen und Leser wollen wissen, was die Personen tun – sie sind ja selber Personen. Zudem verführt das handlungsorientierte Schreiben zu Passivsätzen und – ganz generell dazu, Sätze einfach aneinanderzureihen, ohne auf eine innere Logik, Konsequenz und Dramatik der Ereignisse zu achten.

Falls du die Wahl hast und das „kreative Schreiben“ beherrscht, ist es immer interessanter, deine Figuren loszulassen, damit sie die Handlung bestimmen können.

Ein Geheimnis für dich: "Insider" schreiben langweilig - Beobachter schreiben lebendiger

Ich denke, ich habe dir nun gezeigt, warum das Thema und die Figur in einem inneren Zusammenhang stehen. Und ich kann etwas hinzufügen, was dich überraschen wird:

Der intime Kenner einer Szene (besonders in der Erotik) ist viel zu befangen, um eine Geschichte zu erzählen, die auch „Uneingeweihte“ interessiert. Der Beobachter aber kann es, weil er nicht in den oft strengen oder einseitigen Kategorien denkt, die „Insider“ haben. Deshalb handeln Kriminalromane selten von „sauberer Polizeiarbeit“ und Erotikromane ebenso selten von „sauberem, abgeduschten Sex“.

Richtig – da waren noch die Themen an sich. Wie finden Autoren eigentlich ihre Themen, und was könnte sie veranlassen, etwas darüber zu schreiben?

Ich will versuchen, die Frage das nächste Mal zu beantworten.

Anmerkung dazu: Ob sich zu Recherche auch das Internet eignet, will ich später diskutieren – vorläufig solltest du „in deinem erweiterten Umfeld“ recherchieren.