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Erotische Szenarien und Plots, die du vielleicht noch nicht kennst

Zehn neue, zumeist gar innovative Ideen für dich und deine erotische Geschichte - zusammengestellt nach neuen Erkenntnissen aus der Welt des erotischen Schreibens.

Die zehn Ideen für erotische Plots

1. Die Suche nach dem richtigen Weg …

Man sagt dazu auch „Reise und Rückkehr“. Deine Figur ist unzufrieden mit ihrem gegenwärtigen Zustand und versucht, durch neue Erfahrungen zu einem besseren (sinnlicheren) Leben zu gelangen. Das System ist einfach:
- Du brauchst einen Grund oder Umstand, das Risiko einzugehen.
- Irrungen, Wirrungen und Hindernisse, die überwunden werden müssen.
- Erfolg bei der Rückkehr (gelegentlich auch Versagen)
Das System ist bewährt – die einzelnen Stationen müssen aber interessant gestaltet werden. Jedes Mal entsteht ein Lerneffekt, der die Möglichkeiten der Sinneslust erweitert.

2. Das Opfer – die Figur opfert sich, um …

Normalerweise wird ein heldenhaftes Opfer erwartet, aber in der erotischen Literatur wird daraus ein „Wiedergeburtsplot“. Das heißt, dadurch, dass sich jemand „opfert“, wird er/sie „geläutert“ und findet die wahre Bestimmung. Man sagt dazu auch eine „Feuertaufe“. Die Leserin muss davon überzeugt sein, dass deine Figur wirklich ein „Opfer“ eingeht. Sie muss dabei sinngemäß „alle Brücken hinter sich abbrechen“ und bewusst durch einen „Höllenschlund“ gehen, bevor die Läuterung möglich wird. Deine Leserin wird den Mut deiner Figur bewundern, den sie selber nicht aufbringen mag.

3. Die Liebe verbindet und trennt

Die klassische, erregende Situation als Plot: Ein Paar will zusammenkommen, muss zahllose Hürden überwinden und strauchelt mehrfach. Das gilt für die „schwierige Liebe“ ebenso wie für die „verbotene Liebe“, für Romantik-Kitschroman ebenso wie für härteste Romane um Dominanz und Unterwerfung. Meist wollen Leserinnen, dass solche Szenen „hautnah“ geschildert werden und die Emotionen bildhaft „rübergebracht“ werden. Das Thema ist ziemlich ausgelutscht, und deshalb ist in diesem Fall besonders viel Einfühlungsvermögen und Schreibtalent gefordert.

4. Rache ist süß (oder auch nicht)

Das übliche Erotik-Plot zur Rache: Jemand wird hintergangen, meist durch Ehe- oder Treuebruch, und der/die ander versucht sich zu revanchieren. Beispiel: Der Ehemann betrügt die Ehefrau mit seiner Sekretärin, die Ehefrau verführt die Sekretärin zu sexuellen Handlungen und entzieht sie ihm dadurch. Es gibt andere, härtere Schilderungen von „Revanche“, die meist darauf beruhen, dass ein sexueller Übergriff vorausging und der Aggressor bestraft werden soll. Die Leserin muss davon überzeugt sein, dass er/sie die Strafe wirklich verdient.

5. Ein Abenteuer eingehen

Ein beliebtes Thema der erotischen Romane besteht darin, ein Abenteuer einzugehen, also das gewohnte, sichere Umfeld zu verlassen, um erregende Erlebnisse zu finden. Sie können deine Heldin erbauen oder erniedrigen, und sie kann dabei gewinnen oder daran scheitern. Das Thema ist vielfältig und farbenfroh und nahezu grenzenlos, und es kann die Grenzen der Realität jederzeit sprengen. Deswegen ist dies Plot auch als „erotisches Märchen“ bekannt. Günstig ist, etwas Mystik in das Thema einzuweben – das mögen Leserinnen. Und damit werden auch die möglichen Härten abgefedert, die manche Abenteuer begleiten.

