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Erotische Geheimbünde – ein Thema für dich?

Dieser Artikel handelt davon, wie du „heftige“ erotische Themen in einem anderen Gewand präsentieren kannst und damit dem Vorwurf entgehst, eine „Pornografin“ zu sein.

Erotisches Femegericht
Es gibt zahlreiche Romane aus alten wie aus neuen Zeiten, bei denen es an der Oberfläche um Mystik oder Esoterik geht, die in Wahrheit aber erotische Praktiken darstellen, die ohne diese Umhüllung aber zweifellos als Pornografie eingestuft würden. Soweit diese Romane nicht in der Gegenwart spielen, handeln sie zumeist von verbotenen oder weitgehend verpönten Aktivitäten, am häufigsten von Gruppen, die von „freier Liebe“, meist weiblicher Homosexualität oder erotischer Flagellation geprägt sind. Dazu kommen wirkliche oder vermeintliche Geheimbünde, die erotische Gericht (Pseudo-Femegerichte) betrieben und sich in diesem Zusammenhang auch mit schweren Körperstrafen oder der Folter beschäftigen.

Die Gegenwart - es gibt noch Geheimbünde

In der Gegenwart sind religiöse, esoterische und psychologisch orientierte Geheimbünde bekannt geworden, die teils rigide, teils aber auch sanft-erotische Rituale praktizieren. Auch abgespaltene Teile der BDSM-Szenerie haben sich wieder in den Untergrund zurückgezogen.

Rituale - verbreitet bei sogenannten "Hexen" und im Voodoo-Kult

Außerdem gelten manche nicht-erotische, aber rituell geprägte Gemeinbünde, wie Voodoo oder Hexenkult, als Brutstätten erotischer Fantasien. In dem Zusammenhang, den wir hier betrachten, spielt keine Rolle, ob es sich dabei um Tatsachen oder Behauptungen handelt. Schließlich befinden wir uns im Bereich der erotischen Literatur, in der manches erlaubt ist, was in der Realität eher befremdlich wäre.

Insbesondere Geheimkulte, die von sogenannten „Hexen“ oder allgemein von Göttinnen und ihren Dienerinnen ausgehen, haben eine magische Anziehungskraft auf Leserinnen. Die liegt vermutlich an den Ritualen, die in ihnen praktiziert werden. Erstaunlicherweise hat auch „Voodoo“ wieder an Bedeutung gewonnen, als bekannt wurde, dass aus Afrika stammende junge Frauen sich unter Einwirkung des Voodoo-Zaubers prostituierten.

Die "üblichen Verdächtigen": Internate und Erziehungsanstalten

Mysterien und Gerüchte gehen aber auch von Internaten, geschlossenen Frauen- und Männerzirkeln, Erziehungsanstalten und Zuchthäusern aus. Werden die erotischen Komponenten geschickt verpackt, entgehen sie so der Kritik. Das „Picknick am Valentinstag“ ist so ein Buch, bei dem die lesbische Grundtendenz soweit mystifiziert wurde, dass sie sogar manchen Literaturkritikern kaum auffiel.

Wie geheim ist der erotische Geheimbund?

Zunächst einmal sind Geheimbünde deswegen geheim, weil kein Außenstehender etwas von den dort vollzogenen Praktiken wissen soll. Deine Geschichte kann also so unglaubwürdig sein, wie du sie anlegst: Weil ein Geheimbund eben „geheim“ ist, weiß niemand etwas davon außer deiner Figur, die mitten drin steckt. Dennoch kannst du gelegentlich auf ähnliche mysteriöse Fälle in Gegenwart und Vergangenheit hinweisen.

Öffentlich sichtbare Organisationen mit inneren Geheimbünden

Manche Organisationen hüten Geheimnisse, die nur einem inneren Kreis offen stehen, die aber auch einen öffentlichen zugänglichen Teil haben. Im Inneren besteht dann eine geheime „Schnittstelle“, über die neue Mitglieder für einen „inneren Zirkel“ rekrutiert werden. Diese Themen sind aus der Esoterik- und Psycho-Bewegung bekannt.

