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Das Sinnlichste am sinnlichen Schreiben

Das Sinnlichste am sinnlichen Schreiben? Es besteht darin, sich ganz in die Figur hineinzudenken. Sie kann fühlen, was du selbst schon gefühlt hast – das ist der Weg „von dir zur Figur“.

Sie kann dich aber auch fühlen lassen, was du noch nie erlebt hast. „Blödsinn“, höre ich euch sagen. Wirklich? Wenn du dich wirklich in deine Figur hineinversetzt, kannst du Lüste empfinden, die du selbst nicht erleben kannst und vermutlich nie erleben wirst.

Nie Analverkehr gehabt? Nein? Wie wird er sich anfühlen? Wie bricht er/sie oder du selbst den Widerstand, den du im Inneren zunächst verspürst? Was geschieht, wenn sich deine Figur vorbereitet, wenn sie sich anspannt oder entspannt? Was tut das Zäpfchen oder Fieberthermometer, was der Finger und was die geschälte Ingwerknolle?

Ja, wie fühlt es sich an? Je länger du überlegst, umso unbrauchbarer wird dein Text. Je unmittelbarer, offener und engagierter du deine Figur handeln lässt, umso dichter und intensiver kannst du darüber schreiben. Und am Ende kann es eben so sein, dass sich deine Figur völlig dem sinnlichen Genuss hingibt, und du ihr folgst.

Bullshit? Ich glaube nicht. Wenn wir schreiben, sind wir aktive und passive Liebhaber zugleich, und wir üben den Geschlechtsakt dabei virtuell mit uns selbst aus. Vielleicht klingt das „Schizoid“. Aber ein Buch ist kein Pornovideo. In einem Pornovideo wird alles gezeigt, aber keiner der Darsteller empfindet etwas. In einer erotischen Geschichte erwarten wird, dass alle etwas empfinden, ohne dass etwas gezeigt wird.

Ich denke, das ist eine enorme Herausforderung.

Etwas über Pegging für Autorinnen

Pegging symbolisch - die Praxis ist wesentlich "kantiger"
Strap-on-Sex (Pegging) ist ein Thema – ohne jeden Zweifel. Schau mal, wie viele nutzbare und nutzlose Strap-on-Geschirre am Markt sind, dann weißt du, dass sie auch gekauft werden. Und wenn du Zugang zu Storys oder Videos hast, die den Verkehr damit schildern, dann erkennst du ebenfalls: Da gibt’s ein Bedürfnis.

Leider taugen die meisten Schmuddel-Storys und so gut wie alle Videos nicht, um eine lustvolle, aber dennoch realistische Geschichte über das Pegging zu schreiben.

Wie fühlt es sich an, jemanden zu "Peggen"?

Wenn du schreibst, solltest du wissen, wie sich „die Dinge“ anfühlen. Nun sind Autorinnen und Autoren nicht immer bereit, „Selbsttests“ durchzuführen. Deswegen verweise ich hier mal auf einen Artikel von Isidora, die versucht hat, herausfinden, wie Frauen sich daran gewöhnen, ein solches „Gerät“ zu tragen. Wenn du eine weibliche Figur erschaffst, die Strap-Ons trägt und nutzt, dann solltest du wissen, wie so etwas angeschnallt wird und wie es sich anfühlt, mit dem Becken kräftig zuzustoßen und dabei noch so etwas wie „Gefühl“ zu entwickeln.

Tu in jedem Fall das, was im Artikel von Isidora steht: Erlaube deiner Figur, das Lust-Geschirr im Alltag zu tragen (zu Hause, beim Lesen oder beim Fernsehen zum Beispiel). Und natürlich im Bett.

Was von hinten kommt, sollte dir nicht peinlich sein

Ich weiß nicht, ob dir’s peinlich ist: Aber mit dem der Strap-On kannst deine Figur Männer (einseitig) und Frauen (beidseitig) beglücken. Die Hauptanwendung ist aber nicht vaginal, sondern anal. Und die begierigsten Empfänger sind Männer, und da muss ich ergänzen: Hetero-Männer. Wie solche Männer ticken und warum ihnen das „Pegging“ so viel Spaß macht, sollte – wenn es denn nötig ist – ein andermal besprochen werden. In jedem Fall ist es für Männer eine Herausforderung, die Mut und Hingabe erfordert.

