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Der Moment der Wahrheit: Wenn sein Slip herunterkommt

In den erotischen Romanen und Erzählungen aus der viktorianischen Zeit steht oftmals eine reife, schöne Gouvernante im Mittelpunkt, die einen meist aufsässigen jungen Mann erzieht.

Dazu gehört auch, ihn wegen seines Fehlverhaltens nachdrücklich zu bestrafen. Solche Szenen sind sehr schwer zu beschreiben, zumal die meisten Autorinnen mit einer Züchtigung wenig Erfahrung haben – und zwar weder aktiv noch passiv. Um daraus dennoch ein erregendes literarisches Erlebnis zu machen, sollten Sie eher auf die Umstände achten, unter denen der Jüngling bestraft wird als auf die Schläge, die seine Haut treffen und die heftige, aber oft unkontrollierte und schwer beschreibbare Reaktionen auslösen.

Faustregel für Sie: Die Vorbereitung ist leichter zu beschreiben als die Ausführung

Faustregel: Während einer Bestrafung sind die Gefühle des Bestraften (ob erotisch oder nicht) nur schwer beschreibbar, da Botenstoffe seine/ihre Wahrnehmung einschränken. Das ist völlig normal. Zuvor und hernach allerdings sind Gefühle wie Scham, Demut, Zorn und psychosomatisch deutlich erkennbare Nervosität an der Tagesordnung, und in der Regel werden diese Gefühle auch gut erinnert.

Die bekanntesten Prozedur, die in der Folge einer Züchtigung üblich sind, besteht im Dank für die gerechte Strafe und in der anschließenden reuigen Selbstbesinnung, dem „Eckenstehen“. Beide sind scham- und schmachvoll und sie werden nicht überall verwendet, weil sie nicht immer zur Rolle des Gezüchtigten passen.

Wesentlich einfach ist, sich mit dem zu befassen, was seit Jahrhunderte in der sexuell motivierten viktorianischen Literatur und anderen erotischen Schriften geradezu liebevoll gepflegt wird: das schamvolle Ausziehen.

Diesen Text fanden wir in einem unveröffentlichten Manuskript, das nicht aus viktorianischer Zeit stammt, sondern die Prozedur nachbildet. Der „Jüngling“ kann dabei zwischen 18 und 38 Jahren sein - die Lust an der Züchtigung durch eine reife Damen ist nicht zwingend an das Alter gebunden.

Vom Eintritt in dein Reich bis zur letzten Hülle

Schon, wenn der Jüngling durch das Eingangsportal tritt, werden seine Gefühle mit großer Wahrscheinlichkeit von Wogen durchzogen, und eine fiebrige Grundstimmung wird seinen Sinn beherrschen. Auf der einen Seite möchte er von der Last seiner Schuld befreit werden, will bereuen, was er tat und andererseits kämpft er mit seinem Stolz. Er befürchtet, vor Schmerz und Erniedrigung Tränen zu vergießen, und möchte doch deren erlösende Kraft verspüren. Vor allem aber weiß er, dass er sich schämen wird, und die vor einer Dame, die er, falls er sie unter anderen Gegebenheiten getroffen hätte, heiß begehren würde.

Ich denke, du kannst dir nun ein ungefähres Bild machen, wie es dem jungen Mann ergeht, doch weiß er meist noch nicht, wie sich seine Psyche von der eine gestandenen Mannes in die eines ängstlichen Jungen zurückverwandeln wird. Wenn er dich das erste Mal in dieser delikaten Angelegenheit konsultiert, wird sein Herz so hoch schlagen, dass er nach Worten ringt, seine Hände feucht sind und sein Gesicht eine erbliche Rötung aufweist. Er weiß natürlich, dass er gezüchtigt werden will und auch, dass er keinen anderen Ausweg mehr gibt, als durch diese Kur besänftigt zu werden. Doch das sagt sich nur der Erwachsene in seiner Seele, während sich der scheue, nervöse, über alle Maßen beschämte Jüngling in ihm die damit verbundenen Schmerzen und Erniedrigungen fürchtet.

