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Umgekehrtes Rollenspiel als erotisch Literatur-Idee

Bereits in einigen unserer Beiträge haben wir Ihnen erklärt, dass Klischees umso abgeschmackter wirken, je häufiger sie gebraucht werden. Ein sehr interessantes Mittel, um besonders in Grenzbereichen der Sexualität neue Ideen zu finden, ist die Rollenumkehr.

Klassisch: Mädchenerziehung für Knaben
Die klassische Variante der Rollenumkehr wurde schon im 19. Jahrhundert entdeckt: Junge Männer wurden in Mädchenkleidern gesteckt und dann von Frauen erzogen – teils recht heftig, wie man sich vorstellen kann. Manche weibliche Autoren schlüpften in Männerkleider – zumindest in ihren Pseudonymen. Und auch in einigen Romanen verkleidete sich Madame in Monsieur, um jungen Frauen zu gefallen oder junge Männer zu verwirren.

Daraus wurde auch das Rollenbild der „Sissy“ entwickelt, also eines jungen Mannes, der in Frauenkleider gesteckt und – zumindest gelegentlich - auch sexuell so „behandelt“ wurde. Diese Art entzückt immer noch, wenn die Figur des zarten, schüchternen Mannes lebendig und sinnlich beschrieben wird.

Wenn die Domestiken die Herrschaften züchtigen

Personal züchtigt die Herrin
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschien eine sehr eigenartige Literatur, in der ein anderer Rollenwechsel zum Zuge kam: Die Herrin oder Ehefrau wird von weiblichen Domestiken dominiert und vorzugsweise gezüchtigt. Typisch für die Zeit sind Darstellungen, in denen beispielsweise das Dienstmädchen die Herrin mit Ruten züchtigt. Bereits in einer Kalendergeschichte aus alter Zeit wird beschrieben, wie die „unbotmäßige“ Ehefrau den Domestiken übergeben wird, um sie der „Strafe der Kuhhaut“ (1) zu unterziehen. Für heutige Leser wäre sie wohl zu grausam, um der Zensur zu entgehen. Und gegen 1910 finden wir eine ähnliche Geschichte vor, in der die weiße Herrin wegen ihrer „Verfehlungen“ dem schwarzhäutigen Dienstpersonal zur Disziplinierung überlassen wird.

Sollte ein junger Mann von der Gouvernante gezüchtigt werden, so überließ sie die Vorbereitung gerne kräftigen Bediensteten oder Mägden. Das war natürlich besonders erniedrigend, wenn es sich bei dem Zögling um einen gebildeten jungen Mann aus den „besseren Ständen“ handelte.

Wenn listige Cinderellas planvoll verführen

Rollenwechsel - Dienstsmagd - Herrin
In neuerer Zeit wurde ein Roman populär, in der eine abgehalfterte Schönheit mit lesbischen Tendenzen einen seriösen, aber leider krankhaft unterwürfigen Geschäftsmann in den Ruin treibt. In vielen weniger bekannten Erzählungen wird geschilderte, wie die Person, die eigentlich geführt werden sollte, die Führung übernimmt. So kann beispielsweise die Putzfrau den Wohnungseigentümer dominieren, oder das Straßenmädchen den Millionär – wenn es denn eine Cinderellageschichte werden soll. Natürlich können hier auch heiklere Themen aufkommen: Wenn beispielsweise die Verdächtige die Polizistin verführt oder die Schülerin ihre Lehrerin – im Krimi ist beides ja mittlerweile angekommen. Ich habe bewusst die Frau-Frau-Variante gewählt, weil solche Geschichten eher toleriert werden als ähnliche Verhaltensweisen in heterosexuellen Abhängigkeitsverhältnissen. Immerhin wurde erst neulich ein Tabu gebrochen: In einer Folge von „Cyberweiber“ verführt de Psychotherapeutin ihren Klienten völlig schamlos und bar jeder Ethik.

