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Wie wird deine Geschichte eigentlich erotisch?

Erotik ist das, was du schreibst, sondern was deine Leserin dabei empfindet
Die Autorin Ines Witka sagt es kühl: „Erotik findet vorher statt.“ Vor dem Vögeln. Oder vor der Züchtigung, wenn es um eine solche geht.

Ich drücke es gerne anders aus, aber auch dies fällt in dasselbe Meinungsbild:

Eine sinnliche Geschichte ist erotisch, bevor gevögelt wird. Währenddessen ist sie bestenfalls sexuell, und hinterher ist sie emotional. Das ist die stark vereinfachte Wahrheit.


Anhand vieler bekannter und unbekannter Romane und Erzählungen lässt sich diese Behauptung belegen, und Ines Witka meint noch dazu: „Für mich ist Erotik ein Versprechen, das die Sexualität umspielt.

Ich denke, wir müssen nun Tacheles reden, nicht wahr? Wenn du so schreibst, wie in der Schule, dann bist du gewohnt, Sätze in Folge zu verfassen, die aneinandergereiht eine Geschichte ergeben. Man nennt so etwas auch eine „Erzählung“ oder spricht von „narrativem Schreiben.“

Keine Gebrauchsanweisung für den Geschlechtsverkehr schreiben

Das Problem dabei: Die meisten Schreibanfänger und überraschend viele Schreibprofis begnügen sich mit den technischen Vorbereitungen und Abfolgen eines Geschlechtsakts. Das lässt sich so erzählen, als ob jemand zum Metzger geht und ein paar Sorten Aufschnitt kauft, schafft aber normalerweise keine erotische Atmosphäre. Es gibt Hunderte von Beispielen im Internet dafür, wie BHs geöffnet, Höschen heruntergezogen, Brüste, Vulven, Hoden oder Penisse getätschelt wurden. Und stets folgt auf diese Aktion eine neue und wieder eine neue. Und so weiter … am Ende glaubt der Leser dann, ihm sei ein pornografischer Film nacherzählt worden.

Zum Sex verführen statt einfach den Sex abzuwickeln

Die Lösung ist ebenso einfach, aber mit ihr berühren wir ein ethisches Problem: Wir müssen unsere Figur nämlich dazu bringen, jemanden zu verführen oder verführen zu lassen. Das wird sie kaum tun können, ohne zu beschreiben, wie das detailliert vor sich gegangen ist, welche Dialoge beide dabei führten und wie es sich emotional anfühlte, Wenn du aus der Sicht der Verführerin (oder des Verführers) schreibst, kannst du die Macht nutzen, die der Verführerin zuwächst. Sollte deine Hauptfigur die Verführte sein, kannst du das gesamte Spektrum der Sinnlichkeit nutzen – körperlich wie emotional.

Beschreibe lange und ausführlich, wie die Sinnlichkeit angefacht wird

Du kannst sehr lange darüber schreiben, wie sich die Augen am Körper des/der anderen sattsehen. Dann wird aus dem Satz: „Schließlich spreizte sie die Beine ein wenig mehr“ ein Feuerwerk von Beobachtungen, von Aufspreizen der Schamlippen bis zu einer verführerischen Präsentation ihrer Vagina. Das könnte sich dann so lesen:

Ich ahnte, dieser Blick forderte mehr, und nicht nur ein wenig mehr. Ihre Augen zwangen meine Beine auseinander, und ich spreizte sie ein wenige mehr, als es angesichts der Situation angemessen war. Die katzenhaft blinkenden Augen der Fremden vertieften sich in meine Schenkel, und bevor ich es verhindern konnte, begann ihre Hand, mich zart zu streicheln, während ihr Körper sich sonst nicht zu bewegen schien. Ich reagierte spontan, wollte meinen hochgerutschten Rock wieder herunterziehen, versuchte, einen Satz zu formulieren. Doch mein Körper wollte etwas anderes. Mich durchzog ein heißer Schauer aus der Mitte meines Körpers, der bald meine Schamlippen erreichte. Ich stöhnte, und meine Nerven tanzten Boogie-Woogie.


