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Was will deine Figur eigentlich?

Und wie entscheidet sich deine Figur jetzt?
Immer, wenn ich diesen Satz hier erwähne, spüre ich schon die Prügel, die ich von Schreibschulen und schreibenden Bloggern bekomme. Danach zu fragen, was eine Figur will, ist ungefähr das Letzte, was euch jemand raten würde.

Und nun kommt Sehpferd und will euch erzählen, dass ihr eurer Figur die Fesseln entreißen sollt, die sie an euch bindet? Euer Verstand sagt euch: „Diese Figuren sind meine Geschöpfe, Marionetten in meinen Händen – und sie sollen so handeln, wie ich es will.“

Dreht euch mal um – ich bin zwar Sehpferd, aber ich bin nicht allein.

Denn „Finde heraus, was deine Figur will“ ist ein Kernsatz erotischer Literatur. Er beruht darauf, dass die sexuelle Begierde nicht voraussehbar ist, sondern während der Handlung eigene Wege sucht. Das kommt der Realität verdächtig nahe, nicht wahr?

Eine Kollegin schrieb (stark gekürzt) :

Das Schöne beim Schreiben ist, dass sich die Dinge verändern werden … folge dem Weg, den deine Figur einschlägt, und höre darauf, was sie dir sagen will.

Es mag ein bisschen verrückt klingen, aber es funktioniert wirklich. (Du magst etwas für diesen Abschnitt geplant haben), aber deine Figur verschränkt die Arme, schüttelt den Kopf und sagt: "Nein, das mache ich nicht. Ich möchte stattdessen etwas andere machen.“

Kämpfe nicht dagegen an – mach mit. Hör hin, was deine Figur will.


Die Psychologie dahinter - nicht vorausgehen, sondern folgen

Psychologisch ist dies durchaus logisch. Wenn du schreibst, möchtest du, dass deine Figur die Grenzen überschreitet, die du dir in deinem Leben setzt. Und doch soll die Handlung noch lebensnah und glaubwürdig sein. Also ist es nötig, deine Figuren von der Leine zu lassen. Und das heißt: gehe nicht voraus, sondern folge ihnen.