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Schreiben ist eher Leidenschaft als Technik

Schreiben heißt nicht, Wörter zu Sätzen zusammenzufügen. Es heißt nicht einmal, dies besonders gut zu können. Schreiben ist eine Leidenschaft. Sie erfordert von dir, dass du deine Gefühle kennst, und dass du sie gegebenenfalls überwindest. Wenn die Gedanken nicht in dir brennen, wenn du nicht der Überzeugung bist, dass sie heraus müssen und in die Welt sollen – dann lass es doch lieber. Kürzlich las ich einige Sätze, die ich euch nicht vorbehalten will. Sie sind ein Stakkato der Leidenschaft … und sie stammen von einem erfolgreichen Autor:


Es gibt keine magische Formel, um anzufangen. Es verlangt von dir lediglich, dass du intensiv am Leben teilnimmst, dass du aufmerksam verfolgst, was dich interessiert und dass du dem Jagdfieber folgst, das diese Interessen hervorrufen. Und weiter, dass du dich niemals fürchtest, darin tief einzudringen oder dich noch weiter in sie hineinzusteigern, vielleicht bis in die Tiefen des Kaninchenlochs (1), wenn du glaubst, dass es nötig ist.


Der Autor und Journalist Dan Savage (frei übersetzt) nach einer Aussage aus seinem Buch „Every Tool's a Hammer: Life Is What You Make It“

(1) Nach dem Vorbild von „Alice im Wunderland“, die ins Kaninchenloch abtaucht, um wundersame Wandel und kühne Wahrheiten zu erfahren.

Erotische Literatur: Den Reaktionen des Körpers folgen

Der Leser hat kein Bild wie dieses - du musst beschreiben, wie die Haut unter der Berührung erschauert
Im Lehrbuch für angehende Schriftsteller würde wahrscheinlich stehen:

Du kannst zustandsorientiert, eigenschaftsorientiert, ergebnisorientiert, personenorientiert, dialogorientiert oder handlungsorientiert schreiben.


Was uns das sagt? Zunächst einmal zeugt es davon, dass sich jemand große Mühe gemacht, alle Möglichkeiten aufzuzählen, ohne uns etwas Genaues darüber mitzuteilen. Manche Schreib-Lehrer ziehen zwei Möglichkeiten heraus: handlungsorientiert und personenorientiert. Einige von ihnen behaupten, dass alle guten handlungsorientierten Geschichten zwangsläufig auch personenorientiert sein müssten, weil es ja die Personen sind, die für die Handlungen verantwortlich sind. Und sie sagen auf der anderen Seite: Die personenorientierte Geschichte benötige letztlich eine spanende Handlung, und dies bedeute, dass sie ebenfalls handlungsorientiert seien.

Das Bekannteste wird herausgegriffen, um es zu lehren

Dahinter steht eine sehr simple Tatsache: Von Kindesbeinen an hat man uns gelehrt, wir sollten handlungsorientiert Schreiben – und wir sind dabei geblieben. Also ist es auch für Schreib-Trainer am einfachsten, zu sagen: Schreibt doch bitte handlungsorientiert, also schreibt darüber, was Personen „machen“.

Dialoge, Gefühle, Körperreaktionen

Besser wäre, wir würden Dialog- Gefühls- oder Körperorientiert schreiben lernen. Wenn wir die Erotik-Geshichten von Afroamerikanern lesen, finden wir viel mehr Dialoge, Wünsche und Gefühle, die in Sprache umgesetzt werden konnten. Gefühle lassen sich wesentlich tiefer, detaillierte und auch kompromissloser beschreiben. Und der Körper? Bereits der bekleidete Körper spricht zu uns und zu anderen. Männer versuchen sich so hinzusetzen, dass man ihre Erektion nicht sieht (oder sie möglichst deutlich sieht, je nach Situation), Frauen versuchen, die Beine geschlossen zu halten und streben oft zugleich danach, sie aufzuspreizen. Dabei müsste man gar nicht bei den Genitalien anfangen: Die Gesichtszüge, Augen, Mund und Brustspitzen sprechen Bände.

Der nackte Körper ist ein offenes Buch – bei Männern ohnehin, weil ihre Wollust stets hervorsticht. Bei Frauen muss der Mann etwas genauer „hinlesen“, und vielleicht muss sie ihm etwas mehr „Einblick“ gewähren, um ihm den Grad der Erregung zu signalisieren.