Übrigens gibt es eine absolut schicke Variante des Themas: Die Dame des Hauses erledigt die „Verführung“ oder eine andere Art des „erotischen Anfütterns“ nicht selbst, sondern schickt eine Stellvertreterin vor. Das kann beispielsweise ein Dienstmädchen sein, das sich dann „in flagranti“ ertappen lässt. Oder sie beobachtet die Verführung von einem Nebenraum aus, in modernen erotischen Geschichten wohl auch über einen Monitor.

Realismus ist nicht gefragt – alles ist wie im Märchen

An dieser Stelle mögen Sie sich vielleicht die Frage stellen, wie realistisch soll denn die Geschichte sein, oder wie viel Fantasie darf in sie einfließen?

Aus meiner Sicht muss die Geschichte in keiner Weise realistisch sein, sondern das lustvolle Machtgefälle sollte so beschrieben werden, dass es bei der Leserin alle Arten von Emotionen weckt – von Abscheu über Hassliebe bis zum sinnlichen Verlangen.

(1) Grimmelshausen – Rezept für die bösen Weiber, 17. Jahrhundert.
Bilder: nach Illustrationen aus dem 19/20 Jahrhundert

Die dominante Seite der Frauen

Was fühlt die dominante Frau?
Nur wenige Frauen verbinden ihren Wunsch, einen Mann zu beherrschen, mit sexueller Lust. Üblicherweise leugnen Frauen bei Befragungen, überhaupt zu sexueller Dominanz zu neigen. Doch wenn man sie nach ihren Fantasien befragt, kommt die Wahrheit heraus, die selbst manche Autorin überrascht: Fast die Hälfte der Frauen fanatisiert darüber, einen Mann oder eine andere Frau zu dominieren.

Das Missverständnis mag sich daraus ergeben, dass Frauen sehr selten offenkundige Machtgelüste an den Tag legen. So würden sie beispielsweise nur zu 11 Prozent einen Mann zum Sex nötigen, und nur zu 24 Prozent wären sie bereit, jemanden durch Schläge lustvoll zu disziplinieren. Doch je „femininer“ die Methoden sind, Macht auszuüben, umso mehr Lust scheinen Frauen zu haben, Männer (und manchmal Frauen) zu erniedrigen, zu entwürdigen oder einfach – zu fesseln. Denn jemanden hilflos in Handschellen, Seilen oder Ketten zu sehen, das stellen sich immerhin 42 Prozent der Frauen in ihren Träumen vor.

Die Literatur zum Thema ist oft unglaubwürdig, weil sie Männerfantasien befriedigt. Da ist die unerbittliche Domina, die den Mann immer tiefer in die Versklavung treibt, bis dieser schließlich seine Existenz aufs Spiel setzt. Das mag manche weibliche Leser befriedigen („das gönne ich dem perversen Schwein“), doch bringen diese Schilderungen wenig Einblick in die Beweggründe, Männer zu dressieren. Sie beschreiben auch weder die Kunst der Dominanz noch und die Gefühle, die dominanten Frauen haben, wenn sie Macht über Männer gewinnen. Schon etwas anders sieht es aus, wenn Frauen Macht über andere Frauen gewinnen und die sexuelle Dominanz über sie genießen und auskosten. Offenbar lässt ich dergleichen leichter in Worte fassen.

Generell finden wir unter den Heldinnen der Dominanz diese fünf Typen:

1. Sie tut es für Geld und aus keinem anderen Grund.
2. Sie will sich an Männern rächen, die ihr einst die Macht entzogen haben.
3. Ihr gefällt die Rolle und sie genießt sie.
4. Sie wird geil, wenn sie jemanden dominiert.
5. Sie hat ihren Lebensstil so eingerichtet, dass sexuelle Dominanz dessen Bestandteil geworden ist.

Möglicherweise ist Ihnen bei Internet-Recherchen aufgefallen, dass es verdächtig viele Geschichten zum fünften Punkt gibt, also über sogenannte Lifestyle-Dominanz, die zumeist von Frauen in Auftrag gegeben wurden, die diese Geschichten als Werbung für ihre Studios einsetzen.

