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Die Geschichte einer Domina – nicht von einer Domina

Klischee einer Stiefelhure
Geschichten über dominierende Frauen werden aus zwei Quellen gespeist: aus der Sensationslust des Publikums, das gerne wissen möchte, was die „Perversen“ sich hinter den Türen der Studios wünschen. Und aus dem Bild, dass die Domina gerne gegenüber der Öffentlichkeit abgeben möchte: Dann ist sie Herrin, Mistress, Lady, Königin oder Göttin.

Frauen wollten schon immer gerne wissen, was die Damen im Bordell eigentlich anders machen als sie selbst. Sie fragen mal zornig, mal verheult: „Was gibt meinen Mann die Hure, was ich ihm nicht geben kann?“ Ebenso verhält es sich bei der Domina: „Was für eklige Dinge passieren dort, und warum liegen die Männer diesen Frauen zu Füßen, lassen sich treten, penetrieren und schlagen?

Kaum jemand fragt: Wer ist diese Domina, warum übt sie diese Tätigkeit aus? Was fasziniert sie an diesem Beruf, und wie bindet sie den Alltag in ihr Leben ein? Wie findet sie Freunde, Liebhaber und vielleicht einen Ehemann? Was denkt sie über sich? Wie fühlt sie sich dabei?

Die Annahmen über die Wesensart einer Domina sind von Klischees geprägt:

1. Sie ist eine gefühllose Frau mit einer Leder harten Seele.
2. Sie wurde selbst Opfer. Aus Rache dominiert sie nun Männer.
3. Sie ist eine Hure, die ihre „Domina-Nummer“ abzieht.
4. Sie handelt aus Not, weil sie keinen Beruf gelernt hat.
5. Sie ist gewissenlos und geldgierig.


Wenngleich manche dieser Behauptungen auf einzelne Frauen ganz oder teilweise zutreffen mögen, so bleiben es doch Klischees. Der Lebensweg einer Krämertochter, einer Schwesternschülerin, eines Mannequins oder eines Partygirls führt nicht zwangsläufig ins Dominastudio.

Da wäre die Geschichte eines braven, schüchternen Mädchens, das erst spät sexuelle Kontakte aufnahm. Damit sie ihre Schau vor Menschen verlor und ihr Selbstbewusstsein stärken konnte, meldete sie die Mutter zum Schauspielunterricht an. Dort erkannte sie: Ich kann meine Persönlichkeit teilen: Ich bin sanft, schüchtern und zurückhaltend, aber ich kann eine Person entwickeln, die genau das Gegenteil darstellt.

Bekanntlich gibt es zwei Arten von erfolgreichen, selbstbewusst wirkenden Menschen: diejenigen, die in Familien hineingeboren wurden, in denen Selbstbewusstsein und Selbstüberzeugung gelebt wurden und solche, die diese Eigenschaften (oft gegen widrige Umstände) erst erwerben mussten. Es scheint, als sei dies unter den berufsmäßig dominierenden Frauen nicht anders.

Wenn Sie die Geschichte einer Domina in Ihren erotischen Roman einbauen wollen, sollten Sie die von mir genannten Klischees vermeiden. Ich gebe Ihnen fünf andere Punkte, die nützlich für sie sein könnten, wenn Sie eine Domina in Ihre Story einbinden wollen:

1. Jede Frau hat Gefühle. Versuchen Sie, die inneren Gefühle, die beim Rollenspiel angeeigneten Gefühle und ihre Auswirkungen zu beschreiben.
2. Neigung, Zufall und Neugierde und das lockende Geld sind die Motive, die ihre Heldin zu ihrer Tätigkeit verhalfen.
3. Ihre Domina gibt jedem Kunden das Beste, was sie kann – vom Outfit über das Rollenspiel bis zur Schlagtechnik. Sie ist dabei selbstkritisch und qualitätsbewusst. Das muss sie sein, den sie lebt zum großen Teil von Stammkunden.
4. Ihre Figur handelt aus der „Not“, aus der jede andere alleinlebende, selbstständig tätige Frau auch handelt: Das Geld für die Miete, die übrigen Betriebskosten, gute Nahrungsmittel, ein paar Flaschen Wein und ein bisschen Luxus müssen jedem Monat allein aufgebracht werden.
5. Eine Domina tut nichts gegen den Willen der Menschen, die sie erwählt haben oder die von ihr oft abhängig sind. Managerinnen und Politikerinnen können dies nicht immer von sich sagen.


