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Sinnlicher als Sex?

Auf einem Fest wurde ich jüngst gefragt, ob der Besuch eines Symphoniekonzerts für mich „sinnlicher sei als Sex“.

Sehen Sie, da gibt es einen Knoten im Hirn beim Frager: Musik, Bilder, Skulpturen und Sätze, eine kultivierte Mahlzeit oder ein gutes Gespräch, ja sogar Gegenstände, können enorm sinnlich sein, ohne dass sie „sexuell“ sind.

Der große Vorteil der Sinnlichkeit liegt darin, überall und jederzeit spürbar zu sein, auch ohne die „Objekte der Begierde“, die den Reiz auslösen, besitzen zu müssen.

Falls diese Zeilen eine Idee für einen erotischen Roman ergeben sollten: Bitte schön – bedienen Sie sich.

Jungs bi Jungs, Deerns bi Deerns

Und gäbe man sich noch so viel Mühe, es wäre nicht zu vermeiden: Jungs bleiben nicht bei Jungs und Mädchen nicht bei Mädchen. Nicht in den Schulen, in denen es getrennte Eingänge und Pausenhöfe für Mädchen und Jungs gab. Und auch nicht in der Jugendherberge, wo die jungen Mädchen provozierend, sexy und in ihren blumigsten Nachtgewändern vor dem Stockwerk der Mädchen versuchten, Blicke zu erheischen.

Und das war gut so. Es war die Vorbereitung aufs Leben, vorerst noch in zaghaften Küssen. Doch trafen sich die Mädchen heimlich nachmittags, um miteinander Zungenküsse auszutauschen. Jungen taten das nicht, Ih – pfui Teufel. Und auch das war gut so, denn wenn die jungen Damen ein bisschen damit kokettierten, „bi“ zu sein, hätte das Gleiche für die Jungs böse ausgehen können.

Merkwürdigerweise schadete es den Damen von damals nicht, unter einzelnen, durchaus wollüstigen Küssen zu zerfließen. Sie lernten ja nur, und das Lernziel war, die Jungs mit dem Zungenkuss so heiß zu mache, dass sie unbedingt mehr wollten. Und das gab’s auch – falls man lange genug wartete, oder sich verlobte. Und für die Übergangszeit gab es ja noch Sex, bei dem die kritische intime Begegnung ausgelassen wurde, und das gefährliche Sperma woanders hinfloss – hoffentlich nicht auf die blütenweiße Bluse. Dann gab’s Ärger.

Im Grunde war dies auch alles gut, denn die größte Sorge, die Eltern, Großeltern und weitläufigere Verwandte hatten, war die Verführung der jungen Männer durch das Böse. Das kam angeblich in Gestalt des homosexuellen Verführers, den es eigentlich gar nicht geben durfte, der aber als Schreckgespenst über jedem Dach einer Eigentums- oder Mietwohnung thronte.

Und so wurde denn auch toleriert, dass sich junge Frauen und Männer höchst unterschiedlicher Herkunft trafen, um sich nicht so sittlich zu vergnügen, wie es der Herr Pastor gerne gehabt hätte. Man ging auf Partys, und sinnigerweise trafen sich dort nicht die Kaufmannssöhne mit den Schiffmaklertöchtern, sondern mit den Verkäuferinnen der beiden großen Geschäftsstraßen und aus dem großen Warenhaus, deren Eltern von „einfacher Herkunft“ waren. Da die betuchten Gastgeber das Elternschlafzimmer wohlweislich verschlossen hatten, wurde auf dem Flur, der Treppe oder im Badezimmer Sex in allen Variationen erprobt – manchmal auch gleich in einer Ecke des Partykellers. Indessen wurde das Badezimmer eindeutig bevorzugt, weil es sich abschließen ließ, was wieder sehr peinlich für die Gäste war, die dringend mal pinkeln mussten.

Man sagt, die Töchter der feinen Leute seien nicht ganz so zurückhaltend gewesen, wie sie sich gaben. Nur hätten sie ihre intimen Partys in kleineren Kreisen, exklusiven Lokationen und mit erfahreneren Männern „aus den eignen Kreisen“ (und genau nach dem Kalender, versteht sich) zelebriert.

