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Wie entsteht eigentlich Erotik?

Die Umgebung, das Fühlen und das Schreiben ...
Nehmen wir mal an, du bist eine Software-Instruktorin, und du trägst Bluse, Blazer und einen passenden halblangen Rock, wenn du unterrichtest. Natürlich bist du selbstbewusst, freundlich, zuvorkommend und ansprechbar.

Nun stell dir vor, du begegnest am Abend deinem Lover – völlig nackt, aber ansonsten so, wie du auch am Morgen deine Schüler(innen) unterrichtet hast – selbstbewusst, freundlich, zuvorkommend und ansprechbar.

Was ist der Unterschied? Du bist die gleiche Person. Weder ist der Blitz in deinen Körper gefahren noch hat der Teufel von deinem Hirn Besitz ergriffen.

Sehen wir die Sache mal umgekehrt: Stell dir vor, du würdest demnächst nackt vor deinen Schülerinnen und Schülern stehen. An was würdest du zuerst denken?

Der Unterschied liegt darin, was du empfindest

Wahrscheinlich, dass es befremdlich, despektierlich, absurd oder erschreckend wäre. Wenn du dem Gedanken noch ein wenig nachhängst, zum Beispiel, weil du so etwas tatsächlich nachts geträumt hast, dann wirst du die Gefühle nachempfinden. Die Blicke, die auf die ruhten, der Windzug, der im Schulungsraum stets vorhanden ist, der nun aber deine Brüste trifft. Die Panik, die Scham … und du weißt nun, dass es deine Gefühle und Befürchtungen wären, die den Unterschied verursachen würden.

Genauso so ist es in erotischen, frivolen oder gar harten sexuellen Geschichten, die viele als „Pornografie“ bezeichnen. Die Person bleibt, was sie ist, aber die Umstände, unter denen wir sie beschreiben, ändern sich. Nicht nur die Orte, die Umstände und die Bekleidung ändert sich, vor allem ändern sich die Empfindungen der Person, die nun die Handlung durchlebt.

Der Mann und die Furcht vor dem Unbekannten

Ich habe ein anderes Beispiel aus der Männerwelt, das dir noch drastischer zeigen mag, wie aus Situationen Gefühle entstehen – und wie sie sich deutlich unterscheiden, obgleich rein sachlich gesehen etwas Ähnliches passiert. Vergleichen wir also eine Realität mit einer häufig geschilderten erotischen Fantasie, die ebenfalls zur Realität werden könnte.

Sachlichkeit, Furcht und Einsicht

Unsere Figur geht zu einem Urologen, um die Prostata-Routineuntersuchung mit einer IGEL-Zusatzleistung durchführen zu lassen. Ein weißer, kühl anzusehender Raum, ein Mann im weißen Kittel, den du bei der Prozedur kaum siehst. Wenige, kurze Dialoge, kühl und mit der nötigen Distanz. Da ist die Furcht vor der Prozedur und die Einsicht, sich ihr dennoch zu unterwerfen. Unerlässlich sind Gleitgel, ein behandschuhter Finger, eine Ultraschallsonde und die Bereitschaft, beides in den Anus aufzunehmen. Das kann Überwindung kosten, und manchmal entsteht ein höchst merkwürdiges Gefühl dabei, das den meisten Männern unangenehm ist. Die sind froh, wenn die Sache endlich beendet ist.

Das ist die ganz und gar unerotische Variante.

Furcht, Neugierde und Lust

Nun nehmen wir mal die hocherotische Variante:

Der Raum kann alles sein: ein speziell eingerichteter Pseudo-Klinkbereich ebenso wie dein Schlafzimmer. Wichtig ist, dass eine aufgeladene erotische Einstimmung vorausgeht – eine angespannte, von Lust und Furcht geprägte Atmosphäre. Nun tritt eine Frau auf – je nach Rolle aus dem medizinischen Beruf oder einfach eine Frau, die deiner Figur nun zeigen will, was aus der Kombination „schöne Frau, Anus und Eindringen“ erwachsen kann. Dann geht es weiter wie schon geschildert: Gleitgel, ein behandschuhter Finger, eine „Sonde“ aus dem Erotik-Shop und die Bereitschaft, beides in den Anus aufzunehmen. Und wie zuvor kann es Überwindung kosten – doch nun geht es um die Gefühle – nicht für einen winzigen Moment, sondern für viele Minuten. Und weil es eine erotische Geschichte werden soll, geht es noch um vieles mehr … Lüste, sexuelle Regungen anderer Art, Befürchtungen, Dialoge, Scham und vielleicht gar Zweifel an der Identität.

