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Erotik - trivial oder doch literarisch wertvoll?

Auf ein Wort: Na schön, da war Buchmesse. Offensichtlich werden Werke ausgezeichnet, die eigentlich niemand mehr lesen will. Es sei denn, spitzohrige Bildungsbürger, die am Ende ihrer Tage die Welt verstehen wollen. Ich will gar nicht meckern – Literatur zu produzieren heißt, dass man unter sich ist. Und „große Literatur“ ist immer da, wo wir niemals sind – weil von ihr jemand „ergriffen“ werden soll. Mal ehrlich – ich will nicht ergriffen werden. Ich will etwas lesen, das in jeder Zeile interessant geschriebenen wurde.

Nichts Neues im Massengeschäft - und wie ist es mit der Erotik?

Wenn Sie heute lesen (und insbesondere sehen), was für die Massen an Büchern geschrieben wird, dann werden Sie feststellen: Da gibt’s nichts Neues. Die Sprache ist altbacken, und wer kann, schreibt so ab, dass es niemand merkt. Oder jedenfalls nicht sofort.

Der Vorwurf trifft die Massenware „Krimis“ ebenso wie die Liebesromane und ganz selbstverständlich auch die erotische Literatur. Die Inhaberin des ebook-Verlages Cupido aus Köln weiß dazu allerdings (Zitat):

Das Genre ist durchaus nicht so schlecht wie sein Ruf! Zwar wird allenthalben behauptet, man könne erotische Texte nach Schema F herstellen, aber das ist zu kurz gedacht. Sicher geht das, und sicher reicht das dann auch für die eine oder andere einhändige Aktion – aber ich glaube, dass Erotik in der Literatur als Teil des Ganzen ernst genommen werden muss.


Ich habe die sso langatmig zitiert, weil es ausgesprochen zutreffend ist – und nicht nur für E-Book-Schreiberinnen und andere Hobbyautorinnen. Gerade die „bekannten“ weiblichen Erotikschreiber kokettieren viel zu oft nur mit den erotischen Vorgängen. Denn die Gefühle, die sie angeblich offenbaren, liegen fast immer an der Oberfläche. Da wird so gut wie niemals hart und kompromisslos an Begierde, Wollust oder Schmerz herangegangen. Und ich meine damit nicht, dass daraus simple Aufsatz-Gedanken wie in der Schule gestrickt werden. Falls Sie einige Negativ-Beispiele brauchen, können Sie gerne selbst suchen, sie beginnen meist mit „Sie fühlte …“ oder „sie spürte“.

Schlechte Beispiele gibt es genug – und doch: Auch wenn Sie noch so gut sind, bleiben Sie damit ewig in der „Schmuddelecke“. Die Spitznasen der Kritiker-Clique lieben schwer Gedanken, die das Gute vom Bösen trennen und aus denen ersichtlich wird, warum das eine oder andere obsiegt.

Kritiker wollen keine Erotik - weil sich keine Moral daraus gewinnen lässt?

Die Kritiker mögen die Erotik nicht wirklich, und die Wollust schon gar nicht. Denn Erotik und Wollust sind Empfindungen, die weder Gut noch Böse kennen, und aus denen sich keine Moral ablesen lässt, die den Menschen zum Besseren verändern könnte.

Ach, noch ein Nachwort? Ja, mir liegt’s am Herzen. Auch das neumodische Geschwafel von „sozialer Korrektheit“ hindert Autorinnen, hart zur Sache zu kommen. Die Sprache der Lust ist niemals sozial korrekt, und die wenigstens der interessanteren sexuellen Handlungen lassen sich „sozial korrekt“ oder „genderneutral“ beschreiben.

Und nun? Nun schreiben Sie, um Himmels und Teufels willen, und lassen Sie ihre Seele dabei überkochen. Schreiben sie so schmutzig, lassen Sie Körperflüssigkeiten fließen und Frauen und Männer so reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

12 sinnreiche Tipps für Erotik-Autorinnen

Lesen, um zu schreiben?
Dieser Artikel bezieht sich nicht ausschließlich auf Erotik-Autorinnen und –Autoren. Sie können jedem Schreib-Anfänger auf die Sprünge helfen. Auch Ihnen.

