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Strapse und Männeraugen

Der Blick trifft jetzt sicher nicht die schönen Augen ...
Bevor du an erotische Sensationen denkst: Stell dir vor, deine Figur macht gerade die Strümpfe neu an den Strapsen fest, und ein Mann beobachtet sie dabei. Diese irische Dame trägt einen sehr kurzen Rock und eine Servierschürze … und wie es scheint, befestigt sie ihr Strumpfband so, dass die Gäste sie sehen können. Klar – das ist eine Mini-Anregung – aber so fing doch schon manche Kurzgeschichte an, oder? Wir haben das Foto vom Griff der Serviererin an den Strumpfhalter aus der Liebeszeitung.

Schnipsel veröffentlichen – eine Methode, um bekannt zu werden

Der Teufel bringt sie - die erotische Literatur heute können wir sie im Laden kaufen
Eine Methode, Ihr erotisches Buch, ihre Novelle oder ihr E-Book bekannt zu machen besteht darin, „Schnipsel“ zu veröffentlichen. Das hat den Vorteil, dass Sie die „harmloseren“, aber wortgewaltigen und sinnlichen Stellen zeigen können, auch wann der Inhalt Ihrer Werke sonst viel „schärfer“ ist. Ich habe noch einen anderen Grund, Ihnen zu empfehlen, nicht die „schärfsten“ Stellen zu veröffentlichen – es sind leider oft die peinlichsten.

Auch, wenn sie noch nie ein Buch geschrieben haben, aber dies gerne tun wollen, helfen Ihnen „Schnipsel“ (zum Beispiel aus Kurzgeschichten), Interessenten für Ihre Arbeit zu finden. Ob ihre Werke zum Lachen, zum Weinen, ausbaufähig oder genial sind - Sie werden durch diese Methode Interessentinnen für Ihre Arbeit finden. Hier einige Beispiele, die wir ziemlich willkürlich ausgewählt haben (und die nicht unbedingt Meisterwerke sind):

Schnipsel 1: Nö, die Unterlippe?

Ich küsste ihn intensiv und sog dabei seine Unterlippe so weit ein, dass ich sie mit den Zähnen fassen konnte. Im Augenblick war es sein einziger Körperteil, das ich in mich hineinbrachte.

Schnipsel 2: Lesbische Verführung mit klischees

„Komm, Karin, ich will dich!“ Angelikas grau Augen lagen auf mir, mit dieser wundersamen Eigenschaft, zugleich heiß und kalt zu blicken. Sie brachten meine Haut zum Erschauern und mein Inneres schmolz dahin. „Du bist verrückt. Dieser Aufzug ist aus Glas, jeder kann uns sehen“ . “Das macht es ja so aufregend.“

Schnipsel 3: Schnell zur Sache

Hans drückte seien Lippen auf meine, und er musste mich festhalten, weil ich zurücktaumelte. Dann begann eine Parforcejagd – Hans warf die Tür ins Schloss und riss mich an sich, während seien Hände meinen Hintern umschlagen.

Schnipsel 4: Voyeur und Verführerin

Ich schloss meine Augen und überlegte, was ich da eigentlich tat. Jemanden zu reizen macht einfach Spaß und ich wusste, dass er nur vom Zuschauen einen Steifen bekommen würde. Er hatte bestimmt noch nie eine reale, halb nackte Frau gesehen. Für ihn würde ich der Traum seines Lebens sein, auch wenn es für eine Qual sein musste, mich nicht berühren zu dürfen.

