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Hannelore und die Zahl Pi nebst Informationen über Penisse

Hannelores Erzählungen
Hannelore und die Zahl Pi nebst Informationen über Penisse - aus der neuen Serie "Hannelores Erzählungen"

Hannelore schien in einer erheblichen Verlegenheit zu sein: „Ich muss sofort wissen, welchen Umfang ein Penis hat …“. Und deshalb ruft sie gegen Mitternacht an? Ich weiß nicht einmal, an welchem neuen E-Book sie schreibt, oder ob sie überhaupt irgend etwas schreibt.

Ich überlegte einen Moment, dann ergriff der Schalk von mir Besitz und ich sagte: „Zwei r Pi“, oder, falls du ‚r‘ nicht ermittel kannst, D mal Pi.“

Hannelore ließ hörbar Dampf ab. Wie ich vermutete, war dies nicht die Antwort, die sie erhofft hatte.

„Ich meine in Zentimeter, und ich will eigentlich wissen, wie dick er werden kann, wenn ….“

„Das ist dann aber der Durchmesser, Frau Studienrätin“, frotzelte ich, doch Hannelore ließ sich nicht beirren: „Also der Durchmesser – aber bitte in Zentimeter und nicht in Inch, und etwas konkreter, wenn ich bitten darf!“

Die Sache mit den Zollmaßen brachte mich auf die Idee, dass es sich bei ihrer „Inspiration“ um ein englischsprachiges Buch handelte. Also sagt ich schnell und genüsslich: „It depends“. Die Rückfrage kam wie aus der Pistole geschossen: „on what?“

Ich kehrte zurück zur deutschen Sprache und hob zu einem Lehrervortrag an: Auf die Anatomie deines Protagonisten, seine Erektionsfähigkeit und auf die Lust, die er auf deine Heldin hat.

Hannelore war sichtlich verärgert: „Jo, du weißt, dass ich das nicht wissen will. Ich meine, wie dick wird so etwas, bevor es … nun … eingeführt wird? Und nimmt es dann an Volumen noch zu oder wie?“

Immer noch lachte der Schalk hinter meinem rechten Ohr, und flüsterte mir ein, sie etwas zu fragen, was nahelag, obgleich es jede Dame als ungehörig auffassen würde: „Die eigene Kenntnis ist der beste Ratgeber, meine Liebe - Wie war es denn bei deinen Lovern?“

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass viele Schriftstellerinnen niemals der eigenen Erfahrung vertrauen, zum einen, weil sie zu wenig Variationen der Lust erlebt haben, zum anderen, weil sie die Übersteigerung lieben. Und drittens ist der Penis selbst bei jenen, die häufiger damit Bekanntschaft recht selten ein Objekt dreidimensionaler Betrachtungen.

Hannelore hätte normalerweise aufgelegt, wenn man sich an ihre eigene Intimsphäre erinnerte, aber sie musste wirklich ein brennendes Interesse an der Frage habe, also sagte sie kurz und knapp: „Aufstehen, Frage beantworten, dann hinsetzen, Johann … und bitte in Zahlen.“

Nun, ich habe solche Daten in meinem Zettelkasten, und trotz der Unordnung fand ich, wonach ich die ganze Zeit parallel zu unsrem Gespräch gesucht hatte.

„Erigiert von ungefähr sechs bis etwa 18 Zentimeter Umfang, entsprechend einem Durchmesser von etwa zwei bis sechs Zentimetern. Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter Fräulein Meinerwerks. Und nun mal konkret: Wozu brauchst du die Angaben?“

Nun ist es so: wenn du zuerst den Durchmesser nennst und die 18 Zentimeter erwähnst, dann denken Frauen immer an die Länge, die sie besser einschätzen können und halten „18 Zentimeter“ für undenkbar. Und auch Hannelore schien erst einmal zu stutzen, um die Dinge dann aber wieder nüchterner zu sehen.

Hannelores Stimme wirkte deutlich entspannter: „Danke Jo, scheint mir realistisch zu sein – und ich brauche es für genau das, was du denkst: es muss passen, verstehst du … nur passen.“

Nun ich dachte mal: „Wo rein soll’s denn passen?“ Aber diese Frage wagte ich nicht mehr zu stellen. Ich denke, man wird dies in ihrem neuen E-Book nachlesen können.

Dies ist ein Teil der Serie "Hannelores Erzählungen". Falls du es nicht bemerkt haben solltest: dies ist eine Serie von Satiren auf E-Book-Fließbandschreiberinnen. Den Vorwurf, die arme Autorin als möglicher Mansplainer unterdrückt zu haben, nehme ich dankend zur Kenntnis.