Natürlich ist dies kein Vorschlag, wie Sie ihre Figur oder gar ihren Roman aufbauen sollten. Aber die Idee einer Frau, die zwei Welten lebt, ist für einen Roman besser geeignet als das Bild einer Frau, die auf ein Klischee reduziert wird.

Weibliche Dominanz – wie kannst du darüber schreiben?

Beschreibe die Gefühle, die sie selbst hat - nicht nur die Gefühle, die sie vermittelt

Ich habe verschiedene Artikel zur „weiblichen Dominanz“ in der „Liebeszeitung“ veröffentlicht, und mein Kollege Ubi hat dazu einige Anmerkungen verfasst.

Es ist einfach so, dass zwischen dem, was eine Domina erlebt und dem SM-Spiel, dass du vielleicht mal mit einem Freund veranstaltet hast, ein großer Unterschied besteht. Und zwischen den Pornos aus dem Internet und dem wirklichen Leben sowieso.

Ubi schreibt:

Jede Domina wird Ihnen sagen, dass sie nicht in erster Linie mit der Peitsche arbeitet, sondern dass sie aus den Wünschen des Kunden ein Schauspiel aufbereitet, das tief in seine Seele eindringt. Es ist der Nachhall der Stimme, der Umgebung, der Hiebe, die Hingabe und Wehrlosigkeit, unter der die Männer die Erniedrigungen und Strafen empfangen.


Er rät dann:

In Romanen könnten die Autorinnen und Autoren diese Gefühle ausbreiten. Das tun sie aber kaum, weil Oberflächlichkeiten wie Peitschenhiebe mit Striemen aufs nackte Gesäß sich einfacher beschreiben lassen als der Schmerz, der über die Nervenbahnen in die Seele eindringt und dort Purzelbäume schlägt.


Das ist der Punkt, an dem ich hier für euch ansetzen will. Wenn du über weibliche Dominanz schreibst, dann schreib wenigstens ein klein wenig darüber, wie sich deine Figuren fühlen. Beteiligt sind ja immer mindestens zwei, und meistens liegt dir eine der Personen näher.

Wenn du also über weibliche Dominanz schreibst, dann sag deinen Leserinnen mindestens, was deine Heldin denkt und fühlt, die einen Mann dominiert. Wenn du über weibliche Unterwerfung schreibst, kannst du das ebenfalls aus der Sicht deiner Heldin tun. Wenn du glaubst, niemals wie ein Mann empfinden zu können, dann erwäge doch einfach, eine gleichgeschlechtliche SM-Szene in dein Werk einzubauen.

Meistens (das ist, glaube ich, kein Geheimnis) ist es einfacher SM-Geschichten aus der Sicht der „Subs“, also der Unterworfenen, zu schreiben. Die „Opferrolle“ bringt dir die Möglichkeit, alle Gefühle deiner Figur auszubreiten.

Wenn deine Heldin dominiert, schreib bitte darüber, wie sie sich an der Macht erfreut, die ihr dadurch zuwächst. Du wirst wahrscheinlich Kritik dafür bekommen, wenn deine Heldin ihre „Opfer“ verhöhnt oder verachtet, aber du bekommst dadurch auch einen Blick auf die Abgründe, in die sich eine professionelle „Domina“ begibt.

Wenn du deine Seele nicht mit dem Thema in Berührung bringen willst, dann lass es bitte bleiben, über Dominanz zu schreiben. Denn deine Heldin verlangt, dass sie zumindest einen Teil ihrer abgründigen Psyche auslebend darf: Dominanz oder Unterwerfung. Und du musst damit rechnen, dass sich deine Heldin dabei berührt.

Versuch es einmal mit Nähe. Und verlass die Schleimpfade, auf denen andere ausrutschen. Eine Domina zu sein ist kein Zuckerlecken, sondern ein Spiel mit der Macht und ihren Grenzen. Und einen Mann aus Liebe zu dominieren, ist noch viel schwieriger. Glaub mir.