Nicht geheim, aber dennoch verborgen

Nicht alle Geheimbünde haben tiefe, alte Wurzeln. Der Sinn neugegründeter Gruppen besteht zumeist darin, gewisse Rituale und erotische Praktiken auszuüben, mit denen die Mitglieder in der Öffentlichkeit nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Dagegen spricht nichts, solange sie nicht gegen Gesetze verstoßen oder versuchen, Außenstehende zu rekrutieren und für ihre Zwecke zu nutzen.

Die Attraktion der erotischen Geheimbünde - heute

Die erotischen Geheimbünde der Vergangenheit standen unter dem Verdacht, für ihre Zwecke Mitglieder aus niederen Ständen zu rekrutieren, die vom Luxus oder der Magie geblendet waren. Hingegen versuchen Psycho- und Esoterik-Sekten besonders attraktive Personen aus der guten Gesellschaft zu überreden, Mitglieder zu werden. Einige der neu entstandenen heutigen Geheimbünde werden verdächtigt, kriminelle Machenschaften zu decken – auf dieses Feld begebt ihr euch besser nicht – es sei denn, ihr schreibt Krimis, die voll davon sind.

Es gibt zwei wichtige Fragen, die ihr beantworten müsst, bevor ihr einen erotischen Roman in das Milieu der Geheimbünde verlegt:

1. Welche dieser Gruppen sind euch bekannt, oder wie könnt ihr Informationen über die wirklichen oder vermeintlichen Rituale bekommen?
2. Wie kommt eure Figur in die Nähe dieser Gruppen, und auf welche Weise wird sie in den „inneren Zirkel“ aufgenommen?

Wenn ihr auf beide Fragen eine Antwort wisst, kann es losgehen. Eure Story kann vom langsamen Untergang (möglicherweise mit später Errettung) handeln, eventuell auch davon, das Leben in der Geheimgesellschaft zu genießen oder gar vom Aufstieg in der Hierarchie der Gruppe.

Bild: (Femegericht) by Jim Blake (Pseudonym)

Wer war eigentlich P.N. Dedeaux?

Zu den Geheimnissen der Autorinnen und Autoren von erotischen Werken, insbesondere von pornografisch anmutender Flagellationsliteratur, gehört ihr Pseudonym. Wer edle Literatur einerseits schreibt, kann durchaus anderseits ein Groschenromanschreiber oder ein pornografischer Schriftsteller sein. Zudem kommt es vor, dass mehrere Schriftsteller das gleiche Pseudonym benutzen. Ja, es soll sogar vorkommen, dass Verlage den Namen eines Goldesels weiterhin nutzen, auch wenn der ursprüngliche Autor längst keine Bücher mehr schreibt. Und letztendlich werden manche Novellen unter neuen Titeln und mit neuen, ebenfalls verschleiernden Autorennamen herausgebracht.

Wenn der Autor seine Identität nicht selber lüftet, ist es kaum möglich, seine Autorenschaft festzustellen oder zu bezweifeln. Dennoch hörte ich, dass die Identität eines bekannten Schriftstellers flagellantischer Literatur, inzwischen gelüftet sein soll.

Es handelt sich um den Flagellations-Romancier P.N. Dedeaux. Angeblich will man Geoffrey Atheling Wagner „mit ziemlicher Sicherheit“ als Autor identifiziert haben. Diesen Namen gibt e tatsächlich. Er soll von 1927 bis 2006 gelebt haben, war nach glaubwürdigen Quellen eigentlich Übersetzer, schrieb aber auch eigene Novellen und Essays, die allerdings in Vergessenheit gerieten. Sofort ergibt sich wieder die Frage, ob alles, was unter dem Namen Geoffrey Wagner veröffentlicht wurde, tatsächlich von ihm stammt, denn darunter sind auch einige Groschenromane zweifelhafter Herkunft.

Angeblich will Dedeaux/Wagner eine ganze Liste von Werken geschrieben haben, die, wie bei erotischen Büchern nicht unüblich, entweder anonym oder unter Fantasienamen veröffentlich wurden und deren Titel ebenfalls variierten. Das erste seiner erotischen Werke soll 1969 erschienen sein: „The Nothing Things“.