Demnach bleiben von den fünf Themenkreisen noch drei übrig, die sie wirklich verwenden können. Gehen wir sie schnell durch: Rache ist ein schlechtes Motiv für eine erotische Geschichte, fällt also nach meiner Ansicht auch aus. Zwar hatten schon einige Autorinnen damit Erfolg, doch diese Zeit liegt lange zurück. Mit der Frau, die aus Hass, Frust, Revanche oder aus lesbischen Neigungen zur Männerhasserin wird, lässt sich kaum eine farbenfrohe Geschichte über die erotische Lust schreiben – auch nicht im SM-Bereich.

Ihnen bleiben also noch zwei Varianten: die Frau, die ihre Machtfülle in der Rolle genießt oder die Frau, die dabei geil wird – nicht notwendigerweise auf den Mann, der vor ihr kriecht und wimmert.

Letztendlich wird es gut sein, in Ihre Geschichte sowohl positive wie negative Gefühle einzubauen: beispielsweise der Wunsch, einen Mann zu unterwerfen, aber auch die Furcht, ihn zu verletzen, falls er gepeitscht werden will/soll.

Was meinen Sie?

Hinweis: Zahlenmaterial aus einer wissenschaftlichen Studie.

Verführungen im erotischen Roman

Wer verführt hier wen?

Ob Roman, Essay, Novelle oder Short Story: Entweder die erotische Geschichte beginnt mit einer Verführung oder sie beinhaltet mindestens eine Verführung.

Da ergibt sich doch die Frage: Welche Verführungen gibt es eigentlich, wie spektakulär sind sie, und wie kann ich sie in Worte fassen?

Hetero-Verführungen und homosexuelle Verführungen

Verführungen unter Heterosexuellen sind generell nicht so spektakulär wie Verführungen zu homosexuellen Handlungen. Letztere interessieren auch ein allgemeines Publikum, besonders, wenn es sich um Bi-Kontakte handelt.

Hetero: Mann verführt Frau kontra Frau verführt Mann

„Mann verführt Frau gegen ihren anfänglichen Widerstand“ ist als Thema restlos ausgelutscht, findet aber immer wieder Liebhaber. Das konträre Thema scheitert oft an der Annahme, bei Männern müsste die Frau nur Strapse tragen und drei Worte flüstern, dann hätte sie den Mann schon im Bett. In einem Satz: Jede Verführung, die sofort und reibungslos klappt, ist entweder langweilig, oder bewusst so gewählt oder die reine Masturbationsvorlage.

Homosexuell: Frau verführt Frau oder Mann verführt Mann?

Klar – das Thema „Frau verführt Frau“ ist beliebter, ob unter lesbischen Frauen, unter Bi-neugierigen Frauen oder unter lesenden Männern. „Mann verführt Mann“ ist heikel, jedenfalls für Ihr Mainstream-Publikum. Abhilfe: Entweder romantisch verklären oder aber einen der Männer als Frau in die Geschichte einführen. (Transsexueller oder Transvestit, Sissy oder dergleichen).

„Alt verführt Jung“ gegen „Jung verführt Alt“

Üblich ist „Alter verführt Jugend“, aber das Thema ist schrecklich abgedroschen, vor allem in der Version „älterer Herr verführt junge Frau“. Spektakulärer ist es, wenn die ältere Frau den jüngeren Mann verführt. Noch interessanter: wenn die jüngere Person die ältere verführt.

Reich verführt Arm oder Arm verführt Reich?

Na klar, im „Groschenroman“ herrscht das Cinderella-Prinzip: Generöser, meist älterer Mann verführt jugendliche Naive. Oder reicher Gay verführt armen Hetero. Oder … oder … aber wie sieht es aus mit „Arm verführt Reich?“ Es darf ruhig ein wenig Berechnung dabei sein, wie im richtigen Leben.