Männer - Erotik zwischen knallhart und eiweich

Männliche Klischees in der Erotik: Dominant, herrisch, frauenverachtend

Wenn Männer mutig sind, sagt man wohl: Die haben Eier. Möglichst harte Eier, die Papageien nicht fressen. Fehlen ihnen die harten Eier, so sind sie Weicheier. Auch die Erotik, der sich Männer zuwenden, liegt zwischen knallhart und eiweich.

Wer die männliche Erotik verstehen will, sollte wissen, dass sich die Männer mit erotischen Fantasien ganz grob in drei Gruppen teilen lassen:

- Solche, die Frauen lieben, aber selten die Gelegenheit bekommen.
- Solche, die Frauen einfach als „vorhanden“ ansehen.
- Solche, die Frauen als Objekte zur Lusterfüllung betrachten.

Für welche dieser Gruppen wird Erotik produziert? In erster Linie wohl für die Männer, die Frauen im Prinzip lieben, die aber nicht so geliebt werden, wie sie es sich wünschen. Sie trauen sich auch nicht, von „anständigen“ Frauen mehr zu fordern. Wirkliche Lust erleben sie nur bei Huren und was ihnen gleichkommt – oder eben in der Fantasie.

Dann – selbstverständlich – für solche Männer, die Frauen als „Objekte der Begierde ansehen. Da es „sozial inkorrekt“ ist, etwas „Frauenverachtendes“ zu sagen, ist die harte Art der Erotik das, auf was sie abfahren. Dabei ist ihre Realität kaum anders als bei den Männern, die Frauen lieben.

Kaum an Erotik interessiert ist die Gruppe, die bekommt, was sie will und die jederzeit Frauen findet, die Vergnügen am Sex haben.

Was sagt uns das nun?

Männer und in Liebesromane „eingebettete“ Erotik

Vor alle, dass die meisten Männer nicht daran interessiert sind, „gewöhnliche Liebesgeschichten“ zu lesen. Wie sie unschwer feststellen können, ist „Liebesromantik“ für die meisten Männer kein Thema, und das auch dann nicht, wenn sie gelegentlich romantischen Ideen folgen. Aus genau diesem Grund ist es sinnlos, für Männer erotische Romane zu schreiben, in denen die Romanze im Mittelpunkt steht.

Weiche und harte Männererotik

Weiche Sinnlichkeit: Feminisierter Mann
Ja, aber was dann? Die „weichen“ Männer, die Frauen lieben, sehen sich mehrheitlich danach, die Lust intensiver zu erleben, häufiger „in einer Frau zu kommen“, sinnlich verführt zu werden und – nicht zuletzt – von lustvollen Mündern verwöhnt zu werden. In einem Satz: Sie erwarten von erotischem Schrifttum, dass die Frau lustvoll und begeistert Wünsche erfüllt.

Die „harten“ Männer, die sich Ihre Lust erfüllen lassen wollen, gieren hingegen nach „hartem Sex“, wollen Frauen mit allen Mitteln verführen, wünschen sich aktiven Analverkehr mit Frauen und sind bereit, Abenteuer einzugehen und „gewagte“ Rollenspiele anzuregen und durchzuführen. Mit einem Satz: Sie erwarten, dass sich die Frau widerspruchslos den männlichen Lüsten fügt.

Im Allgemeinen sagt man, dass Männer dabei nicht besonders wählerisch wären und ziemlich einseitig immer wieder die gleichen Handlungsabläufe sehen und lesen wollten.

Ist dies der Fall?

Männerfantasien sind nicht das, was Vorurteile aussagen

Kaum. Lediglich beim lustvollen Saugen sind die Männer auf der gleichen Seite wie die Vorurteile über sie, denn nahezu 88 Prozent der Männer fanatisieren über das, was in den Edel-Aufklärungswerken als „Fellatio“ bezeichnet wird und im Huremilieu als „einen Blasen“ genannt wird. Auf den nächsten Rängen aber werden durchaus literaturfähige Fantasien genannt. Dazu gehören etwa „Dreier“, Sex mit geheimnisvollen oder unbekannten Frauen oder gefahrvolle Begegnungen. Über die 50-Prozent-Hürde in den männlichen Wunschvorstellungen kommen immerhin 25 unterschiedlichste Fantasien, unter anderem auch die, zu dominieren oder dominiert zu werden.

