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Von der Peitsche zur emotionalen und körperlichen Demütigung

"Warped Women" (eines der Titelbilder) ist ein Cinderella-Groschenroman
Ob es eine Aschenbrödel-Geschichte ist (naive junge Frau kommt nach New York) oder eine Fantasy-Story: Die Autorinnen und Autoren vergangener Jahre haben in ihre erotischen Romane oftmals eine Peitsche eingebaut.

Dabei gerät die Heldin in eine kontroverse mit ihrer Widersacherin, die tatsächlich oder vermeintlich den gleichen Mann begehrt. Erstaunlicherweise ist eine Peitsche zur Hand, und nun kann die Widersacherin versuchen, die Heldin zu demütigen oder zu verletzen.

Natürlich siegen die Guten, und das Aschenbrödel bekommt den heldenhaften Prinzen.

Manchmal wird behauptet, die Peitschenszenen, die oft nur aus wenigen Sätzen in einem einzigen Kapitel bestanden, wären nur eingefügt worden, um für die Groschenhefte einen attraktiven Titel zu geben.

Heute können Autorinnen mehr wagen: Psychische und körperliche Demütigungen als Mittel zum Sieg über die Widersacherin sind heute Realitäten. Bekannt ist, dass manche junge Frauen ihre Mitschülerinnen, Kommilitoninnen oder auch Kolleginnen gezielt mobben, um sie bloßzustellen und selber einen Vorteil dadurch zu erlangen. Sie können nun alle Ihre Mittel einsetzten, um dies ausdrucksstark auf die Spitze zu treiben.

Schildern Sie, wie ihre Heldin trotz der massiven emotionalen oder auch körperlichen Angriffe obsiegt. Und steuern sie nach zahllosen retardierenden Momenten dann auf das Happy End zu. Die geschundene Heldin muss ihren Prinzen bekommen … und was Sie als Vergeltung für die boshafte Widersacherin planen, muss gut überlegt sein. Die Tauben müssen der Widersacherin also nicht die Augen auspicken, wie im Märchen. Lassen Sie sich bitte eine andere Strafe einfallen, denn Märchen sind immer einen Tick zu grausam.

Zitat:

Als die Brautleute nun zur Kirche gingen, war die Älteste zur rechten, die Jüngste zur linken Seite: Da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach, als sie herausgingen, war die Älteste zur linken und die Jüngste zur rechten: Da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft.


(Grimm)

Herbst-Erotik

Die gelben und rotgoldenen Blätter fallen. Sie trudeln an deinem Fenster vorbei. Du siehst wie die Bäume nach und nach kahl werden, und du denkt: Warum sollte ich bis zum Frühling warten? Ich will jetzt einen Lover, und ich hole ihn mir von irgendwo her.

Wenn du schon über 40 bist, wirst du dich vielleicht erinnern, dass der goldene Oktober der Liebe in den garstigen November übergehen könnte. Du hast noch ungefähr 10 Jahre Zeit, um einen oder auch viele Lover zu genießen.

Nutze die Zeit. Und wenn du jetzt schreibst, erschaffe eine Figur, die ebenfalls diese Zeit nutzt. Lege sie so an, dass sie zu Anfang zögerlich und schamvoll ist, aber dann durch ein Inferno der Lust trudelt. Lass sie am Ende in den Armen einer Person ankommen. Leserinnen wollen immer irgendwo ankommen. Und DU? Du legst all deine eigenen Hoffnungen und Wünsche in diese Figur, damit sie lebendig wird und deine Leserinnen seufzen.

Über 40: wie Ihre Figur ihr Leben umkehrt

Mit 14 dufte sie keinen Freund haben, mit 24 traute sie sich nicht, ihrem Mann gegenüber sexuelle Wünsche zu äußern, mit 34 hatten die Kinder Priorität, und jetzt ist sie 44.

Sie hat niemals eine frivole Party besucht, an keiner Orgie teilgenommen, sich niemals fesseln lassen, hatte noch keine lesbische Beziehung und nie Fellatio gegeben.