Gruppen: Mehr Personen, mehr Probleme

„Paar verführt Mann“ ist ganz anders als „Paar verführt Frau“ und die jeweiligen Konterpartien, „Mann verführt Paar“ oder „Frau verführt Paar“ müssen schon ausgezeichnet aufgebaut sein, um sich interessant beschreiben zu lassen. Je größer die Gruppe, umso komplizierter wird die Beschreibung. Von erotischen „Herrenrunden“ und „Damenkränzchen“ sowie von allen anderen Orgien sollte man ganz die Finger lassen.

Mehr als eine Verführung? Geht das?

Wenn Sie sich die Literatur durchsehen, gib es zwei wesentliche Richtungen: Ein Paar, bei dem einer den anderen zu immer neuen Abenteuern verführt, und oder eine Person, die immer wieder neue Partner verführt. Selbstverständlich können Sie auch eine Antiheldin wählen, die immer wieder verführt wird.

Wer verführt wen zu was?

Nichts ist so langweilig wie eine Verführung zu „ganz normalem Sex“. Eine Hetero-Frau zu Bi-Abenteuern zu bringen, ist für das Lesepublikum wesentlich interessanter. Oder eine sehr bürgerliche Studentin zu einem BDSM-Rollenspiel zu überreden? Das gab es zwar gerade erst, aber bevor es den einschlägigen Bestseller gab, hat sich kaum jemand herangetraut. Das liegt einerseits daran, dass die Autorinnen zumeist nur darüber schreiben, was sie selbst näherungsweise nachvollziehen können. Und wenn sie’s nicht können dun auch sonst nicht viel drauf haben, dann „assimilieren“ sie irgendwelche Szenen aus dem Internet. Extreme Verführungsszenen werden selten beschrieben, so, als hätten die Autorinnen nie etwas von stofflichen und körperlichen „Fetischszenen“ gehört. Und was immer wieder fehlt: Wenn es keinen latenten „inneren Widerstand“ gäbe, würde sich niemand verführen lassen wollen.

Szenen der Verführung: Sie dürfen lang und widersprüchlich sein

Wie langweilig, wenn ihr Höschen so feucht ist, dass der Liebessaft schon durch den Rock schlägt, und sich sofort die berühmte Beule in den Jeans zeigt. Verführungen schreiten oft über viele Etappen mit unterschiedlichen Ergebnissen voran. Klar kann es mal sein, dass der ungeduldige, stark erigierte Penis schon aus der Hose fluppt, wenn sie „den Zipp öffnet.“ Aber das ist, mit Verlaub, auch dann keine Verführung, wenn sie zuvor auf dem harten Baumwollstoff herumgerubbelt hat. Viel interessanter ist eine Geschichte, in der die Frau erst das ganze Feuerwerk ihrer Künste abbrennen muss, bevor der Mann bereits ist … physisch wie psychisch. Entsprechen ergeht es vielleicht ihrem Helden, der unendlich lange versucht, der Damen „Lust auf Lust“ zu machen, bis diese schließlich sagt: „Worauf wartest du eigentlich noch?“

Und wie verführen?

Verführungen sind Kompositionen aus Gesten, Worten, Berührungen und Umgebungsvariablen. Je nachdem, wie und wo die Verführung stattfindet, und wie intensiv die Person agiert, die als Verführer(in) vorgesehen ist, können Gesten, Worte oder Umgebung dominieren. Die Berührungen sind letztendlich lediglich Handlungsabläufe, die nicht zu sehr in den Vordergrund gestellt werden sollten. Gemeinhin bevorzugen Verführer die „AIDA“-Formel: Aufmerksamkeit, Interesse, Verlangen (Desire), Aktion. Das können sie recht lange ausbauen. Andere Formeln eignen sich weniger. Zwischen Interesse und Verlangen, aber auch zwischen Verlangen und Aktion können noch retardierende Momente eingebaut werden. Meist tritt zwischen Interesse und Verlangen noch eine Phase auf, in der die psychischen und physischen Konditionen abgeklärt werden, teils spielerisch, teils sehr konkret (Kondome? Wie wirst du über mich denken, wenn …? Wie würde ich mich hernach fühlen, falls ...?). Zwischen Verlangen und Aktion sind es dann die „letzten Zweifel“, die insbesondere seitens der/des Verführten eingebracht werden. Falls Sie aus der Sicht des Verführers / der Verführerin schreiben, können Sie ebenfalls letzte Skrupel oder Befürchtungen einbauen, ob sie lustvoll/potent/skrupellos genug sind, um die Verführung zu vollenden.