Am besten ist, wenn du die ganze Prozedur in dein Boudoir verlegst, oder in einem anderen Raum, der betont feminin eingerichtet ist, denn dies verstärkt die Wirkung. Eine Umgebung, die einem Herrn fremd ist und ganz und gar von Weiblichkeit geprägt – das verwirrt ihn. Schließt sich die Tür hinter ihm, so weiß er, dass es keinen Weg zurück gibt, und du kannst sicher ein, dass ihn dies in vielfältiger Weise erregt, weil er dir und dem Raum ganz und gar ausgeliefert ist. Wenn du den Effekt verstärken willst, kannst du den Raum einfach abschließen.

Ich will hier nicht alle Möglichkeiten der Rollen erörtern, sondern nur jene, in der eine durchaus damenhafte Erzieherin oder Gouvernante mittleren Alters auf einen jungen, ausgesprochen gut gekleideten „jungen“ Herrn trifft, der, wie ich schon schrieb, in seinen 20er oder 30er Jahren sein kann. Ich verhehle nicht, dass es auch Herren höheren Alters gibt, die sich gerne zu einem kleinen, unartigen Jungen zurückverwandeln lassen wollen.

(… wir übergehen die Prozedur des Auskleidens durch den Herren selbst oder durch eine Bedienstete und widmen uns dafür ausführlich einem kurzen Augenblick, in dem der Herr plötzlich als junger, unsicherer Mann in seiner Unterhose dasteht.)

Ein zuvor vornehmer Herr steht nun im Slip vor dir

Schamvoll im Wechselbad der Gefühle bei der Gouvernante
In diesem Moment ist der Herr aufs höchste Verunsichert, und ich nenne ihn deshalb den „Moment der Wahrheit“. Denn bis zu diesem Zeitpunkt gab es für ihn noch die Möglichkeit, innerlich auszuweichen. Zwar liegt der größte Teil seiner Haut nun frei, und er kann Hitze, Kälte, Berührungen und Schlägen nicht mehr ausweichen. Aber er behält noch den letzten Teil seiner Würde, indem seine intimsten Körperteile weiterhin verschlossen unter dem Bauwollstoff liegen. Das, was er seine Unterhose nennt, ist nun keine Unterhose mehr, sondern seine einzige Hose, die ihm noch etwas Schutz bietet. Du kannst an seinem Schweiß, seinem Atem, seiner Gesichtsrötung und seiner Haltung sehen, wie angespannt er ist. Und in seinem Inneren wüten die Zweifel an sich selbst und der Situation, in der er sich befindet. Eine schöne Frau, äußert attraktiv, sehr begehrenswert aber unnahbar wird ihn abstrafen wie einen unartigen Jungen.

Bisher weiß der Herr nicht, ob er sich den Slip, der ihn noch schützt, selbst ausziehen darf oder ob du es tun wirst, und allein dieser Umstand wird seine nervöse Erregung noch weiter steigern. Dazu trittst du nun vor und legst spielerisch deine Zeigefinger der rechten und linken Hand unter den den Gummizug, ohne hinzusehen. Nun ahnt er, dass du ihm das letzte, verhüllende Höschen selbst ausziehen wirst, und er wird sich wünschen, vor Scham im Boden zu versinken. Damit er dieses Gefühl noch eine Weile kultivieren kann, wander deinen Finger nun um die gesamte Hüfte und heben das Band ein wenig an. Bisher glaubte er noch, dass du es ihm einfach machen würdest: ein Ruck, und das Höschen käme herunter. Doch dass Speil diener Finger Finger unter dem Gummizug zeigt ihm, dass du allein den Zeitpunkt bestimmen wirst, indem du ihm seines Schamblatts berauben wirst. Nun kannst du noch weitere Finger unter den Gummizug legen, um das Spiel voranzutreiben.