Jungs bi Jungs, Deerns bi Deerns (1)? Um des Himmels willen, nein. Natürlich empörten sich die Eltern, Großeltern und weiteren Verwandten über das Ausmaß der Unzucht. Aber irgendwie waren sie auch froh, dass ihre Söhne und Töchter nicht der geleichgeschlechtlichen Liebe huldigten, sondern sich lehrreich den jeweils erfahreneren Partnern hingaben.

Ich muss wohl noch nachtragen, dass die Redensart "Jungs bi Jungs, Deerns bi Deerns" aus dem Niederdeutschen stammt. Es schickte sich demnach nicht, dass Jungen und Mädchen ohne Aufsicht (etwas zum Spielen) zusammenkamen, denn die Eltern hatten gewisse Ahnungen, was da in der heißen Frühphase der Pubertät gespielt wurde. Ihnen überlasse ich diese Schilderung gerne als Material für einen erotischen Roman aus jener Zeit vor etwa 50 Jahren.

Sind Frauenfantasien wirklich so krass?

In den 1940er Jahren beliebt: Kriminal-Horror
Sind Frauenfantasien wirklich so krass? Diese Frage erregt manche Gemüter. Manche Feministin ist entsetzt, mache Kolumnistin verwirrt, und manche naive Menschen glauben, Männer hätte solche Fantasien erfunden. Wir versuchen, Ihnen Aufschluss für Ihre Arbeit als Autorin zu geben.

Fantasien, so eine allgemeine Regel aus dem Alltag, sind umso intensiver, je größer die Vorstellungskraft ist und je weniger eine Chance zur Realisierung besteht. Diese Aussage ließe sich noch so ausweiten: Je größer die Gefahr und die eigene Zwiespältigkeit gegenüber dem erotischen Traum, umso stärker und intensiver wird sie zum Kopfkino.

Frauenfantasien sind nicht nur „unerhört“ wie manche Studien belegen, sondern in Wahrheit noch wesentlich schockierender. Männer nehmen dies kaum wahr, sollen es möglichst auch nicht erfahren. Denn Männer, so wird argumentiert, könnten die Fantasien für bare Münze nehmen. Sie vermuten gerne, dass sich Frauen oftmals wünschen, ihre Traumwelten in die Realität umzusetzen. (Zitat).

Es ist so leicht, auf deine Erregung abzuzielen. Du brauchst nur an das letzte Mal zu denken, als du Anzeichen sexueller Erregung von einem Impuls bekamst, den du als unangenehm empfandest.


Es wird sogar behauptet, dass Gewaltszenen (der böse Fremde fackelt nicht lange) zu den Top-Favoriten, wenn nicht gar zu den häufigsten Fantasien der Frauen gehören. (Zitat)

Sie gewaltsam gegen die Wand zu pressen und «Ihre Arme mit einer Hand über ihrem Kopf festzuhalten, während die andere Hand ihren Weg unter ihren Rock fand … » (… war eine Textstelle …), die viel bestätigendes Nicken bei den im Raum versammelten Frauen auslöste.


Die Textstelle ist im Original noch weitaus heftiger. Falls sie noch vorhanden ist, kann sie als Top 10 weiblicher Fantasien im Link nachgelesen werden. Die Ergebnisse ist eine Zusammenfassung des Buches „Private Thoughts: Exploring the Power of Women's Sexual Fantasies“ von Wendy Maltz, das mit Unterstützung zahlreicher Sexologinnen und Sexologen verfasst wurde.

Was ergibt sich aus den krassen Frauenfantasien für Autorinnen?

Vor allen Dingen, die Schere aus dem Gehirn zu nehmen. Während die Öffentlichkeit einem Mann nie verziehen hätte, die Figuren von Mr. Grey und Ms. Anastasia Rose Steele zu erschaffen, konnte „E.L. James“ dies nahezu problemlos tun. Zwar ist umstritten, ob die „FsG“ wirklich Szenen beinhalten, die als „Gewalt“ bezeichnet werden müssen, jedoch werden die einschlägigen Szenen von vielen Leserinnen als „Gewalt“ empfunden.