Schnipsel 5: Der Fotograf / die Fotografin (geschlechtsneutral)

„Du bist nicht hier, um dich fotografieren zu lassen“. Ich hatte es geahnt. So, wie sie sich vor mir auszog, mit spitzen Fingern und leichtem Erröten, dem flackernden Blick und den sinnlichen Lippen, die sie immer wieder benetzte. Nein, so kam keine Frau ins Studio, die ein Aktfoto für ihren Verlobten oder Ehemann wollte. Sie antwortete nicht auf meine Frage. „Welche Pose soll ich einnehmen?“ Es war Zeit, eine Gegenfrage zu stellen: „In welcher Pose sieht dein Mann dich denn am liebsten?“ Sie errötete nun stärker, bevor sie leise sagte: „Ich weiß es nicht.“ Mir wurde klar, dass er sie noch nie so gesehen hatte, wie ich sie jetzt sah. Sie blickte verlegen an ihrem Körper herab und strich sich das Schamhaar zurecht …

Die verwendeten Schnipsel sind keine Zitate aus Büchern oder Texten, die Sie im Internet finden werden, sondern Bearbeitungen, die hier nur als Beispiele für sehr unterschiedliche Erzählungen gelten sollen.

Falls Sie vorhaben, Schnipsel zu veröffentlichen, nehmen Sie ausdrucksstarke Stellen. Vermeiden Sie schnelle, nur von Sex getragene Episoden oder Kussszenen, weil sie damit sehr schnell als wenig ausdrucksstark entlarvt werden können. Versuchen Sie, eine sinnliche Szene auszuwählen, die zum Weiterlesen anregt.

In dem Gemälde von Antoine Wiertz sieht man, wie der Teufel einer lesenden, offenbar stark erregten Frau Alexandre Dumas Buch "Anthony" vorlegt.

Der Zwang, sich keusch zu halten - literarisch

Keusch bleiben durch Rüstungen?
„Keuschhaltung“ ist heute als Wort fast ungebräuchlich geworden. Falls Sie dennoch darüber schreiben wollen, betreten Sie eine Nische der erotischen Literatur, aber auch durchaus der „großen Literatur“.

Als „echtes“ Problem - psychologisch herangehen

Die „Keuschhaltung“ beginnt damit, alles Sexuelle als niedrig anzusehen und zu verdammen. Besonders das masturbieren, vor allem aber die „Selbstbefleckung“ der jungen Frauen, wurde als Warnzeichen für sexuelle Verwahrlosung angesehen. Wurde es entdeckt, drohten drastische Strafen – von der Einschüchterung mit dem Höllenfeuer einmal ganz abgesehen.

In diesem Fall lohnt es sich, das Thema psychologisch anzugehen. Die Keuschheit ist bei ihrer Heldin, die so aufwächst, tief im Denksystem verankert. Verliert sie ihre „Jungfräulichkeit“, so empfindet sie dies als „herben, unverzeihlichen Verlust“. Sie kann den Bann, der in die gelegt wurde, selbst oft gar nicht wieder aufheben. Auch durch Heirat kann sie es nicht erreichen, obgleich ihr versprochen wurde, dass die Ehe alle ihre Probleme lösen wird. Manchem Jüngling, insbesondere einem Theologiestudenten, der Priester werden will, wird es ähnlich gehen: Die Blockade sitzt fest, und nur heimlich kann er die von der Natur gegebene Lust ausleben.

Diese Konstellationen eignen sich, um heftige Konflikte zwischen dem inneren Zwang und dem Drängen der Natur darzustellen.

Spielerisch oder sektiererisch? „Erzwungene Keuschheit“

Tipp: Immer spielerisch herangehen – sonst geraten Sie in die Nähe der Extrem-Pornografie.

Ein beliebtes Thema für den „inneren Zwang“, zwar nicht keusch, aber absolut treu zu sein, ist die Möglichkeit, dass sich ihre Figur gegen eine Verführung erwahren muss. In Filmen wurde schon vielfach gezeigt, dass die Keuschheit der Männer durch Lockvögel geprüft werden sollte – aber das funktioniert auch umgekehrt.