Erotische Geschichten analysiert – Gefühle und Dialoge punkten

Wenn du Geschichten dieser Art analysierst, wirst du feststellen: Der Unterschied liegt in erster Linie in den Empfindungen der Figuren, dann erst in ihren Handlungen. Deine „passiv empfindende“ Figur kann ohnehin nichts an den Prozeduren ändern – das Einzige, was der Mann schildern kann, sind seine Empfindungen, vielleicht noch die Dialoge, die im zweiten Fall deutlich drastischer und teils extrem frivol ausfallen können.

Wenn wir uns darüber klar sind, dass Gefühle und Dialoge die erotische Geschichte beherrschen sollten, damit sie „erotisch“ gelesen werden können, ist viel gewonnen. In dem meisten anderen Fällen laufen die Geschichten wir ein „Pornofilm“ vor uns ab. Du das ist wirklich schade, wenn ich an den Aufwand denke, der beim Schreiben betrieben wird.

Bild: Ca. 1950/1960 anonym veröffentlicht

Wenn du eine Story über Dominanz schreiben willst …

Seit Jahren die alte Thematik ... udn doch immer neu
Ich beginne normalerweise nicht mit einem Zitat (1), aber in diesem Fall will ich es tun.

Was diese hoch spezialisierten Treffpunkte eint, von einem dunklen S/M-Verlies bis zum Schönheitssalon für Transvestiten, ist die Vorliebe für das Rollenspiel. Hier wandelt sich die Sex-Branche in ein Theater.


Die sexuelle Abweichung, die Dominanz und das Theater im Kopf

Es ist gut, en Gedanken eines Bühnenstücks oder einer Aufführung im Kopf zu behalten – gleich, über welche Art der sexuellen „Abweichungen“ du schreiben willst. Die Sichtweise hat den Vorteil, dass du dich zurücklehnen und entspannen kannst, wenn auf deiner Bühne ein Mensch Lust und Schmerz im Wechsel oder auch manchmal zugleich durchlebt, während ein anderer dafür sorgt, dass die Show problemlos und konsequent abläuft. Du kannst natürlich auch intensiv mitfühlen. Aber immerhin: Es steht dir frei, die Szene aus jeder beliebigen Perspektive zu beleuchten.

Drei Szenarien, die häufig genannt werden

Generell gibt es drei Szenarien, die sich deutlich voneinander unterscheiden:

1. Die professionelle Herangehensweise: Die Person „A“ (Klient) bezahlt dafür, dass die Person „B“ (Fachkraft) die Prozeduren nach nach festgelegten Regeln ausführt.
2. Die zufällige Begegnung: Die Person „A“ (naiv, aber offen) lässt sich darauf ein, dass die Person „B“ (Enthusiast) sie nach recht flexiblen Regeln in allerlei „sexuelle Abweichungen“ einführt.
3. Der Wunsch eines Ehepartners, der andere möge sie/ihn im Rollenspiel dominieren.

Es gibt andere Szenarien – sie sind aber entweder deutlich unglaubwürdiger als die genannten, oder sie gleiten in ein Milieu ab, in dem kriminelle Machenschaften die Freiheit einer Person nachhaltig beschneiden. Daran sollte sich nur versuchen, wer ganz bewusst für die einschlägige Szene schreibt und weiß, was dort gefordert wird.