Der Text ist an eine heftige lesbische Verführung angelehnt. Die raffinierte exotische Verführerin wickelt eine lustvolle und begierige, aber ansonsten naive junge Frau in ihr Spinnennetz ein, und sie fürchtet sich davor und genießt es zugleich, weil sie nichts tun muss, als sich ihrer Verführerin hinzugeben. Frauen sind in der Beschreibung des sinnlichen Körpers klar im Vorteil, weil sie ihre intimen Körperstellen sehr gut kennen, während viele Männer noch niemals eine erregte Vulva oder Vagina aus der Nähe gesehen haben.

Ganz sicher können auch Männer sinnlich verführt werden

Willst du beschreiben, wie eine Frau einen Mann verführt, kannst du ganz ähnlich vorgehen: Statt den „Kasper aus der Hose“ fluppen zu lassen, kannst du beschreiben, wie sein Penis halb steif darauf wartet, liebkost zu werden.

Hier haben wir mal eine Situation gewählt, in der eine Verführung narrativ beschrieben wird. Es ist ein Beispiel dafür, dass du auch rein erzählerisch an erotische Themen herangehen kannst – du musst nur intim genug schreiben. Nimm daran Teil, wie eine Töpferin von ihren Erlebnissen mit jungen Männern erzählt:

Den Penis eines Mannes zu streicheln, ihn zu bearbeiten, um seine schöne rosa Spitze hervorzubringen, und das alles sehr liebevoll, damit er nicht erschrickt – das ist so, als würde ich den weichen Ton bearbeiten. Manchmal zittern die Körper der Kerle eine wenig, wenn sich meine Hand dem bereits entblößten, halbsteifen Penis nähert und der Mann noch recht unerfahren ist. Wahrscheinlich denkt der Mann vorher „Du musst jetzt tapfer sein, die Frau kennt sich damit aus“, und er wartet,auf den nächsten Schritt. Doch dann merkt er, wie wundervoll es ist, wenn sein Penis von einer erfahrenen Hand gestreichelt wird und er jede meiner sanften und sinnlichen Bewegungen genießen kann. Oh ja, es wird noch heftiger, mein Süßer … und du bekommst deine Belohnung. Aber erst einmal gehörst du in meine Hand …


Und die Verführung selbst, nun ohne Handverkehr?

Auch dazu haben wir eine schöne Schilderung, die ganz und gar nicht pornografisch ist:

Er versuchte, mich zu küssen und tat das, was er offenbar von einer gleichaltrigen Frau gelernt hatte: Vorsichtig zu prüfen, ob die Zahnbarriere geschlossen bleibt, oder ob die Zunge ihren Weg findet, sich in meinen Mund zu schlängeln. Offenbar war er überrascht, dass ich seine Zunge ansog. Sein Körper begann daraufhin zu zittern, was mir deutlich zeigte, wie schnell er sich erregte – ein junger Mann eben. Ich legte meine Hand prüfend auf seine feine Baumwollhose, wie zufällig, und stellte fest, dass sein Penis inzwischen etwas angeschwollen war. Nun war es an der Zeit, einen lustvollen Kreis zu bilden zwischen dem Küssen und saugen, wo sich unsere Zungen schon intim berührten, und meiner Hand, die vorsichtig seinen Penis zu streicheln begann. Und es funktionierte. Er begann, leise und unterdrückt zu stöhnen, während ich weiter an seiner Zunge sog.



Ich denke, ich habe euch nun gezeigt, wie man durch Intimität und Sinnlichkeit erotische Gedanken erzeugen kann. In der „großen“ Literatur findet ihr solche Beispiele kaum. Ich erinnere mich an eine Passage, in der es lapidar hieß: „Sie nahm meinen Penis die Hand und küsste mich auf die Lippen.“ Wer nicht vorhat, erotische Erlebnisse lustvoll zu beschreiben, sollte es lieber gleich ganz lassen.