Spielerische „Keuschhaltung“ wird dann gefordert, wenn ein Partner (meist die Frau) besonders intensiven Sex auslobt, wenn sich der Partner einige Tage zurückhält. Einige der Spielerinnen verlangen sogar, dass der Mann in dieser Zeit seine Erektionen kontrolliert und auf keinen Fall masturbiert. Im Extremfall kommen dann „männliche Keuschheitsgeschirre“ zum Einsatz.

Umgekehrt wird das Spiel oft unter ähnlichen Bedingungen, aber mit anderen Vorzeichen gespielt. Die Frau, mit einem altertümlich anmutenden Keuschheitsschutz („Keuschheitsgürtel“) versehen, wir dazu aufgefordert, heftig mit Männern zu flirten. Und der Ehemann findet sein Vergnügen dann darin, dass die Frau keine Chance hat, den Geschlechtsverkehr mit dem Lover auszuüben.

Solche Konstellationen eignen sich für Kurzgeschichten, Novellen oder Episodenromane.

Bild: historische Illustration.

Thema: „Begleiteter Seitensprung“ aka „cuckolding“

Begleiteter Seitensprung? Hier wohl eher nicht.
Ob Sie viele Menschen mit dem „Cuckold“ hinter dem Ofen hervorlocken können?

Eigentlich ist der „Cuckold“ ja der „gehörnte Ehemann“ und nichts sonst. Doch in der „Szene“ der Fetisch- und BDSM-Liebhaber denkt man anders: Dort ist der „Cuckold“ der Komplize der sexuellen Untreue, indem er dabei zusehen darf, wie sich die Freundin, Verlobte oder Ehefrau „fremdvögeln“ lässt.

In der Extremszene, die im Internet ihre Heimat fand, werden solche Situationen noch heftiger geschildert. Und in der einschlägigen Pornografie ist der Mann häufig ein „Verlierer“ mit kleinem Penis, der sowohl von der Frau wie auch von ihrem Lover erniedrigt wird.

Ein Traum Vieler, eine Realität Weniger

Im Grunde wird dabei ein Traum geschilderte, den relativ viele Menschen kennen: Wie wäre es wohl, wenn mein Partner (meine Partnerin) sich sexuelle mit einem (einer) anderen vergnügen würde? Genau genommen ist der „begleitende Seitensprung“ nichts mehr als der Wunsch eines Paares nach einer Triole, wobei allerdings ein Partner passiv bleibt.

Sie können ein wenig „gegen die Klischees“ schreiben, indem Sie einen Menschen schildern, der versucht, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Der Weg dahin ist unter „ganz normalen Menschen“ lang und dornig: Sie müssen den zusätzlichen Partner finden, und ihre ständiger Partner muss einverstanden sein.

Der Weg zum Cuckolding

„Einverstanden sein“ ist ein bereits weites Feld, solange es zwei Personen betrifft, jedenfalls im erotischen Roman, und beim „Cuckolding“ ist die Sache noch schwieriger. Die meisten Autorinnen und Autoren arbeiten ohnehin mit der „verführerischen Konfrontation“, die etwa so geht:

- Der Wunsch ist bekannt.
- Einverständnis besteht im Grundsatz, aber nicht im Detail.
- Einer hält die Verwirklichung für unmöglich, sodass er (sie) nicht glaubt, dass es passiert.
- Einer schafft die Gelegenheit, überrascht den anderen mit dem Zeitpunkt, und nun geht es für den anderen um „jetzt oder nie.“

Achten Sie nun darauf, für wen sie schreiben: Beliebt, aber stark abgedroschen sind die Geschichten von dem „Ehemann mit einem winzigen Penis“ und der Ehefrau, die sich einen „Mann wie ein Hengst“ ins Haus geholt hat. Wenn sich Ihre Betrachtung auf den Penis reduziert, wird schnell plakative Pornografie daraus. Wesentlich interessanter sind raffinierte Verführungen des Gastes, während der ständige Partner sich auf das Zusehen beschränken muss.