Spektakulär - Lebenshunger trifft auf Verführungskunst

Die spektakulärsten Geschichten entstehen aus der Situation, die ich unter (2) geschildert habe. Dabei tritt eine Person als neugierige, lebenshungrige und recht naive Person auf, während die andere über Erfahrung, Ideenreichtum und Verführungskunst setzt. Üblicherweise wird nach der „Salamitaktik“ verführt, also scheibchenweisen, wobei nach und nach immer „größere Stücke“ von der Salami gefordert und geschenkt werden. Mit anderen Worten: Mit jeder vollzogenen „Perversion“ wird die Rückkehr zur Normalität schwieriger. Das Thema wird sowohl literarisch verbrämt (9 ½ Wochen. SoG, Secretary) behandelt, wie auch pornografisch aufbereitet. Doch im Grunde verbietet es sich, das Thema ausschließlich pornografisch zu behandeln, denn dadurch entstehen zumeist nur die üblichen „Anreihungen anzüglicher Ereignisse“. Eine typische Leserin will aber vom Thema fortgetragen werden und mit deiner Figur – sei sie „oben“ oder „unten“ – mitfühlen oder mitleiden.

Die Recherche ist nicht leicht - aber historsiche Romane geben viel her

Das Schwierigste am Thema ist die Recherche – und dies, obgleich sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bestenfalls das Umfeld geändert hat, aber kaum die psychische und physische Raffinesse. Die Hauptkomponenten, also Grenzüberschreitungen, fetischistische Handlungen, Entwürdigungen, Körperstrafen. Geschlechterverwirrungen und daraus folgend gleichgeschlechtliche Lüste sind heute wie gestern die Hauptkomponenten. Die Literatur bietet dafür hinreichend plausible Beispiele.

Herantasten an das Undenkbare

Ihr könnt auch versuchen, wahre Geschichten zu finden, eigene Versuche mit Freundinnen und Freunden zu unternehmen oder euch an die Lüste und Schmerzen durch Beispiele anderer Art herantasten, die nicht-erotischer Natur waren. (Zum Beispiel psychische, soziale und körperliche Grenzerfahrungen).

Nur ein solltet ihr meiden: Videos darüber anzuschauen. Sie geben nicht nur ein falsches Bild, sondern sind fast immer auch „auf das äußerliche“ (Schläge, Tritte, Striemen und schmerzverzerrte Gesichter) ausgerichtet. In Wahrheit beginnt und endet das, was du eigentlich beschreiben willst, im Gehirn, dort, wo die Gefühle zusammenlaufen, sich ineinander verschlingen und wieder aufgelöst werden.


(1) "Red Light", New York, 1996
Bild: Historischer Buchtitel, ca. 1920, vereinfacht

Weiberherrschaft – ein Meisterwerk der Viktorianischen Erotik

Symbolische Unterwerfung - Korsett und Frauenkleider
In der Viktorianische Ära (1837 bis 1901), wahrscheinlich sogar bis zum Ersten Weltkrieg, schien das Vereinigte Königreich eine Oase des Konservativismus zu sein. Aber gerade in dieser Zeit wuchs unter der Fassade des aufrechten Bürgertums eine ungeheure sexuelle Begierde, die als „erste sexuelle Revolution“ in die Geschichte einging. Und sie spülte allerlei hervor, was sich im konservativen England kaum vorstellen konnte: außerehelicher Geschlechtsverkehr, Flagellationsbordelle, diverse Arten von Prostitution, gleichgeschlechtliche Beziehungen und alle Arten von Geschlechtsverwirrungen.


Begonnen hatte diese Entwicklung in englischsprachigen Ländern bereits gegen Ende des 18.Jahrhunderts begonnen: Zitat (1)

Im späten 18. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Handel mit englischer Erotik. Obgleich die Veröffentlichung von Pornografie immer noch illegal war, war sie doch sehr verbreitet. Nun war es auch für Schulmädchen und ländliche Geistliche möglich, kommerziell produzierte erotische Bücher und Illustrationen von nackten Männern und Frauen in fleischlichen Verbindungen mit anderen zu erwerben, und dies in unterschiedlichen Situationen: stehend, liegend, sitzend.


