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Der Zwang, sich keusch zu halten - literarisch

Keusch bleiben durch Rüstungen?
„Keuschhaltung“ ist heute als Wort fast ungebräuchlich geworden. Falls Sie dennoch darüber schreiben wollen, betreten Sie eine Nische der erotischen Literatur, aber auch durchaus der „großen Literatur“.

Als „echtes“ Problem - psychologisch herangehen

Die „Keuschhaltung“ beginnt damit, alles Sexuelle als niedrig anzusehen und zu verdammen. Besonders das masturbieren, vor allem aber die „Selbstbefleckung“ der jungen Frauen, wurde als Warnzeichen für sexuelle Verwahrlosung angesehen. Wurde es entdeckt, drohten drastische Strafen – von der Einschüchterung mit dem Höllenfeuer einmal ganz abgesehen.

In diesem Fall lohnt es sich, das Thema psychologisch anzugehen. Die Keuschheit ist bei ihrer Heldin, die so aufwächst, tief im Denksystem verankert. Verliert sie ihre „Jungfräulichkeit“, so empfindet sie dies als „herben, unverzeihlichen Verlust“. Sie kann den Bann, der in die gelegt wurde, selbst oft gar nicht wieder aufheben. Auch durch Heirat kann sie es nicht erreichen, obgleich ihr versprochen wurde, dass die Ehe alle ihre Probleme lösen wird. Manchem Jüngling, insbesondere einem Theologiestudenten, der Priester werden will, wird es ähnlich gehen: Die Blockade sitzt fest, und nur heimlich kann er die von der Natur gegebene Lust ausleben.

Diese Konstellationen eignen sich, um heftige Konflikte zwischen dem inneren Zwang und dem Drängen der Natur darzustellen.

Spielerisch oder sektiererisch? „Erzwungene Keuschheit“

Tipp: Immer spielerisch herangehen – sonst geraten Sie in die Nähe der Extrem-Pornografie.

Ein beliebtes Thema für den „inneren Zwang“, zwar nicht keusch, aber absolut treu zu sein, ist die Möglichkeit, dass sich ihre Figur gegen eine Verführung erwahren muss. In Filmen wurde schon vielfach gezeigt, dass die Keuschheit der Männer durch Lockvögel geprüft werden sollte – aber das funktioniert auch umgekehrt.

Spielerische „Keuschhaltung“ wird dann gefordert, wenn ein Partner (meist die Frau) besonders intensiven Sex auslobt, wenn sich der Partner einige Tage zurückhält. Einige der Spielerinnen verlangen sogar, dass der Mann in dieser Zeit seine Erektionen kontrolliert und auf keinen Fall masturbiert. Im Extremfall kommen dann „männliche Keuschheitsgeschirre“ zum Einsatz.

Umgekehrt wird das Spiel oft unter ähnlichen Bedingungen, aber mit anderen Vorzeichen gespielt. Die Frau, mit einem altertümlich anmutenden Keuschheitsschutz („Keuschheitsgürtel“) versehen, wir dazu aufgefordert, heftig mit Männern zu flirten. Und der Ehemann findet sein Vergnügen dann darin, dass die Frau keine Chance hat, den Geschlechtsverkehr mit dem Lover auszuüben.

Solche Konstellationen eignen sich für Kurzgeschichten, Novellen oder Episodenromane.

Bild: historische Illustration.

Thema: „Begleiteter Seitensprung“ aka „cuckolding“

Begleiteter Seitensprung? Hier wohl eher nicht.
Ob Sie viele Menschen mit dem „Cuckold“ hinter dem Ofen hervorlocken können?

Eigentlich ist der „Cuckold“ ja der „gehörnte Ehemann“ und nichts sonst. Doch in der „Szene“ der Fetisch- und BDSM-Liebhaber denkt man anders: Dort ist der „Cuckold“ der Komplize der sexuellen Untreue, indem er dabei zusehen darf, wie sich die Freundin, Verlobte oder Ehefrau „fremdvögeln“ lässt.

In der Extremszene, die im Internet ihre Heimat fand, werden solche Situationen noch heftiger geschildert. Und in der einschlägigen Pornografie ist der Mann häufig ein „Verlierer“ mit kleinem Penis, der sowohl von der Frau wie auch von ihrem Lover erniedrigt wird.

Ein Traum Vieler, eine Realität Weniger

Im Grunde wird dabei ein Traum geschilderte, den relativ viele Menschen kennen: Wie wäre es wohl, wenn mein Partner (meine Partnerin) sich sexuelle mit einem (einer) anderen vergnügen würde? Genau genommen ist der „begleitende Seitensprung“ nichts mehr als der Wunsch eines Paares nach einer Triole, wobei allerdings ein Partner passiv bleibt.