Insgesamt soll es sich bei den Werken um folgende erotische Schriften handeln:

1969
The Nothing Things (W)
Tender Burns (W)
The Territory Within (W)
Carols Tribal Costum (X)

1970
The Tutor (D)
Wealed Venus (W)
The Prefect (The Prussian Girls) (D)

1972
Rosie’s Aunt (W)
The Gouverness Goverend (D)

1973
SM – The Last Taboo (Sachbuch, X)

1989 - 1999
1989
Clotilda (X)
1992
The Camp (X)
1999
Aunt Anna – 1999 (X)

Nicht alle literaturkritischen Quellen wollen dem Gedanken folgen, dass Geoffrey Atheling Wagner tatsächlich der Autor oder jedenfalls nicht der alleinige Autor ist, der als P.N. Dedeaux schrieb. Die Liste mag Ihnen zeigen, welche Werke angeblich endgültig Geoffrey Atheling Wagner zugeschrieben werden können. Es sind insgesamt nur fünf erotisch-flagellantische Werke, die zwischen 1969 und 1972 verfasst wurden. (mit „W“ gekennzeichnet). Die mit „D“ gekennzeichneten werden nach wie vor „Dedeaux“ zugeschrieben, und die mit „X“ bezeichneten lassen sich offenbar nicht eindeutig zuordnen – sie werden oft als „Spätwerk“ bezeichnet.

Wie bereist erwähnt, wird auch behauptet, einige von Dedeaux Werken könnten auch von anderen Autoren geschaffen worden sein, zum Beispiel von dem ideenreichen Andrew Jefferson V. Offutt. Er war ein Erotik-und Serienschreiber, der etwa zur gleichen Zeit lebte – die Quelle, die Wikipedia dafür verwendet, ist aber fragwürdig und sie konnte bei einer Nachrecherche nicht bestätigt werden. Freilich ist es ebenso möglich (und in dieser Branche nicht unüblich) dass mehrere Autoren unter ein und demselben Pseudonym schrieben.

Was ist nun mit den „The Prussian Girls“?

Es ist schwer zu beurteilen, ob „The Prussian Girls“ tatsächlich aus der Feder von Geoffrey Atheling Wagner stammt. Ursprünglich erscheint dieser Roman unter den Titeln: „The Prefect“ und „The Prefects“. Erst in den Ausgaben von „Blue Moon“ aus den Jahren 1987 und 1998 erschienen die Romane im Rahmen der „Internatswelle“ unter diesem Namen.

Sicher ist hingegen, dass der Roman die komplizierten Beziehungen zwischen Erzieherinnen und Eleven in strengen Internaten nicht ausreichend würdigt. Vielmehr handelt es sich um einen Flagellationsroman einfacher Art, der sich liest, wie „schon einmal gelesen“, nur nicht vom selben Autor. Offenbar wollte der Autor die Strenge, die Pflicht und die Schuldigkeit, die er im alten Preußen vermutete, einfach für eine Variante des erotischen, lesbisch geprägten Flagellationsromans nutzen. Heute gibt es viele Autorinnen , die über lesbisch geprägte Flagellationen in Internaten schreiben, beispielsweise Yolanda Celbridge.

Quellen: Die angebliche Enthüllung und die Bücher sowie ihrer Ausgaben. Andrew Jefferson V. Offutt Biografie und Werk (falsch) und hier richtig. Geoffrey Wagner Werk (ohne "Atheling").

Haben Frauen eigentlich Lust, die Lust zu sehen und zu lesen?

Haben Frauen eigentlich Lust, die Lust zu sehen und zu lesen? Diese Frage kann längst mit "Ja" beantwortet werden - aber offiziell bekommt ihr in Diskussionen bestenfalls ein lang gezogenes: "Ja, aber ..."

Pornografie - alles nur für den Mann?

Die Lust auf erotische Literatur ist ungebrochen, und der Konsum von Pornografie in Form von bewegten Bildern auch. Da fragt sich doch: Was können wir daraus schließen?