6. Geheimnisse, die herauswollen oder auch nicht

Bei diesem Plot geht es darum, eine geheime Begierde zu wahren oder eine frühere Erfahrung oder Lebensweise zu vertuschen. Käme sie heraus, so müsste deine Figur Schlimmes befürchten. Typisch sind Geschichten um das „Coming Out“, über Parallelbeziehungen oder gar ein Doppelleben. Bei Frauen kann das Geheimnis auch eine frühere Tätigkeit als Escort-Girl oder als Domina bestehen, bei Männern im Wunsch, als Frauen behandelt zu werden („Feminisierung“). Oftmals werden solche Themen in modernen Kriminalromanen verwendet, weil Erpressung eine Rolle spielt. In rein erotischen Romanen spielt der “innere Konflikt“ meist die größere Rolle. Emotional fordern solche Themen sowohl dich als Autorin wie auch deine Figuren heraus – und das gilt auch für potenzielle Leserinnen.

7. Unterlegenheit als Stärke

Der Cinderella entlehnt, baut dieses Plot auf die „Kraft der Unterlegenen“ auf. Für erotische Plots heißt das: Jemand gewinnt aus der Unterlegenheit, aus der Rolle des „Dienenden“ eine Machtposition auf. Deine Figur hat also Fähigkeiten, die Macht innerhalb einer „schrägen“ Beziehung zu ihrem Gunsten zu verändern, zum Beispiel „aus der Gosse aufzusteigen“ oder ihre angeblich unterwürfige Position nach und nach in eine Machtposition zu verwandeln. Teils sind es märchenhafte Plots, teils fußen sie auf der Realität. Cinderella & Co. sind immer beliebt, weil sich viele Leserinnen selbst als „unterbewertet“ ansehen und von einem wunderbaren Zufall träumen, der sie an die Spitze der Gesellschaft katapultiert.

8. Aus der Kurve geworfen werden

Dies Plot wird relativ häufig benutzt: Eine an sich moralisch sichere, integre Person wird durch ein einmaliges Ereignis aus der Bahn geworfen. So jedenfalls in der „großen Literatur“. Wird die Person auf den „Pfad der Tugend“ zurückfinden? Wird sie dabei untergehen? Oder wird sie Gefallen an einem neuen Lebensstil finden und den alten verlassen? Anders als im „großen Roman“, in dem ein „gestandener Mann“ ruiniert wird, hat die Figur im erotischen Roman die Chance auf ein weniger stressiges, aber sinnlicheres Leben. Der Unterschied zum „Wiedergeburtsplot“ besteht darin, zufällig oder fahrlässig in das Abenteuer des Wandels katapultiert zu werden.

9. Verführt werden und verführt werden wollen

Das Thema ist trivial – Verführungen sind so häufig wie Gänseblümchen. Interessanter ist der innere Widerstand, der durch die Verführung gebrochen werden soll. Wenn du dich in den Emotionen auskennst, die dabei entstehen – dann ist das Thema gut für dich. Denk dran, dass „Verführung“ nicht bedeutet, dass ein „überlegener Mann eine naive junge Frau zu gewöhnlichem Sex“ verführt. Alle geschlechtlichen Varianten (Hetero, Bi, Gay) sind möglich und ebenso alle Praktiken. Interessant sind auch Verführungen, die nicht zufällig geschehen, sondern erwartet werden. Ein Beispiel dafür wäre, einschlägige Orte aufzusuchen, um dort „angesprochen zu werden“ oder eindeutige Dates einzugehen und vorzugeben, nicht zu wissen, worauf man sich einlässt.

10. Spielen - Lust mit offenem Ausgang

Diese Variante des erotischen Romans ist relativ selten, aber wesentlich interessanter als alle Plots, bei denen man den Ausgang schon kennt, wenn die Person ihre ersten Schritte macht. Man benötigt eine emotionale Spielerin, die den Verlauf ihrer erotischen Begegnungen davon abhängig macht, wie sie ihre jeweiligen Partner einschätzt. Besonders interessant wird das Thema, wenn sie selbst unterschiedliche Rollen in diesem Spiel einnehmen kann.

Solltest du eine dieser zehn Ideen verwenden?

Diese 10 Plot-Ideen sind sicherlich nicht vollständig. Aber sie bieten Anregungen, um selbst weiterzusuchen und die Fantasie zu beflügeln.

Alle Ideen sind auf eine Person bezogen, die vorzugsweise als Ich-Erzähler(in) auftritt. Weil die Plots alle personenbezogen sind, bist du nicht gezwungen, Ereignisse aneinanderzureihen – nur bei „Reise und Rückkehr“ sind mehrere Episoden nötig, ansonsten reicht es, das Grundschema zu verwenden:

- Die Situation oder Befindlichkeit, in der sich deine Figur befand, bevor der Wandel eintrat.
- Der Wandel und seine Folgen (ausführlich) möglichst mit mindestens einer Hürde, die das Geschehen etwas zurückwirft.
- Eine kurze Schilderung der neuen Situation oder Befindlichkeit.