Die Tipps

1. Alles, was auf der Haut, unter der Haut und im Gehirn passiert, kann verwendet werden, um erotische Spannung zu erzeugen. Daran können alle Sinne beteiligt sein.
2. Das, was vor dem „Eintauchen“ des Penis in die Vagina geschieht, ist sinnlicher als das, was danach passiert.
3. Du solltest wissen, wie eine Vulva, eine Vagina oder eine Klitoris aussieht, wenn die Frau erregt ist. Und du sollest die Gefühle der Frau verstehen, wenn das passiert.
4. Wenn du über Männer schreibst, solltest du wissen, wie sich ein Penis anfühlt, wenigstens, wenn er in deiner Hand liegt und wie ein Mann reagiert, wenn du ihn sanft verführst.
5. Versuche, alle Beschreibungen möglichst „hautnah“ an deine Leser(innen) zu bringen, und zwar so, wie es Menschen tatsächlich erleben.

Hinweis; Umschreibungen und Textbeispiele nach dem "Satzfetzen-Prinzip" von Isidora. Zitat von Ines Witka aus "Dirty Writing", Tübingen 2015.

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte?

Bi-Erotik zwischen süßlicher Verführung, Zögerlichkeit und Konsequenz
„Lesbisch“, dies sei vorweggenommen, ist eigentlich keine korrekte Bezeigung für die Liebe, die Lust oder die Leidenschaft, die zwei Frauen miteinander verbindet.

Zunächst einmal handelt es sich dabei um eine Beziehung, die erotische oder sexuelle Wünsche beinhaltet. Keine der beiden Partnerinnen, die in deiner Geschichte zusammenkommen, müssen „wirklich lesbisch“ sein. Die Bandbreite schwankt zwischen Neugierde, Wollust, Abenteuer, Sinnlichkeit und Verführungskunst. Meistens – auch das ist wie „im richtigen Leben“ - gibt es eine Verführerin und eine Verführte, wobei sowohl die eine wie die andere ohne Vorsatz handeln kann.

Wie so oft, müssen drei Komponenten zusammenwirken:

Die latente Lust auf „frau“.
Ein gewisses Gefälle in lesbischer Erfahrung und Leidenschaft.
Eine Situation, in der es möglich ist, eventuelle Hemmungen abzulegen.

In älteren britischen Romanen ist es das Internat, in dem allerlei seltsame Beziehungen mit erotischer Aura entstehen. Je erotischer beziehungsweise pornografischer die Werke sind, umso mehr wie „Klartext“ gesprochen. Nehmen wir das „Picknick am Valentinstag“, so umweht uns der Hauch der Erotik unter den jungen Frauen, aber auch die Zuneigung der Erzieherinnen zu ihnen. Diese angedeuteten Liebesbeziehungen oder das nicht ausgelebte Lustverlangen wird in vielen Internats-Romanen weitaus mehr strapaziert, in England typischerweise in Verbindung mit spielerischen oder realen Körperstrafen.

Das Zögern spielt im lesbischen Roman eine große Rolle

Soweit „Zärtlichkiten“ betroffen sind, spielt das Zögern eine große Rolle. Die Heldin hat durchaus männliche Verehrer, zögert aber, sich ihnen hinzugeben. Auch der Verführerin weicht sie aus, solange es ihr möglich ist. Am Ende wird die Bi-neugierige oftmals in eine Honigfalle gelockt. Dabei sind die erfahrenen Verführerinnen oftmals nicht eben zimperlich.

Ein Plot und der entscheidende Dialog dazu

Die Szenerie könnte so sein: Ihre Figur nächtigt mehrere Male bei ihrer guten Freundin, und tatsächlich kommt es zum Austausch sanfter Zärtlichkeiten. Die Leidenschaft wird aber überdeckt von der Furcht, die Freundin hernach zu verlieren. Ein Versuch, darüber zu sprechen, scheitert ebenfalls aus Scham, aber auch aus Furcht davor, das Tor zur lesbischen Liebe auszustoßen.

