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Thema: Androgyn sein - und wie ist das erotisch?

Es gab Zeiten, in denen das Leben androgyner Menschen im erotischen Roman ausgesprochen heiß gehandelt wurde. Ich erinnere nur an die vielen Romane englischer Herkunft, in denen süße, schlanke Jünglinge nicht recht wussten, ob sie Fisch oder Fleisch waren. Inzwischen ist der „schöne Jüngling“, der ein bisschen mädchenhaft aussieht, längst nicht mehr so populär. Und auch sein Gegenstück, die etwas männlich-herbe, flachbrüstige und forsch ausschreitende junge Dame, wird in der erotischen Literatur wenig erwähnt.

Androgyne Persönlichkeiten und Bi-Fantasien

Wer sie wiederbeleben will, muss sich auf das eisglatte Parkett der sogenannten „Bi-Sexualität“ begeben. Dabei ist nicht sicher, ob der schöne Jüngling wirklich von einem anderen Mann zärtlich geliebt werden will, noch kann angenommen werden, dass jede flachbrüstige Frau mit fester Haltung das Bett gerne mit einer anderen Frau teilen würde. Nahezu sicher ist hingegen, dass der androgyne Mensch auch dann vom gleichen Geschlecht begehrt wird, wenn er selber anders ausgerichtet ist.

Wohin neigt sich die Wage?

Der Reiz solcher Geschichten liegt darin, dass sich die androgyne Person oft nicht genau weiß, wohin sich sich neigen soll. Das wird umso schwieriger für sie, als sie beim eigenen Geschlecht mehr Erfolge haben könnte als beim anderen. Wird sie sich also verführen lassen? Und wird die Verführung durch eine Frau, einen Mann oder ein Paar erfolgen?

Und dann? Wird es deiner Heldin / deinem Helden gefallen, in der Rolle zu bleiben? Was, wenn sich diese Figur mal weiblich, dann wieder männlich präsentieren würde, inklusive der entsprechenden Kleidung? Wichtig ist dabei die Erotik der Situation und nicht, ob tatsächlich sexuelle Handlungen stattfinden.

Du kannst deinen entsprechenden Romane durchaus in die Jetztzeit verlegen. Das Internet bietet die Möglichkeit, sowohl als Frau wie auch als Mann aufzutreten, und deine Figur kann sich schillernd durch die virtuelle Welt der Lüste bewegen. Doch was tut sie, wenn sie sich wirklich real verliebt?

Nach meiner Kenntnis haben nur wenige Menschen dieses Thema angefasst. Es ist auch aus psychologischer Sicht interessant und kann deswegen als „anspruchsvolle Literatur“ angesehen werden. Dabei kann auch die Frage aufgeworfen werden, ob deine Figur das ist, als was sie wahrgenommen wird oder das, was sie zu sein beabsichtigt.

Erfahrung ist nötig

Entsprechend solltest du ziemlich erfahren sein, wenn du das Thema aufgreifst und möglichst auch eine androgyne Person kennen.

Relevanz

Über die Relevanz kann ich dir heute nichts sagen – außer dass „chargierende erotische Identitäten“ zeitabhängig ständig neu betrachtet werden. Und dies sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Realität. Das Interesse an Bisexualität oder "fließenden sexuellen Präferenzen" hat jedenfalls deutlich zugenommen und liegt heute bereits im befriedigenden Bereich des Interesses.

Ich denke, wenn du heute (also nach 2010) ein solches Thema aufgreifen würdest, wäre dir eine zwar begrenzte, aber dafür intelligente (meist weibliche) Leserschaft sicher.