„Stille Verführungen“ ohne Dialoge kommen vor, sind aber äußerst schwierig darzustellen, weil Sie dann alle physischen Prozesse, aufkommende Gefühle und ins Leere gehende Gedanken beschreiben müssen.

Sie wollen mehr, viel mehr?

Stellen Sie Fragen – wir beantworten sie.

Was bevorzugen Leser/Leserinnen in SM-Storys?

Eine private Umfrage ist normalerweise nicht viel wert, sie wird aber umso wertvoller, wenn sie sich mit dem deckt, was auch andere festgestellt haben wollen. Die Frage war: Wie sollen die Figuren in SM-Geshichten aufgestellt sein? Wer soll dominieren, wer soll sich unterwerfen?

Ein Ergebnis ist voraussehbar: Männer, die Frauen dominieren, sind nicht nur der Favorit schlechthin, sondern seit den „Fifty Shades of Grey“ auch die beliebteste SM-Literatur der Frauen. Dafür votierten jedenfalls in einer privaten Umfrage 44 Prozent. Aus größeren Umfragen wissen wir, dass fast 65 Prozent der Frauen (also fast zwei Drittel) darüber fantasieren, dominiert zu werden.

Männer träumen immerhin zu mehr als der Hälfte davon, dominiert zu werden, und wir können ohne Zweifel annehmen, dass die meisten von Ihnen von einer Frau dominiert erden wollen. In der erwähnten privaten Umfrage wurden dafür 34 Prozent der Stimmen abgegeben.

Erstaunlich ist, wie viele Interessenten es für Frau/Frau-Beherrschung gibt. Beinahe ein Drittel der Befragten wählte diese Option. Dabei dürfte es sich sowohl um Frauen handeln, die sich einmal einer Frau unterwerfen würden, aber auch um Frauen, die bevorzugen würden, eine Frau zu dominieren.

Lediglich fünf Prozent der Befragten interessierten sich für Männer, die sich anderen Männern unterwarfen.

Haben Sie vor, einen Krimi mit SM, ein SM-Beziehungsdrama oder eine erotische SM-Geschichte zu schreiben? Dann wissen Sie nun, „wer mit wem“.

Interessant sind Konstellationen, in denen Frauen schwanken, ob sie sich lieber einem Mann oder einer Frau unterwerfen und in denen dadurch der Vorteil genutzt werden kann, gleichgeschlechtlicher Aktivitäten in Ihre Werk aufzunehmen.

Die Geschichte einer Domina – nicht von einer Domina

Klischee einer Stiefelhure
Geschichten über dominierende Frauen werden aus zwei Quellen gespeist: aus der Sensationslust des Publikums, das gerne wissen möchte, was die „Perversen“ sich hinter den Türen der Studios wünschen. Und aus dem Bild, dass die Domina gerne gegenüber der Öffentlichkeit abgeben möchte: Dann ist sie Herrin, Mistress, Lady, Königin oder Göttin.

Frauen wollten schon immer gerne wissen, was die Damen im Bordell eigentlich anders machen als sie selbst. Sie fragen mal zornig, mal verheult: „Was gibt meinen Mann die Hure, was ich ihm nicht geben kann?“ Ebenso verhält es sich bei der Domina: „Was für eklige Dinge passieren dort, und warum liegen die Männer diesen Frauen zu Füßen, lassen sich treten, penetrieren und schlagen?