Hier meine wichtigsten Tipps:

1. Schreiben Sie viel, und wagen Sie Experimente.
Schreiben Sie täglich, und versuchen sie, wenigstens 300 Wörter zu schreiben. Falls Sie Romane schreiben wollen (aber auch sonst wichtig): Legen Sie jede Seite ein paar Tage in den Brutschrank, und lesen Sie ihren Text dann nochmals vom Original laut vor. Versuchen Sie sich bitte zuerst an Kurzgeschichten. Wenn Sie dieses Genre beherrschen, können Sie sich an längere Texte wagen.

2. Lesen Sie, schreiben Sie um
Lesen Sie, versuchen sie, den Stil des anderen nachzuvollziehen und schreiben sie den Text dann so um, wie Sie ihn schreiben würden. Vermeiden Sie den deutschen Aufsatz-Stil: Er ist ein Erotik-Killer. Versuchen Sie, in mehreren Zeitformen und Stilrichtigen zu schreiben. Lesen Sie erotische Texte aus dem 19. Jahrhundert und achten Sie auf die Formulierungen. Experimentieren Sie dann mit modernen Stilformen wie SMS oder E-Mail-Nachrichten.

3. Analysieren Sie Wörter, Sätze und ganze Texte
Analysieren heißt nicht, intuitiv zu erfassen, so wie ich es im dritten Tipp beschrieben habe. Achten Sie auf die Wortwahl, die Länge der Sätze, die Struktur. Wie baut der Autor seine Figuren auf? Welche Möglichkeiten gibt er ihnen? Wie logisch oder realistisch sind sie? Ist alles nur Sex oder werden ihnen Gesichten erzählt, in denen Sex vorkommt? Wie nahe gehen Ihnen dabei die Gefühle? Welche Worte und Formulierungen wurden benutzt, um Sie als Leser(in) sexuell zu erregen?

4. Knüpfen Sie an Ereignisse und Realitäten an
Manche Autoren schreiben so, als seien sie bei wichtigen Ereignissen, die es tatsächlich gab, dabei gewesen. In jedem Fall aber können Sie das tatsächliche Zeitgeschehen in ihre Erzählung einbauen. Das gibt selbst der schwülstigsten Geschichte einen Hauch von Realität.

5. Schreiben Sie am frühen Morgen, wenn Sie können
Es ist manchmal schwer, vor dem „eigentlichen“ Arbeitsbeginn als Buchhalterin oder Programmierer ein paar Sätze zu Papier zu bringen. Aber: Notieren Sie dann wenigsten die Gedanken, die Ihnen beim Duschen oder beim Frühstück eingefallen sind. Oder auch die wilden Gedanken, die Sie aus Ihren Träumen oder beim Aufwachen gewinnen konnten.

6. Vermeiden Sie in jedem Fall Klischees
Sehen Sie fern? Lesen Sie Massenware über die Liebe oder die Wollust? Da folgt Klischee auf Klischee, und die Autoren glauben, wir doofen Leser(innen) oder Zuschauer(innen) merken es nicht. Allerdings können Sie auch Klischees aneinanderreihen, um sie ad absurdum zu führen. Das passiert zum Beispiel in der britischen Fernsehserie „Coupling“.

7. Lassen Sie heftige Gefühle zu
Der beste Weg, um gegen Klischees zu kämpfen, ist authentische oder ungewöhnliche Gefühle zu äußern. Gerade die Gefühle beim „ersten Mal“, bei extrem heftigem Sex und bei Orgasmen, aber auch die Gefühle bei Rollenspielen werden oft reichlich „unterbelichtet“. Wenn Sie das tun, benötigen Sie Mut, und wahrscheinlich werden Sie angegriffen, wenn Sie zu geil sind, zu sehr hassen oder sich als Schmerzkenner(in) ausweisen. Dazu passt Punkt sechs.

8. Sie müssen kein „braves Kind“ mehr sein-werden Sie erwachsen
Vergessen Sie ihre „Wohlanständigkeit“, und mit ihr die Welt Ihrer Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel. Wichtig ist, was Sie denken und fühlen und nicht das, was andere möglicherweise dagegen einwenden. Es ist Ihr Werk.

9. Schreiben kann schmerzen
Wenn Sie schreiben, können bei Ihnen selbst Gefühle hervorgerufen werden, die Ihnen nicht „geläufig“ sind. Versuchen Sie, gerade diese Gefühle hervorzubringen und nicht zu unterdrücken. In ihnen steckt Explosivkraft, die Sie nun auf Ihre Figuren abwälzen können. Versuchen Sie, die Gefühle so zu beschreiben, dass ihre Leserschaft sie nachvollziehen kann.