Die erotische Weiberherrschaft

Die erste vollständige deutsche Ausgabe - Privatdruck
Etwa 100 Jahre später erschienen dann Abhandlungen über "sexuelle Abweichungen". Genau in diese Zeit fällt fällt der dreiteilige Roman „Weiberherrschaft“. Um ihn zu verstehen, muss man die Gesellschaftsordnung jener Zeit begreifen: Erotik und Gesellschaftssatire gingen oft eine Verbindung ein, und so ist es auch im vorliegenden dreiteiligen Buch. Der adlige Held wird nach einem peinlichen häuslichen Vorfall einer strengen Gouvernante übergeben, die ihm zum Wohlanstand zurückbringen soll. Ihr Name ist Mademoiselle Hortense de Chambonnard, und sie weiß sehr genau, was sie mit aufsässigen, neugierigen, aber sexuell unerfahrenen jungen Männern tun kann: Frustrieren, Abwerten, Peitschen und Feminisieren einerseits. Und anderseits, sie zu verführen, sie geschlechtlich zu verwirren und mit ihnen die körperliche Liebe auf beiderlei Art zu vollziehen: als Mann und als Frau.

Das Buch - Naivität, sexuelle Neugierde, Geschlechterverwirrung, Flagellation

Es war nicht das erste Werk, das sich der erotischen Flagellation bediente – kurz zuvor (1870) hatte Ritter von Sacher-Masoch sein Buch „Venus im Pelz“ veröffentlicht, und kurz danach hatte Krafft-Ebing (1886) den Autorennamen benutzt, um den Begriff „Masochismus“ in die Welt zu setzen. Das Buch Gynecocracy (Weiberherrschaft) wurde 1893 veröffentlicht (2) – das genaue Erscheinungsdatum ist allerdings nicht eindeutig belegt, da erotische Romane jener Zeit bewusst mit falschen Erscheinungsdaten und unter falschen Verlagsnamen in den Verkehr gebracht wurden. Behauptet wird, es sei von Leonhard Smithers (3) verlegt worden und sei im Buchhandel von Robson & Kerslake (4) erhältlich gewesen. Beide Behauptungen sind sehr wahrscheinlich korrekt, da alle genanten Firmen tatsächlich existierten und für Erotika bekannt waren. Zu erwähnen wäre noch, dass sich die Menschen der damaligen Zeit auf für psychische Phänomene zu interessieren begannen, von der Siegmund Freude erstmals 1896 sprach.

Der Autor - oder waren es gar mehrere?

Das Buch soll 1893 geschrieben und verlegt worden sein. Als Autor gilt der englische Anwalt Stanislas Matthew de Rhodes (2) (1857-1932). Seine Autorenschaft ist zwar nicht unumstritten, jedoch kann man davon ausgehen, dass die drei Bände des Romans von einem intelligenten Menschen mit überschäumender Fantasie und einem Schuss bittere Satire geschrieben wurden. Das deutet wieder auf einen Kreis von gleichgesinnten hin, der ebenfalls typisch für die viktorianische Epoche war, von der wir reden. Um diese Zeit waren Versammlungen von Männern, die gemeinsam tranken, sich an nackten Tänzerinnen ergötzten und erotische Literatur lasen schon sehr etabliert. (3). All diese Männer waren angesehen Bürger und größtenteils Intellektuelle. Es ist möglich, dass Stanislas Matthew de Rhodes das Buch nicht alleine schrieb – darauf deuten stilistische Unterschiede in den drei Teilen hin, wie einige der Herausgeber (2) hervorgehoben haben. Das Kernstück, das die höchste literarische Qualität beinhaltet, ist ohne Zweifel der erste Teil der Trilogie. Der ursprüngliche Titel lautete:

Gynecocracy: A Narrative of the Adventures and Psychological Experiences of Julian Robinson (afterwards Viscount Ladywood) Under Petticoat-Rule, Written by Himself.


Der Autor spelt mit der Geschlechtlichkeit

Der Autor spielt vor allem damit, Geschlechtlichkeit nicht als etwas Gegebenes zu betrachten, sondern als Ausdruck des Verhaltens, der Gesten, der Bekleidung und dergleichen. Wenn der Held von Mademoiselle zu sexuellen Handlungen verführt wird, darf er ein Mann sein, wird er von der Zufallsbekanntschaft Fräulein Stormont verführt, so wir verbal suggeriert, hier fände ein Inzest statt. Und wenn Lord Alfred ihn verführt, werden Anklänge an Homosexualität deutlich, die freilich ebenso willkürlich sind: In Wahrheit ist der „Lord“ eine verkleidete Lady. Hinzu kommen noch erotische Wünsche an und von drei Cousinen (Maud, Beatrice und Agnes) sowie einige strenge Bestrafungen durch die Zofe von Mademoiselle, Elise. Die Titelbilder der Romane täuschen oftmals über den Inhalt, und wer ein sinnliches Werk ohne Homoerotik, skurrile Beziehungen oder Flagellation sucht, sollte es meiden.