Einige Tage später sitzt sie mit einer anderen Frau zusammen – sehr gesellschaftskonform. Doch die andere ist faszinierend, selbstbewusst und eine erfahrene Verführerin. Man trinkt, die Bedenken gegen die Person der anderen werden fortgespült, bis dieser Dialog beginnt (1):


„Magst du eigentlich Frauen?“
„Wie meinst du das?“
„Du weißt, wie ich es meine.“
„Ich bin nicht bi oder so – auf keinen Fall.“
„Das heißt, ich gefalle dir nicht?“
„Doch, doch, aber ich will nicht …“
„Nicht zwischen meine Schenkel meinst du das?“
„Ich habe nie daran gedacht, so etwas …“
„Du lügst schlecht, Schätzchen.“
„Nein ich … ich will es einfach nicht.“
„.. wahrhaben …“
„Was meinst du damit?“
„Du willst nicht wahrhaben, dass du nach Lust riechst und deine Augen begierig über meinen Körper wandern, nicht wahr?“


Verlassen wir nun diese heftige Szene. Dort, wo wir sie gelesen haben, ist sie noch viel heftiger, absolut schamlos und mit intimen Schilderungen des Körpers der Verführerin wie auch der Verführten gespickt.

Die meisten Bi-Geschichten leben von unendlichem, aber unterdrücktem Verlangen und der Furcht, es auch tatsächlich an den Tag zu legen. Insofern kann die Heldin durchaus mehrere Stufen durchlaufen, von zärtlichen Näherungen, zufälligen Berührungen und zögerlichem Verhalten bis hin zur leidenschaftlichen Hingabe, in der nur noch die Sinneslust zählt.

In wessen Armen die Heldin am Ende landen wird – das legst nur du fest, die Autorin. Meist ist es nicht die Verführerin, sondern eine andere Frau – und dann und wann sicher auch - ein Mann.

(1) Der Dialog wurde von Isidora nach einem Beispiel der Literatur "verflacht".

Mit den Augen ausziehen – ein Thema für dich?

Eine Show für Voyeure
Von Männern sagt man, sie würden Frauen gerne „mit den Augen ausziehen“, und wenn sie es täten, so seien sie lästig. Doch, wenn wir ein Thema wie dieses in eine Story fassen wollen oder einen solchen Vorfall in einen Roman integrieren wollen, was fällt uns dann ein?

Zunächst einmal, dass wir wissen müssen, wie jemand angezogen ist. Ohne angezogen zu sein, kann man niemandem ausziehen, werde mit den Händen noch mit den Augen. Wichtig ist also, ziemlich genau zu beschreiben, was die Frau (selten der Mann) „anhat“ und wie man es besten schichtweise entfernt. Es geht ja darum, jemanden völlig mit den Augen zu entkleiden, sodass er in völliger Nacktheit vor dem geistigen Auge entsteht. Und obgleich Männer häufiger bezichtigt werden, „Frauen mit den Augen auszuziehen“ schaffen auch Frauen, andere Frauen virtuell zu entkleiden. Sie haben den Vorteil, die Wirkung weiblicher Kleidungsstücke genauer zu kennen und sich deswegen eher ein Bild machen zu können.

Die emotionalen Regungen bei der Beobachteten

Schlimm finden Frauen zumeist, wenn Männer auffällig direkt auf das Dekolleté, die Brüste selbst oder den Zustand der Brustwarzen schauen. Ähnliche gilt allerdings auch für den Blick in den Schritt (bei Hosen) oder an den Beinen entlang bis zum Rocksaum.

Schlimmer als das „Entkleiden mit den Augen“ aber ist für viele Frauen das Gefühl, Teil der Fantasien des Mannes zu werden, also anhand des Entkleidens einen erotischen Traum auszuleben. Das heißt im Klartext, im Geiste den soeben ausgezogenen Frauenkörper zu berühren und sich daran zu ergötzen.