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Wie du eine berühmte Autorin wirst

Verwirrt dich dieser Beitrag? Nun, er ist keine Satire, sondern absolut ernst gemeint

Wie du eine berühmte Autorin wirst

Besorg dir einen PC mit einem Schreibprogramm,
Und während andere die Vögel zwitschern hören,
Draußen vor dem Fenster.

Hau in die Tasten.
Wild und entschlossen.

Zieh den Frauen die Masken vom Gesicht und den Männern.
Zeig sie, wie sie wirklich sind: animalisch und geil.
Öffne ihre Jalousien und zieh ihnen die Bettdecken weg.
Und denk dran, wie sie in einsamen Nächten
Ihre Orgasmen herausschreien – wie die Katzen in der Nacht.


(Einem Gedicht von Charles Bukowski nachempfunden)

Mehr von Bukowski (auch über das Schreiben).

Haben deine Figuren einvernehmlichen Sex?

Offensichtliche Übereinstimmung - oder doch nicht?
Schon lange, bevor es Diskussionen über einvernehmlichen Sex gab, gab es erotische Literatur. Man sprach die Worte „einvernehmlich“ oder „nicht einvernehmlich“ niemals aus, sondern schilderte die Situation, in der beide zusammenkamen. Dabei ergaben sich aus den Lüsten, Begierden, Ängsten und Zweifeln, aber auch aus besonderen Gelegenheiten zahllose Möglichkeiten, „es“ zu tun oder „es“ bleiben zu lassen. Der Klassiker ist eher harmlos: Zwei Personen sind auf Geschäftsreise, einsam und schon länger sexlos – da ergibt sich, dass der Hotelier nur noch über ein Doppelzimmer verfügt. Und schon beginnt das Spiel damit, die Möglichkeit der Nähe zu nutzen oder sie verstreichen zu lassen.

Sind Verführungen "einvernehmlich"?

Manche Zeitgenossen behaupten, Verführungen seien kein „einvernehmlicher“ Sex. Doch die Frage ist nicht, wer den letzten Impuls gab, die Kleider abzulegen und sich dem anderen anzubieten. Die Frage ist vielmehr: Welcher innere Konflikt zwischen Gelegenheit, Begierde und Furcht musste überwunden werden? Warum war die Situation so ungewöhnlich, und wie half die Verführerin oder der Verführer nach, um die letzten Ängste zu überwinden? Und warum willigten am Ende doch beide ein?

Illegaler Sex, leicht pervers angehauchte Praktiken

Zumeist geht es dabei nicht nur um die kleine Hürde, ob sich jemand dem anderen intim nähern sollte. Meist ist noch eine weitere Hürde zu überwinden: Die Sache hat einen Geschmack der Perversion oder Illegalität, des Ehebruchs oder der Unanständigkeit. Oder wie Elisabeth Benedict schreibt:

Gefühle der Hochstimmung, Befreiung, der Widerstände oder Erleichterung … (es endlich getan zu haben) … können von Schuldgefühlen begleitet sein.


Wir können sagen: Einvernehmlich ist vom Anfang bis zum Ende einvernehmlich, in jeder einzelnen Handlung und in allen Ergebnissen inklusive der Nachwirkungen. Einvernehmlichkeit kennt keine Reue.

Ganz einvernehmlich - völlig langweilig?

Aber mal Hand aus Herz - ist das eine Idee für eine spannende und erregende erotische Geschichte?

Wahrscheinlich nicht. Schon die Realität belehrt uns: Die grundsätzliche Einwilligung bedeutet nicht, dass der Partner „Carte blanche“ für alle sexuellen Aktivitäten hat. Immer wieder ergeben sich dabei Fragen, die sich die Teilnehmer im Inneren stellen, aber nicht an den Partner - und manchmal lassen sie etwas zu, was ihnen eigentlich widerstrebt. Hinzu kommt noch, dass der berühmte „freie Wille“ unter der Wirkung der körpereigenen, drogenähnlichen Botenstoffe von der Natur manipuliert wird. Das heißt, der Bewusstseinszustand vor dem Sex ist nicht der gleiche, wie während der sexuellen Aktivitäten, und beim Abklingen der Drogenweinwirkung kann, durchaus Scham über das auftreten, was man getan hat.

