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Machen Sie sich schuldig, wenn Sie Romane mit BDSM-Anteilen schreiben?

Machen Sie sich schuldig, wenn Sie Romane mit BDSM schreiben? manche meinen, es sei Gift für die Frauen, die es lesen. Andere meinen, Männer würden durch diese Literatur dazu verleitet, Frauen mies zu behandeln. Und was meinen Sie?

Die „50 Shades of Grey“ haben die Diskussion einmal mehr belebt, seit ein zweiter Teil in die Kinos gekommen ist – und sie haben wieder neue Kritiker auf den Plan gerufen. Die Frage ist: Bereiten Sie mit BDSM-Themen oder mit jeder anderen Art von „absonderlichen“ Liebespraktiken den Weg zur menschlichen oder überirdischen Hölle vor?

Wir fanden kürzlich einen Beitrag zum Thema, in dem dieser Satz vorkommt:

Seit 50 Shades of Grey ist es schwer in Mode, ein bisschen BDSM zu spielen. Dass diese Bücher und auch die Filme mit BDSM eigentlich wenig zu tun haben, wird immer wieder wiederholt … (aber) mit dem, was wirklich in den Clubs und Dungeons (1) abgeht, hat das sehr wenig zu tun.


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Trotz alledem bliebe natürlich die Frage: Wie viel Verantwortung haben Autorinnen, wenn es um das Thema physischer Gewalt in der erotischen Literatur geht? Und damit gar nicht erst Missverständnisse auftauchen: Eines der berühmtesten Werke der erotischen BDSM-Literatur stammt unzweifelhaft von einer Frau: Die „Histoire d’O“.

Ihre Antwort, bitte.

(1) Dungeons: Die „Spielplätze“, an denen BDSM aktiv praktiziert wird – meist von Menschen, die sich als „Bekenner“ ausweisen.

Die Kandidaten für die miesesten Sex-Szenen sind da

Leider gibt es die Kandidaten für die miesesten Sexszenen nicht in deutscher Sprache – aber für englischsprachige Literatur existiert er längst. Nominiert sind:

A Doubter’s Almanac von Ethan Canin
The Tobacconist von Robert Seethaler
Men Like Air von Tom Connolly
The Butcher’s Hook von Janet Ellis
Leave Me von Gayle Forman
The Day Before Happiness von Erri De Luca


Sie alle sind nicht etwa Schreibanfänger, sondern “gestandene“, teils sehr etablierte und hochgelobte Autorinnen oder Autoren, und sie geben dennoch ein absolut schreckliches Gesülze von sich, sobald es um Sex geht. „Lesen Sie’s, falls sie es aushalten“, schrieb eine Engländerin dazu.

Soweit sie die englische Sprache beherrschen: die Texte, im Grunde absolut banal, werden durch ungewöhnliche Wortwahl literarisch aufgeschönt. Der Trick schient oftmals zu wirken, aber eben nicht bei kritischen Lesern.

Übersetzt mag es (beispielsweise) so klingen (Gayle Forman):

Sobald sie im Zimmer waren, schlug Jason die Tür zu und verschlang sie mit seinem Mund und seinen Hände, die jetzt überall an ihr waren.

Und sie erinnerte sich daran, dass sie vor ihm stand, während ihr Kleid längst wie eine Pfütze auf dem Boden lag, und sie begann zu zittern, presste ihre Knie zusammen. Wie eine Jungfrau. Als wäre es das erste Mal. Wenn sie sich gestattet hätte, darauf zu hoffen, war dies genau das, was sie erhofft hätte. Und nun war es soweit. Und es war furchterregend.

Jason hatte ihre Hand genommen und auf seien nackte Brust gelegt, auf sein Herz, das wie wild im gleichen Takt schlug wie ihr eigenes. Sie hatte gedacht, dass er nur erregt wäre, einfach aufgeheizt.

Es kam ihr nicht in den Sinn, dass auch er Angst haben könnte.


Ich kann nicht beurteilen, ob der Text wirklich so schrecklich ist, aber man wird nicht nominiert, wenn er nicht wirklich abscheulich ist. Der Preis für „Schlechten Sex in der Literatur“ wird seit 1993 jedes Jahr vergeben, und zwar an „einen Autor, der eine ungewöhnlich schlechte Sexszene in einen ansonsten guten Roman“ schrieb.

Anmerkung zur Übersetzung: Es handelt sich um eine Rohübersetzung, die beispielhaft einen Eindruck von dem Teil des Werks der Schriftstellerin geben soll, der zur Nominierung geführt hat. Es ist also keine vollständige, überprüfte Übersetzung des Originaltextes.

Ach, schenkt mir doch einen Laptop (besser gleich eine Workstation)

Vom Schreiben kann man offenbar nicht leben. Und der neue Laptop (Notebook oder was auch immer) muss dann per „Fundrising“ beschafft werden. Oh, meine Workstation ist inzwischen auch etwas angejahrt. Wie wäre es mit etwas 4.000 Euro? Oder besser: Schenken Sie ihn mir doch gleich eine nagelneue Workstation. Sie werden auch als Sponsor erwähnt.

Nein, es ist nicht ernst gemeint. Etwas Feedback wäre trotzdem schön.


Schlechter Sex von miesen Autoren

An diesem Buch ließ die Kritik sowieso kein gutes Haar. Und nun hat es auch noch den „Bad Sex Award“ gewonnen. Zitat (1)

Dabei rollten sich Eliza und Ezra zu einem kichernden Schneeball aus voluminösem Sex zusammen, wobei sie schrien und kreischten, während sie einander spielerisch bissen und aneinander zerrten, in einer lärmenden Spirale wie auch einer Achterbahn mit einer ungestümen sexuellen Rotation wobei Elizas Brüste …“


(Der Satz geht ohne jedes Satzzeichen noch wesentlich weiter)

Sie werden sicher verstanden haben: Hier wird Leidenschaft mit Schnörkelsätzen zu einer dümmlichen Übersteigerung umformuliert, die sie einfach lächerlich macht.

Der Autor des Buches, der Sänger Morrissey schien nicht recht begeistert zu sein, nach den miesen Kritiken seines Buches „List of the Lost“ nun auch noch als Sieger aus dem „Bad Sex Award 2015“ hervorzugehen.

Weiterlesen im Guardian

(1) Originaltext: At this, Eliza and Ezra rolled together into the one giggling snowball of full-figured copulation, screaming and shouting as they playfully bit and pulled at each other in a dangerous and clamorous rollercoaster coil of sexually violent rotation with Eliza’s breasts ..."

Sollten Sie die Übersetzung nicht mögen - vielleicht fällt Ihnen eine bessere ein?

Schlechter Sex von guten Autoren: Erica Jong

Mal schnell ein bisschen Erotik schreiben? Lieber nicht. Auch Beststeller-Autoren machen Schnitzer, so wie diesen (1):

Er öffnet meinen seidenen Morgenmantel und berührt meine Möse, so als ob Adam gerade Evas Muschi entdeckt hätte.


Erica Jong: Die Angst zu Sterben (erscheint in Deutschland voraussichtlich im Februar 2016. Wurde für den „Bad Sex Award 2015“ nominiert.

(1) He opens my silk robe and touches my cunt as if he were Adam just discovering Eve’s pussy.

Zitat: Guardian.