Wenn es nur darum geht, die Reaktion des Partners in seiner Nacktheit zu ergründen, ist vielleicht dieses Zitat hilfreich:

Unter deiner Kleidung liegt eine verborgene, endlose Geschichte. Dort befinden sich deine Geheimnisse, und ich werde sie erforschen.

Den Körper erforschen und seine Reaktionen beschreiben

Ob du die Reaktionen „seines“ oder „ihres“ Körper lustvoll erforscht, spielt kaum eine Rolle. Es ist ein Spiel mit der Frage „Was passiert, wenn?“ Wann lacht, wann lechzt, wann leidet die Person? Wann zittert sie vor Lust, wann schreit sie auf vor Schmerz?

Natürlich müsstest du „im richtigen Leben“ dazu eine Vereinbarung treffen, was du versuchen darfst und was nicht. Deine Figuren können dennoch immer etwas Gewagteres tun als die Menschen in der Realität. Deine Leserinnen und Leser dürfen aber nicht dadurch befremdet werden, sonder das, was die Figuren tun, muss sie erregen.

Manche Frauen und Männer wollen nur ihr Wohlbefinden steigern, wenn sie nackt „behandelt“ werden, andere wollen durch Berührungen zu Orgasmen und Ejakulationen kommen, und wieder andere wollen lachen, schreien oder weinen.

In jedem Fall aber ist es eine Möglichkeit, die Lustmöglichkeiten und Lustgrenzen plastisch zu beschreiben.

Und DU? Schreibst du schon darüber? Dann sag es uns. Und - wir bedauern, keine Beispiele der "intimen Art" veröffentlichen zu können.

Ein guter Anfang … einmal ganz anders …

Goldene Regel beim ersten Date ...
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Verabredungen. Wenn du ein Date beschreibst, egal, mit welchem Ziel, dann ist der wichtigste Augenblick die Begegnung. Im ersten Fall, den ich euch hier schildere, trifft sich ein lesbisches Pärchen, um sich zu trennen. Auch der weitere Verlauf ist interessant, aber nicht „jugendfrei“, und deshalb soll es uns beim ersten Beispiel nur um eins gehen: um die kurzen Momente, die wir wahrnehmen, bevor ein Wort gesprochen wird. Sodann werde ich euch einen zweiten Fall schildern, der heute jedem Mann passieren kann. Das Motto: „Komm mit und lass dich überraschen, was ich dir alles bieten kann.“

Der erste Fall wurde einem Vorbild nachempfunden

Ich konnte Hyazinths Erscheinung beobachten, als sie die Bar betrat, und ich ahnte bereits, wie unsere Begegnung ablaufen würde. Ihre Körpersprache drücke es aus – unser Gespräch würde schwierig werden. Ich schloss das Buch, in dem ich während des Wartens gelesen hatte, und legte es auf meinen Schoß. Die Haare ihres kurzen, grau gefärbten Schopfs fielen ihr fast in die Augen. Diese Augen sahen sich kurz um, um sich dann auf mich zu richten. Sie kamen auf mich zu und setzen sich abrupt hin, sahen mich an, um sich dann zu senken, wie jemand, der etwas Böses getan hat. Obgleich ich ahnen konnte, was geschehen würde, schlug mein Herz wie wild, so erregt war ich. Oder ich war woanders erregt. Oder vielleicht war mir auch nicht klar, wo sich mein Herz gerade befand.


Als ich dies (1) las, fiel mir ein, dass ein Date nicht immer aus dem gegenseitigen Belauern der sorgfältig frisierten Wahrheiten und dem Einstreuen lustvoller Lügen bestehen muss. Ich vermute, Geschichten über Dates sind deshalb oft so langweilig, weil die Lust, die Begierde oder schlicht die Geilheit geleugnet, ausgeklammert oder verschoben wird. Aus diesem Grund ein zweites Beispiel, in dem sich recht bald eine Wendung andeutet.

Der zweite Fall stammt aus der Praxis des „Datings“

Ich sah auf den roten Samtvorhang, durch den sich jeder kämpfen musste, der die Bar betreten wollte. Meist teilten die Männer den Vorhang mit beiden Händen, gingen durch den schmalen Spalt hindurch, indem sie mit ihrer Masse den Stoff zur Seite drängten, ohne ihn weiter zu beachten. Die meisten musterten mit einem kurzen Blick die Bar, um sich einen Überblick zu verschaffen. Manche hatten hier ein Date, wie ich – andere suchten hier nach schnellen Begegnungen.