Beispiele aus Flirts und Strip-Shows

Tatsächlich haben wir es mit Bestandteilen und Umständen zu tun, die sogar von Frauen beim Flirt oder in Striptease-Shows verwendet werden. Bei heftigen Flirts wie auch bei der Strip-Show berühren Frauen ihren Körper. Beim Flirt höchstens die Haare oder den Mund, bei den Shows je nach Frivolität den ganzen Körper über der Haut, auf der Haut und unter der Haut.
All dies steht für „ich berühre meinen Körper stellvertretend für dich“.

Der Unterschied: Die Frauen, die heftig flirten oder sich vor Männern entkleiden, wissen um ihre Wirkung. Diejenigen, die in der Straßenbahn oder auf einem Barhocker virtuell ausgezogen werden, wissen es oft nicht.

Gefühle immer plastisch schildern

Es reicht nun nicht, diese Szenen als „unangenehm“ zu schildern. Ihre Figur sollte stattdessen das gesamte Spektrum der Gefühle zeigen, die sie dabei empfindet. Das reicht von dem guten Eindruck, Aufmerksamkeit zu genießen bis zum negativen Gefühl, nun nackt und hilflos vor seinen Augen zu stehen. Ebenso kann es zunächst das Gefühl sein, sich hübsch zu kleiden und begehrt zu werden, um sich dann vorzustellen, Teil einer „schmutzigen Fantasie“ zu werden. Nirgendwo werden Zwiespälte so deutlich wie in der Situation, objektiv vollständig bekleidet zu sein und sich dabei nackt zu fühlen.

Wer das Genre beherrscht, kann wundervolle Geschichten daraus entwickeln, seien sie nun hetero- oder bisexuell. Wir kennen immerhin eine Geschichte, in der die Verführerin ihre jungfräuliche, aber überaus sinnliche Gespielin bezichtigt, eine Voyeurin zu sein.

Der Dialog geht ungefähr so:

«Als sie sich wieder setzte, war der weiße, knappe Slip auf ihrer braunen Haut deutlich zu erkennen.

„Schaust du jeder Frau, die du triffst, unter den Rock?“

Maja hatte vergessen, wie die Katzenaugen der Fremden all ihre Bewegungen registrierten.

„Entschuldigen Sie“, sagte Maja, wobei ihre elfenbeinfarbigen Wangen von zartem Rot überflutet wurden, „ich wollte nicht … aufdringlich wirken.“

„Warum entschuldigst du dich? Du bist eine Voyeurin, und selber ziemlich exhibitionistisch. Wie du deinen Hintern hervorhebst … oh la la. Und du sorgst ständig dafür, dass ich deinen rosa Slip zu sehen bekomme, aus dem dein Schamhaar hervor guckt, als wollte es befreit werden …“»


Interessiert dich, wie diese Geschichte weitergehen könnte? Oder wie sie begonnen hat? Dann schreib sie zu Ende. Den Teil, den wir veröffentlicht haben, kannst du als Anregung nutzen. Es ist eine Umschreibung von Isidora, die wir dir zur freien Verwendung überlassen.

Verbal an die Lust heranführen

Die beste Lektion, die Sie sich antun können (und sicherlich keine Lektion für Furchtsame), besteht darin, einmal das Gespräch zwischen dem Antihelden aus „Cracker“, dem Psychologieprofessor Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald und dem Verdächtigen zu verfolgen. „Fitz“ redet dabei hautnah auf ihn ein, schildert sein Verbrechen in allen Details, wird extrem direkt, so als kenne er das geheime Innenleben des Täters genau. Schrecklich genau, schrecklich hautnah, geradezu so, als wolle er den Zuschauer ansprechen und sagen: „Du könntest es auch getan haben – aber du hättest Skrupel gehabt.“ Am Ende sagt der Verdächtige: „Ich glaube, Sie brauchen einen Psychiater.“

Der Film heißt „Mord ohne Erinnerung“. Und warum empfehle ich, den Dialogen in diesem Krimi zu lauschen?