10. Finden Sie den besten Ort zum Schreiben
Meist ist es nicht das Klo, Bei mir ist es immer mein großzügiges Büro, in dem ich Ruhe habe. Andere ziehen sich auf Hütten und Dachböden zurück oder schreiben in Cafés oder auf Parkbänken. Leider ist eine enge Beziehung oft ein Schreibhindernis: Erbitten Sie sich Freiräume.

11. Schreiben Sie ruhig in Kladde
Nicht jeder ist so formulierungssicher, dass er sofort „ins Reine“ schreiben kann, auch bekannte Autoren nicht. Es ist besser, ein wüstes Manuskript, sogar ein solches mit Flüchtigkeitsfehlern, im Kasten zu haben als gar keines fertigzubringen. Wenn Sie beim Schreiben erregt sind – lassen Sie es zu, aber nehmen Sie sich alles, was Sie im Zustand der Wollust geschrieben haben, später noch einmal vor.

12. Schreiben Sie, weil sie es wollen
Schreiben Sie, weil sie wirklich schreiben wollen. Jeder Lektor oder spätere Leser bemerkt, ob sie aus wahrer Lust geschrieben haben oder nur, um Seiten zu füllen. Sie können auch mit „Seitenfüllen“ Geld verdienen und berühmt werden. Aber das ist selten.

Einen kleinen Teil dieser 12 Punkte habe ich dem Blog von „Girly Juice“ als Anregung entnommen. Dieser Text ist aber weder eine Kopie, noch eine Übersetzung des Originaltextes, der in eine andere Richtung führt. Der wichtigste Satz, den ich jemals gehört habe und weitergebe, kommt aus einer ganz anderen Richtung: Lassen Sie ihren Figuren die Freiheit, sich zu entwickeln. Es hat keinen Sinn, wenn sie nur bis an IHRE Grenzen gehen dürfen. Oder, ultrakurz: Ihre Figur darf das.

Hinweis: Dieser Artikel kann in etwas veränderter Form in mehreren meiner Medien erscheinen.

Eine simple Methode, um alles zu schreiben, was Sie wollen

Wenn sich der Rock nach oben schiebt ...
Ob Sie einen 602-seitigen, durchgebenden Roman oder eine Kurzgeschichte in dreihundert Wörtern schreiben wollen, immer benötigen Sie das, was ihr Deutschlehrer einmal als „Gliederung“ bezeichnete. Ob es die hölzerne Aufsatzstruktur ist, oder die kompakte Kurzgeschichte, immer wieder hören wir, dass wir eine Struktur, ein Gerüst oder einen roten Faden benötigen, an dem wir uns entlanghangeln können. Ganz „modern sein wollende“ Autoren schreiben uns dann noch ins Poesiealbum: „Versuch es mal mit Mindmapping“.

All dies ist gut und schön, nützlich und brauchbar, aber keine wirkliche Methode, denn eine Methode muss nachvollziehbar sein.

Ein sehr einfache Methode, alles zu schreiben, was Sie wollen

Ich versuche hier und heute, ihnen eine Methode zu zeigen, die Ihnen dann nützt, wenn Sie noch nichts zu Papier gebracht haben, oder wenn Ihnen jeder Sinn für Strukturierung und Aufbau einer Geschichte fehlt. Sie kann Ihnen aber auch dann nützlich sein, wenn sich sich verlaufen, verfranst oder festgefahren haben.

Diese Formel stammt aus der Wirtschaft, heißt dort ganz anders und wurde hier vorn mir weiter vereinfacht.

Man kennt sie gelegentlich unter dem Stichwort: Merkmal-Funktion-Nutzen. Aber das ist für unsere Zwecke nicht unbedingt brauchbar. Also überlegte ich mir, was denn die Essenz von „Merkmal-Funktion-Nutzen“ ist. Und tatsächlich kann man mit drei Fragewörtern beschreiben, wie man jede Geschichte (und auch sonst manches im Leben) aufbauen kann:

Was?
Wie?
Wohin?


Präziser:

Was ist es?
Wie wirkt es sich aus?
Wozu führt es oder könnte es führen?