Was ist mit den „heftigen“ Fantasien beim Mann?

Zunächst einmal: Es ist ein Irrtum, anzunehmen, Männer würden wesentlich mehr „Perversionen“ nachhängen als Frauen. Sexuelle „Abweichungen“ im Sinne des konservativen bürgerlichen (1) Selbstverständnisses sind bei Frauen und Männer zwar nicht gleich, aber immerhin ähnlich verteilt. So hängen wesentlich mehr Frauen als Männer bi- und homosexuellen Fantasien nach, während sexuelle Unterwerfungs- und Herrschaftswünsche sich zwischen Frau und Mann nahezu ausgleichen. Lediglich beim Thema „jemanden aktiv zu peitschen“ trauen sich Frauen nicht so recht an die Fantasie heran.

Was könnte dies für Sie als Autor(in) bedeuten?

Wenn Sie für Männer schreiben, sollten Sie alle feministischen, sozial korrekten oder andere moralisierenden oder ideologisierenden Aspekte der Sexualität außer Acht lassen. Lustvolle Männer suchen in der erotischen Literatur die Erfüllung ihrer Lüste. Selbstverständlich dürfen diese nicht „separat“ stehen, oder wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht werden: Eine spannende, erregende Story muss schon dahinterstehen. Nur eben keine Romanze.

Betont „harte Männer“ sind – entgegen allen Annahmen – nicht von „knallharten Fantasien“ getrieben, die Macht und Gewalt beinhalten. Eine Frau zu dominieren, ist das „Härteste“, was sie sich mehrheitlich in ihrer Fantasie vorstellen können, während körperliche Gewalt in der Skala der Fantasien weit unter die Zweidrittelmarke fällt.

(1) gemeint das "bügerliche" Selbstverständnis des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, nach dem alles "pervers" war, was nicht zur Zeugung führte.
Hinweis: Die Zahlen liegen dem Autor vor. Sie sind das Ergebnis einer der wenigen seriösen Studien zum Thema.
Illustrationen, historisch, koloriert, oben Topfer zugeschrieben, unten unbekannt

Saisonthema: Film-Start der „Shades of Grey“

Dominanz ist ... oft weiblich
Das Thema dieser Tage ist zweifellos der Filmstart der „50 Shades of Grey“. Der Film wird Frauen bewegen, die das Buch gelesen haben und auch solche auf den Plan rufen, die es niemals gelesen haben. Kurz: Die Diskussion um das Buch und den Film wird aufkochen. Und die Herdplatte bleibt lange warm, sodass auch Sie noch Ihr Süppchen darauf kochen können.

Versuchen Sie bitte gar nicht erst, ein Buch über die Lust an der Unterwerfung zu schreiben. Wählen Sie eine kürzere Form. Wenn Sie „Sinnlich Schreiben“ verinnerlicht haben, wissen Sie: Aus erotischen Kurzgeschichten lassen sich auch später noch patchworkartige Episodenromane zusammenschneidern.

Halten Sie sich nicht am vorgebenden Aschenbrödel-Konzept auf. Suchen Sie sich eine andere Variante, es gibt ein paar Dutzend typische Szenarien für die sinnliche Unterwerfung. Das Szenario „überheblicher reicher Mann dominiert arme, naive Frau“ ist ausgekaut wie ein Kaugummi, den sie an die Nachttischkante geklebt haben und erneut auskauen wollen.

Mann dominiert Frau - und Aschenbrödel?

Muss es überhaupt „Mann dominiert Frau“ sein? Mindestens „Frau dominiert Mann“ und „Frau dominiert Frau“ sind gängige Themen. (Mann dominiert Mann kommt bei Leserinnen nicht an). Und warum eine jugendliche, arme, jungfräuliche, bedürftige Cinderella? Sowohl das umgekehrte soziale Gefälle wie auch weltanschauliche Unterschiede oder gar Altersdifferenzen machen das Thema wesentlich farbiger.