Die Frauen traten anders ein: zögerlich, den Vorhang mit den Händen teilend. Die meisten blieben einen Moment stehen, um etwas Bewunderung einzuheimsen – es schadete nie, denn wann immer eine Frau eintrat, richteten sich alle Augen auf sie. Eine kleine, zarte, unbehandschuhte Hand erschien im Spalt zwischen den Teilen des Samtvorhangs, und wenig später trat ein selbstsicheres, sinnliches, neugieriges Gesicht hervor. Da wir kein Zeichen vereinbart hatten, wusste ich nicht, ob es die Frau war, auf die ich wartete – also beobachtete ich, wie sie zur Garderobe ging, den Wintermantel abstreifte und sich sodann umdrehte. Ihr weißer, sinnlicher Hals endete in einem schmalen, aber erregenden Dekolleté, das einen Eindruck von der Schönheit ihrer Brüste vermittelte, ob man dies nun wirklich wissen wollte oder nicht. Sie trat auf mich zu, fragte, ob ich Géza hieße, und nannte ihren eigenen Namen. Dann setzte sie sich, wie es eine Dame tut: graziös und feminin zugleich, wobei sie auffällig, aber nicht aufdringlich ihren Körper betonte.

Bei allen Verabredungen ist es üblich, etwas Small Talk zu machen, bevor man sich auf etwas festlegt. Ein Freund vom örtlichen Sender sagte einmal: Erst vom Wetter reden, dann vom Verkehr. Also begannen wir mit dem Wetter, streiften kurz das Umfeld und standen nun vor der Wahl, unser Leben voreinander auszubreiten oder aber unsere Bedürfnisse. Mein „Date“ fragt aber nach einer überraschend kurzen Zeit: „Was hast du mit mir vor?“ Ich antwortete gentlemanlike: „Das hängt in erheblichem Maße davon ab, was du akzeptieren würdest.“ Sie lachte leise, wie es Damen tun, wenn sie mehr verstandene haben, als gesagt wurde. Ich hatte mit weiterem Geplänkel gerechnet, aber sie sah nur kurz auf, versuchte, mein Gesicht auszulesen und sagte schließlich: „Dann finde es heraus … ich mag Männer, die ohne Joker spielen.“

Ohne Joker? Plötzlich begriff ich, dass ich gerade alles in ihre Hand gelegt hatte. Wer es jemals tat, weiß, dass es für einen Mann kein zurück mehr gibt. Du bist an dein Wort gefesselt, und du musst den Mut haben, alles nach dem Willen der Frau zum Ende zu bringen.


Diese Geschichte lässt sich ganz beliebig dramatisieren … was wird aus unserem Helden? Landet er auf einer Party, soll er an einer Orgie teilnehmen oder an einem Dreier? Führt sie ihn in ein Hotel oder in ihre Wohnung? Und vor allem: Was schenkt sie ihm, und was muss er dafür abgeben?

Um euch etwas aus der Praxis zu verraten: So etwas passiert wirklich – und es kann sich in jede beliebige Richtung entwickeln.

(1) wegen der drauf folgenden, anstößigen Inhalte können wir auf die Quelle nicht verlinken.

Die Geschichte des Erzählens als Grundlage für deine Erzählung

Die Geschichte des Erzählens ist älter als das, was die Literatur darüber hergibt, und es ist gut, uns daran zu erinnern. Ob es nun die Sammler oder die Jäger waren, die abends am Feuer saßen und ihre Erfahrungen und andere Erlebnisse austauschten, oder die Fremden, die meist etwas aufgebauschte Geschichten ihrer Reisen vortrugen – Geschichten folgen immer den gleichen Zielen. Sie sollen uns bereichern, unterhalten und dann und wann auch belehren. Sie können von Grund auf wahr sein, ein Gemenge aus Realitäten und Fantasien sein oder das reine „Seemannsgarn“, das uns ferne Welten vorgaukelt, in denen alles so anders ist, dass wir es kaum glauben wollen.

Faszination ist nötig

Eine gute Erzählung muss faszinieren, weil uns im anderen Fall niemand zuhören würde. Sie muss Neues und Erstaunliches enthalten, und wenn nicht dies, dann wenigsten etwas, das unsere Gefühle in irgendeiner Weise anstößt. Manchmal berühren und Geschichten so sehr, dass wir in ihnen etwas finden, das wir „mitnehmen“ können.

Erzählen heißt nicht „große Romane schreiben“

Ich sage euch all dies, wie ich die Erläuterungen zu „Was ist eine Geschichte?“ oftmals für zu abgehoben halte. Sicher ist es absolut richtig, dass wir Bücher darüber schreiben könnten: wie unsere Figur ihre Identität sucht, beispielsweise. Wie sie einen Teil davon zu finden glaubt, dann aber wieder daran zweifelt. Wie Gefühle auf Ereignisse treffen und Wendepunkte markieren. „Große Romane“ eben über das Erwachsenwerden oder das Menschsein.