Das Urteil über Männer steht fest: Sie verachten als Pornongucker die Frauen, die dort ihre Körper hinhalten. Sie bedürfen der Umerziehung, müssen wieder lernen, Frauen als menschliche Wesen zu sehen, sie zu achten und zu ehren … und so weiter.

Sollten Männerlüste gewandelt werden?

Na schön – auch darüber gibt es eine Menge Literatur, auch ekelhafte, wie sie beispielsweise von den Pseudo-Feministinnen verbreitet wird, die „FLR“ (1) propagieren – von Frauen geführte Beziehungen. Und die geforderte Umerziehung und Disziplinierung der Männer? Da gibt es nur eines: Ohren auf Durchzug stellen. Oder glaubt ihr ernsthaft, in Frauenhirnen würden den ganzen Tag die Englein fromme Lieder singen?

Der anständige Mensch lüstet nicht ...oder doch?

Da werden viele sagen: Ein anständiger Mensch verachtet Pornografie und ihre Produzenten (und Produzentinnen auch). Das kann man gut zum Abnicken verwenden. Ende der Debatte! Kein Schmutz in der guten Stube!

Na ja, haltet mal die Luft an. Und lest dies Zitat:

Im Prinzip gucken alle Männer Pornos, auch viele Frauen. Dass in einem bürgerlichen Umfeld nicht dazu angeregt wird, über den Konsum von Pornografie und somit auch über seine Fantasien zu sprechen, mag ja normal sein.


Kommen wir mal auf den lustvollen Roman

So weit – so schlecht. Die kleine Schwester (oder der kleine Bruder, für die Erbsenzähler) der visuellen Pornografie ist der erotische Roman.

Und dann reiben wir uns die Augen und schauen mal: Im Prinzip wollen nämlich „alle“ Frauen geschriebene Lust- und Schmerzgeschichten lesen, und auch einige Männer. Gelegentlich findet man ja mal eine Frau auf einer Party oder in der ersten Klasse eines ICE, die offen zugibt, solche Bücher zu lieben. Aber eine wirkliche Diskussion darüber, welche Frauenbilder dort verbreitet werden, sollte man sich besser schenken. Als Mann sowieso.

Ich kann dazu eine eigene Beobachtung besteuern: Wann immer ich beklage, dass Kriminal- und Liebesromane üblicherweise die Realität ausblenden, sagen mir Frauen: na, das sind doch nur Geschichten – Märchen für Erwachsene. Ich habe niemals eine Frau gehört, die sagte: „Ach, diese Pornos sind doch Märchen für Erwachsene.“

Die Diskussion über Pornografie darf sich nicht um Lust drehen, oder?

Das kurze Aufflackern der Diskussionen nach den SoG (2) betraf nicht einmal die Lust an ungewöhnlichen Sexpraktiken. Das Thema war den meisten Frauen zu peinlich. Stattdessen diskutierten sie, ob die Heldin wirklich unbedingt als Jungfrau in den Roman eintreten musste und über die Würde der Frau, die dort vermeintlich mehrfach verletzt wurde.

Frauen und Lust passen nach nicht zusammen – so denken viele, nicht nur bürgerliche Spießer. Und sich lebhaft mit Lust und Laster zu beschäftigen, passt nicht zum Bild der Autorinnen.

Psychiater der Vergangenheit und Priester der Gegenwart

Ob der unsägliche Krafft-Ebing aus dem vorvorigen Jahrhundert oder der Priester drüben in der katholischen Kirche: Alle sagen im Grunde, der weibliche Körper sei gerade mal gut, um Kinder zu gebären. Und die sinnliche Lust, aus katholischer Sicht die Wollust, führe direkt in den Untergang oder den Rachen des Teufels. Der Effekt: Viel zu viele Frauen ducken sich weg, wenn das Thema der Sexualität offen angesprochen wird. Männer übrigens auch – jedenfalls, wenn es um ehrliche Sexualität geht.

Ein bisschen Emanzipation könnte da wirklich nicht schaden. Vor allem in der Literatur.

Zitat aus: "Übermedien", Sinnvoll zum Thema zu lesen: Weibliche Sexualität und Obszönität.
(1) FLR - Female Led Relatiohship". gibt es in "seriös" und in reißerisch.
(2) 50 Shades of Grey.