Kaum jemand fragt: Wer ist diese Domina, warum übt sie diese Tätigkeit aus? Was fasziniert sie an diesem Beruf, und wie bindet sie den Alltag in ihr Leben ein? Wie findet sie Freunde, Liebhaber und vielleicht einen Ehemann? Was denkt sie über sich? Wie fühlt sie sich dabei?

Die Annahmen über die Wesensart einer Domina sind von Klischees geprägt:

1. Sie ist eine gefühllose Frau mit einer Leder harten Seele.
2. Sie wurde selbst Opfer. Aus Rache dominiert sie nun Männer.
3. Sie ist eine Hure, die ihre „Domina-Nummer“ abzieht.
4. Sie handelt aus Not, weil sie keinen Beruf gelernt hat.
5. Sie ist gewissenlos und geldgierig.


Wenngleich manche dieser Behauptungen auf einzelne Frauen ganz oder teilweise zutreffen mögen, so bleiben es doch Klischees. Der Lebensweg einer Krämertochter, einer Schwesternschülerin, eines Mannequins oder eines Partygirls führt nicht zwangsläufig ins Dominastudio.

Da wäre die Geschichte eines braven, schüchternen Mädchens, das erst spät sexuelle Kontakte aufnahm. Damit sie ihre Schau vor Menschen verlor und ihr Selbstbewusstsein stärken konnte, meldete sie die Mutter zum Schauspielunterricht an. Dort erkannte sie: Ich kann meine Persönlichkeit teilen: Ich bin sanft, schüchtern und zurückhaltend, aber ich kann eine Person entwickeln, die genau das Gegenteil darstellt.

Bekanntlich gibt es zwei Arten von erfolgreichen, selbstbewusst wirkenden Menschen: diejenigen, die in Familien hineingeboren wurden, in denen Selbstbewusstsein und Selbstüberzeugung gelebt wurden und solche, die diese Eigenschaften (oft gegen widrige Umstände) erst erwerben mussten. Es scheint, als sei dies unter den berufsmäßig dominierenden Frauen nicht anders.

Wenn Sie die Geschichte einer Domina in Ihren erotischen Roman einbauen wollen, sollten Sie die von mir genannten Klischees vermeiden. Ich gebe Ihnen fünf andere Punkte, die nützlich für sie sein könnten, wenn Sie eine Domina in Ihre Story einbinden wollen:

1. Jede Frau hat Gefühle. Versuchen Sie, die inneren Gefühle, die beim Rollenspiel angeeigneten Gefühle und ihre Auswirkungen zu beschreiben.
2. Neigung, Zufall und Neugierde und das lockende Geld sind die Motive, die ihre Heldin zu ihrer Tätigkeit verhalfen.
3. Ihre Domina gibt jedem Kunden das Beste, was sie kann – vom Outfit über das Rollenspiel bis zur Schlagtechnik. Sie ist dabei selbstkritisch und qualitätsbewusst. Das muss sie sein, den sie lebt zum großen Teil von Stammkunden.
4. Ihre Figur handelt aus der „Not“, aus der jede andere alleinlebende, selbstständig tätige Frau auch handelt: Das Geld für die Miete, die übrigen Betriebskosten, gute Nahrungsmittel, ein paar Flaschen Wein und ein bisschen Luxus müssen jedem Monat allein aufgebracht werden.
5. Eine Domina tut nichts gegen den Willen der Menschen, die sie erwählt haben oder die von ihr oft abhängig sind. Managerinnen und Politikerinnen können dies nicht immer von sich sagen.


Natürlich ist dies kein Vorschlag, wie Sie ihre Figur oder gar ihren Roman aufbauen sollten. Aber die Idee einer Frau, die zwei Welten lebt, ist für einen Roman besser geeignet als das Bild einer Frau, die auf ein Klischee reduziert wird.