Vielleicht kann man sich vorstellen, was in diesem Druckkessel der befremdlichen Erotik alles möglich ist, und in der Tat zieht der Autor alle Register des Sinnlichen, Heftigen und Ungebührlichen … jedenfalls verglichen mit dem, was in in ehelichen Schlafzimmern passierte.

Ausgaben in Deutschland

In Deutschland erschien das Werk angeblich bereits 1906, jedoch ist eine Ausgabe von 1909 bekannter. Man verwendete den Originaltitel, in dem man lediglich den in Deutschland unbekannten Begriff „Under Petticoat-Rule“ (unter der Herrschaft des Rockes) in „unter dem Pantoffel“ ersetzte.

Weiberherrschaft. Die Geschichte der körperlichen und der seelischen Erlebnisse des Julian Robinson nachmaligen Viscount Ladywood. Von ihm aufgezeichnet zu einer Zeit wo er unter dem Pantoffel stand.


Die Ausgabe in der Übersetzung von Erich von Berini-Bell erschien dreibändig und mit Illustrationen versehen 1909 in Leipzig als Privatdruck. Sie wurde als „erste vollständige Übersetzung aus dem Englischen und in gleicher Weise aber auch als „Originalausgabe“ bezeichnet. In einigen der Neuauflagen wird auf die Original-Übersetzung verwiesen, während andere behaupten, überarbeitete Versionen der Übersetzung zu verwenden.

Viele Ausgaben in deutscher Sprache - und immer wieder Indizierungen

Ich bin weit davon entfernt, alle Ausgaben zu kennen. Die erste Neuauflage der Übersetzung von 1909 erschien im Jahr 1969 und wurde wurde offenbar sofort indiziert. Sehr bekannt wurde eine Ausgabe der Heyne EXQUISIT BÜCHER aus dem Jahre 1973, das 288 Seiten stark war und offenbar bis 1979 in siebter Auflage im Handel war. Andere bekannte Ausgaben sind die von Moewig/Playboy (1982) als Gesamtwerk (253 Seiten) und 1991 von Ullstein, wo alle drei Bände separat erschienen. Warum einzelne Ausgaben indiziert wurden und andere nicht, ist mir unbekannt.

Merkwürdigerweise werden in nahezu allen Neuauflagen keine Übersetzer genannt, obgleich die mir bekannten Übersetzungen des Originals recht gut gelungen sind. Es mag sein, dass Änderungen in manchen Ausgaben dazu dienen sollten, der Zensur zu entgehen, denn alle drei Bände, wie auch das Gesamtwerk wurde mehrfach indiziert 5). Die recht detaillierten Beschreibungen der erotischen Vorgänge sprechen jedoch dafür, dass keine Überarbeitung so „weich gespült“ werden konnte, dass sie den Kriterien der Moralwächter entsprach.

Im Grunde ein zeitgeschichtliches Dokument mit überhitzter Erotik

Das Werk sollte heute als zeitgeschichtliches Dokument gelten. Es mag erotisch überhitzten Hirnen entstammen, aber es ist dennoch – oder gerade deswegen - ein Zeitdokument. Und es wurde so oft kopiert (6) und umgeschrieben wie kaum ein anderes erotisches Werk - sogar vom mutmaßlichen Schöpfer selbst, der als „M. Le Comte Du Bouleau“ 1898 die Novelle „The Petticoat Dominant“ schrieb.

Quellen:

(1) The Origins of Sex, London 2012, Seite 348.
(2) Gynecocracy, Neuauflage des Originals, erschienen 2011, Vorwort.
(3) The Origins of Sex, London 2012, Seite 344.
(3)Leonhard Smithers. https://en.wikipedia.org/wiki/Leonard_Smithers
(4) Robson & Kerslake waren bekannt dafür, erotische Übersetzungen und Originalwerke zu vertreiben.
Weitere Erwähnungen in: Clandestine Erotic Fiction in English 1800–1930: A Bibliographical Study by Peter Mendes
(5) Erich von Berini-Bell, Weiberherrschaft, indiziert 1969
(6) z.B. Don Brennus Aléra: Fred / Frederique
Der Urheber des Titelbilds ist unbekannt.