Ist S/M-Land ein Wunderland?

Etwas zu sehen heißt nicht, etwas zu fühlen
Ist S/M-Land ein Wunderland? Und was hat dieser Artikel mit dem Schreiben von sinnlichen Geschichten zu tun? Lies bis zum Ende, an dem ich die Realität verlasse und dir beim Schreiben helfen möchte.

Unweigerlich muss ich an den Fall ins Kaninchenloch denken, wenn ich lese, was Frauen über S/M Beziehungen schreiben, und so darf ich wohl eine ganz andere Quelle zitieren, die recht bildhaft Auskunft gibt (1):

Entweder musste der Brunnen sehr tief sein, oder sie fiel sehr langsam; denn sie hatte Zeit genug, sich beim Fallen umzusehen und sich zu wundern, was nun wohl geschehen würde.


Falsche Fragen und sinnvolle Fragen - was willst du eigentlich?

Die Frage, die ihr euch stellen solltet, ist nicht: Will ich S/M, will ich mich unterwerfen fessel oder peitschen lassen?

Denn die eigentliche Frage ist wirklich: Trau ich mich, mich fallen zu lassen? Will ich „hinunter ins Kaninchenloch“, will ich wirklich einen Teil meines Bewusstseins opfern, und sie es nur für einige Viertelstunden? Was passiert, wenn ich langsam falle, aber dann immer schneller? Wie werde ich aus diesem Zustand erwachen?

Sich fallen lassen ist eine Reise ...

Du musst nicht zwangsläufig S/M praktizieren, um dich fallen zu lassen, zu schweben und einen Tausch des Bewusstseins gegen den wundersamen Zustand der Leere in deinen Gedanken zu spüren. Wenn du wissen willst, was dir passiert, wenn du ins „Wunderland“ eintauchst (wir reden immer „vom Guten“), kannst du im autogenen Training, bei asiatischen Konzentrationsübungen, beim Psychotherapeuten oder in einer Selbsthilfegruppe erleben. Und manchmal auch beim Sex, wenn du erkennst, wie das Natürliche, das Animalische über deine Bedenken siegt.

Oh, du willst deine Figur ins S/M-Wunderland schicken?

Falls du über S/M schreiben willst … oh ja, das wolltest du? Dann schreib bitte nicht das auf, was du in einschlägigen Filmchen siehst. Schreib nicht ab, was du auf Domina-Seiten findest. Der Weg „hinunter ins Kaninchenloch“ ist der Weg einer Reise, die dich verändern kann. Und falls du scheibst, wird sie deine Figur verändern. Und deshalb: Erinnerst du dich an das letzte Mal, an dem du dich „hast fallen lassen"? Dann schleiß die Augen und lass es noch einmal an die vorüberziehen. Und dann erschaffe deine Figur, die sich ganz tief fallen lässt und am Ende einen sinnlichen Gewinn davon hat.

Lass von dir hören, wenn du es schaffst.

Weitere Gedanken dazu hat eine Bloggerin - nachdenklich und informativ. Zitat (1) Lewis Carroll, AiW, erstes Kapitel.

Wie wird deine Geschichte eigentlich erotisch?

Erotik ist das, was du schreibst, sondern was deine Leserin dabei empfindet
Die Autorin Ines Witka sagt es kühl: „Erotik findet vorher statt.“ Vor dem Vögeln. Oder vor der Züchtigung, wenn es um eine solche geht.

Ich drücke es gerne anders aus, aber auch dies fällt in dasselbe Meinungsbild:

Eine sinnliche Geschichte ist erotisch, bevor gevögelt wird. Währenddessen ist sie bestenfalls sexuell, und hinterher ist sie emotional. Das ist die stark vereinfachte Wahrheit.


Anhand vieler bekannter und unbekannter Romane und Erzählungen lässt sich diese Behauptung belegen, und Ines Witka meint noch dazu: „Für mich ist Erotik ein Versprechen, das die Sexualität umspielt.