Denke immer dran: er wartet darauf, dass endlich „etwas passiert“, und je länger du dies verhinderst, umso mehr steigert sich sein Eindruck, dir restlos ausgeliefert zu sein. Seine heftigsten aber Gefühle schwanken zwischen der Furcht vor dem Kommenden und der Hoffnung, es möge nun bald beginnen.

Nach und nach kannst du den Gummizug spielerisch nach unten ziehen, wobei du die Hinterseite bevorzugen solltest, damit die wirklich schamvolle Entblößung von Penis und Hoden nicht vorweggenommen wird. Sobald du seine Pobacken zur Hälfte freilegst, wird er sich etwas erleichtert fühlen – und du kannst sie erst einmal wieder verdecken, um ihm anzuzeigen, dass du dir Zeit nimmst. Und die Gefühlswogen, die bereist besänftigt erschienen, kommen nun erneut auf

Wieder und wieder gleiten deine Finger unter den Gummizug, mal hinten, mal vorne und mal von der Seite. Er wird sich fragen, wo du endgültig ziehen wirst und was du zuerst entblößt. Ist es der erwartungsfrohe Po, der schon lange auf die Behandlung wartet oder die peinliche Vorderseite?

Wenn du lange genug Katz-und-Maus damit gespielt hast, ziehst du ihm den Slip einfach mit einem scharfen Ruck herunter, so dass sich die Innenseite nach außen kehrt. Allein dies ist für die meisten Herren ausgesprochen peinlich, und manche von ihnen schämen sich dabei wahrhaftig in Grund und Boden.

Nun wird es Zeit, mit der eigentlichen Prozedur zu beginnen, die so vielfältig gestaltet werden kann, dass ein ganzes Buch nicht ausreichen würde, um sie zu beschreiben.


Hinweis: Beim Bild handelt es sich um eine abgewandelte, anonyme Illustration, die gegen 1950 entstanden sein dürfte.

Wirklich die schlechteste Sexszene in der gehobenen Literatur?

Der Italiener Erri De Luca, hat den Preis für die am schlechtesten dargestellte Sexszene in einem Werk der offiziellen Literatur gewonnen (1). Michael Moore hat ihn übersetzt, und wir wissen nicht, wie gut die Übersetzung war.

Offenbar handelt es sich um ein „erstes Mal“, das von einem sehr jungen Mann geschildert wird. Rückübersetzt aus dem Englischen, würde die beanstandete Stelle in etwa heißen:


Ich drang in sie ein. Nicht nur mein Penis, nein, alles von mir drang in sie ein, in ihre Eingeweide, in ihre Dunkelheit, mit weit geöffneten Augen, ohne etwas zu sehen. Mein ganzer Körper war nun in ihr.



Ob Erri de Luca den Preis zu Recht oder zu Unrecht bekommen hat? Wie erlebt ein Jüngling sein erstes Mal, wenn er von einer offensichtlich erfahrenen Frau recht offensiv verführt wird? Ich denke, ich habe schlimmere Sexszenen gelesen.

Möglicherweise war die Szene nun wirklich nicht so schlecht geschildert. Die Frau bestimmt, was getan wird und wie es getan wird – und sie benutzt ihn wie einen fleischlichen Dildo. Das ist nicht verwerflich – aber wie muss es auf einen jungen Mann wirken, der das erste Mal mit der gewaltigen Lust einer erfahrenen Frau konfrontiert wird?

Was meinen Sie?

(1) Laut Washington Post.
Anmerkung: Ich kenne die deutsche Übersetzung von Annette Kopetzki leider nicht.