Erotische Geheimbünde – ein Thema für dich?

Dieser Artikel handelt davon, wie du „heftige“ erotische Themen in einem anderen Gewand präsentieren kannst und damit dem Vorwurf entgehst, eine „Pornografin“ zu sein.

Erotisches Femegericht
Es gibt zahlreiche Romane aus alten wie aus neuen Zeiten, bei denen es an der Oberfläche um Mystik oder Esoterik geht, die in Wahrheit aber erotische Praktiken darstellen, die ohne diese Umhüllung aber zweifellos als Pornografie eingestuft würden. Soweit diese Romane nicht in der Gegenwart spielen, handeln sie zumeist von verbotenen oder weitgehend verpönten Aktivitäten, am häufigsten von Gruppen, die von „freier Liebe“, meist weiblicher Homosexualität oder erotischer Flagellation geprägt sind. Dazu kommen wirkliche oder vermeintliche Geheimbünde, die erotische Gericht (Pseudo-Femegerichte) betrieben und sich in diesem Zusammenhang auch mit schweren Körperstrafen oder der Folter beschäftigen.

Die Gegenwart - es gibt noch Geheimbünde

In der Gegenwart sind religiöse, esoterische und psychologisch orientierte Geheimbünde bekannt geworden, die teils rigide, teils aber auch sanft-erotische Rituale praktizieren. Auch abgespaltene Teile der BDSM-Szenerie haben sich wieder in den Untergrund zurückgezogen.

Rituale - verbreitet bei sogenannten "Hexen" und im Voodoo-Kult

Außerdem gelten manche nicht-erotische, aber rituell geprägte Gemeinbünde, wie Voodoo oder Hexenkult, als Brutstätten erotischer Fantasien. In dem Zusammenhang, den wir hier betrachten, spielt keine Rolle, ob es sich dabei um Tatsachen oder Behauptungen handelt. Schließlich befinden wir uns im Bereich der erotischen Literatur, in der manches erlaubt ist, was in der Realität eher befremdlich wäre.

Insbesondere Geheimkulte, die von sogenannten „Hexen“ oder allgemein von Göttinnen und ihren Dienerinnen ausgehen, haben eine magische Anziehungskraft auf Leserinnen. Die liegt vermutlich an den Ritualen, die in ihnen praktiziert werden. Erstaunlicherweise hat auch „Voodoo“ wieder an Bedeutung gewonnen, als bekannt wurde, dass aus Afrika stammende junge Frauen sich unter Einwirkung des Voodoo-Zaubers prostituierten.

Die "üblichen Verdächtigen": Internate und Erziehungsanstalten

Mysterien und Gerüchte gehen aber auch von Internaten, geschlossenen Frauen- und Männerzirkeln, Erziehungsanstalten und Zuchthäusern aus. Werden die erotischen Komponenten geschickt verpackt, entgehen sie so der Kritik. Das „Picknick am Valentinstag“ ist so ein Buch, bei dem die lesbische Grundtendenz soweit mystifiziert wurde, dass sie sogar manchen Literaturkritikern kaum auffiel.

Wie geheim ist der erotische Geheimbund?

Zunächst einmal sind Geheimbünde deswegen geheim, weil kein Außenstehender etwas von den dort vollzogenen Praktiken wissen soll. Deine Geschichte kann also so unglaubwürdig sein, wie du sie anlegst: Weil ein Geheimbund eben „geheim“ ist, weiß niemand etwas davon außer deiner Figur, die mitten drin steckt. Dennoch kannst du gelegentlich auf ähnliche mysteriöse Fälle in Gegenwart und Vergangenheit hinweisen.

Öffentlich sichtbare Organisationen mit inneren Geheimbünden

Manche Organisationen hüten Geheimnisse, die nur einem inneren Kreis offen stehen, die aber auch einen öffentlichen zugänglichen Teil haben. Im Inneren besteht dann eine geheime „Schnittstelle“, über die neue Mitglieder für einen „inneren Zirkel“ rekrutiert werden. Diese Themen sind aus der Esoterik- und Psycho-Bewegung bekannt.