Mit einer ganz einfachen Geschichte will ich Ihnen beweisen, dass es wirklich funktioniert. Es ist eine kleine Geschichte um eine Verabredung. Ziel ist, sie mit einer erotischen Komponente zu versehen.

I. Die Geschichte: Methode WAS-WIE-WOHIN

1. Was ist es.

Sie steigt aus ihrem Auto aus.

2. Wie ist es?

Zuerst stellt sie ein Bein auf den Gehweg, führt das zweite Bein nach, erkennt, dass der Ansatz ihrer Strapse erkennbar wird, zieht sie sich den den Rock zurecht, und erhebt sich aus dem Fahrersitz.

3. Wohin führt es?


Sie wird danach beurteilt wie sie diese Prozedur inszeniert.

II. Die grob strukturierte Geschichte daraus

Die Geschichte wird nun zunächst grob mit Inhalten gefüllt, um die Handlung festzulegen. Sie müssen das nicht selbst tun, es ist aber gelegentlich hilfreich, um die Momente farbig ausmalen zu können, die Ihnen als besonders interessant erscheinen.

Die Handlung ist selbstverständlich noch etwas hölzern. Das wird sich aber noch ändern lassen.

(Was) Sie beabsichtigt, aus ihrem Auto auszusteigen, öffnet dazu die Tür, zieht erst dann den Zündschlüssel ab und wirft noch einen flüchtigen Blick in den Spiegel.

(Wie?)Sodann nimmt sie eine aufrechte Haltung ein, bevor sie ihr linkes Bein auf den Fußweg setzt. Ihr kurzer, eng anliegender Rock gleitet dabei ein wenig nach oben und gibt dabei etwas zu viel von ihrem Oberschenkel frei, als schicklich ist. Sie bemerkt es, lächlet, und zieht sofort das andere Bein nach. Im letzten Moment ergreift sie den Rocksaum und verdeckt ihre Schenkel züchtig. Sie konzentriert sich und steigt dann mit einer einzigen, fließenden Bewegung aus.

(Wohin?) Ich erkenne, dass sie sich damenhaft verhält, vermute aber auch, dass ein Teil davon allein dazu dient, mich zu faszinieren.

III. Die fertige Geschichte – nicht sensationell, aber brauchbar

Im nächsten Schritt schreibe ich Ihnen nun die Geschichte, die daraus entstehen könnte. Sie wird nun farbiger und durchaus sinnlicher.

Sie öffnet die Tür ihrer schwarzen Limousine, so, als wolle sie mir einen ersten Eindruck von ihrer Schönheit geben, wendet sich dann aber überraschend wieder dem Armaturenbrett zu. Mit einer lockeren Handbewegung zieht sie den Zündschlüssel ab, steckt ihn beiläufig in ihre Handtasche, und wirft noch einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel, wobei sie sich eine Haarsträhne aus der Stirn streicht. Eine Sekunde später sitzt sie aufrecht und selbstbewusst auf dem Fahrersitz, als wolle sie sich noch einmal sammeln. Ihr linkes Bein, sorgfältig bestrumpft und matt glänzend, schiebt sich auf den Gehweg, bis die Sohle ihres gewagten, hochhackigen Schuhs festen Halt auf dem Boden findet. Ihr abenteuerlich kurzer, eng anliegender Rock wandert dabei ein wenig an ihren Oberschenkeln hoch. So weit, dass ein ausgemachter Voyeur sich dafür interessieren würde, welche Farbe und Form wohl ihr Höschen haben mag. In der Tat liegt nun mehr von ihrem Oberschenkel frei, als gemeinhin als schicklich gilt. Ich sehe aus den Augenwinkeln den Ansatz von Strapsen, versuche aber, die Augen auf ihr Gesicht zu lenken. Sie scheint ein wenig in sich hineinzulächeln, beachtet mich aber scheinbar nicht. Ihre Lippen kräuseln sich ein wenig, während sie nun auch das zweite Bein auf den Gehweg stellt. Ihr Körper streckt sich dabei, so, als wolle sie sich nochmals für ihren Auftritt vorbereiten. Doch statt sofort auszusteigen, nutzt sie den letzten Moment, um den immer noch wenig damenhaft sitzenden Rock am Saum nach unten zu ziehen. Dann steht sie auf – mit einer einzigen, fließenden Bewegung. Sie legt den Kopf zunächst leicht schräg, um dann auf mich zuzugehen und mich schalkhaft zu fragen: „Sie sind Hartmut, wie ich vermute?“