Ich denke, wir müssen nun Tacheles reden, nicht wahr? Wenn du so schreibst, wie in der Schule, dann bist du gewohnt, Sätze in Folge zu verfassen, die aneinandergereiht eine Geschichte ergeben. Man nennt so etwas auch eine „Erzählung“ oder spricht von „narrativem Schreiben.“

Keine Gebrauchsanweisung für den Geschlechtsverkehr schreiben

Das Problem dabei: Die meisten Schreibanfänger und überraschend viele Schreibprofis begnügen sich mit den technischen Vorbereitungen und Abfolgen eines Geschlechtsakts. Das lässt sich so erzählen, als ob jemand zum Metzger geht und ein paar Sorten Aufschnitt kauft, schafft aber normalerweise keine erotische Atmosphäre. Es gibt Hunderte von Beispielen im Internet dafür, wie BHs geöffnet, Höschen heruntergezogen, Brüste, Vulven, Hoden oder Penisse getätschelt wurden. Und stets folgt auf diese Aktion eine neue und wieder eine neue. Und so weiter … am Ende glaubt der Leser dann, ihm sei ein pornografischer Film nacherzählt worden.

Zum Sex verführen statt einfach den Sex abzuwickeln

Die Lösung ist ebenso einfach, aber mit ihr berühren wir ein ethisches Problem: Wir müssen unsere Figur nämlich dazu bringen, jemanden zu verführen oder verführen zu lassen. Das wird sie kaum tun können, ohne zu beschreiben, wie das detailliert vor sich gegangen ist, welche Dialoge beide dabei führten und wie es sich emotional anfühlte, Wenn du aus der Sicht der Verführerin (oder des Verführers) schreibst, kannst du die Macht nutzen, die der Verführerin zuwächst. Sollte deine Hauptfigur die Verführte sein, kannst du das gesamte Spektrum der Sinnlichkeit nutzen – körperlich wie emotional.

Beschreibe lange und ausführlich, wie die Sinnlichkeit angefacht wird

Du kannst sehr lange darüber schreiben, wie sich die Augen am Körper des/der anderen sattsehen. Dann wird aus dem Satz: „Schließlich spreizte sie die Beine ein wenig mehr“ ein Feuerwerk von Beobachtungen, von Aufspreizen der Schamlippen bis zu einer verführerischen Präsentation ihrer Vagina. Das könnte sich dann so lesen:

Ich ahnte, dieser Blick forderte mehr, und nicht nur ein wenig mehr. Ihre Augen zwangen meine Beine auseinander, und ich spreizte sie ein wenige mehr, als es angesichts der Situation angemessen war. Die katzenhaft blinkenden Augen der Fremden vertieften sich in meine Schenkel, und bevor ich es verhindern konnte, begann ihre Hand, mich zart zu streicheln, während ihr Körper sich sonst nicht zu bewegen schien. Ich reagierte spontan, wollte meinen hochgerutschten Rock wieder herunterziehen, versuchte, einen Satz zu formulieren. Doch mein Körper wollte etwas anderes. Mich durchzog ein heißer Schauer aus der Mitte meines Körpers, der bald meine Schamlippen erreichte. Ich stöhnte, und meine Nerven tanzten Boogie-Woogie.


Der Text ist an eine heftige lesbische Verführung angelehnt. Die raffinierte exotische Verführerin wickelt eine lustvolle und begierige, aber ansonsten naive junge Frau in ihr Spinnennetz ein, und sie fürchtet sich davor und genießt es zugleich, weil sie nichts tun muss, als sich ihrer Verführerin hinzugeben. Frauen sind in der Beschreibung des sinnlichen Körpers klar im Vorteil, weil sie ihre intimen Körperstellen sehr gut kennen, während viele Männer noch niemals eine erregte Vulva oder Vagina aus der Nähe gesehen haben.

Ganz sicher können auch Männer sinnlich verführt werden

Willst du beschreiben, wie eine Frau einen Mann verführt, kannst du ganz ähnlich vorgehen: Statt den „Kasper aus der Hose“ fluppen zu lassen, kannst du beschreiben, wie sein Penis halb steif darauf wartet, liebkost zu werden.