Nicht geheim, aber dennoch verborgen

Nicht alle Geheimbünde haben tiefe, alte Wurzeln. Der Sinn neugegründeter Gruppen besteht zumeist darin, gewisse Rituale und erotische Praktiken auszuüben, mit denen die Mitglieder in der Öffentlichkeit nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Dagegen spricht nichts, solange sie nicht gegen Gesetze verstoßen oder versuchen, Außenstehende zu rekrutieren und für ihre Zwecke zu nutzen.

Die Attraktion der erotischen Geheimbünde - heute

Die erotischen Geheimbünde der Vergangenheit standen unter dem Verdacht, für ihre Zwecke Mitglieder aus niederen Ständen zu rekrutieren, die vom Luxus oder der Magie geblendet waren. Hingegen versuchen Psycho- und Esoterik-Sekten besonders attraktive Personen aus der guten Gesellschaft zu überreden, Mitglieder zu werden. Einige der neu entstandenen heutigen Geheimbünde werden verdächtigt, kriminelle Machenschaften zu decken – auf dieses Feld begebt ihr euch besser nicht – es sei denn, ihr schreibt Krimis, die voll davon sind.

Es gibt zwei wichtige Fragen, die ihr beantworten müsst, bevor ihr einen erotischen Roman in das Milieu der Geheimbünde verlegt:

1. Welche dieser Gruppen sind euch bekannt, oder wie könnt ihr Informationen über die wirklichen oder vermeintlichen Rituale bekommen?
2. Wie kommt eure Figur in die Nähe dieser Gruppen, und auf welche Weise wird sie in den „inneren Zirkel“ aufgenommen?

Wenn ihr auf beide Fragen eine Antwort wisst, kann es losgehen. Eure Story kann vom langsamen Untergang (möglicherweise mit später Errettung) handeln, eventuell auch davon, das Leben in der Geheimgesellschaft zu genießen oder gar vom Aufstieg in der Hierarchie der Gruppe.

Bild: (Femegericht) by Jim Blake (Pseudonym)

Dieser Artikel muss hier nicht beendet werden – ihr allein entscheidet mit euren Klicks, ob wir die Hintergründe oder gar Textbeispiele veröffentlichen. Eines kann ich euch schon jetzt verraten. Die Hintergründe sind höllisch heiß – und wir kommen dabei in die Nähe von Sadistinnen, Foltermägden, Geheimdienstmitarbeiterinnen, gleichgeschlechtlichen Verführerinnen und den Priesterinnen vorgeschichtlicher Gottheiten. (Wen die weibliche Form stört – denkt daran, dass ihr überwiegend für Leserinnen schreibt).

Wer war eigentlich P.N. Dedeaux?

Zu den Geheimnissen der Autorinnen und Autoren von erotischen Werken, insbesondere von pornografisch anmutender Flagellationsliteratur, gehört ihr Pseudonym. Wer edle Literatur einerseits schreibt, kann durchaus anderseits ein Groschenromanschreiber oder ein pornografischer Schriftsteller sein. Zudem kommt es vor, dass mehrere Schriftsteller das gleiche Pseudonym benutzen. Ja, es soll sogar vorkommen, dass Verlage den Namen eines Goldesels weiterhin nutzen, auch wenn der ursprüngliche Autor längst keine Bücher mehr schreibt. Und letztendlich werden manche Novellen unter neuen Titeln und mit neuen, ebenfalls verschleiernden Autorennamen herausgebracht.

Wenn der Autor seine Identität nicht selber lüftet, ist es kaum möglich, seine Autorenschaft festzustellen oder zu bezweifeln. Dennoch hörte ich, dass die Identität eines bekannten Schriftstellers flagellantischer Literatur, inzwischen gelüftet sein soll.