Sehen Sie – Fitz kann sozusagen detailliert auslesen, was im Gehirn eines Gewaltverbrechers vorgeht. Und Sie? Sie können detailliert beschreiben, was im Gehirn ihrer zögernden Jungfrauen, widerlichen Lustmolchen, selbstsüchtigen Verführerinnen und lernbegierigen Jünglingen vorgeht. Bleiben sie eng an der Wollust dran, aber auch der Scham, dem Zögern und den Widersprüchen. Die Gedanken der Menschen sind oft schamloser als ihr Handeln, als legen sie offen, was ihre Figuren wirklich denken – nicht nur, was aus ihren Mündern herausquillt.

Ja sicher – sie können die erotischen Gedanken Ihrer Leserinnen und Leser auch einfach „antriggern“, sodass sie Fantasien in den Hirnen der Leserschaft erzeugen, von denen sie gar nicht geschrieben haben. Falls Sie das können – Chapeau. Der gewöhnliche Autor erotischer Literatur kann es nämlich nicht.

Körperteile in den Hintergrund – Gefühle in den Vordergrund

Alle Gefühle zulassen -und heraus damit ...
In einem Blog für erotisches Schreiben fand ich diesen Satz (sinngemäß übersetzt):

Die Figuren, die Situationen, aus denen heraus sie agieren und der Handlungsrahmen kann in jeder unserer Geschichten unterschiedlich sein, aber Körperteile stehen nur beschränkt zur Verfügung. Und was mit ihnen passieren kann, fällt in wenige Kategorien.


Ich musste nicht lange nachdenken, um herauszufinden, was das Problem der Autorin ist – und falls es auch Ihr Problem sein sollte, sage ich Ihnen heute, warum Sie möglicherweise so denken.

Wenn Sie also ein ähnliches Problem haben sollten, dann beruht es auf dreierlei:

1. Sie stellen Handlungen in den Vordergrund.
2. Sie schildern sehr viel Äußerlichkeiten.
3. Sie denken in Kategorien.

Wenn Sie dies ändern wollen, dann können Sie einfach dies tun:

1. Stellen Sie Gefühle in den Vordergrund.
2. Schildern Sie, wie die Nervenenden auf Berührungen reagieren und was damit im Kopf ihrer Heldin passiert.
3. Denken Sie an alles, was Ihre Heldin sehen, fühlen, hören, riechen und über die Haut aufnehmen kann.
4. Lassen Sie Ihre Figur leben - sie darf wesentlich geiler und unvorsichtiger sein als Sie selbst.
5. Überschreiten Sie sämtliche Grenzen, die man Ihnen als Schülerin beim „Aufsatzschreiben“ beigebracht hat.

Wenn Sie über „Vanille-Beziehungen“ schreiben, haben Sie ja tatsächlich oft nur wenige Optionen, welche Körperteile in welche ander eindringen könnten. Aber wenn Sie nun einmal die Fingerkuppe ihres rechten Zeigefingers nehmen und langsam über ihren eigenen Körper fahren, ohne Ihre Vagina zu berühren, was spüren Sie dann? Was passiert, wenn Sie sich vorstellen, dabei komplett bekleidet am Schreibtisch zu sitzen? Oder in mit einem leichten Seidennachthemd im Bett oder nackt am Strand?
Das war die Kuppe eines Fingers – und noch nicht einmal intim. Und ich habe noch gar nicht damit angefangen, über Dialoge zu sprechen – richtig schmutzige Dialoge.

Nun, ich will Sie nicht verführen … aber probieren sie Berührungen auch einmal vor dem Spiegel und beschreiben Sie dabei, was sie sehen.

Wird Ihnen schon ganz „kribbelig“? Dann ist es gut. Und jetzt – schreiben Sie es auf.