Sie können ein wenig „gegen die Klischees“ schreiben, indem Sie einen Menschen schildern, der versucht, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Der Weg dahin ist unter „ganz normalen Menschen“ lang und dornig: Sie müssen den zusätzlichen Partner finden, und ihre ständiger Partner muss einverstanden sein.

Der Weg zum Cuckolding

„Einverstanden sein“ ist ein bereits weites Feld, solange es zwei Personen betrifft, jedenfalls im erotischen Roman, und beim „Cuckolding“ ist die Sache noch schwieriger. Die meisten Autorinnen und Autoren arbeiten ohnehin mit der „verführerischen Konfrontation“, die etwa so geht:

- Der Wunsch ist bekannt.
- Einverständnis besteht im Grundsatz, aber nicht im Detail.
- Einer hält die Verwirklichung für unmöglich, sodass er (sie) nicht glaubt, dass es passiert.
- Einer schafft die Gelegenheit, überrascht den anderen mit dem Zeitpunkt, und nun geht es für den anderen um „jetzt oder nie.“

Achten Sie nun darauf, für wen sie schreiben: Beliebt, aber stark abgedroschen sind die Geschichten von dem „Ehemann mit einem winzigen Penis“ und der Ehefrau, die sich einen „Mann wie ein Hengst“ ins Haus geholt hat. Wenn sich Ihre Betrachtung auf den Penis reduziert, wird schnell plakative Pornografie daraus. Wesentlich interessanter sind raffinierte Verführungen des Gastes, während der ständige Partner sich auf das Zusehen beschränken muss.

Das gleiche Schema lässt sich „umdrehen“: Die Ehefrau wünscht sich, ihren Mann einmal mit einer anderen Frau im Bett zu sehen. Sie können ihre Figur dabei durch ganze Galaxien von Trennungsangst, Entwürdigung und Geilheit schicken, und möglicherweise gelingt es ihnen, diese Situation bildhafter zu schildern, als wenn ihre Figur aktiv ist: Der aktive Partner handelt eher, als dass er sich beschreibbaren Gefühlen hingibt.

Beide Themen lassen sich ausweiten: Sie können nahtlos in Dreier übergehen, und sie können sogar gleichgeschlechtliche Aspekte bekommen. Am Ende einer eher traditionellen, heftigen Cuckold-Szene heißt es in einem Roman (1, stark gekürzt):

„Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn ich einen Penis wie du hätte“
„Warum findest du es nicht heraus?“
„Was?“
„Wie sich so etwas anfühlt.“
„Ich kann nicht.“
„Das sagst du. Aber deine Erektion spricht eine andere Sprache.“


Der Unterschied zwischen dieser Szene (sie geht im Original über mehrere Seiten und verwendet eine wesentlich heftigere Sprache) und einer entsprechenden Pornografie ist das zögern der Figur, das schließlich in völliger Hingabe endet. (1)

Wenn Sie eine gemäßigtere Form des „Cuckolding“ bevorzugen, dann schreiben Sie, dass der Ehemann hinter einem Vorhang, einem halbdurchlässigen Spiegel oder (modern) vor einer Überwachungskamera sitzt, während seine Partnerin ihm „Hörner aufsetzt“.

(1) „Domination Inc., Warterlooville, 1999.
Bild: nach einer historischen Illustration (retuschiert)

Themen für Frauenerotik: fließende sexuelle Identitäten

Wer bin ich? was möchte ich sein? Und ist das wirklich schön?
Mehr als jemals zuvor machen sich junge Frauen zwischen 18 und 25, aber auch erstaunlich viele Frauen zwischen 40 und 50, Gedanken über ihre sexuelle Ausrichtung. Der Grund liegt in dem, was man heute „fließende Identitäten“ nennt.

Früher war es so: Eine Frau galt zumeist als „hetero“, weil sie sich so zu fühlen hatte, auch wenn sie sich durchaus zu Frauen hingezogen fühlte. Es war einfach üblich, so zu denken - und die Verwandten und Freunde erwartet genau das von ihr. War sie jedoch „lesbisch“ und stand sie dazu, so sorgte wiederum die Umgebung dieses Umfelds dafür, dass sie sich eindeutig so etikettierte.

Seit Frauen sich überall orientieren können und ihr Lebensentwurf nicht mehr von einem Ernährer oder einem anderen Sponsor bestimmt wird, hat sich alles geändert. Sie können sein, was sie wollen und ihre Lust mit diejenigen ausleben, den sie zufällig treffen. Und dann können sie sich Etiketten anheften oder auch nicht.