Eine Putzfrau kann einen reichen Schnösel dominieren, eine raffinierte Fleischwarenverkäuferin kann einen Professor erotisch beherrschen. Erotische Herrschaft ist keinesfalls an soziale Dominanz gebunden, wie es die „SOG“ propagieren. Eine Frau im Großmutteralter kann sich einen Studenten „Untertan“ machen, und eine durchtriebene Mittdreißigerin kann einen Rentner um den Verstand bringen.

Sie können also Varianten beliebiger Art verwenden – und dabei haben wir nun nur die Personen betrachtet, und noch nicht einmal die Art, wie dominiert wird.

Was beinhaltet erotische Unterwerfung?

Meist steht ein geheimer, selten ausgesprochener erotischer Wunsch im Vordergrund, der nur schwer zu erfüllen ist. Neben den sattsam bekannten Schlägen kommen zahllose andere Varianten infrage. Beispielsweise „medizinische“ Behandlungen, Analverkehr mit Dildos (am submissen Mann), Fesselungen und Strafen, die nicht am Körper vollzogen werden. Beliebt sind auch Beschämungen, Beschimpfungen und Besudelungen – und als Krönung das Tragen von Frauenkleidern (bei Männern). Ist die Frau unterwürfig, so ist eines der beliebtesten Themen, für die sinnlichen, erotischen und sexuellen Handlungen nicht verantwortlich zu sein, weil ein „geheimnisvoller innerer Zwang“ die Heldinnen in die Situation hineintrieb.

Sie sehen – Unterwerfung ist ein wesentlich weiteres Feld, als es uns die „Shades of Grey“ bescheren. Übrigens schaden psychologische und anatomische Kenntnisse nicht, wenn Sie über „harte“ erotische Dominanz schreiben.

Feminisierung als literarische Idee

"Feminisierung als literarische Idee" ist eine längere Fassung meines Artikels zur Idee er Feminisierung in der erotischen Literatur.

Feminisierung zu werden, ist eine der sinnlichsten, verruchtesten und daher auch am häufigsten verschwiegenen männlichen Fantasien überhaupt. „Feminisierung“ bedeutet, den Mann mit so vielen „weiblichen“ Eigenschaften, Verhaltensweisen und Emotionen auszustatten, wie möglich. Hinzu kommt die äußere Wandlung durch das Tragen von Frauenkleidern, Perücken, falschen Brüsten und dergleichen sowie das zielgerichtete Schminken auf ein weibliches Aussehen hin.

Den Ursprung solcher Werke finden wir in einem Buch aus dem viktorianischen England, in dem unter dem Deckmantel der offiziellen Prüderie eine heimliche sexuelle Revolution (1) ausbrach. Es heißt im Original „Gynecocracy“ (2) und schildert die Unterwerfung des jungen und äußert naiven Helden unter die Zucht einer strengen Gouvernante und ihrer Helferinnen. Im Laufe dieses Prozesses wird der Held zu einem „braven, willfährigen Mädchen“ umerzogen.

Dieses Buch gibt bis heute folgende erotische Facetten her:

1. Weibliches Verhalten wir belohnt, Männliches bestraft.
2. Der Held muss durchgehend weibliche Kleidung tragen.
3. Auf den zu feminisierenden Mann wird Zwang in Form von Psychostrafen oder Körperstrafen ausgeübt, wenn er sich nicht an die Regeln hält. (Alternativ manövriert er sich selbst immer tiefer in unauflösbare Abhängigkeiten hinein, falls Sie diesen Aspekt beleuchten wollen).
4. Trotz alledem entdeckt er immer wieder, dass sich seine Begierde auf Frauen richtet – das führt stets zu neuen, sinnlich-schmerzlichen Erfahrungen.
5. Manchmal wird verlangt, dass der Mann sich sexuell „wie eine Frau nehmen lässt“, was in diesem Fall „anal mit Dildo“ bedeutet.
6. Die Autoren der viktorianischen Ära kokettierten mit Homosexualität. So musste der Held beispielsweise „Tischdame“ eines Gentleman sein.

Die heutige Sicht der Feminisierung

Der Nachfragedruck nach „Feminisierungen“ hat viele Erotik-Dienstleisterinnen dazu veranlasst, Feminisierungs-Zimmer einzurichten, in denen der Mann „ganz Frau“ sein darf. Aber nur ein kleiner Teil der Männer wagt diesen Schritt – der Rest lebt sein „Frau sein“ nur „im stillen Kämmerchen“ und in der Fantasie aus.