Die Kandidaten für die miesesten Sex-Szenen sind da

Leider gibt es die Kandidaten für die miesesten Sexszenen nicht in deutscher Sprache – aber für englischsprachige Literatur existiert er längst. Nominiert sind:

A Doubter’s Almanac von Ethan Canin
The Tobacconist von Robert Seethaler
Men Like Air von Tom Connolly
The Butcher’s Hook von Janet Ellis
Leave Me von Gayle Forman
The Day Before Happiness von Erri De Luca


Sie alle sind nicht etwa Schreibanfänger, sondern “gestandene“, teils sehr etablierte und hochgelobte Autorinnen oder Autoren, und sie geben dennoch ein absolut schreckliches Gesülze von sich, sobald es um Sex geht. „Lesen Sie’s, falls sie es aushalten“, schrieb eine Engländerin dazu.

Soweit sie die englische Sprache beherrschen: die Texte, im Grunde absolut banal, werden durch ungewöhnliche Wortwahl literarisch aufgeschönt. Der Trick schient oftmals zu wirken, aber eben nicht bei kritischen Lesern.

Übersetzt mag es (beispielsweise) so klingen (Gayle Forman):

Sobald sie im Zimmer waren, schlug Jason die Tür zu und verschlang sie mit seinem Mund und seinen Hände, die jetzt überall an ihr waren.

Und sie erinnerte sich daran, dass sie vor ihm stand, während ihr Kleid längst wie eine Pfütze auf dem Boden lag, und sie begann zu zittern, presste ihre Knie zusammen. Wie eine Jungfrau. Als wäre es das erste Mal. Wenn sie sich gestattet hätte, darauf zu hoffen, war dies genau das, was sie erhofft hätte. Und nun war es soweit. Und es war furchterregend.

Jason hatte ihre Hand genommen und auf seien nackte Brust gelegt, auf sein Herz, das wie wild im gleichen Takt schlug wie ihr eigenes. Sie hatte gedacht, dass er nur erregt wäre, einfach aufgeheizt.

Es kam ihr nicht in den Sinn, dass auch er Angst haben könnte.


Ich kann nicht beurteilen, ob der Text wirklich so schrecklich ist, aber man wird nicht nominiert, wenn er nicht wirklich abscheulich ist. Der Preis für „Schlechten Sex in der Literatur“ wird seit 1993 jedes Jahr vergeben, und zwar an „einen Autor, der eine ungewöhnlich schlechte Sexszene in einen ansonsten guten Roman“ schrieb.

Anmerkung zur Übersetzung: Es handelt sich um eine Rohübersetzung, die beispielhaft einen Eindruck von dem Teil des Werks der Schriftstellerin geben soll, der zur Nominierung geführt hat. Es ist also keine vollständige, überprüfte Übersetzung des Originaltextes.

Die längere Sex-Story – wie beginnst du?

Verführung im Freien
Die längere Sex-Story, etwa in Form eines Romans oder einer Novelle, sollte damit beginnen, womit alles einst begann: mit der Erkenntnis, dass jemand unglaublich attraktiv ist. Wenn du so etwas schreiben willst, beginne am besten damit, was du irgendwann so attraktiv fandest: War es eine bestimmte Bewegung, Geste oder ein Gesichtsausdruck? Es ist sehr, sehr selten etwas, das explizit mit Geschlechtsmerkmalen zu tun hat: Bei Frauen sind es kaum jemals die erigierten Nippel, bei Männern ist es so gut wie niemals der vorwitzig sich wölbende Penis. Eher ist es die Stimme, vielleicht auch ein Kleidungsstück oder ein Schmuckstück.