Ein zweiter, unglaublich wichtiger Punkt besteht darin, nicht vor den eigenen Ängsten zurückzuschrecken. Ihre Figur wird etwas tun, was Sie persönlich niemals als „gut und richtig“ empfinden werden. Denn es ist ja der Sinn der erotischen Fantasie, über das hinauszugehen, was Sie als Autorin und auch Ihre Leserinnen im Alltag jemals erleben werden.

Der dritte Punkt ist der Schwierigste: Versuchen sie, „gemischte Gefühle“ in den Bestandteilen dieser Mischung darzustellen, also Ekel und Abscheu mit Wollust und Triebhaftigkeit zu einer faszinierenden süßsauer gewürzten Gourmetpfanne zu kombinieren.

Wir sind – wie immer – interessiert, Ihre Meinung zum Thema zu lesen.

Bild: 10 Detektiv-Geschichten gab es für 10 Cents - und ganz wichtig war das erotische Titelbild.

Erotische Literatur – gut ist, was geil macht?

Beim Lesen sanft erregt werden ...
Eine Leserin und Autorin erotischer Literatur hat geschrieben, was wirklich gut ist. Unser Pech: In Wahrheit sind die drei Sätze, die sie uns als Beispiele gibt, erotischer Kitsch. Aber zu unserem Glück sagte sie uns, dass eine andere Überlegung in der erotischen Literatur alle anderen übertönt: Nämlich geil zu werden. Ob gut oder böse – damit wird ein Teil des Erfolgs eingefahren.

Jeder wird auf andere Art geil. Mal ist es etwas Bekanntes, mal etwas Neues. Und was, wenn es etwas Neues ist?

„Du liest gelegentlich etwas, über das du nie fantasiert hast. Und plötzlich beginnt dien Herz zu rasen, dein Atem geht schneller und dein Höschen wird feucht … dann weißt du, dass es gut ist.


Wir wissen aus den Erfahrungen der letzen Jahre, dass es höchst ungewöhnliche Dinge waren, die plötzlich interessant für Frauen wurden. Die „Shades of Grey“ boten ihren Leserinnen schon nach wenigen Seiten einen schmerzlichen Hieb auf die Schamlippen. Niemand hätte zuvor gedacht, dass derartige Textstellen die Lust der Frauen anregen würden. Man ahnte, dass es andere schreckliche Fantasien gab, die „Lustfurcht“ erzeugten – der Sex mit dem bösen Räuber, verbal getarnt als „der völlig Fremde“. Man vermutete, dass manche Frauen davon träumten, der Mittelpunkt einer Orgien zu sein. Und man wusste, dass auch Hetero-Frauen eine gewisse Lust an sehr sinnlichen lesbischen Verführungen hatten.

Aber die Wollust durch den Schmerz? Nein, das hätte man nicht gedacht.

Die meisten erotischen Werke sind Ausgeburten der Fantasie – erotische Märchen für Erwachsene, sozusagen. Nahezu immer erliegt eine Person der Faszination einer anderen. Schon bald jedoch werden die eigenen Gefühle infrage gestellt und die Motive des anderen bezweifelt. Nach unterschiedlich gestalteten Wandlungen es Glücks kommt es dann am Schluss zum glücklichen oder traurigen Ende.

Weil alles ohnehin nur Fantasie ist, können sich Autorinnen erotischer Literatur erlauben, den Alltag und seien Bedingungen sowie die Moral und ihre Einschränkungen vergessen. Sie können Prinzessinnen und Hexen, Königssöhne und böse Räuber, aber auch Aberglaube und Religiosität in ihre Werke einbauen und somit untergegangene Welten beschwören.

Gelobt sei, was geil macht?

Es gibt zweifellos Kurzgeschichten, die alleine dazu dienen, Geilheit zu erzeugen. Und es gibt Romane, in die wie Flickwerk die Stofffetzen eingenäht sind, die den gleichen Effekt haben.

Doch wer das Sinnliche bevorzugt, benötigt Texte, die langsam dazu führen, die Sinne mit Lust zu füllen, bevor die Wollust einsetzt. Denn die Fantasie folgt dem Text nicht unmittelbar. Leserinnen, die ihrer Heldin emotional folgen wollen, um schließlich den Schwebezustand anfänglicher Geilheit zu erreichen, wollen deshalb mehr über de Gefühle vor dem Sex wissen als über die Gefühle beim Sex.