Und jetzt? Jetzt müssten Sie nur noch ein Ereignis finden, das sie veranlasst, ihr Leben umzustülpen. So gründlich, dass sie sich selbst nicht wiedererkennt. Und sie lernt Männer kennen, die deutlich jünger sind …

Wäre das nicht der brillante Einstieg in ein Feuerwerk sinnlicher Erfahrungen und genau das, wonach viele Leserinnen über 40 gieren?

Lebendige Erotik schreiben: der Selbstversuch mit einer Kleinigkeit

Selbst fühlen?
Vielleicht kennst du das ja: Du willst etwas richtig Frivoles schreiben, und dir fehlt die Erfahrung … na ja, dann frage dich doch mal: Wie wäre es denn mit dem Gefühl, richtig hautnah?

Ja, klar. Das funktioniert nicht immer, vor allem nicht, wenn’s wirklich zur Sache geht. Doch dann gibt‘s den kleinen Trick: irgendeinen Nebeneffekt ziemlich plastisch zu schildern.

Nimm mal an, du willst darüber schreiben, wie der Meister seine neue Sklavin in ihre Aufgaben einführt. Er schenkt ihr ein Halsband, das sie nun immer tragen muss. Und er führt sie an der Leine. Siehst du, das kannst du hautnah beschreiben. Kauf dir einfache einmal selbst ein Halsband, ein wirklich schönes, sehr feminines Halsband, damit die Illusion perfekt ist.

Trage es beim Schreiben und probiere aus, wie es sich anfühlt, wenn du eine Leine am O-Ring befestigst und daran ziehst. Du wirst sehen, wie viel Lebendiger deine Heldin wirkt, wenn du genau das beschreibst, was du selbst fühlen kannst.

Der Trick funktioniert so gut wie immer. Du kannst probieren, wie es ist, längere Zeit zu knien oder auf allen Vieren über den guten Orientteppich zu gehen. Und wenn du Lust hast, kannst du ausprobieren, wie der Sekt schmeckt, wenn er auf eine Untertasse gegossen wird und du ihn schlabberst wie eine Katze.

Schau, niemand beobachtet dich dabei. Du verlierst nichts. Und der Rest? Den kannst du aus Versatzstücken zusammenbauen. Siehst du, welche Perspektiven dir diese Methode eröffnet?

Bild: Comicdarstellung, ohne Datum.

Die Innere Verführung – schamlos

Die innere Verführung zu beschreiben, fällt vielen Autorinnen schwer. Hier die schamlose Schilderung einer sinnlichen Leidenschaft, nach einer Internetquelle:

Ein Blick, ein Wort, eine Berührung. Der Schalter macht „Klick“. Das Begehren kommt auf, wandelt sich in Verlangen. Mein Körper, eben noch züchtig auf deinem Sofa verharrend, wandelt sich in einen schamlosen, lüsternen Leib. Meine Zurückhaltung schmilzt, mein Anstand ist längst ausgeflossen. Ich spreize mich auf für dich. Mit jedem sinnlichen Gedanken und jedem Wort der Lust, die über deine Lippen kommen, schreit mein Körper nach Lust und mein sündiges Verlangen lechzt nach Erfüllung.


Hier noch einmal eine andere Version, von Isidora:

Dein Blick ruht auf meinen Augen. Er scheint hinter der Retina anzukommen, und tief in das Gehirn einzudringen. Ich müsste meine Augen verschließen, um zu verhindern, dass du meine Geheimnisse ausliest. Ach, es wird mir nichts nützen. Siehst du die Begierde? Mich macht wahnsinnig, dass du nie auf meinen Körper schaust. Du willst nicht nur meinen Körper, nicht wahr? Du willst alles. Das Fleisch, das Hirn, die Seele. Mein Geist kann mich nicht mehr halten, der Körper entgleitet ihm, entspannt sich wie von selbst, öffnet sich dir, will Säfte fließen lassen. Schweiß an den Händen, dieses Zucken im Unterleib. Ich kann nicht mehr ruhig sitzen, spreize die Beine ein wenig zu weit. Die Seele? Du hast sie mir entrissen, als du mich nur geküsst hattest. Ich bin Körper, nichts als Körper, und ich dürste danach, dass du mich endlich berührst.