Wenn derjenige so attraktiv ist, dass deine Heldin oder dein Held zum Verführer werden möchte, dann schreib auch über die Vorbereitungen und schildere den Hergang genau. Wenn alles vom ersten Schluck Champagner bis zur Spermaflüssigkeit glatt heruntergeht, wird deine Geschichte zu einer Aneinanderreihung von öden Sexpraktiken. Perfektion im Aussehen (denk an Vaginen und Penisse im Alltag!) ist ebenso öde wie eine absolut verzahnte Verführung, bei der jeder Schritt gelingt. Deine Figur muss das tun, was fast alle Menschen tun: Ein wenig zögern, bevor sie sie in die totale Hingabe abtauchen. Lass sie dabei an Varianten denken, die flüchtig aus Geilheit, Furcht und Hoffnung zusammensetzt, sind, und die sie blitzartig im Hirn durchspielt. Im Extrem kann sie im letzten Moment versuchen, das Spiel doch noch abzubrechen, wenn der Slip längst gefallen ist und sich das Finale unweigerlich ankündigt.

Deine Figur darf sich schämen, sich zu früh eingelassen, zu ungestüm gebärdet, zu viel getrunken zu haben oder sich zu willig gezeigt zu haben, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie kann sich vor dem Entkleiden fürchten oder vor dem erneuten Bekleiden. Sie kann fürchten, gewisse Praktiken vollziehen zu „müssen“ oder plötzliche Freude daran finden, gerade dies zu tun. Sie darf sich fragen, warum sie das alles eigentlich tat oder warum sie sich nicht noch mehr nahm, von dem, was angeboten wurde.

Lass deine Figur Varianten der Verführung erfinden, die sie später Freundinnen erzählt – ohne Zweifel wird sie dabei „besser aussehen“, als in der Realität. Lass sie allein mit ihren Gedanken, wenn Sie sich überlegt, ob sie eine Wiederholung wünscht. Insbesondere natürlich dann, wenn es eine Steigerung der sinnlichen Erfahrung geben soll oder sie gar zu einem risikoreichen sexuellen Spiel eingeladen wird.

Natürlich kann deine Geschichte ausschließlich von Sex durch „anständige“ Penetration handeln. Allerdings ist gerade diese „Vanille-Variante“ ausgesprochen öde –du wirst bald merken, dass du sowohl auf technische wie auch auf sprachliche Probleme stößt, wenn du „Stellungen“ beschreiben sollst. Der Fluss von Körpersäften, die Gefühle bei Orgasmen und Ergüssen sind viel interessanter. Vergegenwärtige dir auch, wie beide ohne Ekstase, aber sehr lustvoll und sinnlich küssen, saugen und schlürfen. Denke immer daran: Die meisten deiner Leserinnen wissen genau, wie ein schlechter, lustloser Vanille-Sex in Missionarsstellung abläuft, bei der sie mühevoll einen Orgasmus vortäuschen müssen. Sie verdienen wirklich etwas anderes, nicht wahr? Und das wollen sie von dir. Also: Gib ihnen, was sie brauchen: richtig schmutzigen, feuchten Sex, ekstatische Orgasmen und frivole Abenteuer.

Nun – für heute ist’s genug, oder? Ich denke, bis deine Figur das erste Mal wirklich nackt ist, kannst du schon ein paar Dutzend Seiten gefüllt haben.

Bild: Historische Illustration, Teilansicht.

BDSM: Durchforsten Sie ihr Leben nach verwandten Erfahrungen

Nahezu jeder fühlte sich schon einmal erniedrigt


Als mich das erste Mal eine Autorin fragte, wie sie die Gefühle ihrer Figuren in der sadomasochistischen Literatur glaubwürdiger darstellen könnten, fiel mir wenig ein. Ich bin weder ein guter Rollenspieler, noch praktizierender Sadist, noch bin ich Masochist, doch glaube ich, mich in die Psyche anderer und in ihre Empfindungen recht gut hineinversetzen zu können.

Inzwischen habe ich ein wenig nachgedacht, und vor allem Erfahrungen anderer Menschen eingesammelt. Merkwürdig - als ich selbst gefragt wurde, hatte ich das Naheliegende vergessen: die Erfahrungen beim Zahnarzt. Wenn Sie im Wartezimmer sitzen und die verzweifelten Gesichter im Angesicht kommenden Schmerzes sehen, dann wissen Sie, wovon ich rede.