Eine Nummer kleiner gefällig? Dann sind wir bei Erzählungen, die auf Erlebnissen beruhen. Ja nachdem, wie intensiv uns der Erzähler an unsere Gefühle heranführen will, kann er uns die Fakten, die Gefühle und Gedanken oder eine Mischung aus beiden präsentieren. Nun sind wir näher dran an Episoden, Kurzgeschichten und Novellen.

Warum wir auf Begierden hören müssen

Niemand, der eine interessante Geschichte schreiben will, kommt ohne mindestens eine der menschlichen Begierden aus: Neben der Wissbegierde ist es die eher allgemeine Neugierde oder eben auch die sexuelle Begierde, die im Hintergrund lauert. All dies hat viele Namen, die typischerweise mit Grundbedürfnissen verknüpft sind: der Wissensdurst, der Sensationshunger, die Abenteuerlust. Wir können auch sagen: Unsere Figur muss einen Beweggrund haben, um vom „allgemeinen“ oder „gewöhnlichen“ Weg abzuweichen – denn der interessiert niemanden wirklich. Statt Beweggrund sagt man auch „Motiv“.

Ein kleiner Ausflug in die Welt der Konflikte

Steht in den Geschichten, die wir aus dem Leben entnehmen und die wir in die Fantasie transportieren, wirklich so oft ein „Wertkonflikt“? Sicher ist, dass wir kaum ohne Konflikte auskommen, wenn wir spannende oder erregende Geschichten schreiben wollen. Doch sind es selten die reinen „Werte“, die in unserer inneren und äußeren Welt aufeinanderstoßen. Zumeist befinden wir uns im Konflikt um den Weg, den wir gehen wollen. Auf der einen Seite finden wir den bequemen, sicheren Weg, dessen Ziel wir kennen und dessen Bedingungen bekannt sind. Auf der anderen Seite zeigt uns unser unruhiger Geist, unsere wuselige Psyche oder unser begieriger Körper Fluchten, Auswege und Alternativen. Es lohnt sich, sie zu beschreiben und anderen über Erfolg und Misserfolg zu berichten und dabei auch die (innerlich und äußerlich) durchgestandenen Konflikte ausführlich zu schildern.

Zu Konflikten wäre noch viel zu sagen. In einem erregenden Roman erwarten wir den Konflikt, zwischen der Person „A“ und „B“ zu wählen, also beispielsweise zwischen der soliden und zuverlässigen Gretel oder der flatterhaften, sinnlichen Lola. Oder wir sollen uns für eine Alternative des zukünftigen Lebens entscheiden: In der Provinz verhocken oder in die weite Welt ziehen. Bei all diesen Entscheidungen fällt auf, dass sie nur das Eine oder das Andere zulassen. Der dritte, möglicherweise interessantere Weg wird selten versucht: „Ich werde weder das Eine noch das Andere wählen, weil ich diese Wahl nicht annehme.“

Warum wir das Erzählen vertiefen müssen

Wenn wir eine erregende Geschichte erzählen wollen, sollten wir nicht zu viele „Ereignisse“ aneinanderreihen, schon gar nicht, wenn sie einander sehr ähnlich sind und alles ohnehin vorhersehbar ist. Und wenn wir die Leser(innen) in ihrem Kern treffen wollen, dann sollten wir versuchen, uns in ihre Psyche zu verbeißen.

Was hat das alles mit Liebe und Erotik zu tun?

Übrigens gilt all dies nicht nur für Liebesgeschichten und erotische Romane. Aber eben auch für sie. Ich habe in den letzten Monaten sehr viele erotische Geschichten nachverfolgt und kann euch sagen: Zumeist bieten sie keine wirklichen Überraschungen, kaum „innere Konflikte“, selbst bei den heftigsten Absonderlichkeiten nicht. Und sie enthalten fast keine tiefgründigen Schilderungen der Emotionen, die im Lauf der lustvollen Frivolitäten entstehen.

Es in Es – Autoren und das Versenken des Harten ins Weiche

Bei Lichte betrachtet ...
Wenn deine männliche Figur „Es in Es“ versenkt, dann denkt und fühlt er anders, als wenn sie „Es“ in „Es“ spürt. Da wir üblicherweise eine Person in den Vordergrund stellen, können wir in den meisten Fällen auch nur die Gefühle einer Person eindringen.