Hier haben wir mal eine Situation gewählt, in der eine Verführung narrativ beschrieben wird. Es ist ein Beispiel dafür, dass du auch rein erzählerisch an erotische Themen herangehen kannst – du musst nur intim genug schreiben. Nimm daran Teil, wie eine Töpferin von ihren Erlebnissen mit jungen Männern erzählt:

Den Penis eines Mannes zu streicheln, ihn zu bearbeiten, um seine schöne rosa Spitze hervorzubringen, und das alles sehr liebevoll, damit er nicht erschrickt – das ist so, als würde ich den weichen Ton bearbeiten. Manchmal zittern die Körper der Kerle eine wenig, wenn sich meine Hand dem bereits entblößten, halbsteifen Penis nähert und der Mann noch recht unerfahren ist. Wahrscheinlich denkt der Mann vorher „Du musst jetzt tapfer sein, die Frau kennt sich damit aus“, und er wartet,auf den nächsten Schritt. Doch dann merkt er, wie wundervoll es ist, wenn sein Penis von einer erfahrenen Hand gestreichelt wird und er jede meiner sanften und sinnlichen Bewegungen genießen kann. Oh ja, es wird noch heftiger, mein Süßer … und du bekommst deine Belohnung. Aber erst einmal gehörst du in meine Hand …


Und die Verführung selbst, nun ohne Handverkehr?

Auch dazu haben wir eine schöne Schilderung, die ganz und gar nicht pornografisch ist:

Er versuchte, mich zu küssen und tat das, was er offenbar von einer gleichaltrigen Frau gelernt hatte: Vorsichtig zu prüfen, ob die Zahnbarriere geschlossen bleibt, oder ob die Zunge ihren Weg findet, sich in meinen Mund zu schlängeln. Offenbar war er überrascht, dass ich seine Zunge ansog. Sein Körper begann daraufhin zu zittern, was mir deutlich zeigte, wie schnell er sich erregte – ein junger Mann eben. Ich legte meine Hand prüfend auf seine feine Baumwollhose, wie zufällig, und stellte fest, dass sein Penis inzwischen etwas angeschwollen war. Nun war es an der Zeit, einen lustvollen Kreis zu bilden zwischen dem Küssen und saugen, wo sich unsere Zungen schon intim berührten, und meiner Hand, die vorsichtig seinen Penis zu streicheln begann. Und es funktionierte. Er begann, leise und unterdrückt zu stöhnen, während ich weiter an seiner Zunge sog.



Ich denke, ich habe euch nun gezeigt, wie man durch Intimität und Sinnlichkeit erotische Gedanken erzeugen kann. In der „großen“ Literatur findet ihr solche Beispiele kaum. Ich erinnere mich an eine Passage, in der es lapidar hieß: „Sie nahm meinen Penis die Hand und küsste mich auf die Lippen.“ Wer nicht vorhat, erotische Erlebnisse lustvoll zu beschreiben, sollte es lieber gleich ganz lassen.

Die Tipps

1. Alles, was auf der Haut, unter der Haut und im Gehirn passiert, kann verwendet werden, um erotische Spannung zu erzeugen. Daran können alle Sinne beteiligt sein.
2. Das, was vor dem „Eintauchen“ des Penis in die Vagina geschieht, ist sinnlicher als das, was danach passiert.
3. Du solltest wissen, wie eine Vulva, eine Vagina oder eine Klitoris aussieht, wenn die Frau erregt ist. Und du sollest die Gefühle der Frau verstehen, wenn das passiert.
4. Wenn du über Männer schreibst, solltest du wissen, wie sich ein Penis anfühlt, wenigstens, wenn er in deiner Hand liegt und wie ein Mann reagiert, wenn du ihn sanft verführst.
5. Versuche, alle Beschreibungen möglichst „hautnah“ an deine Leser(innen) zu bringen, und zwar so, wie es Menschen tatsächlich erleben.

Hinweis; Umschreibungen und Textbeispiele nach dem "Satzfetzen-Prinzip" von Isidora. Zitat von Ines Witka aus "Dirty Writing", Tübingen 2015.