Das gleiche Schema lässt sich „umdrehen“: Die Ehefrau wünscht sich, ihren Mann einmal mit einer anderen Frau im Bett zu sehen. Sie können ihre Figur dabei durch ganze Galaxien von Trennungsangst, Entwürdigung und Geilheit schicken, und möglicherweise gelingt es ihnen, diese Situation bildhafter zu schildern, als wenn ihre Figur aktiv ist: Der aktive Partner handelt eher, als dass er sich beschreibbaren Gefühlen hingibt.

Beide Themen lassen sich ausweiten: Sie können nahtlos in Dreier übergehen, und sie können sogar gleichgeschlechtliche Aspekte bekommen. Am Ende einer eher traditionellen, heftigen Cuckold-Szene heißt es in einem Roman (1, stark gekürzt):

„Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn ich einen Penis wie du hätte“
„Warum findest du es nicht heraus?“
„Was?“
„Wie sich so etwas anfühlt.“
„Ich kann nicht.“
„Das sagst du. Aber deine Erektion spricht eine andere Sprache.“


Der Unterschied zwischen dieser Szene (sie geht im Original über mehrere Seiten und verwendet eine wesentlich heftigere Sprache) und einer entsprechenden Pornografie ist das zögern der Figur, das schließlich in völliger Hingabe endet. (1)

Wenn Sie eine gemäßigtere Form des „Cuckolding“ bevorzugen, dann schreiben Sie, dass der Ehemann hinter einem Vorhang, einem halbdurchlässigen Spiegel oder (modern) vor einer Überwachungskamera sitzt, während seine Partnerin ihm „Hörner aufsetzt“.

(1) „Domination Inc., Warterlooville, 1999.
Bild: nach einer historischen Illustration (retuschiert)

Themen für Frauenerotik: fließende sexuelle Identitäten

Wer bin ich? was möchte ich sein? Und ist das wirklich schön?
Mehr als jemals zuvor machen sich junge Frauen zwischen 18 und 25, aber auch erstaunlich viele Frauen zwischen 40 und 50, Gedanken über ihre sexuelle Ausrichtung. Der Grund liegt in dem, was man heute „fließende Identitäten“ nennt.

Früher war es so: Eine Frau galt zumeist als „hetero“, weil sie sich so zu fühlen hatte, auch wenn sie sich durchaus zu Frauen hingezogen fühlte. Es war einfach üblich, so zu denken - und die Verwandten und Freunde erwartet genau das von ihr. War sie jedoch „lesbisch“ und stand sie dazu, so sorgte wiederum die Umgebung dieses Umfelds dafür, dass sie sich eindeutig so etikettierte.

Seit Frauen sich überall orientieren können und ihr Lebensentwurf nicht mehr von einem Ernährer oder einem anderen Sponsor bestimmt wird, hat sich alles geändert. Sie können sein, was sie wollen und ihre Lust mit diejenigen ausleben, den sie zufällig treffen. Und dann können sie sich Etiketten anheften oder auch nicht.

Wenn ihr erotisch schreibt, werdet ihr jetzt schon ahnen: Daraus entstehen jede Menge Konflikte und völlig neue andere Ausgangssituation für eure Figuren als bisher. Ob eure Heldin 18 oder 48 Jahre alt ist: Sie kann Verführerin oder Verführte sein, Sie kann sich rühmen, mal Frauen mal Männer zu lieben oder daran verzweifeln. Ihre sexuelle Fluidität kann andere verwirren oder anregen.

Das Thema ist für viele Frauen aktuell, die wissen, wir sehr sie sich zu Frauen hingezogen fühlen, aber sich nicht trauen, dies zuzugeben. Du kannst wirklich etwas draus machen, wenn du dich traust. Findest du selbst andere Frauen attraktiv, hast aber nie gewagt, sie daraufhin anzusprechen? Deine Heldin wird es für dich tun, und du kannst dich ganz in sie hineinversetzen – so wie es deine Leserinnen auch tun werden.

Trau dich einfach, es lohnt sich.