Doch während wir als real existierende Liebende nicht jede Phase und jede Facette solcher Vorgänge beschreiben können, kann es eine Autorin für ihre Figur tun. Um es mal einfacher zu sagen: Der ganze Weg von „das tut eine anständige Frau nicht“ über „ich lasse mich treiben und tue es dennoch“ bis hin zu „eigentlich schäme ich mich jetzt dafür“ lässt sich detailliert beschreiben und in Bilder wandeln.

Mehr oder weniger Einvernehmlichkeit?

Natürlich kannst du dahinter zurückbleiben oder noch weiter gehen. Du kannst fragen, wann überhaupt „Konsens“ gegeben ist. Muss, wie wir jüngst lasen, jeder einzelnen Aktivität zugestimmt werden, und wie detailliert muss diese Zustimmung sein? Ist ein „Ja“ nur etwas Wert, wenn genau beschrieben wird, wer mit was wohin eindringen darf? Wie spontan können Liebende sein? Und wie wird ein „stilles Einverständnis“ erzeugt? Was, wenn einer der Partner plötzlich sein Einverständnis widerruft? Oder müssen Paare gar Scripts erarbeite, wie die Abfolge der sexuellen Aktivitäten aussehen soll? Und wie geht die Person damit um, wenn sie schweigend zustimmend, aber dennoch gegen ihren Willen gehandelt hat?

Erotische Literatur ist nicht dazu da, Leser aufzugeilen. Sie soll auch Fragen stellen und sie – wenn möglich kontrovers – beantworten.

Übrigens haben wir die „typische“ Noncom-Literatur noch nicht einmal erwähnt – es wird an der Zeit, sie einmal gründlich zu untersuchen. „Noncom (1)“ heißt: Nicht einvernehmlich. Ob wir uns aufs Glatteis wagen sollten? Besser, wir tun es nicht.

Zitat: "Erotik Schreiben", New York 2002.
(1) Erklärungen zu "Noncom" und anderen Begriffen.
Bild: Buchillustration.

Gebunden sein zwischen "Tu es!" und "Wehe, du tust es!"

Widersprüche zwischen Lüsten, Normen und Verhaltensweisen
Ein altes Thema holte mich dieser Tage wieder ein: Doppelbindung. Wer das googlen sollte, wird schneller verwirrt, als dass er korrekte Information bekommen würde.

Tu es, aber wehe du beginnst wirklich damit

Sagen wir’s mal so: Wenn du etwas tun sollst, aber es eigentlich lieber lassen solltest, dann sitzt du in der Klemme. Da sagt die Mutter zur Tochter: „Gehe endlich mal deine eigenen Wege und spiel nicht dauernd mit dem Handy herum – aber wehe, du lässt dich da draußen auf Männer ein.“ Das ist eine häufige Version des alten Themas: „Tu endlich etwas – aber wehe, es hat Konsequenzen“.

Bei Dates ist die Methode „Doppelbindung“ beliebt

Bei Dates wird häufig eine Methode angewendet, die aus einem inneren Konflikt einen äußeren macht. Die Frau hat sich mit viel Mühe die Zeit für ein Date erkämpft, war beim Friseur und bei der Kosmetikerin, hat sich sexy Wäsche als letzte Hülle besorgt und zeigt mit jeder Faser, dass sie erwartet, verführt zu werden. Sagt ihr in Aussicht genommener Lover aber zu früh: „Komm lass uns zu mir gehen, du hast doch nichts anderes vor?“, wird sie vielleicht antworten: „Hältst du mich für eine Schlampe, die gleich mit jedem mitgeht?“

Ein sehr populäres Beispiel aus jüngster Zeit: Sie gilt als emanzipiert und ist auffällig feministisch orientiert. Er fragt politisch korrekt, ob er sie küssen darf. Sie sagt: „Mann, was bist du für ein Schlappschwanz … wenn du so fragst, kannst du gleich in den Wind schießen!“

Bindung an Begierde und Bedenken zugleich

Die Doppelbindung ist also eigentlich keine „Doppelte Bindung“, sondern eine Bindung an zwei Teile eines offenkundigen Widerspruchs, so wie im Schlager „Komm“ (1):

Sie denken sicher weiß Gott was,
weil ich Sie eingeladen hab’,
und Sie sind jetzt mit mir allein!