Der Genuss der Macht

Frauen, die Pegging bewusst (und nicht kommerziell) betreiben, haben uns erzählt, wie sie die Macht genießen, die sie dabei über einen Mann gewinnen. Möglich, dass du deiner Figur diese Macht verleihen kannst. Wenn das so sein sollte, wird deine Story garantiert realistischer.

Partnersuche auf dem dornigen Weg – für Autorinnen

Tränen und Schmerzen - der dornige Weg zur Liebe
Heute will ich euch die Ansicht einer Frau zitieren, die in ihrem Leben Erfolg gehabt hat – und weil sich ihre Weisheiten auch auf die Suche nach einer erfüllten Beziehung anwenden lassen, habe ich sie umgearbeitet:


Es gibt zwei Möglichkeiten, den Erfolg anzustreben. Die eine ist, das endgültige Ziel zu verfolgen. Die zweite ist, einen Prozess zu durchleben und daran zu wachsen. Es ist die Hingabe, die dich wirklich fähig macht, deine Ziele zu erreichen. Sie ist nicht immer leicht, und manchmal wird sie von Schmerzen und Tränen begleitet. Lerne daraus – genieße die Situationen, in denen du dich befindest – und wenn du das nichts schaffst, dann beobachte sie wenigstens wohlwollend. Am Ende winkt dir der Lohn einer erfüllten Beziehung.


Ich finde, das ist eine sehr moderne Auffassung von der Partnersuche: Du kannst sie mit jeder Faser deines Körpers und mit jedem Impuls deiner Gefühle beschreiben und dabei zeigen, wie deine Figur lernt, zu leiden und zu lüsten. Solange, bis sie sich absolut sicher fühlt, nun aus vollem Herzen und ohne Scham zu leben und zu lieben.

Was meinst du?

Seile und Knoten – körperlich gebunden sein

Fesselung aus Japan auf "brav"
Sich an jemanden zu binden ist nicht ungewöhnlich, zumal, wenn man ihn (sie) zu heiraten beabsichtigt. Sich binden lassen, zumal mit Seilen („preiswert beim Seiler zu erwerben“) ist schon etwas gewagter. Und was macht man dann mit der verseilten Dame? Man fotografiert sie. Angeblich sind die Japaner absolute Fans davon, und auch in Deutschland frönt man der Knotenkunst. Ich lernte, dass man dazu shibaru (縛る) sagt.

Knoten, Voyeurismus und Mütterchen-Pornografie

Außerhalb der voyeuristisch dargebotenen verknoteten Frauenkörper sagt man diesen und anderen Methoden auch nach, sie seien erotisch. Einerseits, weil sich die verknoteten Frauen wie die Fische im Trockenen auf dem Boden wälzen. Auf der anderen Seite aber auch, weil sie wirklich sinnlich sein können. Dazu reicht es aber nicht, wenn auf der anderen Seite des Bildschirms ein Mann (manchmal auch eine Frau) sitzt, der/die sich daran ergötzt.

Die Leser von „Shades of Grey“ wissen, dass man Aua-Spiele und Seil-Spiele miteinander verbinden kann. Nur zu blöd, dass die Sache mit den Seilen ziemlich lange dauert und ausgesprochen gefährlich ist: Unsachgemäß geknotet können sie zu schweren gesundheitlichen Risiken werden.

Seile und Knoten sind nur optische chic

Titelbild eines Groschenromans
Es gibt natürlich Fesselungen, die bequemer sind, und wer es mag sich ebenso lustvoll wie vertrauensvoll ind die Hände einer Dame oder eines Herrn zu begeben, wird wissen, welchen zusätzlichen „Kick“ dergleichen bieten kann. Und Fesslungen sollten bequem sein, denn es geht ja nicht darum, den anderen (oder die andere) zu quälen, sondern sein/ihr Bewusstsein für die Situation zu schärfen. Falls man sie (ihn) dennoch quälen will, sollte sie (er) wenigstens vorher die Qual der Wahl haben.

Das Problem der Nackten und Gefesselten im Internet

Räusper. Niemand weiß wohl, woher die massenhaft veröffentlichten, unsäglichen Bilder ausgesprochen der Damen im Internet kommen, seien sie nun nackt, angezogen, gezüchtigt, ungezüchtigt, verseilt oder entknotet. Und was die Damen (und vereinzelte Herren) betrifft: Hat man ihnen gesagt, dass sie demnächst in Foren, auf Schmuddelseiten oder ganz normal auf „Fotoportalen“ landen werden? Mit nacktem Gesicht, von anderen Körperteilen mal ganz abgesehen? Und warum lassen sie sich, gebunden oder ungebunden, mit Bildern der Großeltern im Hintergrund und Kinderspielzeug auf dem Boden, fotografieren?