Vielleicht erinnert ihr euch ja an die Nominierten im diesjährigen „Bad Sex Award“. Einer beschrieb die Vagina als „Quetschkomode“ aka „Konzertina“.

Nun gut – schon im Lied „Angelina“ wird auf die Parallele zwischen der Konzertina und der Liebeslust hingewiesen:

Angelina, Angelina, please bring down your concertina
And play a welcome for me 'cause I'll be coming home from sea.


Oder: Wie nennst du das, was passiert?

Falls ihr die Textstelle vergessen habt, die „prämiert“ wurde:

Ihre vaginale Schnarre bewegte sich wie die Wellen einer Konzertina und schluckte langsam mein Organ wie eine Boa Constrictor ihre Beute verschlingt.


Na schön. Oder auch nicht. In einem anderen nominierten Roman heißt es:

Ich schob meinen erigierten Penis hinein. Oder, aus einer anderen Sicht, verschluckte eben jener Teil von ihr meinen Penis, der dabei in etwas eintauchte, was sie wie warme Butter anfühlte.


Geht es auch anders? Ja, wenn wir ehrlicher sind

Zwei Mal „Es in Es“ – zwei Mal eine völlig andere Sichtweise, ein anderes Gefühl, eine andere Anatomie.

Und irgendwie wird nun jedem bewusst, der noch ein Hirn hat: Das ist beides nicht alles gewesen, wobei eine Vagina als Konzertina letztendlich etwas plastischer an die Leserschaft kommt als der in Butter getauchte Penis. Und nun werden Sie seufzen und sagen: Na ja, das war ja im Original alles in englischer Sprache …

Ach ja. Aber im Deutschen tapsen wir ebenso in die üblichen Fallen – und nicht nur in der „großen“ Literatur. Wir vergessen, wie sehr die Personen von der Natur getrieben werden, wir berücksichtigen weder ihre animalische Wollust noch ihre kindlichen Verletzungsängste, wenn es um „das Eine“ geht. Wir unterstellen, dass der Penis sofort bocksteif ist und die Vagina fühlbar Flüssigkeit absondert. Wir nehmen an, dass beide Orgasmen haben, womöglich noch zugleich – und ebenso, dass sich beide in ähnlicher Weise wohlfühlen. Und – vor allem – vergessen wir, dass der Moment, indem „Es in Es“ geht, nur ein winzig kleiner Teil des Prozesses ist, der vorausgeht und der noch folgen wird.

Wie das "Es" im "Es" plastischer wird

Oh nein – erwartet bitte nicht, dass ich euch die Worte in den Mund lege. Der Weg von „sachlich Beschreibend“ bis zur „unwiderstehlichen Masturbationsvorlage“ ist ebenso vielschichtig wie der andere Weg. Und der führt von den nüchternen Tatsachen der „Vereinigung“ zur blumig-verkitschten Beschreibung des Geschlechtsakts wie im Märchen.

Ein bisschen Hilfe will ich dennoch geben: Wer einen Penis versenkt oder empfängt, der fühlt etwas – und das kann wirklich und wahrhaftig alles sein, von Neugierde bis zu Geilheit, von Genuss bis zum Ekel. Sie oder er kann entweder vorher sehen, was da ineinander gerät oder auch nicht. Wenn du das Licht über deinen Figuren löscht, ist es anders, als wenn es dämmrig leuchtet, sodass "sie" den Penis sieht, bevor er eindringt und er schon mal die sich öffnende Vulva sehen kann. Und das Harte kommt nicht immer problemlos ins Weiche. Das kannst du beschreiben – wo’s stockt und warum und wie sich Heldin oder Held dabei fühlen.

Beispiel Erotik-Produkte - die Vulva sehen, die Vagina spüren

Na also. Erotik-Anbieter sagen uns, sie würden Masturbatoren mit ähnlichen Vulven anbieten wie die Lieblings-Darstellerin, die dergleichen geöffnet zur Schau stellt. Und nicht nur das: Unterschiedliche Gerätschaften solcher Art imitieren differenziert strukturierte Vulven.

Sind wir schon wieder bei der Konzertina? Nein, sicher nicht. Aber wenn sich Männer für das Aussehen und die Struktur von Masturbatoren interessieren, dann sollte es auch möglich sein, das zu beschreiben, was sie am natürlichen Objekt begeistert, oder etwa nicht? Übrigens gilt Ähnliches für Frauen im Bezug auf Dildos, Vibratoren und biologische Penisse.