Vielleicht ist’s besser, dass Sie geh’n,
Sie glauben sonst wohlmöglich noch,
das ist so üblich hier bei mir.


Vielleicht hat der Schlagertext euch den letzten Kick gegeben, um den Widerspruch zu verstehen. „Verführ mich um Himmel willen endlich, aber glaub ja nicht, dass ich die Absicht dazu hatte.“

Doppelte Bindungen im erotischen Roman

Im erotischen Roman kannst du diesen Umstand jederzeit verwenden, und viele Autorinnen tun es auch schon. Dabei kannst du von verschiedenen Widersprüchen ausgehen:

1. Was sie sagt, passt nicht zu ihrer Körperhaltung. Üblicherweise sagt sie, dass sie keinen Sex will, kann aber die Beine nicht zusammenhalten und ihre Augen strahlen Bedürftigkeit aus.
2. Das Gegenteil: Sie sagt etwas sehr Sinnliches. Ihre Körperhaltung ist dabei aber steif und unnahbar.
3. Sie weist ihn ab, als er sie küssen will. Als er sie später fragt, ob er sie küssen darf, sagt sie: „So geht es schon gar nicht.“
4. Ihre Kleidung passt nicht zu ihrem Anliegen. Sie wünscht, dass er ihr Buch beurteilt, aber sie ist so aufregend angezogen, dass er völlig abgelenkt wird.

Umsetzung des Widerspruchs

Die Widersprüche können deiner Figur bewusst sein oder auch nicht – sie können aber auch ein Trick sein, um die Partner(innen) zu täuschen. Oder sie können Teil eines verborgenen psychischen Problems sein, dass durch eine Provokation gelöst werden soll oder eben auch zufällig gelöst wird.

Ein Beispiel aus einem Roman – die Entlarvung

In einem sehr erotischen Roman (2), der in Deutschland kaum bekannt ist, entlarvt die lesbische Verführerin ihre unschlüssige Partnerin, in dem sie die Widersprüchlichkeit aufdeckt:

Du bewegst jedenfalls deinen Bürzel wie ein Mäuschen vom Kabarett mit dem kleinen Fummel zwischen den Beinen, ohne den kleinsten Hintergedanken … oder? Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Art, wie du dienen Hintern bewegst und dem, was dein verführerisches Mündchen hervorbringt.


Entsprechen geht es weiter. Nach und nach verliert sich die Fassade, und die Verführerin wird noch deutlicher:

Du bist eine heilige Kokotte. Du liebst es, wenn man dir in den Schritt schielt, und dabei tust du so, als ob du es gar nicht bemerkst.


Andere Möglichkeiten

Die „Entlarvung“ ist nicht unbedingt nötig, macht sich als Stilmittel aber gut, weil nun die Fassade bröckelt und die zur Schau getragene Schicht (in diesem Fall der heterosexuellen, distanzierten Journalistin) ganz von der Person abfällt.

Wichtiger ist, die Gegensätze, an die deine Figur innerlich gebunden ist, deutlich zu machen. Die naturgegebene Wollust gegen die gesellschaftliche Konvention, die Furcht vor Entlarvungen gegen die Begierde, die religiöse Bindung gegen den liberalen Anspruch. Das „warnende Mäuschen hinter dem Ohr“ gegen den Anspruch auf eigenständige Lüste. Es mögen nicht alles wirkliche „Doppelbindungen“ sein – immerhin aber es sind bekannte Konflikte, die „an die Nieren gehen“, und sie quälen deshalb die Figuren erotischer Romane immer wieder.

(1) Gerog Kreisler, gesungen von Topsy Küppers)
(2) Fuchsia (Autorin Anne Félix)
Bild: Carouchet, Teilansicht (1904) in: La Flagellation à travers le monde

Frauen als aggressive Verführerinnen - das Rollentausch-Phänomen

Bild einer Tierlehrerin, als Zirkusplakat benutzt
Wenn du nach einer Idee (oder nach einem Plot) für ein erotisches Werk suchst, wirst du wenig Erfolg haben. Es gibt zwar mehrere Autorinnen (auch Schreib-Lehrerinnen), die dir verraten, wie du die Basis für eine romantische Liebesgeschichte (inklusiv diverser Konflikte) entwickelst, aber was fehlt, sind entsprechende „Kataloge“ für Erotik-Autorinnen.

Jüngst fand ich eine Idee, die im erotischen Roman immer „geht“ und die inzwischen viel Erfolg hat - das Rollentausch-Phänomen. Doch zunächst lassen wir mal die Klischees sprechen.