Und was ist mit jenen, die nur „ein klein wenig“ jenseits der Realität seufzen und stöhnen wollen? Jene, die vielleicht sogar ein Lehrstück in Geilheit suchen? Oh, sie werden allein gelassen. Typische Beispiele sind die Schilderungen von aktivem und passivem, fleischlichem und instrumentellem Analverkehr. „Zack“ setzt er/sie an und „Oh“ ist er/sie drin. Ganz ähnlich ist es bei der Schilderung von Mund- oder Handverkehr. Man blendet das Hirn aus, in dem die Gefühle entstehen, um sich auf die sichtbaren Funktionen zu konzentrieren.

Schade? Ja, Schade. Erotische Literatur sollte nicht nur geschrieben werden, um Geilheit zu erzeugen, sondern auch, um den Weg zu mehr Lust im Alltag zu bereiten.

Wie zum Teufel schreibt man eine gute Sexszene?

Wie ihr wisst, lese ich oft anderwärts, wie man gute Sexszenen schreibt. Ich nehme dies als Anregungen auf und gebe es an euch weiter – und manchmal lächele ich ein bisschen über die Wichtigtuerei der Autorinnen. Na ja, lasst mal. Jeder will ja seine Bücher verkaufen, oder etwa nicht?

Eine der Autorinnen, die ich beobachte, sagt euch etwas Wichtiges: Der Nippel wird nicht einfach in die Lasche gesteckt – klar?

Also: wenn du in Versuchung kommst, einen Sexakt "einfach so" zu beschreiben, dann riskierst du, dass er so spannend ist wie ein Einkaufszettel – oder die Wasserstandsmeldungen. Interessanter ist, die Dinge „bildhaft zu beschreiben“ (englisch: showing) statt einfach zu „erzählen was passiert“ (englisch: telling). Oder noch einfacher: Schreib nicht, was passiert, sondern wie es passiert.

Das Zweite, was du unbedingt brauchst, ist ein Gefühl für Gefühle. Nicht ein Gefühl für Kitsch (obwohl das manchmal auch punktet). Dieselbe Szene, einmal trocken erzählt, dann bildhaft, dann mit Gefühlen angereichert.

Erst die Version, "was es war":

«Seine Hand glitt unter meinen Rock. Er würde bald merken, dass ich kein Höschen trug.»


Nun die Version, "wie es war":

«Seine Hand wanderte wie zufällig unter meinen Rocksaum, glitt an der rechten Pobacke nach unten und verharrte dort. Nun musste er merken, dass ich kein Höschen trug. Er sah mich verwirrt an. „Mach einfach weiter“, sagte ich.»


Und nun die Version, wie es war und was was die Heldin fühlte":

«Seine Hand glitt unter meinen Rock, eine warme, angenehme und starke Hand, die ihr Ziel kannte. Der klitzekleine Schauer macht sich bemerkbar, den ich immer bekomme, wenn mich ein Mann so intim berührt. Die letzte kleine Warnung vom Verstand. Die Hand wanderte weiter über den Po und versuchte dabei, mein Höschen zu erspüren, um nun auch noch darunter zu schlüpfen. Offenbar verwirrte ihn, dass ich kein Höschen trug, und er sah mich fragend an. „Mach weiter, dort unten wartet etwas Schönes auf dich“, hauchte ich in sein Ohr. »


Warum so ausführlich? Eigentlich sollte dies keine Frage sein. Denn wenn Menschen nur herumvögeln, ist das für deine Leserinnen völlig uninteressant, denn sie wollen all die W’s: wann, wo, wie, wie oft, wie lange, wie intensiv. Und vor allem, wie es überhaupt dazu kommen konnte, vor allem beim ONS, beim Seitensprung oder beim ersten Mal in einer Beziehung. Und so ganz insgeheim sucht manche Leserin auch noch eine Anregung.

Du kannst nun im Original weiterlesen – ich stimme nicht mit allem überein, was Victoria Blisse so schreibt, aber sie hat immerhin Erfolg damit.

Ich selbst empfehle dir noch, viele, viele Dialoge in deine Geschichte einzubauen. Die Art, in der deine Heldin denkt und redet, gibt deinen Leserinnen immer wieder Aufschluss über ihre Gedanken und Gefühle.

Lesen wir uns wieder? Ich hoffe doch.