Satt einer Antwort lächele ich sie an, wechsle ein paar Worte zur Begrüßung, nichts wirklich Bedeutendes. Kein Zweifel: Sie hatte jede Sekunde ihres Auftritts sorgfältig geplant, hatte mich Geste um Geste neugieriger gemacht, und meine Fantasie angeregt. Möglicherweise wollte sie nichts anderes erreichen, als meine Reaktionen zu prüfen. Viellicht hat sie nun bereits ein Röntgenbild meiner Psyche und ein Modell meines Charakters. Doch ich muss gestehen, dass meine Gedanken längst wieder bei den auf High Heels schwebenden, dunkel bestrumpften Beinen sind. Ich kann sie nicht mehr hindern, daran hochzuwandern. Zur Hölle mit dem Gentleman in mir: Ich bin interessiert an jedem Zentimeter ihrer Schenkel oberhalb des Rocksaumes, und ich denke, sie weiß es.

Probieren Sie diese Methode einfach aus

Als Kurzgeschichte kann dies alles so stehen bleiben. Wenn Sie die Geschichte der gesamten Verabredung schreiben wollen, bitte schön. Sie sind herzlich eingeladen, den ersten Teil zu variieren, um dann weiterzuschreiben. Dazu können Sie die neu erlernte Formel benutzen. Gleich, was alles geschehen soll: Jede Episode des Abends kann mit dieser Methode erarbeitet werden.

Eine verdammt einfache Anleitung für eine erotische Geschichte

Erotische Kurzgeschichten - ganz einfach
Um eine verdammt einfache und wirklich gute sinnliche Geschichte zu schreiben, benötigen Sie nicht viel - und sie gelingt umso sicherer, je kürzer und kompakter Sie diese Geschichte halten.

Der Einstieg, kurz, emotional, direkt

Beim Schulaufsatz haben Sie gelernt, die Personen vorzustellen, Ort und Zeit zu bestimmen und mithilfe dieser Informationen Ihre Leser zum Mittelteil zu führen. Für eine Kurzgeschichte eignet sich diese Vorgehensweise nicht. Stattdessen stellen Sie Ihre Heldin oder Ihren Helden sofort in die Mitte des Geschehens. Sie beginnen also mit einer Handlung oder einem Gefühl, möglicherweise gar mit einer Kombination von beiden. Ich gebe Ihnen dazu ein Beispiel (1):

Stella … spürte, wie ihr Herz flimmerte, als sie ihren nackten Körper nochmals genau im Schlafzimmerspiegel begutachtete.


Der Vorteil eine solchen Einstiegs: Sie haben einen Namen, den Sie weiter verwenden können (Stella), einen erotischen Gedanken (nackt sein) und ein Gefühl (Herzflimmern). Außerdem wird der Leser auf die Geschichte hingeführt: Es muss einen besonderen Grund haben, dass ihre Heldin sich so genau nackt vor dem Spiegel begutachtet und dabei ganz offensichtlich sehr erregt ist. Offenbar will sie ganz sicher gehen, was durch das Wort „nochmals“ ausgedrückt wird. Sie machen ihre Leser damit neugierig auf das, was folgen wird.

Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die Einleitung in wenige Sätze zu kleiden, um dann sofort mit dem eigentlichen Geschehen zu beginnenden. Für den Anfang sollten Sie recht kurze und knappgehaltene Geschichten schreiben. Zwischen 300 und 1000 Wörter sollten reichen, um schnell und sicher Ihre verdammt gute sinnliche Geschichte zu schreiben..