Wenn ihr erotisch schreibt, werdet ihr jetzt schon ahnen: Daraus entstehen jede Menge Konflikte und völlig neue andere Ausgangssituation für eure Figuren als bisher. Ob eure Heldin 18 oder 48 Jahre alt ist: Sie kann Verführerin oder Verführte sein, Sie kann sich rühmen, mal Frauen mal Männer zu lieben oder daran verzweifeln. Ihre sexuelle Fluidität kann andere verwirren oder anregen.

Das Thema ist für viele Frauen aktuell, die wissen, wir sehr sie sich zu Frauen hingezogen fühlen, aber sich nicht trauen, dies zuzugeben. Du kannst wirklich etwas draus machen, wenn du dich traust. Findest du selbst andere Frauen attraktiv, hast aber nie gewagt, sie daraufhin anzusprechen? Deine Heldin wird es für dich tun, und du kannst dich ganz in sie hineinversetzen – so wie es deine Leserinnen auch tun werden.

Trau dich einfach, es lohnt sich.

Von der Peitsche zur emotionalen und körperlichen Demütigung

"Warped Women" (eines der Titelbilder) ist ein Cinderella-Groschenroman
Ob es eine Aschenbrödel-Geschichte ist (naive junge Frau kommt nach New York) oder eine Fantasy-Story: Die Autorinnen und Autoren vergangener Jahre haben in ihre erotischen Romane oftmals eine Peitsche eingebaut.

Dabei gerät die Heldin in eine kontroverse mit ihrer Widersacherin, die tatsächlich oder vermeintlich den gleichen Mann begehrt. Erstaunlicherweise ist eine Peitsche zur Hand, und nun kann die Widersacherin versuchen, die Heldin zu demütigen oder zu verletzen.

Natürlich siegen die Guten, und das Aschenbrödel bekommt den heldenhaften Prinzen.

Manchmal wird behauptet, die Peitschenszenen, die oft nur aus wenigen Sätzen in einem einzigen Kapitel bestanden, wären nur eingefügt worden, um für die Groschenhefte einen attraktiven Titel zu geben.

Heute können Autorinnen mehr wagen: Psychische und körperliche Demütigungen als Mittel zum Sieg über die Widersacherin sind heute Realitäten. Bekannt ist, dass manche junge Frauen ihre Mitschülerinnen, Kommilitoninnen oder auch Kolleginnen gezielt mobben, um sie bloßzustellen und selber einen Vorteil dadurch zu erlangen. Sie können nun alle Ihre Mittel einsetzten, um dies ausdrucksstark auf die Spitze zu treiben.

Schildern Sie, wie ihre Heldin trotz der massiven emotionalen oder auch körperlichen Angriffe obsiegt. Und steuern sie nach zahllosen retardierenden Momenten dann auf das Happy End zu. Die geschundene Heldin muss ihren Prinzen bekommen … und was Sie als Vergeltung für die boshafte Widersacherin planen, muss gut überlegt sein. Die Tauben müssen der Widersacherin also nicht die Augen auspicken, wie im Märchen. Lassen Sie sich bitte eine andere Strafe einfallen, denn Märchen sind immer einen Tick zu grausam.

Zitat:

Als die Brautleute nun zur Kirche gingen, war die Älteste zur rechten, die Jüngste zur linken Seite: Da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach, als sie herausgingen, war die Älteste zur linken und die Jüngste zur rechten: Da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.


(Grimm)

Herbst-Erotik

Die gelben und rotgoldenen Blätter fallen. Sie trudeln an deinem Fenster vorbei. Du siehst wie die Bäume nach und nach kahl werden, und du denkt: Warum sollte ich bis zum Frühling warten? Ich will jetzt einen Lover, und ich hole ihn mir von irgendwo her.

Wenn du schon über 40 bist, wirst du dich vielleicht erinnern, dass der goldene Oktober der Liebe in den garstigen November übergehen könnte. Du hast noch ungefähr 10 Jahre Zeit, um einen oder auch viele Lover zu genießen.

Nutze die Zeit. Und wenn du jetzt schreibst, erschaffe eine Figur, die ebenfalls diese Zeit nutzt. Lege sie so an, dass sie zu Anfang zögerlich und schamvoll ist, aber dann durch ein Inferno der Lust trudelt. Lass sie am Ende in den Armen einer Person ankommen. Leserinnen wollen immer irgendwo ankommen. Und DU? Du legst all deine eigenen Hoffnungen und Wünsche in diese Figur, damit sie lebendig wird und deine Leserinnen seufzen.