Mund auf! Weit auf! Noch weiter!

Sehen Sie, irgendwann sitzen Sie im Behandlungsstuhl. Haben sie schon einmal versucht, während der Behandlung aufzustehen, ja, sie irgendwie zu unterbrechen? Wahrscheinlich nicht. Sie sind Gefangene ohne Fesseln. Und sie haben keinerlei Einfluss auf das, was geschieht. Sie werden schmerzvoll behandelt, ohne dass sie sich dagegen wehren können. Sie bekommen Kommandos, die als solche schon Schmerzen, und in der Ausführung noch mehr. „Mund auf“ „Weiter auf!“ Ihr Mund ist trocken, sie möchten schlucken, können aber nicht. Die Zahnärztin zerrt an ihren Lippen, nimmt vielleicht eine Klammer. Damit Ihr verdammtes Maul offenbleibt, wie bei einem Tier. Irgendwann dürfen Sie wieder aufstehen. Haben Sie dieses Gefühl genossen?

Nicht nur der Dentist, auch manch anderer Arzt und manche Assistentin, manche Krankenschwester und mancher Pfleger könnte Ihnen schon gezeigt haben, dass Sie sich besser unterwerfen, auch wenn sie sich dabei höchst unwohl fühlen.

Entwürdigung in Krankenhäusern - damals

Vielleicht haben Sie noch eine alte „Oberschwester“ kennengelernt, die Ihnen das Fieberthermometer in den Hintern gesteckt hat und dabei rau und ruppig vorging. Und wenn’s schlimmer kam, hat sie ihnen unvorbereitet und schmerzhaft ein Klistier gegeben.

Was Sie vielleicht "am eigenen Leib" erfahren haben

Manchmal reicht es, während einer Behandlung festgeschnallt liegen zu müssen, und selbst, wenn diese Behandlung von relativ kurzer Dauer ist, können sie die Erfahrung machen, was geschieht, wenn sie sich völlig ausgeliefert vorkommen. Dabei habe ich noch gar nicht erwähnt, wie es ist, wenn sie sich nach einer Operation über mehrere Stunden gar nicht nicht bewegen dürfen und die Nacht hereinbricht …

Es muss nicht alles stationär passiert sein – ambulant reicht. Vielleicht sind Sie bei einer kleinen Operation (ach, das ist ganz harmlos, das können wir ambulant machen) schon einmal an falscher Stelle oder zu wenig betäubt worden, sodass sie den Schnitt unter höllischem Schmerz ertragen mussten.

Oder hat an Ihnen schon einmal jemand die Nervenleitfähigkeit gemessen? Falls Sie einmal das zweifelhafte Vergnügen hatten, dann können Sie auch über die Schmerzen schreiben, die bei der „Behandlung“ mit Elektro-Sex-Geräten entstehen.

Geschlagen, abgekanzelt und entwürdigt werden

Soweit der Körper und soweit das Erwachsenenleben. Falls Sie sich erinnern: Sind Sie als Kind, Teenager oder junger Erwachsener schon einmal „zur Minna gemacht worden“? Haben Sie vor Ihrem Chef oder Ihrer Chefin gezittert? Hat man sie einmal bloßgestellt? Wurden Sie schon einmal in einem engen Zimmer oder dunklen Keller eingesperrt? Mussten sie sich ganz oder einzelne Körperteile entblößen, obgleich sie es nicht eingesehen haben?

Vielleicht wurden Sie von Kameraden geschlagen, von Kameradinnen durchgekitzelt, zwangsgeduscht, verängstigt oder bedroht? Oder wurden Sie gar noch von Erziehern oder Eltern geschlagen?

Nun gut – manches holen Sie besser nicht mehr aus der Erinnerung hervor. Und manchmal können Sie auch heute noch sinnliche Erfahrungen machen, die Sie ohne jedes Risiko verwirklichen können.