Der Kernteil – Spannung steigern und Höhepunkt

Der Mittelteil beinhaltet die gesamte Geschichte, die Sie erzählen wollen. Es ist allgemein üblich einen Spannungsbogen aufzubauen, der, nachdem er auf dem Höhepunkt angekommen ist, schnell wieder abfällt. Der sogenannte „Spannungsbogen“ verläuft in Kurzgeschichten steiler als in Aufsätzen, und sie fällt genauso abrupt wieder ab. In sinnlichen Geschichten geht es aber nicht um die Spannung allein, sondern auch um die Lust, die sich von Zeile steigern sollte. Weil es nicht leicht ist, dies schriftstellerisch zu verwirklichen, bauen viele Autoren ihre Geschichten wellenförmig auf. Wenn Sie schon einmal beobachtet haben, wie Wellen entstehn und wieder in sich zusammenfallen, werden Sie dies leicht nachvollziehen können. Sie sehen zunächst einige kleine Wellen, die bald wieder in sich zerfallen, warten aber auf die „wirkliche große Welle“, die sich lärmend und zischend auf die Felswand stürzt, um dann in kürzester Zeit zusammenzubrechen. In einer erotischen Geschichte können Sie, je nach ihrer Länge, viele erotische Wellen auf ihre Helden anrollen lassen, bis sie schließlich von der großen Welle getroffen werden und gurgelnd in der Lust versinken.

Sie müssen nicht zwangsläufig Erlebnisse schildern – ein Ablauf von sinnlichen Gedanken reicht auch. In unserem Beispiel könnte "Stella" sich eine erotische Situation ausdenken, in die sie gerne hineingeraten würde, während sie sich berührt und dies im Spiegel beobachtet.

Der Einstieg in die Geschichte eignet sich für allerlei Varianten Ihrer Geschichte. Er beinhaltet bereits einige klassische erotische Themen:

1. Die Sinnlichkeit des Anziehens und Ausziehens.
2. Sich selbst sinnlich finden - als sinnlich empfunden werden.
3. Sich auf erotische Abenteuer zu freuen und sie zugleich zu fürchten.

Sie sehen: Mit dem gewählten Einstieg können Sie eine erregende Verabredung, einen Auftritt auf einer Bühne, einen Besuch in einem Swingerklub und viel andere Themen abdecken – und alles als Folge eines einzigen Satzes, der Ihre Leser neugierig gemacht hat.

Selbstverständlich ist diese kurze Betrachtung des Handlungsteils nur ein winziger Auszug aus dem, was möglich ist. Er soll ihnen ja auch nur einen kurzen Einblick in die Welt erotischer Kurzgeschichten verschaffen.

Der Schluss – knapp und dennoch lustvoll

Wie schon der Anfang, so sollte auch der Schluss recht kurz gehalten werden. Denken Sie bitte daran, dass eine Kurzgeschichte nur eine Episode aus dem Leben schildert. Das Leben an sich geht aber weiter. Zumeist werden Kurzgeschichten deshalb mit einem kurzen Gedanken beendet. Er kann Bezug auf die Handlung nehmen oder auf das verbleibende Gefühl, das sich daraus ergibt. Möglich ist auch, wieder auf den Beginn zurückzukommen.

Beispiel für einen Zirkelschluss (2):

Stella sah sich noch einmal im Schlafzimmerspiegel an, erst von vorne, dann von hinten. Ihr Po war immer noch heftig gerötet, und die Spuren der Nacht würden sie wohl noch einige Tage begleiten. Sie seufzte einmal laut auf, dann lächelte sie in den Spiegel hinein. Es würde nicht das letzte Mal gewesen sein – sicher nicht.


Die Methode, die ich hier beschreibe, eignet sich übrigens nicht nur für Kurzgeschichten. In angelsächsischen Länden werden ganze Romane auf ähnliche Art aus Episoden aneinandergereiht. Diese Romane haben dann eben nicht sechs Kapitel, sonder bis zu 30. Für die Autoren ist es wesentlich einfacher, mit kurzen Kapiteln umzugehen, und die Kürze zwingt sie zudem, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es lohnt sich also, mit Kurzgeschichten zu beginnen.


Hinweis: Die Serie „Wie schreibe ich eine sinnliche Kurzgeschichte“ ist ein Gemeinschaftswerk der Redaktion und stammt von unterschiedlichen Autoren. Gastautoren sind willkommen.

(1) „The Schooling of Stella“. Deutsch: „Stellas Unterwerfung“, hier: eigene Übersetzung nach der englischen Version). Der Roman hat andere Inhalte als der Entwurf für die Kurzgeschichte.

(2) Alle Ergänzungen, Umschreibungen und Textbeispiele, soweit nicht anders gekennzeichnet, © 2014 by Liebesverlag.de

Sinnliche Geschichten: Niemals auf den Deutschlehrer hören!

Dieser Artikel ergänzt meinen Beitrag über den Anfang Ihrer erotischen Geschichte. Beispiele aus der Literatur zeigen Ihnen, warum Sie besser nicht auf ihren Deutschlehrer hören sollten, der Sie in der Grundschule mit "Einleitungen" gequält hat.