Der Mann als böser Verführer

Sieh mal, der Mann tritt fast immer als Verführer oder Bedränger auf, vom sanften, wortreichen Gentleman-Verführer bis zum aggressiven, fordernden und drangsalierenden Macho. Es gab einmal Zeiten, in der nahezu jeder Mann die gleiche, schnöde und irgendwie abgeschmackte Rolle spielte. Sie war so gut wie „vorgeschrieben“ und ein heimliches Konzept bei jeder Verabredung: Versuche es in jedem Fall, Mann – wenn sie „nein“ sagt, kannst du immer noch aufhören. Das Spiel gab es in Dutzenden von Verfahrens- und Verhaltensweisen. Die modernste ist die Dating-Variante (aus der Sicht einer Frau):

Ich werde dich hassen, wenn du versuchst, mich ins Bett hineinzureden – ich bin schließlich kein Flittchen, die für jeden zu haben ist. Aber wehe, du versucht nicht wenigstens, mich in Betracht zu ziehen – bin ich dir etwa nicht attraktiv genug?


Natürlich kannst du auch aus dieser Art einer sogenannten „Doppelbindung“ eine hübsche Geschichte formen. Eine „Doppelbindung“ in der Erotik entsteht immer, wenn jemand versucht, dich erotische zu begeistern und dich zugleich moralisch davon abhält, es auch wirklich mit dir zu praktizieren. Es gibt viele andere Varianten – doch davon vielleicht später einmal.

Rollenwechsel - Frauen verführen und bedrängen

Drehen wir im Moment mal die Rollen der Verführung, Bedrängung oder Aufforderung zum Sex um.

Dann wäre deine Protagonistin jemand, der um jeden Preis versucht, eine andere Person in eine ausweglose Situation zu bringen. Wenn ich schreibe „ausweglos“, bedeutet dies nicht, dass es niemals den „Weg hinaus“ gegeben hätte. Zumeist geht es um „gewillkürte Abhängigkeiten“, von denen die „Salamitaktik“ am bekanntesten ist. Neben sozialen Abhängigkeiten werden oftmals psychische Verstrickungen oder eine Pseudo-Gefangenschaft genutzt, um den Widerstand der männlichen Partner zu brechen. Oder aber auch seine Begierde so stark anzufachen, dass er alle Vorsicht und ethischen Überzeugungen vergisst.

Der Mann im Spinnennetz weiblicher Verführung

Das Thema funktioniert in zwei Varianten:

Weicher Mann

Der weiche Mann will natürlich Sex, fürchtet sich aber vor jeglicher Konsequenz. Er wird zumeist körperlich oder emotional gedemütigt und als williges Objekt benutzt. Klar, dass er einverstanden sein muss – aber er hatte eigentlich andere Vorstellungen vom Verlauf der Begegnung. Am Ende ist er froh, dass er überhaupt ein sexuelles Erlebnis mit deiner Protagonistin haben dufte.

Harter Mann

Der harte Mann kommt siegessicher daher, und er denkt, die Frau schenkt ihm sowieso alles, was Männer beglückt. Er wird „gebrochen“, das heißt, ihm wird die Kläglichkeit der männlichen Existenz vor Augen geführt, damit er in das Spiel einwilligt, dass deine Protagonistin mit ihm plant. Am Ende wischt er sich die Augen und denkt: „Wie konnte ich nur?“

Tipp: Wissen über das Rollenverständnis aneignen, bevor du tauscht

Ein Tipp: Wenn du wirklich mit einem Rollenwechsel spielst, solltest du sicherstellen, dass du beide Rollen recht gut kennst und weißt, was sich „drehen“ lässt und was nicht. Denk dran, dass die meisten Männer die Rolle des „Hineingetricksten“ oder Bedrängten nicht akzeptieren würden – sie würden sich wehren. Das Gegenmittel ist das Versprechen, das es irgendwann und irgendwie doch noch Sex gibt, und das ist praxiserprobt und keine schnöde Fantasie. Denk auch dran, dass du eine konsequente, manchmal kompromisslose Protagonistin benötigst, und stelle sie glaubhaft dar.

Hinweis: Das Zitat stammt aus einem Gespräch mit einer Dame, die Online-Dating betreibt und jedes Mal viel Aufwand verwendet, um sich attraktiv darzustellen.