Vier Ideen, um Feminisierung literarisch aufzubereiten

Die Grundformen sind:

1. Möglichkeit eins - die Frau will dominieren und feminisieren. Dann ist ihre Heldin eine starke Frau, die so viel Einfluss auf einen schwachen Mann gewinnt, dass dieser alles tut, was sie ihm befiehlt – auch die Wandlung zu Frau, die „Feminisierung“. Das wäre ein Thema für einen eher nachdenklichen erotischen Roman.
2. Möglichkeit zwei – die Frau entdeckt zufällig ihre Lust an der erotischen Feminisierung von Männern und trifft dabei auf latente Neigungen, die sie ausnutzt. Auf diese Weise geschrieben, gewinnt das Thema an Aktualität und bekommt farbige Facetten.
3. Möglichkeit drei – die Frau stößt bei dem Mann auf Widerstand, den sie feminisieren will und „bricht“ ihn psychisch (möglicherweise mit der Nachhilfe von Körperstrafen). Das ist der Inhalt des erwähnten klassischen Romans, aber es könnte neue, zeitnahe Versionen davon geben. In manchen Kreisen wird dann von „Zwangsfeminisierung“ gesprochen.
4. Möglichkeit vier – der Mann bitte eine Frau mit seltsamen erotischen Verhaltensweisen um erotische Feminisierung, ahnt aber nicht, in welche Abhängigkeit er sich damit begibt.

Die meisten historischen (viktorianischen) und aktuellen Schilderungen werden in der Form von „erotischen Märchen“ vorgelegt, (wie auch das Original, 1) also mit viel überbordender, hinterlistiger erotischer Fantasie – aber mit wenig Realitätsbezug. Der Grund dafür liegt doppelt auf der Hand: Es gibt sehr wenige Frauen, die aus sich selbst heraus überzeugt sind, Männer „feminisieren“ zu müssen, noch gibt es sehr viele Männer, die sich Feminisierung als tatsächlichen Lebensstil wünschen. In der Fantasie aber bietet das Thema unendlich viele Varianten, die auch mit anderen Themenbereichen wie latenter Homosexualität oder erotischer Abhängigkeit kombiniert werden können.

Sollten Sie dennoch eine lebenahe Schilderung beabsichtigen, so kann ich Ihnen bei diesem Thema nur dazu raten, psychologisch halbwegs vertretbare Situationen zu schildern und keine Klischees zu verwenden. Denken Sie bitte daran, dass jeder Mann, der sich feminisieren lässt, mit Verachtung überschüttet wird, sobald er sich dazu bekennt. Überlegen Sie auch genau, welche Motive eine Frau veranlassen mögen, einen Mann zu dominieren und ihn mit psychischen oder körperlichen Drohungen zu feminisieren.


Interessierte Frauen: Spekulativ. Geschätzt zwischen 20 und 50 Prozent, je nachdem wie „hart“ das Thema geschildert wird. Diese Zahlen ergeben sich aus dem Interesse der Frauen an männlicher Homosexualität, dem Wunsch, Männer zu dominieren und der Fantasie, alles was sie wollen auch durch ihre sexuelle Macht erreichen zu können. (3)
Interessierte Männer: Offiziell sehr schwach, aber es gibt eine gewisse Dunkelziffer: Zwischen 20 und 60 Prozent der Männer dürften am Thema interessiert sein, je nachdem, wie sinnlich die Frau verführt oder wie heftig sie dominiert. (3)


(1) Lust und Freiheit: Die Geschichte der ersten sexuellen Revolution Von Faramerz Dabhoiwala.(aus dem Englischen, aktuell).
(2) Originaltitel des Buches: Gynecocracy. A narrative of The adventures and psychological experiments of Julian Robinson (afterwards Viscount Ladywood)under Pettycoat Rule, written by himself.
Deutsche und englische Versionen sind antiquarisch, gebunden oder als E-Books erhältlich.
(
(3) Nach Abwägungen von Fantasien und Ängsten durch den Autor, unter Verwendung von Forschungsergebnissen.