Erotisch Schreiben: Beispiele für ungewöhnliche Einleitungen


Sie können und dürfen bei allen erzählbaren Geschichten auf eine erläuternde Einleitung verzichten. Wenn Sie mehrere Kurzgeschichten, Novellen oder Romane gelesen haben, die ohne eine Einführung ausgekommen sind, dann wissen Sie: Sie haben nichts vermisst.

Warum Sie ihre Deutschstunden vergessen können

Doch in der Schule haben Sie gelernt, wie wichtig Einleitungen sind. Sollten Sie einem Grundschullehrer gegenüber behaupten, eine Einleitung sei überflüssig, so wird er bedenklich das Haupt wiegen und sie ansehen, als hätten Sie gar nichts begriffen. Für ihn und manchen anderen Experten der deutschen Schreibe ist die Kurzgeschichte ein Hurenkind.

Darf ich Ihnen einige Zeilen einer erotischen Geschichte deutscher Zunge von 1929 zitieren? (1)

Aus dem Haus tritt das Mädchen, aus dem strohgedeckten Haus am Wasser. Das Haus ist alt und armselig, nicht mehr als eine Hütte, aber die Fischertochter ist jung und stolz.


Sie wollen wissen, wie diese Geschichte weitergeht, nicht wahr? Sehen sie, und damit erreichte der junge Autor (damals gegen 32 Jahre), Karl Heinrich Waggerl, sein Ziel. Übrigens, bevor sein erster Roman „Brot“ veröffentlicht wurde.

Wer eine Geschichte einleitet, glaubt viel erklären zu müssen. Warum müssen wir aber erklären, dass es ein 44 jähriger Witwer war, der an einem Dienstag im September 2014 gegen 22 Uhr 30 etwas zögerlich den Klingelknopf am Haus Eichenallee Nummer 16 drückte?

Sie ahnen es – solche Zeit- und Ortsangaben kennt nur der Kriminalroman. Später wird der Herr Kommissar fragen: „Wo waren Sie am Dienstag, 16. September 1986?“, und dann wird der Herr behaupten, er sei am Neckarufer spazieren gegangen, statt zuzugeben, die einschlägig für ihre erotische Großzügigkeit bekannte Dame in einem Anfall von religiösem Wahn erwürgt zu haben.

Kurz, knapp, direkt – die sinnliche Kurzgeschichte

Nein, eine erotische Geschichte braucht wirklich keine Orts- und Zeitangaben. Sie kann, darf und soll mit der Tür ins Haus fallen. Die folgenden Geschichten sind gar nicht durchgängig erotisch, aber sie passen dennoch ins Bild.

Körperflüssigkeiten wurden keine ausgetauscht bei der ersten Verabredung, und das war uns beiden nur recht.


(Coraghessan Boyle,2)

Nun, es war völlig offensichtlich, welch wunderbare menschliche Erfahrung jetzt auf mich zukommen sollte. Aber ich empfand nichts für sie. Nichts.


(Anne Rice,2)

Ein Online-Luder zu sein hat seine Risiken. Sogar dunkle Seiten. Kreuzt du im Internet herum, um was zu erleben, wirst du sicher dort landen. Chat Räume mögen dir als perfekte Plattform erscheinen, um potenzielle Partner zu finden, aber Mädchen müssen vorsichtig sein.


(Matt Whyman, 3)

Vermissen Sie immer noch Einleitungen? Ich nicht.

Nehmen wir einmal an, Ihre erotische Geschichte soll kurz sein. Kurzgeschichten heißen Kurzgeschichten, weil ihre Inhalte auf das Wesentliche reduziert werden sollen. Dann beginnen Sie doch gleich damit, wie der heiße Atem eines Mannes ihren Rücken streifte. Oder wie ihre feuchte Zunge ihre ausgetrockneten Lippen benetzten und Sie sich plötzlich daran erinnern, welche abenteuerlichen Reisen diese Zunge schon unternommen hat. Was hindert Sie?

(1) Aus: Kalendergeschichten, 1929.
(2) Aus "Roll ihn rüber" - Gefühlsechte Geschichten vom Gummi. Zuerst veröffentlicht: New York, 1999.
(3) Aus "Men or Mouse", London 2000.