Literarisch geben Fesselungen nach wie vor etwas her

Literarisch, filmisch und so … ja, da reichten die Bilder von kunstvoll gefesselten, teils mitleiderregend zugerichteten, teils sinnlich geschminkten Damen von der Leinwand bis auf den Fernsehschirm. Eine Zeit war es Mode, dass der Held (männlich) eine Sklavin (weiß, weiblich) aus den Händen der Eingeborenen, Beduinen oder Paschas befreien musste. Da konnte man das Leid und die Geilheit in einen Topf werfen. Inzwischen werden die Damen in Kriminalfilmen immer noch gerne verschleppt und irgendwo gefangen gehalten, nur sieht das Ganze nicht mehr so lüstern aus wie früher. Im Krimi quält man dezenter als im Abenteurerfilm.

In der Literatur wird wenig über Männer berichtet, die hübsch gefesselt zur Schau gestellt werden, obgleich es durchaus ein Leser(innen)-Interesse an hübschen, nackten und verfügbaren Männerkörpern gibt. Vermutlich speist sich das Interesse der Leserinnen aus der Vorstellung, die Männer nun beliebig berühren zu können – sei es mit den Fingerspitzen oder den Lippen, einem Federbusch oder einer Peitsche.

Lohnt es sich, die Fesselungen zu beschreiben?

Ob es sich lohnt, über „Bondage“ zu schreiben? Eigentlich kaum. Eher schon über das Gefühl, ein paar Minuten, vielleicht eine halbe Stunde, in völliger Abhängigkeit zu verbringen. Alles, was darüber hinausgeht, überfordert das Vorstellungsvermögen des „normalen Perversen“. Und erst recht das der Hausfrauen, die sich an erotischer Literatur ergötzen.

Ein bisschen sinnliche Furcht gehört zur erotischen Literatur – aber zu viel ist eher abturnend. Und wie war das mit Seilen und Knoten? Also, falls du darüber schreiben willst: Versuch es mal mit Lederfesseln und Karabinerhaken.

Bildherkunft: Unbekannt, Japanerin aus einer Serie, vermutlich gegen 1980, Groschenheft-Titel aus Frankreich, bearbeitet. Mann: Aus einer Zeichnung von Jim Black, dessen wahre Identität unbekannt ist.

Körperstrafen, Schmerzlust, Autoren und Literatur

Einen Satz will ich vorausschicken: Ihr müsst nicht unbedingt körperliche Strafen in eure erotischen Romane einbauen, nur weil sie auch in der „neuen Mütterchenpornografie“ vorkommen. Und das Zweite, was mir am Herzen liegt, ist dies: Eine Körperstrafe besteht nicht darin, dass der trügerische Kasper der lieblichen Prinzessin aufs Gesäß haut und sie „Aua“ schreit.

Ganz generell ist die Rede von vielen unterschiedlichen Szenarien, wenn wir von „Körperstrafen“ sprechen:

1. Die Selbstkasteiung zur Reinigung der Seele ohne eigentliche Befreiung (meist durchaus in religiösem Zusammenhang).
2. Die Strafe als Buße und Aussöhnung, die von der Schuld befreit, wenn sie in echter Reue endet.
3. Die Läuterung als erwünschte Folge der Strafe (in Tränen ausbrechen und sich von jeder Schuld befreit fühlen).
4. Die ritualisierte Strafe, zum Beispiel in Internaten oder zwischen Paaren.
5. Der Gedanke, durch die Strafe unterworfen zu werden und das Glücksgefühl, das dabei entsteht.
6. Der Wunsch nach Strafe, um davon sexuell erregt zu werden.
7. Das Gefühl, bei heftigen Schlägen einen einen Rausch zu durchleben. („Schweben“)
8. Der Empfang einer Strafe als Mutprobe oder Beweis der Härte.
9. Unpersönliche Strafen, die nicht durch Schläge erzeugt werden, sondern den Körper anderweitig Schmerzen zufügen (Foltergeräte, chemische Substanzen, Elektrizität).
10. Die Bestrafung aus Zorn oder in Rage, die der Bestrafte als ungerecht empfindet.