Es handelt sich um den Flagellations-Romancier P.N. Dedeaux. Angeblich will man Geoffrey Atheling Wagner „mit ziemlicher Sicherheit“ als Autor identifiziert haben. Diesen Namen gibt e tatsächlich. Er soll von 1927 bis 2006 gelebt haben, war nach glaubwürdigen Quellen eigentlich Übersetzer, schrieb aber auch eigene Novellen und Essays, die allerdings in Vergessenheit gerieten. Sofort ergibt sich wieder die Frage, ob alles, was unter dem Namen Geoffrey Wagner veröffentlicht wurde, tatsächlich von ihm stammt, denn darunter sind auch einige Groschenromane zweifelhafter Herkunft.

Angeblich will Dedeaux/Wagner eine ganze Liste von Werken geschrieben haben, die, wie bei erotischen Büchern nicht unüblich, entweder anonym oder unter Fantasienamen veröffentlich wurden und deren Titel ebenfalls variierten. Das erste seiner erotischen Werke soll 1969 erschienen sein: „The Nothing Things“.

Insgesamt soll es sich bei den Werken um folgende erotische Schriften handeln:

1969
The Nothing Things (W)
Tender Burns (W)
The Territory Within (W)
Carols Tribal Costum (X)

1970
The Tutor (D)
Wealed Venus (W)
The Prefect (The Prussian Girls) (D)

1972
Rosie’s Aunt (W)
The Gouverness Goverend (D)

1973
SM – The Last Taboo (Sachbuch, X)

1989 - 1999
1989
Clotilda (X)
1992
The Camp (X)
1999
Aunt Anna – 1999 (X)

Nicht alle literaturkritischen Quellen wollen dem Gedanken folgen, dass Geoffrey Atheling Wagner tatsächlich der Autor oder jedenfalls nicht der alleinige Autor ist, der als P.N. Dedeaux schrieb. Die Liste mag Ihnen zeigen, welche Werke angeblich endgültig Geoffrey Atheling Wagner zugeschrieben werden können. Es sind insgesamt nur fünf erotisch-flagellantische Werke, die zwischen 1969 und 1972 verfasst wurden. (mit „W“ gekennzeichnet). Die mit „D“ gekennzeichneten werden nach wie vor „Dedeaux“ zugeschrieben, und die mit „X“ bezeichneten lassen sich offenbar nicht eindeutig zuordnen – sie werden oft als „Spätwerk“ bezeichnet.

Wie bereist erwähnt, wird auch behauptet, einige von Dedeaux Werken könnten auch von anderen Autoren geschaffen worden sein, zum Beispiel von dem ideenreichen Andrew Jefferson V. Offutt. Er war ein Erotik-und Serienschreiber, der etwa zur gleichen Zeit lebte – die Quelle, die Wikipedia dafür verwendet, ist aber fragwürdig und sie konnte bei einer Nachrecherche nicht bestätigt werden. Freilich ist es ebenso möglich (und in dieser Branche nicht unüblich) dass mehrere Autoren unter ein und demselben Pseudonym schrieben.

Was ist nun mit den „The Prussian Girls“?

Es ist schwer zu beurteilen, ob „The Prussian Girls“ tatsächlich aus der Feder von Geoffrey Atheling Wagner stammt. Ursprünglich erscheint dieser Roman unter den Titeln: „The Prefect“ und „The Prefects“. Erst in den Ausgaben von „Blue Moon“ aus den Jahren 1987 und 1998 erschienen die Romane im Rahmen der „Internatswelle“ unter diesem Namen.

Sicher ist hingegen, dass der Roman die komplizierten Beziehungen zwischen Erzieherinnen und Eleven in strengen Internaten nicht ausreichend würdigt. Vielmehr handelt es sich um einen Flagellationsroman einfacher Art, der sich liest, wie „schon einmal gelesen“, nur nicht vom selben Autor. Offenbar wollte der Autor die Strenge, die Pflicht und die Schuldigkeit, die er im alten Preußen vermutete, einfach für eine Variante des erotischen, lesbisch geprägten Flagellationsromans nutzen. Heute gibt es viele Autorinnen , die über lesbisch geprägte Flagellationen in Internaten schreiben, beispielsweise Yolanda Celbridge.

Quellen: Die angebliche Enthüllung und die Bücher sowie ihrer Ausgaben. Andrew Jefferson V. Offutt Biografie und Werk (falsch) und hier richtig. Geoffrey Wagner Werk (ohne "Atheling").