Zumeist werden Rituale beschrieben

Die Strafen, die als „erotisch“ in die Literatur eingegangen sind, beruhen zumeist auf Ritualen, was kaum verwundert, denn sie beruhen auf Erlebnissen, die in irgendwelchen „Einrichtungen“ vollzogen wurden. Beispielsweise „im großen Haus“ am Dienstpersonal, in Schulen, dabei besonders in Internaten, in Erziehungsanstalten, Klöstern, Flagellationsbordellen, Zuchthäusern und dergleichen. Die Erotik ist oft sehr einseitig: Die Autoren haben schon eine Art „Publikum“ vorbereitet, das sich an mehr oder weniger freigelegten Gesäßen ergötzt. Die Leserin wird nun einbezogen: Sie wird Teilnehmerin an der Entkleidung, der Bewunderung der lustvoll dargebotenen Gesäße vor der Prozedur der Züchtigung. Dann folgt der Vollzug einzelner Hiebe, die möglichst plastisch beschrieben werden, sodass die Leserin sie gedanklich nachvollziehen kann, wenn sie entsprechend lüstern ist. Am Ende vermittelt der Autor dann oft das Gesamtbild eines geröteten, verstriemten oder übel verbläuten Hinterns oder Rückens, das mehrdeutige Informationen auslösen kann.

Das Konzept der Körperstrafe, nämlich jemandem, der bewusst gegen Gesetz oder Regeln verstoßen hat, durch Erniedrigung und Schmerz zur Einsicht zu kommen und den Verstoß au keinen Fall zu wiederholen, wird im erotischen Roman verworfen. Er wendet sich an Voyeurinnen und Voyeure, die am Ritual interessiert sind und teils optisch, teils akustisch, größtenteils aber wohl imaginär am Geschehen teilhaben, wollen.

Vielfältige Literaturbeispiele

Vorstellungen aus alten Büchern sind selten Realität
Niklaus Largier, Autor von „Lob der Peitsche“ (2001 erschienen) widmet der Literatur mehrere Seiten (1), doch will ich darauf hinwiesen, dass es nicht nur die Literatur war, die eine Rolle spielte. Auch Sensationsberichte aus dem 19. Jahrhundert und angebliche „realistische“ Schilderungen aus der Viktorianischen Zeit wurden oft verwendet, um den Leserinnen die „Freuden der Rute“ sinnlich nahezubringen. Ein Beispiel ist die zwar weitgehend authentische, aber aus fragwürdigen Dokumenten bestehende Sammlung von Henry Spencer Ashbee.

Um euch einen Eindruck zu verschaffen, wie eine rituelle körperliche Züchtigung um die 1900ter Jahrhundertwende ausgeschmückt wurde, haben wir hier eine von einem von einem Briefwechsel inspirierte Version in die heutige Sprache übersetzt: (2)

Es war stets erregend, die feierliche Zeremonie einer Züchtigung zu erleben. Dabei war es üblich, die zu Strafende ein einem sittsam wirkenden Kleid hineinzuführen, das von der Vorderseite hochgeschlossen und züchtig aussah. Doch von hinten ließen sich diese Kleider leicht öffnen, sodass es sehr einfach war, das Opfer unzüchtig zu entblößen. Als nun die Zeit gekommen war, wurde die Delinquentin vor das Pult geführt und sie musste sich auf eine kleine Kiste stellen. Noch verdeckte das lange Kleid ihre Blößen, doch nun tauchten zwei der jüngeren Bediensteten auf, die ihre Hände ergriffen. Nachdem die Züchtigung angekündigt und das Strafmaß verlesen wurde, erhielten sie die Anweisung, die zu Strafende über das Pult nach vorne zu ziehen, und sobald sie sich vorbeugte, teilte sich der Rockteil ihres Kleides und entblößte ihr Gesäß und die Beine in ihrer vollen Nacktheit.


Historisch ist dieser Text völlig absurd, denn die Schülerinnen wurden in den viktorianischen Schulen nicht auf diese Weise bestraft – und schon gar nicht mit einem nackten, dem Auditorium zugewandten Gesäß. Es zeigt aber, wie wichtig den Autoren die Rituale waren, unter denen die Züchtigungen durchgeführt wurden.

Soweit die Rituale. In den meisten Paarbeziehungen, die sich auf das sinnliche Bestrafen und die spielerische körperliche Züchtigung eingestellt haben, werden solche Rituale praktiziert. Der Grund dafür ist einleuchtend: Das Ritual trennt die Realität vom Spiel.

(1) Zum Beispiel bei de Sade, Sacher-Masoch, Algernon Charles Swinburne, James Joyce,
(2) Nach zwei englischen Vorlagen, die einander sehr ähnlich sind - umgeschrieben von Isidora.